„Freiheit ob Recht
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JV£ 2 AS Wiesbaden Mittwoch, 3. Dezember 1S51.
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Die Klippe.
* Die jetzige Krisis tu Frankreich hat die Berliner „National-Zeitung" zu einem Artikel angeregt, der so wahr und so beherzigens« erth ist, daß wir denselben seinen Hauptstelle» nach unsern Lesern vorzulcgen nicht unterlassen können.
„In seinem Manifest an die Wähler vom November 1848 erklärte Louis Napoleon, er sei kein Ehrgeiziger; er werde, wenn er zum Präsidenten gewählt würde, sich ganz ohne Hintergedanken der Befestigung einer durch ihre Gesetze weisen, durch ihre Absichten ehrenwerthen, durch ihre Akte großen und starken Republik weihen; er werde seine Ehre darin setzen, nach Ablauf von vier Jahren seinem Nachfolger die Gewalt befestigt, die Freiheit unberührt, einen wirklichen Fortschritt vollbracht zu hinterlassen. Als Louis Napoleon gewählt war, vergaß er, umgeben von Ministern, Räthen und Schreibern, von Generalen und Adjutanten, Diplomaten, Sakristanen, Burggraven, bald über diesem kleinen Volk der Hofleute und Schmeichler, der Jntriguanteu und SteUenjäger das große Volk, von dem èr, wie ihm jetzt wieder eingefallen ist, sein Recht hat; das große Volk, das nur seine Arbeit und sein Recht will. Die Jsoliruug in einem abgeschlossenen Gesellschaftskreise ist es, waS die regierenden Staatsmänner verdirbt. In dieser abgeschlossenen Sphäre spricht man von dem übrigen Volk nicht; es eristirt nicht, eS kommt nicht mit in Rechnung. Wie sollte es auch? Es arbeitet, eö zahlt Steuern, es thut Kriegsdienste, es hilft bei Wassers- und FencrSgefahr, es hat hie und da eine Bitte, es hat allzuoft Beschwerden, es füllt ab und zu die Straßen, staunt, wundert sich, müßt, ruft Hurrah. Das ist alles gut. Aber das Volk nimmt nicht Theil an Konferenzen oder Gesellschaften, nicht an Intriguen und Kabalen; es hat we- der Verwandtschaften noch Protektionen. Zwar taucht hie und da einmal eine Erinnernng an „eine große Katastrophe" auf, wo daS Volk sich als eine Macht aezeigt, wo Bajonette, Säbel und Kanonen nichts ver- möcht gegen den Volkswillen. Aber das ist lange her; das wird nicht wieder kommen; man ist durch Erfahrung klug geworden; die Vertheivigungspläns sind geändert, schlimmstenfalls ist man für alle Fälle gerüstet. Die Polizei berichtet ab und zu von Verbindungen, auch von Verschwörungen; indeß die Erfahrung hat bewiesen, daß an alle dem nichts ist. Es ist bisweilen von der öffentlichen Meinung die Rede; allein das ist ein ungreifbares, körper- und gestaltloses Ding, ohne Bedeutung — bei Licht besehen, ein Nichts. Je län
ger Jemand regiert hat, je mehr überzeugt er sich, daß wirklich außer auf Hof, Kollegien, Diplomaten, Generale, Würdenträger, Bischöfe und was dem anhängt, auf gar Nichts Rücksicht zu nehmen ist, auch auf die sogenannten Kammern nicht: dazu wählen nur gewisse Klassen, die wenig zu bedeuten haben; die Gewählten sind fügsame, ruhige Leute, die Nichts hinter sich haben und sich nach einigen Redensarten, etwas Tribünenlärm in Alles finden. Es spricht wohl einmal Einer von Beschwerden, die geführt würden; von herrschender Unzufriedenheit, von Verfolgungen, von schlechter Stimmung— allein dies sind „entweder Grillen schwarzgal- liger Grübler, oder es rührt aus Zeitungen her; es sind also Deklamationen vereinzelter Schriftsteller." Auf einmal ist wieder eine „große Katastrophe" da; mit der Katastrophe auch der Volks Wille. Weil die Regierung ganz vergessen hat, daß das Volk eristirt, ist sie außer aller Beziehung, außer allem Verständniß zu ihm. So wie das Volk erscheint, ist die Steuerung am Ende: lauter unbekannte Personen, Ansichten, Ideen, Prinzipien, Vorschläge, Forderungen , Einrichtungen sogar, die ganz unbekannt sind, niemals Cours gehabt haben, eine ganz ungewohnte Sprache, ganz ungewohnte Geschäftsformen, eine Art von Beschleunigung, eine Art, die Sachen abzumachen, die unerhört ist. Da ist