Einzelbild herunterladen
 

âeihect unb lUc§t!

WHWHBWaaasmuKgJBBBWMWMBmiBeBsegtaigff^ ^.j^WM^wwiwtutfi^^w^^rR^wwwiayfnH^ffliow^^ .Kf uw iw» .I L iföMB>w<R^w»i^wwff^!|g!gHBM^w»

JYi. 2^E) Wiesbaden. MirtwoeK, 26. Wovember 1KAA.

Die »Freit Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, täglich in einem Zogen. Der AbonnemelnopreiS beträgt oierteijährilch hier in Wiesbaden l g. 45 fr., auswar S durch bir Post bezogen mit ver-ältnißmahigem Aufschläge. Inserate werden dereit»v>llig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung brrFreien Zeitung" stets von wirksamem ®t. folge. Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzelle 3 fr.

Der deutsche Buchhandel.

H. Der deutsche Buchhandel, wenn auch nicht mehr in seiner strengen Organisation und Solidität wie vor 30 bis 40 Jahren, ist immer noch ein Institut, das nicht allein .alle Achtung und Berücksichtigung, sondern auch alle nur mögliche NuterstüMng Von den Regierungen aus verdient. Denn er ist eine moralische Kraft, weil er zusammenwirkend ist, er ist eine geistig- belebende und nährende Kraft, weil er den Lichtstrah­len des Morgens Bahn in die Dämmerung bricht, eine intelligente Kraft, weil er Kunst, Wissenschaft, Gewerbe nicht allein vielfach hervorgerufen und 'unterstützt hat, sondern auch zu ihrer Vervollkommnung fortwährend anregt, anspornt; ja er ist durch sicheres Jneinander- greifen eine Macht geworden, deren Einfluß eben so für jede Art von Despotie ein Schreckbild ist, als er weise Negierungen auffordert, für dessen freies Ent­falten Sorge zu tragen.

Dies erkannte im Anfänge dieses Jahrhunderts ein kleiner, aber für seines Ländchens Wohl besorgter Fürst: Carl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig. Die Con­zessionen, welche er dem deutschen Buchhandel machte, wenn er seinen Stapelplatz von Leipzig nach Braun­schweig verlegen würde, stehen im grellen Kontraste mit den Bedrückungen und Verfolgungen, denen ein Institut seit Jahrzehnten unterliegt, bas eine Ehre und vielumfassende Nahrungsquclle ist. Carl Wilhelm Fer­dinand war abgesehen von den menschlichen und fürstlichen Schwächen, an denen die Fürsten in jener Zeit fast sämmtlich krankten nicht ein sogenann­ter Vater, sondern ein wirklicher Vater seines Volks! Er begriff, daß mit dem Uebersiedeln des deutschen Buchhandels nach Braunschweig nicht allein die Haupt­stadt, sondern sein ganzes Land sich zu schöner, reicher Blüthe entfalten würde; er begriff, daß der Buchhäud- lermesse nach und nach der Weltmarkt nach Braun­schweig folgen werde. Schon blühte sein Ländchen: der Ackerbau florirte, die Handelsstraße durchschnitt seine Hauptstadt, viele der besten Geister Deutschlands hatte er dort versammelt, einer Buchhandlung zum Be­ginnen und Wirken den freiesten Naum und Unterstü- tzung gegeben; und sie hat sich dort zu einer der be­deutendsten Größen entwickelt, einer Musterbuchhandlung: Vieweg und Sohn! Er wollte seinem Staate das Siegel des belebenden, fortbildenden und also auch be­glückenden Fortschrittes aufdrücken, da kam dieJenaer- Schlacht! Mag ihn hier die Geschichte st, eng beur­theilen, seinem Lande war er ein sorgender Vater, und wohl dem deutschen Buchhandel, lebte ihm sitzt ein solcher deutscher Fürst, der ihm einen freien Markt gäbe und ihn so von nutzlosen Plackereien und Verfolgungen befreite. Wie jener Fürst den NeirgionSversolgten Grund und Boden gab, daß sie dort Wurzeln schlugen und gediehen, wie im heimatlichen Boten, so würde auch dort der Buchhandel Wurzel schlagen, und wenn ihm

auch dort und hier Blüthe, Frucht, ja selbst Zweige geraubt worden, er würde neue, schöne und reichere tieiben.

