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JVs. J^7S Wiesbaden. Sonntag, 23. November 1851.

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Die Situation in Frankreich.

X Der Wiesbader Legitimisten-Congreß bildet eine Wendung in der Geschichte der zweiten französischen Republik. AlS wir dazumal die Ohnmacht dieser Be­strebungen gegen Frankreichs Entwicklung aussprachen, haben wir nicht die Zustimmung aller unserer Leser gehabt. Auch als wir vor einer Reihe von Monaten schon daraufhindenteten, daß die Linke Herrin der Situation in Frankreich sei, mochte manchen unserer Leser das Urtheil zu sanguinisch dünken. Seit eint» genTagen wird den neuesten Vorfällen in der Nationalver­sammlung gegenüber uns Niemand mehr vorwerfen, daß wir durch die demokratischeBrille" sähen. Denn das ist eben der Vorzug unseres Standpunktes, daß unsere Grund­sätze eine vorurtheilslose Betrachtung der Zeitläufte nicht blos gestatten, sondern nothwendig bedingen. Die De­mokratie unterscheidet sich grade dadurch von der De­magogie, daß sie die Wahrheit und nur die Wahrheit will, daß sie durch festes und ruhiges Prüfen das Volk aufklären und durch Entwicklung ihrer positiven Ideen den Fortschritt anbahnen und den Sieg alles dessen, was zu des Vaterlandes Besten ist, ermöglichen will. Die Sache der wah-en Demokratie steht so fest, daß alle augenblicklichen Scheinniedeilagen keine Wie- derleglmgen, sondern nur Bestätigungen derselben sind. Dies ist auch der Grund, weshalb wir so ruhig, so objektiv nach Frankreich blicken können; denn selbst wenn die Republik dort noch einmal der Monar­chie wiche, so wäre daS nur ein neuer Donnerruf an die Nation, ihre Selbstentwicklung zu beschleunigen, um zur wirklichen Selbstregierung zu gelangen. Die Monarchie ist in Frankreich nicht mehr in den Sitten und Ueber­zeugungen des Volkes begründet, sie wäre daher nur noch ein Ausnahmezustand, und nur durch Ausnahmemaß- regeln zu erreichen und zu halten; die Republik ist die Regel geworden. Daß diese Regel noch nicht zur ungestörten Herrschaft gelange» konnte, hat einen doppelte» Gründ. Frankreich ist eine centralisirte Republik geblieben, während nur eine solche für kleine Raumverhältnisse paßt. Je größer ein Freistaat, desto mehr Selbstregirrung in allen seinen Gliederungen, desto mehr Föderalismus erfordert er. Daß die neue Re­publik noch nicht zur Decentralisatiou gelangte, ist theils die Folge seiner früheren absolutistischen Verwaltung, die in Frankreich straffer alö in irgend einem anderen Lande Europas war, theils aber liegt der Grund darin, daß eine solche noch nicht möglich wurde, so lange die neue Staatsform von den gesummten Monarchien des Festlandes bedroht wird und deshalb die für die innere Entwicklung so hemmende Centralisation noch als ein nothwendiges Uebel betrachtet werden muß. Daß diese sonst mit dem französischen Nationalcharakter so fest verwachsene Centralisation und die darauf fußende Allmacht der Hauptstadt im Volke mehr und mehr Anti­pathien findet, ist eine Thatsache. Mehr Selbstre«