nichts mehr zu machen — die Regierung ist dann, wie die Geschichte aller Revolutionen zeigt, am Ende. Aber nicht die regierenden Staatsmänner allein kommen durch das wirkliche Erscheinen, durch das leibhafte Auftreten des Volks, aus dem Konzepte. Den Parteien und den Parteimännern pflegt es nicht besser zu gehen. Unter dem Ruhe- und Ordnungsregiment eristiten die Parteien, nicht die großen, welche wirkliche Prinzipien vertreten, sondern die kleinen und kleiulichen, und ihre Faiseurs, die Parteimanner, fe länger je mehr in einer ganz ähnlichen Abgeschlossenheit wie die regierenden Staatsmänner. Das Volk ist noch etwas anderes, als die „Gesammtheit aller Parteien." Wie für diese Hof, Kollegien, Bischöfe, Generale, Diplomaten, und was dem anhângt, die Welt bildet; so bileet allmälig für jene die Partei, der Kreis der Parteigenossen die Welt. Innerhalb dieses Kreises bilden sich besondere Ansichten, Prinzipien, Meinungen, Ausdrücke, Sym- pathieen, Antipathieen, Interessen, Begriffe, Gesinnungen, auch eine besondere Sprache. Die, welche sich in dem Kresse bewegen, sehen alles durch die Parteibritte; sie kennen nur die Parteiansicht, das Parteiinteresse; sie meinen, die ganze Welt sei mit nichts Anderem beschäftigt, denke an nichts Anderes. Wer einmal zur Partei gehört und sie verlassen hat, die Merkmale,
die Prinzipien, die Eigenthümlichkeiten, die Freundschaften und Feindschaften, die eine Partei von der andern unterscheiden, sind alles; wenn die sich , näher stehenden Parteien sich über etwas verständigen, so ist das ein Ereigniß; ein Zerwürfniß in der Partei desgleichen: Bekämpfung derjenigen, welche der Partei am nächsten stehn und vernünftigerweise kein anderes Interesse haben können, ganz mit ihr auf einem Boden stehn, dasselbe wollen und erstreben müssen, ist der Hauptzweck und das Hauptbestreben, tausendmal wichtiger, als alles Andere. Der Parteimikrokosmns gestaltet für sich, nach seinem Sinn und in seinem Sinn den Makrokosmus. Alle Parteien appelliren au daS Volk; alle warten auf den Moment, wo das Volk erscheint; dann, meinen sie, sei ihre Zeit gekommen, dann werden die Gestaltungen, die Projekte, die Prinzipien, die Zu- und Abneigungen, die Interessen des Mikrokosmus die des Makrokosmus. DaS Kleid für ihn ist längst fertig; er soll blos kommen und es sich aüziehn lassen. Der große Augenblick erscheint — und siehe da, in demselben Augenblick geht es der Partei und den Parteimännern, wie den regierenden Staatsmännern. Auch die Parteimänner haben lauter unbekannte Personen, Ansichten, Ideen, Vorschläge, Forderungen, Einrichtungen vor sich, die in der Partei kaum beachtet würben; die Parte isprache Hit keinen Cours; auch die Parteiunterscheitungen und Abgrenzungen haben keinen Sinn; Alles geht ganz anders, wie eS gehen sollte; das fertige Kleid paßt nicht; es ist ;ar nicht die Rede davon, Niemand fragt danach. Die Parteimänner sind ebenso fertig, wie die regierenden Staatsmänner, und aus demselben Grunde. Bei beiden dieselbe Erclusivität, derselbe PartiknlariSmns, die zunehmende Beschränkung des Gesichtskreises, daS Jg- nortren des Volks; der Gedanke, daß das Volk eine der Leitung der Leitenden unbedingt folgende Masse sei; das Vergessen, daß zum Volk so viele, daß Alle dazu gehören, daß alle Interessen, Ansichten, Forderungen haben; daß das Volk wirklich und wahrhaftig ein bewußtes, mächtiges, selbstständiges Wesen ist, das sich seine Gesetze selbst giebt und seine Wahlen trifft. Die Regierungen bemühen sich, Alles so einzurichten, daß sich damit regieren läßt; die Ordniingspartei weiß gar nicht, wie sie Alles niet- und nageltest genug machen soll, daß nur Alles bleibt, wie es ist.—Umgekehrt muß es gemacht werden! DaS Regieren muß so schwer wie möglich gemacht werden; es müssen überall Weckeruhren sein; eS muß Jagd gemacht werden auf Einrichtungen, welche das Einschlafen, das Vergessen hindern, welche die Bewegung im Fluß, die Bahn des Fortschritts ununterbrochen offen erhalten: Sprach-