Leipzig ist größtentheils durch den Buchhandel zu seiner Blüthe gelangt; Leipzig ist die eigentliche Haupt­stadt Sachsens, denn durch ihn wurde es die Quelle des Wohlstandes des intelligenten Theiles des Landes; und man dämmt und dämm- die Quelle, bis sie, verstopft, sich eine andere Bahn brechen muß. Doch das sind Räthsel, die uns viele Regierungen nach 1848 aufgeben: über­lassen wir die Auflösung einer spätern Zeit, und gehe Jeder vorläufig einer direkt an ihn gestellten Erörterung wenn es die Ehre nicht fordert aus dein Wege. Genug, die sächsische Regierung zwingt den deutschen Buchhandel, aus Leipzig, also aus Sachsen, auszuwandern, und er sieht jetzt unentschlossen nach zweien Orten: Braunschweig oder Berlin. Ich, ein alter Buch­händler, rathe durchaus von Berlin ab! Ich will aiinehmen, daß Körper, Geist und Gemüth d«V deutschen Buchhandels so kernhaft gesund sind, daß bfi Berliner Luft keinen Einfluß auf ihn ausübt doch seine merkantilische und mit dieser seine moralische Be­deutung für ganzDeutschland wird er dort verlieren; denn aus dem deutschen Buchhandel wird in Kurzem dort ein preußischer Buchhandel werden. Dies wird für keinen Literaten, gebildeten Kaufmann und Buchhändler ein Räthsel sein, drum kann ich mir die Auflösung erspa­ren. Also, muß es ausgewandert sein, frisch nach Braunschweig, denn hier ist noch viel unverdorbener Grund und Boden.

Schon vor der Erbauung der neuen Börse, aber ernstlicher im Jahre 1845, war eine gleiche Auswan­derung im Plane, und möge daher-«, die damals er­schienene Denkschrift der Buchhändler im Auszuge ihrer Schlagstellen hier eine Veröffentlichung finden; fie ist in der That geeignet, Aufmerksamkeit und Nachdenken der deutschen Nation im hohen Grade zu fesseln und sie zudem Ausruf zu zwingen: Schon damals, wie jetzt! und weil es damals isolirter, war es hervorstechender, als die jetzige krasse Uebertreibung!

Schon bei mehreren Gelegenheiten, zuletzt in Folge der zahlreichen Schriftsteller-Ausweisungen auS Leipzig, wurde die Besorgniß laut, daß dieser Hauptmittelpunkt des deutschen Buchhandels sich nicht mehr lange als solcher behaupten möchte. Die Buchhändler fanden sich endlich zu einer ernstlichen Erwägung der Sach­lage veranlaßt, als ihnen in der Jubilatmesse 1845 eine durch Reklamationen anderer Bundes-Staaten hcrbeigcführte Verwarnung des sächsischen Ministeriums des Innern bekannt wurde, welche den leipziger Buch­händlern in Beziehung auf Kommissions- und Spedi­tionsgeschäfte eine censurartige Thätigkeit anmuthet, und andernfalls Maßregeln in Aussicht stellt , welche demgejammten Commissions- und Spekitionsbuch- Haudel' in Leipzig nachtheilig werden könnten." Die­sen drohenden Aussichten gegenüber beschloß der Verein der deutschen Buchhändler einstimmig, die Angelegen­

