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Wiesbaden. Areitag, 28. November

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Die beiden Diktaturen.

* Das Elysee hat auf die Ernennungen zur Kom­mission über das Verantwortlichkeitsgesetz mit einem Artikel desConstitutionnel" geantwortet, der ungeheure Sensation erregt. Granier de Caffagnac hat diese Bombe in die Nationalversammlung geschleudert, und wie allgemein angenommen wird, im besonderen Auf­trage des Präsidenten.Die beiden Diktaturen" ist der Titel dieses Angriffes, der an Heftigkeit Alles überbietet, was bisher von dem seiner Plump­heit wegen berühmten Journalisten geleistet wurde. Frankreich," ruft Pas Elysee den Royalisten zu, Frankreich kann morgen, übermorgen, alle Tage bei dem furchtbaren Krachen eines allgemeinen Umsturzes aufwachen; wenn es unter Trümmern untergeht, so soll es wenigstens wissen, wer daran gearbeitet und wer daran Schuld ist. Vorigen Montag (d. h. am 17.)/' fährt der Verfasser dann fort,war man nur ein Haar breit von Flintenschüssen und Bürgerkrieg entfernt. Die Parteien, die sich um die Gewalt strei­ten, hatten in die Versammlung einen Antrag geschleu­dert, der zum Zwecke hatte, weniger der gesetzgebenden Gewalt eine Armee zu geben, als Unschlüssigkeit und Unordnung unter die Truppen zu bringen und einem waghalsigen General Gelegenheit und Mittel zu lie­fern , irgend ein Regiment fortzureißen. Wenn die Versammlung die Schwäche gehabt hätte, den Antrag nur in Betracht zu nehmen, so hätte man ihr plötzlich einen Anklageakt abgenöthigt. Die Verschwörer hatten ihren Handstreich ausgearbeitet; mit einem mehr oder minder bedeutungsvollen, mehr oder minder klaren Votum ausgerüstet, hätten sie die Minister in offener Sitzung verhaftet und, wenn dies gelungen wäre, auf der Stelle versucht, sich des Präsidenten zu bemächti­gen. Wie man aber annehmen darf, sind der Präsi­dent der Republik und seine Freunde nicht sonderlich geneigt, sich übertölpeln zu .lassen; die Angreifenden wären also mit Flintenschüssen oder besser noch empfan­gen worden und die Schlacht hätte ohne Weiteres in den Straßen ihren Anfang genommen. Dieses Resul­tat war bis 7*/2 Uhr Abends möglich: das Votum in der Versammlung hintertrieb es." Granier de Cassag- nac beschuldigt hierauf die legitimistischen nnd orleanisti- fdjeii Parteiführer ganz offen einer seit andert­halb Jahren organisirten Verschwörung ge­gen den Präsidenten der Republik, die in den Salons Changarnier's, als er die Tüllerieen bewohnte, ihren Anfang genommen habe und wobei darüber be- Iiberirt worden sei, ob man L. N. Bonaparte verhaf­ten und nach Vincennes stecken solle?Es kann hier­über gar kein Zweifel Statt finden", sagt Granier de Caffagnac:ein ehemaliger Premierminister Louis Philippe's, der den Versammlungen beiwohnte, be« nachrichtete den Präsidenten der Republik von den gegen ihn geschmiedeten Plänen." Nach den Wallfahr-

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H. Altes und Neues zu beliebigem Vergleich.

Umgekehrte Wirkung.

In derBreslauer Ztg." brachte Jemand zum KapitelAusfuhrverbote" vor einigen Jahren folgen- genden Beitrag:Wem ist im Jahre 1805 die große Theuerung, ja beinahe HungerSnoth, in Schlesien nicht noch erinnerlich? Damals erlebte ich, der kaum ein Paar Tage gedachten Jahres in das Geschäfsleben ein­getreten war, Folgendes: Eines TageS kommt der âmmerkalkulawr, nachheriger Geh.-Rath Zimmermann, von dem Vorträge vom Minister Hoym mit zerstörtem Gesicht und bedeutend verlängerter Unterlippe; er schlägt im Eintreten in sein Arbeitszimmer die Hände über dem Kopf zusammen, indem er zu seinen College,, in höch­sten Aufregung ausruft:Nun wird es erst theuer werden, der Herr Minister hat die Ausfuhr verboten!" Diese Worte vernahm ich allein, weil dann das Ge­spräch im Geheimen fortgesetzt wurde; ich konnte mich von meinem Erstaunen lange nicht erholen, am Wenig­sten aber begreifen, daß, wenn man die Ausfuhr ver­biete, die Kanäle verstopfe, deshalb Theuerung entstehen könne. lind dennoch hatte der alte Mann, welcher schon während des siebenjährigen Krieges in einem Steueramte beschäftigt war und große Weltbegebenheitcn

