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fördern. (3% Uhr.) ^o eben ist die Maschine mit den Postsachen aus Dresden hier eingetroffen. Sie überbringt uns die Dresdener, Prager und Äreslauer Zeitungen, die indessen nichts besonders Wichtiges ent­halten. (3V2 Uhr.) Endlich erhalten wir auch aus Berlin Briefe, von denen dasselbe gilt.

G Vom Rhein, 22. November. Wie ist der Unterschlagung von Geldsendungen vorzu. beugen? Die Beantwortung dieser Frage findet man in Nr. 36 u. 37 desWochenblattes für das Trans­portwesen" auf eine Weise, die durchaus nicht dieses Uebel vi beseitigen vermag und heilen wird. Der Herr Verfasser dieser Beantwortung will als kräftiges Mittel gegen das Uebel von Unterschlagungen eine Veröffentlichung und möglichst verbreitete Bekannt­machung seiner Vorkehrungen und Ratschläge ange­wendet haben, die in der Ermäßigung der Agekuranz-, Einzahlungs- und Prokura-Gebühren, in der geschickten Beaufsichtigung, Leitung und Hebung der Moralität unter den Postbeamten, und in der Warnung des Pu­blikums, Gelder durch unsichere Leute überbringen zu lassen, bestehen. Wir stellen nicht in Abrede, daß durch Anwendung und Inslebeuführen dieser Rath­schläge dem genannten Uebel wohl in etwas vorgebeugt würde, aber das Uebel selbst wird dadurch noch nicht sehr bedeutend vermindert oder gar hinweggeschafft werden können. Die Erfahrung hat uns bis heute gelehrt, daß die Unterschlagungen meistens bei der Post vorgekommen sind, und findet dies in den Diensient- setzungen und den bekannt gewordenen gerichtlichen Ur­theilen über Postbeamte und Postbedienstete seine Be­stätigung. Unseres Erachtens ist der .Unterschlagung von Geldsendungen nur dadurch vorznbeugen, daß 1) diejenigen Postbeamte und Postdience, welchen Briefe mit oder ohne deklarirtes Geld anvertraut werden, einen solchen Gehalt beziehen, der ihre Nahrnngssor- gen beseitigt; 2) daß nur solche Beamte und Bedien, stete zu jener Stellung gewählt werden, welche ver­möge ihrer Kenntnisse und Moralität auf Weiterbeför­derung Ansprüche machen können; und 3) daß nur wirklich besoldete Bamte und Bedienstete in diesem Genre verwendet und nicht gar Pnvatgehnlsen oder mit 60120 st. Honorirte dazu angestellt würden. Wirft man einen Blick an die Haushaltungskaffen vie­ler Postbeamten und Postdiener, denen grabe das größte Vertrauen geschenkt werden muß, so wird man dieselben stets leer finden. Die Besoldung eines Brief­trägers, Packers u. dgl. mit 200-300 fl., wovon sie als Familienväter noch eine Miethe von 60 fl. bezah­len müssen, ist gewiß nicht geeignet, große Liebe für die Bedienstung oder sehr skrupelöse Gewipenhafligkeit zu erzeugen. Diesen Uebelstänben müßte abgeholfen werden, dann würde man obigHFrage am besten^ gelöst haben und zu der Ueberzeugung gelangen, daß sich im Laufe von 3 bis 4 Jahren eine bedeutende Minder­zahl von Gelbunterschlagungcn ergäbe.

St Goar, 21. Nov. (K. Ztg.) He. v. Beth­mann Hollweg ist heute hier von dm Wählern der Kreise Koblenz flinke Rheinseite), wt. Goar, Kreuz­nach und Simmern zum Abgeordneten für die erste Kammer gewählt worden.

Stuttgart, 2L Nov. (Beob.) Ein Vorfall sel­tener Art beschäftigt dermalen unsere politisch so wind­stille Residenz. Eine Magd, so erzählt man, war eben mit dem Abwischen des Gesimses am Schönstock des Conditor Murschel'schen Hauses beschäftigt, als die Militärparade vorüberzog und die Spitze der Re­gimentsfahne den nassen Lumpen erreichte, mitnahm und damit in die Königsstraße cinmündcte. Balb nach­her wurde jedoch diese Frevelthat entdeckt und sofort eine peinliche Untersuchung gegen die ruchlose Attentä­terin bei k. Kriminalamt anhängig gemacht, deren Er­gebniß noch nicht bekannt ist. Die Versicherung der Magd, daß baü Anhängen oder vielmehr Spießen des Lumpen ganz unabsichtlich und selbst wider ihren Wil­len erfolgt sei, soll dem Vernehmen nach angezweifelt

werden, eS seien sogar Zeugen für die Absichtlichkeit aufgetreten und man sieht daher mit gespannter Er­wartung dem Ausgang dieses Amtsehrebeleidigungs- Prozesses entgegen.

