sind Abänderungen des gemeinschaftlichen Zolltarifs Korn und Gerste, der am wenigsten gerathenen Ge- veleinbart worden, welche hauptsächlich die Zollbefrei- treidearten, aus Oesterreich sehr bedeutend ermäßigt nng ausländischer Fabrikmaterialien und die Erleich- 1 worden, auch sei der Zoll auf Reis durch den neuen terung des Durchfuhrhandels zum Zweck haben. Zu ' Zolltarif auf die Hälfte herabgesetzt, eine gänzliche Aufgleicher Zeit ist mit den Regierungen von Baiern, Ba- Hebung der Eingangszölle auf alle Lebensmittel von den, Großherzogthum Hessen und Nassau eine Ueber- ! Baiern allein, würde kaum dem Zweck entsprechen ein hin ft wegen gegenseitiger Ermäßigung der Rhein- ! und bedeutenden finanziellen Nachtheil bringen, und zölle abgeschlossen. In der ficheren Erwartung Ihrer ; ~ ‘ ‘ " " - - - - ■ - —---
nachträglichen Zustimmung hat die Regierung Sr. ' Majestät beide Vereinbarungen zur Ausführung gebracht. 5 Wie diese Maßregel, so wird auch der Vertrag, welchen die Regierung Sr. Majestät mit dem Königreich Sardinien geschloffen hat, einen wohlthätigen Einfluß
üben, während der am 7. September d. I. mit dem Königreich Hannover abgeschlossene Vertrag der Ent- ; Wickelung des ganzen Zollvereins eine neue, für alle, Zweige der Produktion und des Handels hoffnungsreiche Zukunft eröffnet. Zur wahren Genugthuung gereicht es hierbei, daß die gewichtigsten Stimmen im Norden wie im Süden Deutschlands die Bedeutung eines Schritts, den Preußen im wohlverstandenen Interesse aller Betheiligten gethan, richtig erkannt haben, und es ist nicht zu bezweifeln, daß die nahe bevorstehenden Verhandlungen über die Neugestaltung des Zollvereins zu einem allseitig befriedigenden Ergebniß und somit dem Ziele, einer Zolleinigung aller deutschen . Staaten, näher führen werden. Ueber alle diese Angelegenheiten werden Ihnen zu Ihrer verfassungsmäßigen Beschlußnahme ungesäumt Vorlagen gemacht werden. Die Einberufung der früheren Provinzial- Landtage, als interimistische Provinzial -Vertretungen zur Wahl der durch das Gesetz über eine klassifizirte Einkommensteuer nothwendig gewordenen Bezirks-Kommissionen und zur Wahrnehmung ihrer kommunalständischen Verpflichtungen, hat der Regierung Sr. Majestät zugleich Gelegenheit geboten, über die gegen die Einführung der Gemeinde-Ordnung erhobenen gewichtigen Bedenken das Gutachten von Versammlungen einzuholen, die vorzugsweise befähigt sein mußten, über die hierbei in Betracht kommenden prak
tischen Verhältnisse zu urtheilen. Ein reiches Material ist, als das Ergebniß jener Berathun- gn, bei den Gesetzes-Vorlagen, die Ihnen über diesen Gegenstand zugehen werden, sorgfältig benutzt worden. In einigen Theilen der Monarchie ist leider ein ungünstiger Ausfall der Ernte zu beklagen gewesen und eine hierauf gegründete Besorgniß hat sich auch in verschiedenen Anträgen an die Regierung meiner Majestät ausgesprochen. Diese hat aber jeden Eingriff in den freien Verkehr und in die Rechte des Eigenthums als einen Weg vermeiden zu müssen geglaubt, der das Uebel verschlimmert, statt es zu mildern, und giebt sich auch jetzt noch der Hoffnung hin, daß die Freiheit des Verkehrs einerseits und die vernünftige Wirthschaftlich- keit eines intelligenten Volkes andererseits ihre Hülfe ganz entbehrlich machen werden. Ueber mehrere andere Vorlagen behält sich die Regierung Seiner Majestät vor, bei ihrer Einbringung nähere Mittheilnng zu machen. Meine Herren! Seine Majestät der König, unser Allergnädigster Herr, haben mir noch den besonderen Auftrag ertheilt, unter dem Ausdrucke Allerhöchst- ihres Bedauerns, Sie heute nicht persönlich begrüßen zu können, Ihnen die zuversichtliche Erwartung Seiner Majestät auszusprechen, daß Sie auch dieses Mal in Eintracht und Treue an dem Wohle des Landes bauen und zur Erfüllung derjenigen Bedingungen beitragen werden, unter denen allein eine gedeihliche, kräftige und selbstständige Entwickelung Preußens möglich ist. Und hiermit erkläre ich denn kraft des mir Allerhöchst ertheilten Auftrages die Sitzung der Kammern für eröffnet." Nach Verlesung dieser Rede brachten die Kammern Sr. Majestät ein dreimaligs Lebehoch und begaben sich nach ihren resp. Sitzungsgebäuden.