H. AlteS und Neues zu beliebigem Vergleich.
Wie Kaiser Joseph II. über den Zwei- kampf urtheilte, erhellt aus folgendem Handschrei- ben desselben: „Herr General! Den Grafen von K. und den Hauptmann W. schicken Sie sogleich in Arrest. Der Graf ist aufbrausend, jung, von seiner Geburt und falschen Ehrbegriffen eingenommen. Hauptmann W. ist ein Kriegskuecht, der jede Sache mit dem Degen und Pistolen' berichtigen will, und die Herausforderung des jungen Grafen sogleich mit Leidenschaft behandelte. Ich will und leide keinen Zweikampf in meinem Heere, verachte die Grundsätze Derjenigen, die ibn vertheidigen, die ihn zu rechtfertigen suchen und sich mit kaltem Blute durchbohren. Wenn ich Olfizrere habe, die sich mutvoll jeder feindlichen Gefahr blosstellen, die bei jedem sich ereignenden Fall Tapferkeit und Entschlossenheit im Angriff und der Vertheidigung zeigen: so schätze ich sie hoch; die Gleichgültigkeit, die sie bei solcher Gelegenheit gegen den Tod kund thun, dient ihrem Vaterlande und ihrer Ehre zugleich. Wenn aber hierunter Männer sein sollten, die Alles der Rache und dem Hasse gegen ihre persönlichen Feinde aufzuopfern bereit sind: so verachte ich dieselben. Ich halte einen solchen Menschen für nichts Besseres, als einen romlschen Klopffechter. Veranstalten Sie ein Kriegsgericht über diese beiden Offiziere; untersuchen Sie mit derjenigen Unparteilichkeit, die ich von jedem Richter fordere, den Gegenstand ihres Streites, und wer hiervon am meisten schuldtragend ist, der werde ein Opfer seines Schicksals und der Gesetze. Eine solche barbarische Gewohnheit, die demiJahrhnudert der Tamerlaus und Bajezeths
angemessen ist, und die oft so traurige Folgen für einzelne Familien gehabt, will ich unterdrückt und bestraft wissen, und sollte es mir die Hälfte meiner Offiziere rauben! Noch gibt es Menschen, die mit dem Charakter von Hcldenmuth den eines guten Unterthanen vereinbaren ; und das kann nur der sein, welcher die Staatsgesetze verehrt. Im August 1771. Joseph."
Oberstlieutnant Montagnac war nach Allem, waS wir über ihn in den französischen Blättern gelesen haben, ein höchst energischer, ehrenwerther Charakter. Unter andern wird von ihm erzählt: „Montagnac stand im Jahre 1839, wo im Mai die Straßenauf- laufe zu Paris stattfauden, als Kapitain bei einem Regimente, welches in der Hauptstadt in Garnison lag. In Folge dieser Vorfälle wurde eine große Revue gehalten, bei welcher der König mehreren Offizieren und Unierofsizieren den Orden der Ehrenlegion ertheilte; der Capitän Montagnac wurde von dem Kriegsminister auch aufgerufen. Montagnac trat hervor; als ihm aber der König das Ehrenkreuz darreichte, antwortete Montagnac: er habe es nicht verdient. „Capitain", sagte Ludwig Philipp, „es ist Der König, der sie deko- riit!" — „Sire," erwiderte der Offizier, „Montagnac nimmt es vom Könige nicht an." — Diese Weigerung machte große Sensation. Der Capitän Montagnac wurde zum Kriegsminister beschieeen, um sich zu erklären. „Wenn ich", sagte derselbe, „das Kreuz für eine Waffenthat gegen den Feind verdient hätte, würde ich stolz und glücklich sein, es zu tragen; unter den gegenwärtigen Umständen habe ich meine Pfircht gethan, wie ich sie immer thun werde: ich habe dazu beigetra
gen, die Ordnung herzustellen. Aber ich glaube, daß das Ehrenkreuz nicht in einer Coll>sion gegen Bürger zu gewinnen ist."
Segen der Medizin.
Den Aerzten scheint es wie zur Römerzeit den Angurn zu gehen, von denen Cicero meint, es könnten sich keine zwei begegnen, ohne einander anözukachen. Die schriftstellernden Mediziner sind wenigstens oft sehr boshaft gegen ihre College», wenn sie uns Laien einmal die Wahrheit zu sagen scheinen. So hat der berühmte englische Doctor James Johnson geradezu erklärt: „ES ist meine gewissenhafte Ueberzeugung , ras Resultat vieljähriger Beobachtung und ernsten Nachdenkens, daß, wenn es auf der ganzen Erde weder Arzt noch Chirurgen, keinen Apotheker, keinen Accaucheur, keinen Cheuliker, keinen Droguistm und nicht ein einziges Arzneimittel gäbe, es weniger Krankheits- und weniger toterbefälle geben würde. Erwägt man, daß die Medizin eine muthm Pende Wissen chaft ist — daß die besten Aerzte sich irren — daß zahllose Quacksalber Arznei verordnen — daß Tausende von Menschen ohne alten ärztlichen Rath Arznei nehmen, und daß die Menschen unendlich mehr Acht aus sich haben würden, wenn sie nichts von Arzneimitteln wüßten : so [Ino Dice und eine Menge anderer Thatsachen, eben so viele Bew ne, daß der Satz, Den ich ausgestellt, mehr übeiraßht, als falsch ist. Wie es nun einmal gept, verschlucken alle Menschen Arznei, die Reichen wie die A men, »uv thun es in der Hoffnung, dadurch gesund zu werden und ihr Leben zu verlängern, nebenbei auch wohl in dem Vertrauen, auf Grund derselben ihren Lüsten und Begierden ungestört fröhiien zu können."