Stuttgart, 21 Novber. (Beob.) Heute berieth unsere zweite Kammer über die Bitte der deutschkatho­lischen Gemeinden in Stuttgart, Ulm und Eßlingen, um einen Staatsbeitrag zur Bestreitung ihrer Kult­kosten. Die Fmauzkommission (Berichterstatter Hoch­stetler schlägt den Bittstellern die betreffenden 700 fl. ab. Nach einer bis 12 Uhr kauernen sehr bitteren Debatte wird Süskinds Antrag, das Gesuch der drei Gemeinden der Regierung empfehlend zu überweisen, mit 66 gegen 21 Stimmen abgelehnt, somit der Com- missionsantrag angenommen.

Hannover, 21. Nov. (Z. f. Nordd.) In einer heute stattgefundenen Versammlung der hiesigen Kauf­mannschaft ist einstimmig eine Adresse an das Staats- ministerium gegen den Anschluß an den Zollverein genehmigt worden.

Osnabrück, 18. Nov. Seit einigen Tagen sind dieBarmherzigen Schwestern", drei an der Zahl, hier eingetroffen, und hat man ihnen das katholische Land- waisenhaus zu St. Johann anvertraut, nachdem der bisherige Waisenvater und Meisterin abgezogen. Außer­dem ist eine Oberin mitgekommen, die aber nur kurze Zeit behufs der Einrichtungen hier bleiben wird.

Hamburg, 19. Nov. (Fr. I.) Laut Aussagen österreichischer Militärs werden die Truppen des Kaiser­staates bis zum 1. Januar das Bundesland Holstein geräumt haben. Es dürfte dieß uns nicht befremden, wenn die von den Blättern gebrachte Mittheilung sich bestätigt, daß die Räumung Holsteins von der Wieder­herstellung der vormärzlichen Provinzialstänke abhängig gemacht worden. Die Provinzialstände werden wieder reßaurirt, trotz allem Geschrei der dänisch-schleswigschen Presse. Auch den hier liegenden österreichischen Trup­pen soll Befehl zugekommen sein, sich marschbereit zu halten. Die dänische Garnison von Friedrichsort und Tönning hat miteinander gewechselt.

Berlin, 21. November. (Nat.-Ztg) Das Bestre­ben Oesterreichs in handelspolitischer Beziehung soll jetzt namentlich auf Theilnahme an den Anfangs des nächsten Jahres hier bevorstehenden Berathungen gerich­tet sein. Oesterreich betrachtet den Zollverein für ge­löst und glaubt deshalb ein Recht zu haben, bei den künftigen Verhandlungen als Mitpaciscent auftreten zu können. Diese Ansicht mag den Wünschen Oester­reichs entsprechen, aber sie ist entschieden unrichtig, da einestheils der Zollverein vor dem Ablauf der Verträge nicht gelöst ist und anderntheils die bevorstehenden Ver­handlungen stattfinden, um den Zollverein zu erhalten. Oesterreich wird die Theilnahme an den Verhandlungen nicht selbst direkt beanspruchen, sondern die ihm in den Handelsfragen zur Seite stehenden Regierungen, also Baiern, Sachsen und Würtemberg, darauf bezügliche Anträge stellen lassen. M verlautet zugleich von Ver­handlungen, welche wegen eines gemeinsamen Auftre­tens zwischen München, Dresden und Stuttgart gepflo­gen werden. DK Lage Preußens ist demnach in dieser Frage ebenso schwierig, als die Zukunft des Zollvereins überhaupt gefährdet scheint, und es wird mehr als je­mals auf eine unwandelbare feste Position ankommen, da jede Transaktion zur gänzlichen Bedrängung führen könnte.

Kvburg, 20. Nov. sK. v. u. f. DJ Das von der Vereinigungscommission begutachtete neue Staats­grundgesetz für Koburg-Gotha ist von der koburgi­schen Stänbeversammlung heute mit 17 gegen 1 Stimme angenommen worden. Staatsminister v. Seebach sprach namens der Regierung die Freude über diesen Beschluß aus, und eröffnete, daß die Staatsregierung die gothaische Abgeordnetenversammlung zur Beschluß­fassung über den gleichen Gegenstand auf den 1. De?

zember einberufen ^werde, und daß, wenn auch dort, wie er nicht zweifle, die Zustimmung erfolge, die neuen Verfassnngsgesetze schon mit Ablauf des Jahrs publi- cirt werden .würden. In Neustadt a. d. Heide fiel , bei der gestrigen Bürgermcisterwahl die Mehrheit der Stimmen auf den ehemaligen Redacteur derNeuen Deutschen Dorfzeitung", Herrn Feodor Streit, obgleich derselbe nicht Bürger von Neustadt ist. Die Bestäti­gung dieser Wahl hängt noch von der Entscheidung der herzoglichen Landesregierung ab.