Nachdem die Kammern im weißen Saal eröffnet waren, begaben sich die Mitglieder einer jeden Kammer je in ihre Sitzungslocalc. Als Alterspräsident bezeichnet, bestieg der Abg. Fonk in der ersten Kammer den Stuhl, und veranlaßte sofort die Wahl eines de- finitiven Präsidenten auf vier Wochen, wie die Geschäftsordnung für diesmal es vorschreibt. Der Namensauftrag ergab, daß 114 Mitglieder anwesend waren Von diesen stimmten 107 für den früheren Präsidenten Grafen Rittberg, 6 für Camphausen, 1 für Graf Jtzeuplitz. In der Reiten Kammer wurde der Abgeordnete Steinbeck als Alterspräsident ermittelt. Die aus übermorgen, Sonnabend, anberaumte Plenarsitzung wird ausweisen, ob die Präsikentur der zweiten Kammer wieder in die Hände des Grafen Schwerin fällt, oder ob von den Herren Graf Arnim -Boytzen- burg, Geppert, Simson, einer zu dieser Würde gelangen wird, da, wie gewöhnlich, die Stimmen zwischen den vier Candidaten getheilt sind? Wahrscheinlich ist es indeß, daß Gras Schwerin die Majorität erhalten wird.
München, 26. November. (O.P.A.Z.) In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer beantwortete der Herr Ministerpräsident die Interpellation des Abgeordneten Kolb dahin, daß nach den stattgehabten Erhebungen keineswegs solche Nothstände und ^hene- rungsverhältnisse nothwendig seien, die eingreifende Maßregeln seitens der Regierung jetzt nothwendig machten; sollten Zustände eintreten, welche solche Maßregeln nöthig machten und rechtfertigten, so würde die Regierung nicht säumen, sie zu ergreifen; die Art derselben aber jetzt schon zn besprechen, möchte nicht zweckmäßig erscheinen. Bereits sei der EingangszoU auf
Hebung der EingMgszölle auf alle Lebensmittel von
von Seite des Zollvereins würde eine solche Maßregel erst zu erwarten sein, wenn wirklicher Mangel zu befürchten stänke. Was endlich die gewünschte Ermäßigung der Eisenbahntarife für den Transport von Le
bensmitteln betreffe, welche durch Wohlthätigkeitsanstal- tcn ?c. augekauft würden, so erscheine eine solche bei den ohnehin niedern Tarifen nicht nöthig und würden große Unterschleife zu befürchten stehen.
München, 26. November. (A. P. Z.) Das Schiff „Happet," Kapitän Stormbeck, welches bestimmt war, die Erzstatue Gustav Adolph von Hamburg nach Gothenburg überzuführen, ist an einem Felsenriff unfern Helgoland gescheitert, wobei das herrliche Kunstwerk in die Tiefe des Meeres versank.
Madrid, 20. Nov. (Köln. Ztg.) Laut so eben hier eingelaufener telegraphischer Depesche ist das Post- Dampfschiff „Fernando el Catolico" gestern Abends glücklich in Cakir Zugelaufen. Es hat 52 Tage zu der Fahrt von Havannah nach Cakir gebraucht, unterwegs Havarie gehabt und in den Hafen von Madeira Einlaufen müssen, um seine Maschine ausbessern zu lassen. Unserem Finanzminister ist durch die Ankunft dieses Schiffes ein schwerer Stein vom Herzen gefallen. Es überbringt ihm bekanntlich 30 Millionen Realen, womit Bravo Murillo den Cesautes das Gehalt pro Oktober auszahlen will. — Narvaez ist heute Nachts in aller Stille in Madrid kingetroffen. Er hat sich heute gegen 12 Uhr zu Ihrer Majestät der Königin begeben, um ihr zu ihrem Namensfeste seinen Glückwunsch darzubringen. Die Königin hat sich ungemein über die Ankunft des Generals gefreut, und ziehen dessen Freunde processionsweise nach seiner Wohnung, um ihn dort zu bewillkommen. Ob der General so bald ein Ministerium bilden wird, darüber verlautet jetzt nichts.
— Unsere Soldaten werden compagnieweise nach den Kirchen geführt, um das vom heiligen Vater ausgeschriebene Jubiläum abszuhalten.