giern ng in allen Kreisen! war die Parole der Franzosen nach der Februarrevolution. Sobald wir von den sozialistischen Theorien daS Beiwerk abstrei­fen, finden wir jene Forderung als die eigentliche Triebfeder derselben. Mehr Selbstregierung in allen Kreisen! lautet auch das letzte Wort der geheimen Gesellschaften, wenn wir dm Bestrebungen derselben auf den Grund sehen. Louis Bonaparte wurde gewählt, weil der Gefangene von Ham wieoer- Holt diesem Satze das Wort geredet hatte und man in ihm einen Mann erwartete, der nicht Fähigkeiten genug besitze, um den Napoleon oder Lonis Philippe zu spie­len. Doch sobald er im Sattel saß, rief er:Keine Entwicklung der Selbstregierung, sondern die straffste Centralisation!" Daher seine Scheu vor der social» demokratischen Republik, daher seine Belagerungs­zustände iiir.b Polizeiwirthschaft. Denn er will herr­schen als Spitze des Staates, und dies ist nur in einem absolutcentralisirten Organismus möglich. Die Anti- pathie der Franzosen gegen die alte Monarchie be­ruht aber auf der Erfahrung, daß dieselbe centrali- stisch ist. Kluge Rathgeber des Froschdörfer Präten­denten verlangten Verheißung sozialer Reformen, wohl wissend, daß, wenn eine Monarchie in Frankreich wie­der Wnrzrl fassen soll, cs nur durch Verleihung ähn­licher Institutionen wie in England geschehen kann. Aber Einrichtungen, die dem Volke nützen sollen, müs­sen vom Volke selbstbewußt errungen und befestigt sein: geschenkte oder mühelos erlangte Freiheiten haben sel­ten Dauer. Dies fühlt das französische Volk instinkt- artig, wie es mit Recht auch der alten Monarchie den guten Willen abspricht,die Charte zur Wahrheit werden zu lassen." Jene Rathschläge Larochejaquc- leins fielen in Wiesbaden durch; dagegen wurde ein Ränkespiel gegen Louis Bonaparte fortgesetzt, das zu sehr zugespitzt war, als daß es hätte siegen können. Das Volk, welches sofort merkte, warum es sich handle, verhielt und verhält sich durchaus als ruhiger Beob­achter. Auch die republikanische Partei in der Ratio nalversammlung, obwohl vielfach gespalten, begriff bald ihre» Vortheil: sie ließ den Kamvf zwischen den Royal­isten und Imperialisten ruhig bis zum Aeußersten ge­deihen. um dann zu rechter Zeit den Ausschlag zu geben. Die Nation will weder einen sogenannten konservativen Konvent, noch ein centralistisches Konsulat oder Kaiser- thum. Gelingt es, beide Gefahren dadurch abzuwenden, daß sie sich im gegenseitigen Vernichtungskampfe aufhebe», so ist die Möglichkeit gegeben, aus der Scheiurepublik eine wirkliche Republik zu bilden. Die Gefährdung der Neu­wahl Louis Bonapartes durch die RoyaliLu, indem sie mit der Linken die Revision der Verfassung ver­weigerten, führte diesen zu beut Anträge auf Wieder­herstellung des allgemeinen Stimmrechts. Jedem die Royalisten dies verworfen, dokumeutirten sie, daß daS Volk nichts von ihnen zu erwarten habe, daß sie im Gegentheil das Volk fürchteten. Ein Prätendent, der das Volk fürchtet, hat keinen Boden; Louis Bo­

naparte weiß dies, er wollt Heinrich V. deßhalb eine Paroli biegen. Dies ist gelungen. Die Royali­sten sannen auf Revanche. Der Quästorenantrag wurde gestellt, man arbeitete auf einen royalistischen Konvent hin, um Louis Bonaparte zur Thüre hinaus zu werfen. Da warf die Linke ihr Gewicht in die Wagschale und der Quästorenantrag fiel. Doch was nun? Ist die Linke plötzlich bonapartistisch geworden? Nein, sie hat nur gezeigt, daß sie im schlimmsten Falle einer Changarnier'schen Diktatur eine bonapartistische, einer Monarchie die Scheinrepublik vo^zieht; doch sie hofft zugleich selbst diesen schlimmsten Fall zu verhüten. Das Verantwortlichkeitsgesetz gegen die Exekutive und deren Agenten bietet hierzu Gelegenheit. Die Linke wird hier mit den Royalisten stimmen müssen, um dem Elysee die Macht zu nehmen, fortan selbstherr- scherlich zu verfahren. Geht dieses Gesetz durch, so wird die Ordnungspartei bei nächster Gelegenheit den Präsidenten und die Minister in Anklagezustand verse­tzen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Linke diesen Fall benutzt, um den Prinz-Präsiventen beseiti­gen zu helfen, falls er seine Prätendentenideen nicht aufgiebt und Garantien bietet. Sollte die Linke aber die Wahrscheinlichkeit sehen, daß sich durch einen solchen Sieg die alte Ordnungspartei wieder befestigen würde, so ist es möglich, daß sie das letzte Wort n ch zurück­hält. Denn die Taktik der Linken ist ganz einfach die: sich so wenig wie möglich zu vergebe», dagegen nichts zu thu», was die Zwietracht in ihrem Lager, die allerdings noch nicht ganz überwunden ist, wieder entflammen könnte, und Alles zu fördern, was den gcgenseit g n Vernichtungskampf der Bona­partisten uno Leg ti nisten beschleunigen und die Zer­splitterung der alten Ordnungspartei vollenden kann. Die Linke ist Hern» der Situation, seit i» Wie baden der offene Kampf zwischen Heinrich V. und L. Bon parke herbei, geführt wurde; doch sollte die Linke selbst durch ein falsches ober übereiltes Manöver sich um den Se z bringen die Nation ist gewarnt, ihre politische Ent­wicklung vorangeschritten : die Republik ist ihr auf die Dauer nicht mehr zu entreißen, selbst wenn es noch einmal zu einer Tyrannis käme. Je unzulänglicher die Hauptstadt sich in diesem Falle zeigen wurde, desto schneller werden die Provinzen sich ermannen. Die Interessen jeder Stadt, jedes Dorfes, jeder Familie und jedes Einzelnen sind zu innig mit der Selbstherr­schaft verwebt, da die Republik in Frankreich keine bloße politische Frage mehr, sondern eine Existenzfrage für jedermann geworden ist.

Deutsch!««-.

4p Dillenburg, 19 Nov. Von dem hiesigen Schwurgerichtshof wurden in den Sitzungen des 4ten Quartals die nachstehenden Urtheile gegen benannte Personen erlassen:

Skizzen aus dem Kaukasus.