München, 20. November. In der Rheinpfal; soll, wie dieNeue Münchn. Ztg." mittheilt, ein katholi­sches Reltungshaus für verwahrloste und verwaiste Kinder errichtet werden.

Wien, 18. November. Die ministerielleOesterr. Corr." schreibt:Der mißliche (?I) Ausfall des ge­gen das Organ des Deutschkatholizismus zu Gratz: Das Urchristenthum" gerichteten Preßprozeffes, wo eine Freisprechung durch die Geschworenen (theilweise selbst Rongeaner) erfolgte, hat die öffentliche Aufmerk­samkeit neuerdings auf diese Sekte gelenkt, und wir halten die Zeit nicht mehr für ferne, wo entschiedenere Schritte, als bisher, bezüglich derselben dürften erfol­gen müssen, und zwar um so mehr, als erwiesen ist, daß sie eine organische Gliederung fortwährend unter sich erhält und politisch radikalen Tendenzen offenbar (??) nachhängt."

* DerAgsb. Allg. Ztg." wird über diesen auf­fallenden Artikel derOesterr. Corr." aus Wien ge­schrieben, daß nächstens ein Gesetz erfolgen werde, wel­ches dieAuflösung aller deutschkatholischen Gemein­den befiehlt." Dann heißt es:Die Gratzer Ge- schwornenbank hat den Gegnern des Schwurgerichts wieder Wasser auf ihre Mühle geliefert, obgleich die Oesterr. Corr." jedenfalls zu weit geht, die Geschwornen als Anhänger Ronges zu beschuldigen."^

Italien.

Venedig. Der Hofstaat des Großfürsten Constan­tin, der nun doch seinen Winteraufenthalt in Venedig nehmen zu wollen scheint, besteht aus 78 Personen. Es befinden sich also diesen Winter ein russischer Prinz, ein Schwiegersohn des russischen Kaisers und ein rus­sischer Diplomat auf Reisen in Italien.

Sardinien. Auch in Genua soll eine protestan­tische Kirche erbaut werden. Mehrere Bewohner Ge­nuas, anglikanischen Bekenntnisses, sind zusammenge­treten und haben um Erlaubniß zum Bau an betref­fender Stelle nachgesucht, und diese auch, wie es heißt, erhalten.

Toskana. Die Gerüchte svon der Abdankung des Großherzogs wiederholen sich immer bestimmter.

Neapel. In dem neapolitanischen Heere herrschte große Thätigkeit. Der König und General Filan- gicri hatten zweimal in Capua Heerschau über die Truppen gehalten. Filângieri stand im Begriff, nach Sizilien zurückzukehren.

Großbritaanien.

London, 20. Novbr. (Köln. Z.) DieTimes", das konservativste Blatt in England, widmet heute dem Könige Ernst August von Hannover eine Reihe von Betrachtungen, deren Charakter schon die Einlei­tung bezeichnet.Wollten wir uns" heißt es hier bei unseren Bemerkungen an den milden lateinischen Spruch halten, so würden sie äußerst spärlich ausfallen. Denn des Guten, was sich von dem königlichen Todten sagen ließe, ist wenig oder gar nichts." Dann heißt es weiter:Wiewohl Sohn eines Vaters, welcher sich einen Berkshire Gentleman zu nennen pflegte und ein so echt englischer Fürst war, wie nur je einer auf dem Throne gesessen hat, hatte er doch in seinem ganzen Wesen und in seinen Neigungen nichts von dem, was ! unseren Landsleuten eigenthümlich ist, und wir können unseren Lesern kein besseres Bild von ihm geben, als

Ueber die amerikanische Westküste.