London, 24. November. (Nat.-Ztg.) Der „Era- miner" schließt einen Abriß des Lebens des Königs von Hannover mit folgenden Betrachtungen, die bei i den guten Quellen des Blattes Aufmerksamkeit ver- : dienen: „Der neue König soll ganz unter österreichi- schen,Einflüssen und Joeeir stehen und bereit sein, Alles zu thun, was man in Wien wünscht. Die politische Entfremdung von Englang und von der liberalen Seite ist bereits endgültig erklärt. Der Fürst Schwarzenberg hat Napoleons Idee der Kontinentalsperre wieder aufgenommen und König Ernst handelte als das Werkzeug Oesterreichs gegen das Land, was [ ihm jährlich so viel Tausende bezahlte." Wohl zu be- ; merken, dies wurde geschrieben, bevor in England der Ministerwechsel in Hannover bekannt sein konnte.
Republik Frankreich.
Paris, 25. November. (Köln. Z.) Der Artikel des „Constitutionnel" gegen die Nationalversammlung ist nach einer in den Bureaux dieses Journals Statt ; gefundenen großen Berathung abgefaßt worden. Außer der ganzen Redaktion dieses Blattes wohnten auch noch mehrere dem Ely'ee angehörigen Personen dieser Be- > rathung bei. »II faut en finir! « — war der dort I gestellte Wahlspruch. »On verra ce que Fassemblée repondra!« Diese Herausforderung des „Constitution- nel" ist also nicht als eine gewöhnliche phantastische Laune zn betrachten, sondern ganz einfach als eine „ Provocation inspirée par FElysée. " Man muß jedoch nicht glauben, daß die von Grauier de Cassagnac gemachten Enthüllungen nur in der Phantasie der Herren eristiren, die ihn inspirirt haben. Die Führer der Majorität conspiriren, wie der „Constitutionnel" ganz richtig gesagt hat. Eine wichtige Versammlung dieser Art fand am Tage vor der Verwerfung des Requisitionsrechtes Statt. In dem Hause des Staatsmannes des „Place St. Georges" waren die Generale Cavaignac und Chaugarnier mit Thiers zusammen. Die beiden Generale hatten sich seit der letzten Revue, die Cavaignac als Chef der Erecutiv-Gewalt über die Truppen von Paris abhielt, nicht mehr die Hand gedrückt und begrüßten sich auf ziemlich steife Weise. Thiers hielt ; eine kleine Rede an die beiden Generale, in welcher er ihnen zu verstehen gab, daß persönliche Rücksichten bei der gefährlichen Lage der Dinge des Landes aufgegeben werden müßten. Jede Persönlichkeit müsse, bei den drohenden Gefahren verschwinden. Er halte die beiden Generale für zu große Geister, als daß sie ihre persönlichen Feindschaften nicht im allgemeinen Interesse zum Opfer bringen sollten. Nach diesen Worten näherte sich Changarnier dem General Cavaignac, indem er ihm ungefähr sagte: „Mein lieber General! Wir sind beinahe Freunde gewesen. Nicht von unserem Willen abhängige Dinge haben uns getrennt. Wir sind aber noch würdig, uns zu verstehen und zusammen zu handeln. Meine Freunde und die des Hrn. Thiers haben im Geheime» beschlossen, Schritte bei Ihnen für den Fall zu thun, daß L. Bonaparte alle Mäßigung bei Seite setzen würde. Diese Herren sind der Ansicht
— und ich theile dieselbe ganz —, daß Sie wegen Ihrer vergangenen Dienste wegen der Gewalt, die Sie mit so vielem Geschick geleitet, würdig sind, die Art Diktatur, die man konstitnireu will, zu übernehmen. Damit aber alle Meinungen in dem öffentlichen Wohl- fahrts-Ausschuffe repräsentirt sind, so glaubt man, daß Sie mir, als Ihrem Oberbefehlshaber, das ausschließliche Commando über alle Armeen Frankreichs nicht verweigern werden. Sie werden alle Ministerien und Verwaltungen unter sich haben, mit der Armee aber nur allein durch mich in Verbindung treten. Sie begreifen, warum wir genöthigt sind, unsere Zuflucht zu diesen Maßregeln zu nehmen." Nach diesen Worten bat Changarnier den General Cavaignac nm eine Antwort. Der General Cavaignac war ziemlich trocken in seiner Antwort. Das»mon eher général!" ersetzte er durch ein einfaches: „General!" „General", sagte er, „Sie wollen morgen für die Quästoren-Propositiött stimmen, und auf der anderen Seite können Sie keinen Verdacht gegen mich hegen. Ich kann daher Ihren Antrag nicht annehmen, in welchen Sie mich, wenn ich plötzlich die Exekutiv- Gewalt übernehmen soll, einschließen wollen. Ich werde glücklich sein, mich mit Ihnen zu verbinden, mit Ihnen das Commando zu theilen. Ich kann jedoch unter keinen Umständen eine Macht über die Armee einräumen , ohne selbst daö Recht zu haben, mit ihr zu verkehren und ihr Befehle zu ertheilen. Unter diesen Bedingungen stelle ich mich zur Verfügung der National-Versammlung." Nach kiesen Worten gab Cavaignac dec Unterredung eine andere Wendung, und am nächsten Tage stimmten beide Generale für das Requisitations- recht. Die in dieser Conferen; herrschende Stimmung war sehr feindlicher Natur. Bei den Verhandlungen setzte sich keine einzige dieser drei Personen. Wie man hieraus ersehen kann, geht man ganz ernstlich mit dem Gedanken um, sich der Person L. Bonaparte's zu bemächtigen. Im Elysee ist man auf seiner Hut, und der gestrige Artikel Grauier ke Cassagnac's, so wie auch die heutige Rede des Präsidenten der Republik bei der Vertheilung der Medaillen beweis't deutlich, daß man sich nicht einschüchtern lassen wird.