heit durch einen Ausschuß erörtern zu lassen. Der letztere löste damals seine Aufgabe in Nürnberg durch die genannte Denkschrift. In derselben wird zunächst die Organisation des deutschen Buchhandels, vermöge, welcher er seiner Bestimmung: Befriedigung aller lite­rarischen Bedürfnisse der Nation! genügt, geschil dert und gezeigt, wie wohlthätig die Einheit und gleich­mäßige Verbreitung des deutschen Buchhandels wirkt, im Vergleich mit dem Auslande.Um aber den groß­artigen Geschäftsverkehr zwischen den fast 1000 Buch­handlungen Deutschlands zu vermitteln, ist das seit langer ^eit ausgebildete Kommissionswesen nothwen­dige Bedingung. Die Denkschrift giebt eine Dar­stellung von |bem Kommissionsgeschäfte, wie es in den kleineren Kommissionsplätzen Frankfurt, Nürnberg, Augsburg, Stuttgart, Wien, Berlin , Köln und vor Allem in dem Hauptkommissionsplatze Leipzig betrieben wird, hauptsächlich als Spedition. Außerdem ist Leip­zig der Stapelplatz des deutsche» Buchhandels, da die meisten nicht-lkipziger Merleger kort Lager ihrer Arti­kel halten, deren Auslieferung gleichfalls von den Kom­missionären -besorgt wird. Endlich findet in Leipzig auch die Abrechnung und Zahlung jährlich in der Osteru»effe statt; es werden daselbst etwa drei Vier­theile aller buchhändlerischen Zahlungen geleistet. Um einen ungefähren Begriff von der Lebhaftigkeit des Verkehrs zu geben, der über Leipzig stattfindet, genüge es, zu sagen, daß die Zahl der jährlich von Leipzig aus versandten Buchhändler-Packete wemrstens 5 Mil­lionen beträgt, was auf die Woche eine Dnrchschmn zahl von beinahe 100,000 ausmacht. Nicht geringer, sondern wohl bedeutend Höher ist die Zahl der Leipzig passirenden Verlangzettel, Rechnungsabschlüsse und an­derer Buchhändler-Korrespondenzen. Die ganze Arbeit der Vertheilung dieser Packete, Briefe und Zettel wird von etwa 50 bis 60 leipziger Kommissionärs besorgt, deren einzelne über neunzig Committentrn haben. Alles zummmen gerechnet beträgt die ganze Summe der im Durchschnitt wöchentlich durch die Hände eines großen CommiisionärS gehende Packete etwa 10,000. Dazu kommen noch mehr als 10,000 Zettel, Prospec- tns u. bßL; ferner das Leisten und Empfangen von Zahlungen und andere Geschäfte für die Commcktentcm Die Denkschrift zieht den Schluß, daß die ganze Or­ganisation des bentschen Buchhandels darauf beruht, daß derselbe ein Ganzes von vielen Gliedern bildet, die miteinander durch die Co inmistrnisplätze in Ver­bindung stehen, und daß von der O dnung, Sicherheit und Raichheit des Umlaufs der Packete und Zettel an diesen Centralpunkten, und durch diese Centralpunkte (vornehmlich Leipzig) das Wohl und Wehe des ganzen deutschen Buchh »dels abhängt, der nur dadurch ein entschiedenes Ucbergewicht über den Buchhandel aller- anderen europäischen Länder gewonnen hat. Wie sollte nun die von der sächsischen Regierung geforderte Con- trole über die ein- und ausgehenden Packete möglich sein, ohne das Commissionswesen, also auch den Buch-

Der Gtaspa è ast.

* Ueber das künftige Schicksal des Industrie-Ge­bäudes im Hydepark, schreiben dieTimes":Am 1. Dezcmben kehrt der Glaspalast in die Hände der Akkordanten zurück, welche, bis das Parlament ins Mittel tritt, die Eigenthümer und Herren des Baues sein werden. Diese werden natürlich keine Eile haben, ihn abzutragkil. Im Gegentheil, sobald die saumseli­gen fremden Aussteller den Flur vollends geräumt ha­ben, wird der Maspalnst in anständige Ordnung ge­bracht und dann dem Publikum wieder geöffnet werden. Man hat ihn noch nicht in Mil Zustand gesehen, der ferne Größe und Schönheit am besten zeigt d. h. in vollendeten aber leeren Zustand. Vor dem 1. Mai versperrten Gestelle, Leitern und Krahnen überall die Aussicht; Schwärme von Malern und Glasern hingen gleich Fliegen an Dach und Decke, oder krochen in ih­ren Vertiefung^ herum, und das Ohr war betäubt von fortwährenden Hammerschlägen. Hernach begann die Füllung des Gebäudes mit unendlichem, kunstrei­chem und kostbaren Inhalt. Noch übrigt, dasselbe in dem Zustand zu zeigen, worin wir gewohnt sind, die Schiffe unserer Kathedi alen zu bewundern, wenn nichts de Ausdehnung des Estrichs störend unterbricht, jeder Pfeilei sich i ein und deutlich abhebt, und alle Pyrite des Plans mit einem Blick überschaut weiden können.