(Schluß.)

Wir werfen jetzt, bevor wir unsere Reise von Der­bent fortsktzen, einen Blick auf die umwohnenden krie­gerischen Stämme, welche wir im Anfänge dieser Auf- Zeichnung als die östliche Gruppe der ruffenfeindlichen Bergvölker hervorgehoben haben, aus denen. Schamyl seine Heeresmacht gebildet. Unter diesen Stämmen nehmen die zesghier, welche ihrerseits wieder in zahllose Stämme zerfallen, den vornehmsten Platz ein. Das von den Lesghiern bewohnte Land begreift den größten Theil des in neuerer Zeit so berühmt gewor­denen Daghestan und entspricht im strengsten Sinne der Bedeutung dieses Wortes, welches in turko-tata­rischer Sprache Gebirasland [von Dagli: Bergs heißt. Die schon oben bezeichnete, mit der Westküste des Kaspimerrs parallel laufende Reihe hoher Berg­kuppen, welche des Daghestan östliche Grenze bildet, hängt zusammen mit einer Menge anderer Höhenzüge, welche als die nördlichen Ausläufer der großen von N.W. nach S O. streichenden Kette, das Land in allen Richtungen durchschneiden. Kahle Felsen, unterbrochen von tiefen Schluchten und furchbaren Abgründen, bie­ten den Einwohnern wenig Mittel zum Feldbau dar; eben so wenig kann bei dem gänzlichen Mangel an Weideplätzen die Viehzucht gedeihen. Trotzdem haben die Lesghier durch Kunst uno Ausdauer ihrem Lande

Schätze abzutrotzen gewußt, welche es unter scheinbar undurchdringlichen Felsenkrusten und Steinen verborgen hielt. Besonderer Erwähnung verdienen hier die durch ihre so mühsame wie künstliche Anlage zur Bewunde­rung hinreißenden Gärten dieses Landes, welche aus schmalen, sorgfältig mit steinernen Mauern eingefaß­ten Terassen bestehen, und so eingerichtet sind, daß sie durch künstliche Wasserleitungen aus den nahen Quel­len und Bächen leicht bewässert werden können. Diese Terassen werden auf das Fleißigste und Sorgfältigste bearbeitet; ihr Rand ist mit Fruchtbäninen und Wein- stöcken bepflanzt und dazwischen mit Mais besäet, der hier gewöhnlich die Stelle anderer Getreidearten vertritt.

Ihre Gärten bilden daher den Hauptreichthum der Lesghier, indem sie ihnen Brod, Holz zur Feuerung, schmackhafte Früchte kurz Alles liefern, was diese genügsamen Bergbewohner zn ihrem Lebensunterhalte bedürfen. Man muß in der That über die Kunstfer­tigkeit eistaunen, mit welcher dieses sonst noch auf einer so niedrigen Kulturstufe stehende Volk die ungastlichen Felsen seines Landes in blühende Gärten umzuwandeln gewußt hat.

Von jeher den Verheerungen des Krieges ausge­setzt, haben die Lesghier sich in große Dörfer (Aoule) zulammengezoqen, welche nicht selten mehrere tausend Einwohner zählen. Gewöhnlich sind diese Aoule an schwer zugänglichen Stellen erbaut, welche schon durch ihre Lage so geschützt find, daß sie leicht in Festungen

Hingen) anbétt werden können. Die durchschnittlich meh­rere Stockwerke hohen, dicht zusammengedrängten, am- phitheatralisch gebauten Häuser sind häufig noch mit steinernen Minern und Thürmen umgeben. Vertheidigt durch seine kriegerischen Bewohner, deren wilder Muth und Geschicklichkeit in Führung der Waffen bekannt ist, bildet jedes Haus gleichsam eine Festung für sich; jeder Fuß breit Erde muß so von den Russe» mit Blut und Leichen erkauft werden. _

Ich halte die Hauptmasse der Lesghier gleich den Adighe, Georgiern u. s. w. für Urbewooner des Kaukasus, welche, so weit die über sie vorhande­nen, sehr mangelhaften Nachrichten hinaufreichen, mit unwesentlichen Abweichungen immer unter denselben Verhältnissen gelebt haben, wie wir sie heute noch fin­den. Abwechselnd mit den Tschetschenzen waren sie bis auf die neueste Zeit das herrschende Volk im Südosten des Kaukasus. Obgleich häufig den Verhec- rungen des Kriegs ausgesetzt und lange durch die Herr­schaft fremder Eroberer gedrückt, hielten sie sich doch zu allen Zeiten rein von der Vermischung mit Frem­den , und blieben unwandelbar ihrer Sprache und Sitte treu. Besonders viel hatten sie bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts von den häufigen Einfällen und Raubzügen der Perser zn leiden. Aber sobald sich eine günstige Gelegenheit bot, schüttelte» sie das ihnen anfgedrnngene Joch wieder von sich, wozu die im Hoch­gebirge wohnenden Stämme, welche der Unzugäng-