«-DaSHandelsblatt" bringt Mittheilungen über die Handelsverhältnisse an der Westküste Amerikas von einem Bremer, der diese Küste befahren und sich mit der Eigenthümlichkeit derselben bekannt gemacht hat. Wir entnehmen daraus zur Ergänzung unseres heutigen Leitartikels Folgendes:

Kaliforniens Hanbelslage ist im höchsten Grade günstig, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der Verkehr dieses Landes auch mit Asien, insbesondere mit China schon nach einigen Jahren sehr bedeutend sein wird. Die WaUfischjäger in der Südsee können im nördlichen Theile dieses Oceans, keinen schönern Hafen antreffen, als San Francisco. Er bietet ihnen für Ergänzung ihrer Ausrüstung und zur Erfrischung zum mindesten eben so viele Vortheile, wie die Sanbwichs- Jnseln, oder die südlichen Plätze Valparaiso und Tal- cuhuano.^Der Wallfisch hat sich in den letzten Jahren aus dem Süden mehr nach Norden begeben, und na­türlich die Wallfischfahrer hinter sich hergezogen. So­bald die Bewohner von San Francisco erst mehr Ste­tigkeit in dieser ganz neuen Stadt erlangen, werden sie ohne Zweifel die Vortheile wahrnehmen, welche die prächtige Lage ihres Hafens für den Wallfischfang ihnen darbietet. Bisher war der hohe Lohn der Schrffs- mannsschaft noch ein großes Hinderniß. Es ist sehr bezeichnend für die UnternehmungSlosigkeit der Bewoh­

ner der amerikanischen, ehemals spanischen Westküste, daß sie noch nie auch nur ein einziges Schiff für den Wallfischfang, der doch vor ihrer Thür liegt, aus- rüstetkn. Weder Talcahuano noch Conception, weder Valparaiso noch Callao haben Theil an diesem Fange; sie überlassen ihn den Aankees und den europäischen seefahrenden Völkern, und begnügen sich damit, den Wallfischfahrern frische Lebensmittel zu liefern. Durch das wunderbar rasche Aufblühen Kaliforniens ist aller­dings nun weit mehr Leben in die genannten Plätze ge« kommen; sie haben auch manche zum Verkauf ausge- botene Schiffe erstanden; aber sie haben sich noch keine eigenen Hanbelswege geschaffen, und wissen ihre Fahr­zeuge nur in der Fahrt nach und von Kalifornien zu beschäftigen, dem sie meist Lebensmittel zuführen. Das wird und muß sich indessen bald ändern, da Kalifor­nien selbst schon anfängt, Agrikulturprobukte zu liefern, und nach wenigen Jahren im Stande sein wird, nicht nur seinen eigenen Bedarf zu decken, sondern auch noch bedeutend auszuführen. Ferner sind die spanischen Kü­stenbewohner keine guten Seeleute. Mit wenigen Aus­nahmen verstehen sie so gut wie nichts von der Navi­gation und müssen Ausländer als Kapitäns rc. anstel­le». Manchmal besteht die ganze Mannschaft bis zum Schiffsjungen hinunter aus Fremden. Die hohen Ga­gen zehren den Nutzen auf oder schmälern ihn doch beträchtlich. In der chilenischen Handelsmarine findet man besonders viele deutsche Kapitäne, und eS freut

mich, sagen zu können, daß an der Westküste die Deut­schen etwas Vorzug genießen. Chili ist unter den Staaten der Westküste am meisten vorwärts gegangen, aber selbst in Valparaiso findet man nicht einmal ei­nen ordentlichen Schiffswerft, wo man einem Schiffe die nothwendige Verzimmerung geben könnte. Es ist ein deutscher Zimmermann, der dort die Kielholung betreibt. Im Schiffsbau ist San Franzisko den Hä­fen von Chili rasch über den Kopf gewachsen, es hat auch schon Docks, Holz kommt im Ueberfluß. So wird diese Stadt Kaliforniens auch' im Schiffsbau voranstehen. Es heißt, England werde, aus leichtbe­greiflichen Ursachen, etwas dafür thun, daß Talca­huano ein Kriegshafen wird. Diese Bay ist die sicherste und beste an der Süvwestküste und jener von Valpa­raiso ist bei weitem vorzuziehen.

Es ist für den Deutschen, der die weite Welt durch­schifft, ein höchst schmerzliches und niederschlageukeS Gefühl, wenn er sehen muß, daß andere Nationen aus jenen Lankern so großen Vortheil ziehen, und daß unS die wir allein und vereinzelt stehen, und für welche keine Gesandten, keine Flotte sorgt, nur eine spärliche und mühsame Nachlese halten können. Ich habe eS überall in den fremden Erdtheilen bewahrheitet gefun­den, daß bei Engländern und Nordamerikanern die Regierung den Hauptwerth auf den Handel, als eine Hauptquelle der Macht und des Wohlstandes, legt. Sie wissen, daß der Handel eine Hauptlebensader für