Bereits sind das Transept und die brittische Hälfte des Schiffs hinreichend aufgeräumt, daß man fühlen kann, wie uns noch ein neuer und sehr schöner Effekt vorbe­halten ist. In der That, den Krystallpalast hat man nicht gesehen, denn die Caliko-Vorhänge, so nöthig sie wa>en, zerstörten sowohl die Durchsichtigkeit wie den Glanz der Decke. Für die nächsten drei oder vier Monate jedenfalls wird es nicht nöthig sein, diese Bedeckung zu erneuen, und mittlerweile verspre­chen wir unser» Lesern einen Anblick, der sie freuen und überraschen wird, selbst nach allen Herrlichkeiten der Ausstellung. Hinge das Schicksal des Gebäudes vom Alisspruch der ersten darin versammelten Hnnberttan- send ab, so kann über das Ergebniß kein Zweifel sei»; denn nicht 500 unter ihnen werden so selbstsüchtig oder un,empfindlich sein, für die Niederreißmig eines so schönen Bauwerks zu stimmen. Es ist mit ihm, wie mit der Wahrheit: man braucht es bloß zu sehen, um es zu bewundern. Diese Liebe auf den ersten Blick, die wir von allen Besuchern des Palastes in seiner nackten Schönhe t erwarten, wird unterstützt durch einige wichtige Betrachtungen. Der Bau hat mehr gekostet, als man allgemein sich einbildet. Wird er abgetragen und das Material den Akkordanten überantwortet, so wird die königliche Commission ihnen ungefähr l61,000 Piund Sterling zu zaZen haben. Ueberuüumt der Staat das Gebäude, so wird die ganze zu bezablenve Summe rrngefa.hr 205,000 Pft- Sterling sein, so daß

für die Nation der Unterschied zwischen dem Behalten und dem Wegwerfe» des Gebäudes nur etwa 44,000 t Pfund ausmacht. Wird es geschleift, so haben wir 161,000 Pfund ausgegeben für das Vergnügen, ;» streit, wie schnell man in England den größten Bau ! der 22elt Niederreißen kann; aber das Publikum, so will uns bedünken, zahlt wohl lieber 44,000 Pfmw, um ein solches Werk zu behalten, als 161,000 Pfund für alberne Kurzweil. Man fragt vielleicht: wie es gekominen, daß der Glaspalast so viel mehr gekostet, als die Summe, welche gewöhnlich als der Vertrags­preis angegeben wird. Antwort: es war sei eus der Commission, wie von Seiten der Bau-Akkordanlen un­möglich, sich auf den Vertrag zu b schränken. Hätten die HH. For und Henderson nichts zu thun gehabt, als den ursprünglichen Vertrag bis zum 1. Mai zu erfüllen, so hätten sie d:s allenfalls vermocht, obgleich sie bei 80,000 Pfund Sterling Einnahme, und dein endlichen Heimfall des Gebäudes, wahrscheinlich Ver-

tust erlitten hätten. Aber sie waren aufgefordert, vie­les den ursprünglichen Vertrag ulurschreitende zu lei­sten, und zwar unter der gleichen Raum- und Zeit- Bedinguiig d. h. binnen acht Monaten, auf dem nämlichen Bauplatz und mit der nämlichen Oberauf­sicht. Die GaUerien, die Bleip'atten des Transept- Daches, zahlreiche Bänder von Schmiedeeisen in allen Theilen des Gebäudes, Ercra-Arbeiten in Folge der Naumvergrößerung in den Gallerien, und das äußere