Paris, 27. Nov., Abends. (Tel. Dep.) Die National-Versammlung beschäftigte sich in der heutigen Sitzung mit dem Vorschläge in Betreff der Lyon- Avignoner Eisenbahn. — Börse: 5pCt. 91,40 (Baisse 20 C.); 3pCt. 56,40 (Baisse 10 C.)
Amerika.
New-Zjork, 11. Nov. (Köln. Ztg.) Gestern gegen Mittag lief der Dampfer „Mississippi" hier ein mit 51 ungarischen Flüchtlingen. Es stellt sich jetzt auch heraus, daß es^eine bloße Erfindung ist, als seien zwischen Kossuth und dem Commodore des „Mississippi" Mißhelligkeiten entstanden; es hat im Gegentheil zwischen dem ungarischen Flüchtlinge und allen amerikanischen Offizieren das beste Cinverstandniß geherrscht. Als er in Gibraltar an Bord des englischen Packet- Dampfers „Madrid" ging, wurde ihm von den amerikanischen Matrosen das übliche Hoch gebracht; tief gerührt schieden alle Offiziere von ihm. Die Ankömmlinge sehen alle wohl und frisch aus, die ungarischen Krieger überraschen durch ihre militärische Haltung, sowie durch ihre Costume, da viele, wie auch die Frauen, türkisch gekleidet find. Capitän Long, der eigentlich nur beauftragt war, Kossuth und sein Gefolge aufzunehmen, hat allen Ungarn, die sich zur Ueberfahrt meldeten, auf seinem Schiffe ein Asyl gegeben. Nur we» nige der Flüchtlinge besitzen einige Geldmittel. Die türkische Regierung gab ihnen 20,000 Piaster bei der Abreise. Die Offiziere des „Misfigsippi" zeichneten beträchtliche Summen zu ihrer augenblicklichen Unterstützung; es find auch hier schon Subscriptionen eröffnet.
Vermischte s.
Köln, 27. Nov. Durch Gemeinderaths - Beschluß wird der seitherige Concertmeister in Leipzig, He. Ferdinand David, zu der durch Ferd. Hiller's Abgang ! erledigten Stelle eines städtischen Capellmeisters berufen ’ werden.
Nach Korrespondenzen englischer Blätter soll im । Kirchenstaat seit einiger Best eine magnetische Hellseherin । großes Aufsehen erregen, deren Orakel prüche selbst die höchsten Behörden in ihrer Angst um die bevorstehenden Ereignisse deS gefürchteten Jahres 1852 einzuholen nicht verschmähen. Es ist dies ein Bauernmädchen aus der Provinz Marittima e Campagna, die dort unter der Benennung der „Santa Catharina" bekannt ist. Als dieselbe durch verschiedene im magnetischen Schlaf verrichtete Wunder und Enthüllungen einen ungeheuren Volkszulauf an sich gezogen, schritten die kirchlichen Behörden ein, brachten sie in ein Kloster und setzten fest, daß Niemand ohne ausdrückliche Erlaubniß des Bischoss sie ferner befragen dürfe. Die bedeutendsten Persönlichkeiten setzten sich nun mit chr in Verbindung um durch sie einen Blick in die Zukunft zu erlangen und sich bet Zeiten für die kommenden Dinge vorzube- reiten. Auch Pius IX. selbst ließ sie vor einigen Ta- §en aus ihrem Kloster an der neapolitanischen Grenze zu ähnlichem Zweck nach Rom kommen. Der Inhalt ihrer Enthüllungen ist zwar, wie denkbar, nicht bekannt geworden, doch will man aus der besorgten Haltung der Priesterpartei schließen, daß jene Prophezeiungen für das gegenwärtige Regiment der römischen Staaten nicht sehr erfreulicher Art waren.