ten von Wiesbaden und Claremont aufgegeben, sei die lrgitinüstpch-orleanistnche Verschwörung neuerdings wie­der ausgenommen und durch das Opfer der Creton'- schen Proposition und der Candidatur Joinville's besie­gelt worden: die gegenwärtige National-Versammlung sollte sich auf unbestimmte Zeit hinaus verlängern, zum Konvent erklären und den General Changarnier als Diktator an die Spitze stellen. Der Plan scheiterte durch das Votum vom 17. d. M., meint derCon­stitutionnel", weil die Montagnarbs, die Gefahr eines weißen Convents ahnend, in Masse gegen den Ouästo« renantrag stimmten, in demselben Augenblicke, wo Hr. Baze einen Ankldgeakt gegen den General St. Arnaud deponiren wollte und einige ungestüme Verschwörer hinter der Ministerbank schon ausriefen :Alle, alle! Man muß sie alle arretiren, während sie noch hier sind!" Dieselben Staatsmänner, die zuerst eine weiße Diktatur wollten, seien jetzt nach kurzen Debatten über­eingekommen, es nächste Woche mit einer rothen Dik­tatur, d. h. mit der Cavaignac's zu versuchen, um sich die Mitwirkung der Montagnards zu sichern, wie die Ernennung des Ausschusses über das Verantwortlich- ke,ts- Gesetz schon zeige.Das ist zwar verrückt", habe einer der bedeutendsten Verschwörer geäußert, aber was sollen wir machen? Es muß doch einmal ein Ende haben!" Der Verfasser des Artikels nimmt von diesem Worte Gelegenheit, den unruhestiftenden Minoritäten und selbst dem parlamentarischen Regie­rungs-System überhaupt im Interesse des Landes ein nahes Ende anzudrohen, und stellt sich dann die Frage: ob es wirklich mit einer weißen oder rothen Diktatur einige Gefahr für die öffentliche Ordnung und für den Präsidenten der Republik habe? die er unbedenklich mit Nein beantwortet. Wir titireit wörtlich:Selbst in dem Falle, daß die Nationalversammlung bei dem Verantwortlichkeits-Gesetz den Quästorenantrag v öftren füllte, laufen die Ordnung und der Präsident keine Gefahr'; wer würde zu verbürgen wagen, daß die Versammlung Gehorsam finden wird? Der Regel nach muß allerdings dem Gesetze immer gehorcht werden; aber die Geschichte lehrt uns, daß selbst die legitimistischen Gewalten, wenn sie von ihren äußersten Rechten einen äußersten Gebrauch machen, unfehlbar Widerstandskollision, Katastrophen herbeiführen. Heut zu Tage kann die Nationalversammlung, die keine konstituirende Gewalt über sich hat, alles, was sie will, in der Regel votiren, wie das Verantwortlichkeits­Gesetz, den Quästorenantrag und hundert ähnliche Dinge, aber, da diese Maßregeln ein offenbarer An- griss gegen den Präsidenten wären und zum Werk­zeuge für die Leidenschaften und anderen Interessen der alten Parteien werden würden, so würde auch Vie öffentliche Moral darin verletzt werden; die gesunde Einsicht und Billigkeit der Bevölkerungen würden für den Unterdrückten gegen die Unterdrücker Partei neh­men, und die National-Versammlung würde es trotz ihres Rechtes, trotz ihrer Prärogativen nur bis zu einer

durchlebt hatte, ja, während die Franzosen Breslau be­lagerten, den Repartitionsfußwagen der aufzubringen­den Krikgscoytribution entwerfen ließ, recht! Es wurde von Stunde an theurer, die Preise stiegen von Tag zu Tage, denn die Spekulanten hielten die Vor- räthe zurück, und die Behörden waren genöthigt, mit großen Opfern Vorräthe in die Provinz zu ziehen. So hatte die Sperrung des freien Verkehrs Atles er­schüttert, und das Verbot veranlaßte gerade das Ge­gentheil der beabsichtigten Wirkung!"

Vor hundert Jahren.

Im Jahre 1749 erschien in dritter Auflage folgen­des literar-historischeS Curiosum:Georg Christian Ge­bauers, [). königl. groDntann. und kurfürstl. braunschw.- lüneburg. Geheimen Jnstizraths und ersten Lehrers der Rechte auf der Georg-Augustus-Universität, Grundriß zu einer umständlichen Historie der vornehmsten ruro- päischen Reiche und Staaten." Das fleißige und für - jene Zeit geschickt angelegte Buch behandelt in zwölf Kapiteln die verschiedenen europäischen Staaten: Por­tugal und MoSkowien fehlen eben so wenig als Polen und die Schweiz, auch Dänemark erhält sein besonderes Ka­pitel; nur einen Staat hat der Professor auf der deut­schen Universität nicht zu denvornehmsten europäischen Reichen und Staaten'' gerechnet, das ist Deuts ch land oder nach dem damaligen Sprachgebrauch? von 1749,

Schlacht bringen. Die Schlachten haben aber ihre Zufälle, und nähme sie selbst den Degen des Generals, der, wie er versichert, an den Sieg gewöhnt ist, so würden doch vielleicht wenig Leute in ihren Bataillonen figuiren wollen. Die Verschwörer sind also in keinem Falle gefährlich."Uebrigens", heißt es dann zum Schlüsse,hat die Regierung, die für die Ordnung verantwortlich ist, von ihren Plänen und Umtrieben Kunde, und die feste und entschlossene Hand der Justiz ist, obschon sie sie nicht fühlen, immer einen Zoll breit hinter ihrem Kragen! Daß sic nicht zu fürchten sind, beweis't der Umstand, daß sie noch nicht aufs Schiff gepackt sind! Niemand fürch­tet eure Pläne: wenn ihr für Frankreich ohne Mitleid seid, wenn ihr trotz seiner Bitten euch weigert, ihm eine neue Revolution zu ersparen, so ist doch eure Mühe und eure Schmach umsonst. Durch eure Leiden­schaften , wie der Stier durchs rothe Tuch, geblendet, werdet ihr euch blindlings auf das gezückte und unbe­wegliche Schwert, das euch erwartet, aufrennen!" Der vomConstitutionnel" gemeinte ehemalige Premiermi­nister Louis Philippes, welcher dem Präsidenten angeb­lich die Changarniersche Verschwörung angezeigt hat, soll Mole sein.

Der Artikel desConstitutione!" hat alle Parteien der Koalition in Harnisch gebracht; doch wurde in einer Parteiversammlung der bedeutendsten Führer in einem der Kammerbureaur beschlossen, von Interpella­tionen und Anträgen, den Verfasser des Artikels vor die Schranken des Hauses zu laden, abzustehen. La- moriciere und Berryer nämlich gaben zu bedenken: Iber Kampf der National - Versammlung bestehe nicht mit einigen Journalisten, sondern mit der vollziehenden Gewalt; man dürfe daher diesen Kampf, der zur Ent­scheidung kommen müsse, nicht in ein kleinliches Duell zwi­schen der gesetzgebende» Gewalt und einigen Indivi­duen ausarten lassen; was den großen Kampf zwi­schen den beiden Gewalten betreffe, dessen Entscheidung nicht länger verschoben werden dürfe, so handle es sich darum, jeder derselben den ihr von der Konstitution angewiesenen Raum zu wahren und nöth'genfatls ihn zurückzuerobern"; man müsse daher auf b: Prüfungs-Kommission des Verantwortlichkeits-Gesetzes wirken, daß sie ihre Arbeiten nach Kräften beschleu­nigen, dann Bericht darüber erstatten, die Amendements des Hrn. Pravie von dem übrigen Gesetze trennen und diese Frage über das Recht der Kammer, zu ihrem Schutze von den militärischen Behörden unmittelbar die nöthigen Truppen anfzubieten, zur ungesäumtende­finitiven Entscheidung" bringen, damit über den Sinn deSzweideutigen" Votums vom 17. für Niemanden ein Zweifel mehr übrig bleibe.

Die Häupter der Koalition find nach diesen Vor­gängen überzeugt, daß Louis Bonaparte entschlossen lei, nach Annahme des Verantwortlichk itsgesetzes einen IS. Brumaire zu wagen, so daß also der Bürgerkrieg dem man am 17. durch die Haltung der L uken entging,

dasheilige römisch-deutsche Reich". In einer gedi uck- tc» Gkschichte wäre so etwas wohl heutzutage nicht ! mehr möglich; aber in der lebendigen, gestehenden Ge schichte ... .? Werden die neuesten ©rperimente in i Deutschland dasselbe vom papiernen Vorhandensein zur reellen Geltung bringen?

Große Leute fehlen auch, und manche darunter so oft, daß man fast in Versnchnng geräth, sie für kleine zu halten!" sagt der alte Lichtenberg.

(Ein augenblicklich er Ei n fa l l.) Ein Theater­direktor muß ein Diplomit sein, ein Diplomat für die Mitglieder und für's Publikum, ein Diplomat beson­ders auch für die Gaste, nur kein Diplomat für die Kunst. Berühmte Gäste sind schwer zu lenken; indeß wer das Zauberwort zur. rechten Zeit findet, dem stehen alle Geister zu Gebote. Ein solcher Diplomat ist der ! Direktor Lumley in London. Ein diplomatisches Meister­stück von ihm war, daß er es fertig brachte, ta^ Die vier berühmten Tänzerinnen, damals alle dort, Tag­lioni, Cerito, Garlotta Grisi, Lucilie Grahn zummmen an einem Abend tanzten. Gewiß ein Meisterstück deS Direktors; es brachte ihm aber auch 40,000 Frcs. ein. Ein schönes Taschengeld!