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? 'Freiheit and Neeht!"

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Ditgxtit Zeitung" erscheint, mit Ausnahme deS Montags, mgUch in einem Bogen. Der AdonnemcnlSprelS de^ägt viertcljâ-rllch hier in WeSbaden 1 fl. 45 ft.. auSwânS bar$ bis Post bezogen mit verhaltnißmahtgrm Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und "find bei der großen Beibrettung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Ee- fplge. Die JnserattonSgebüyren betragen für die vterspaltige Petitzeile 3 fr.

Das allgemeine Stimmrecht.

« Die französische Nationalversammlung nahm das Gesetz vom 31. Mai seiner Zeit mit 433 gegen 241 Stimmen an. Der Antrag des Präsidenten auf Wie» derherstellung des allgemeinen Stiminrechts wurde mit 355 gegen 348 Stimmen verworfen; 107 Ordnungs, männer haben alsodie größte Errungenschaft der Ordnungspartei seit der Februarrevolution" aufzugeben für klug gefunden, und jene kleine Majorität erfolgte nur deshalb, weil die Burggrafen erklärten, sie selbst wollten bedeutende Veränderungen am Gesetze vom3l. Mm. Ein Gesetz ab ändern ist aber etwas ganz Anderes, als ein Gesetz ab sch affen. Die Linke ist nicht gegen das, was manMoranstrung des allge» meinen Stimmrechts" nennt, sie will aber auch d i e Unmo» ralität nicht, daß Millionen anerkannt rechtlicher Fran­zosen ihres ersten Bürgerrechtes beraubt und zu Helo­ten gestempelt cvâen; sie will auch nicht, daß die Ge­wählten, welche bei dem allgemeinen Stimmrecht nicht wiedergewählt zu werden fürchten, sich das Recht neh­men sollen, ihren eigenen Vollmachtgebern das Stimm­recht zu entreißen. Die Linke hält an einem einmal erworbenen Freiheitsrechte fest, weil jede friedliche Ent­wicklung unmöglich ist, sobald die durch das allgemeine Wahlrecht Ernannten aus Parteinützlichkeitsgründen sich herausnehmen dürfen, das Recht, dem sie ihre Voll- macht verdanken, denen zu entziehen, deren Vertrauen sie verwirkt zu haben fühlen.Das allgemeine Stimmrecht ist das wahre Fortschritts­grun drecht!" heißt es so wahr und so treffend in einem Artikel derNat.-Ztg."Die Reaktion mag es nichtnicht, weil sic es für schlecht hält, sondern weil sie es zu gut findet; nicht, weil es sich nicht bewährt hat, sondern weil es sich über Erwarten bewährt hat; nicht, weil es anarchisch gewesen, sondern weil cs in Ruhe und Friede a.csgeübr. cst; weil tti sich gerade im Sturm, wo alles gebrochen war, alles, was sonst Au­torität, bewährte Institution, Stütze des StaatS hieß, darniederlag, allein hielt, weil es die ehrliche allgemeine Ueberzeugung für sich hatte; weil es der günstiger ge­stellten Minorität bewies, daß sie durch das allgemeine Wahlrecht, sanft aber unwiderstehlich genöthigt würde, die ungünstiger gestellte Majorität, die von ihr Abhän­gigen, anders zu behandeln, was sie nun einmal von selbst nicht thut; weil es bewies, daß Alle da­durch allmälig andre Menschen, daß die korrupten GeseUschaftö, Zustände verbessert werden müßten. Es kommt nicht darauf an, wie Viele ausgeschlossen find; es genügt, daß aller Orten sich eine Menge Ausgeschlossener befinden, denen weder mit Gewalt noch mit dem Gesetz entgegenzutreten ist. Selbst die Ordnungspartei kann nicht glauben, daß, sei es nun das Gesetz vom 3l. Mai, wenn es unverändert bliebe, noch, wenn irgend eine schlau berechnete Quacksalberei daran vorgenommen wird, die unbearbeitete neue Auf­

lage desselben in irgend einem moralischen Sinne, mit irgend einer moralischen Wirkung noch als Gesetz be­trachtet werden kann. Die Autorität des Gesetzes,, die Achtung vor demselben beruht darauf, daß es in einer allgemein anerkannten Form eine Regel aufstellt eine Regel, die nicht für Wenige, zu Gunsten eines Parteiinteresses, sondern im allgemeinen Interesse aus­gestellt ist; daß der Einzelne, wenn auch persönlich unzufrieden, um des Allgemeinen willen es zu halten sich moralisch verpflichtet fühlt. Eine Maßregel, die nackt und blos vor dem öffentlichen Bewußtsein als ein Unrecht, als ein Akt eigennütziger Berechnung da- steht, hat keine Autorität, Hack den Heiligenschein deS Gesetzes verloren. Die feierliche Erklärung der Re­gierung gegen das Gesetz vom 31. Mai, der Abfall von 107 seiner eigenen Urheber, alle darüber stattge- fundenen Verhandlungen, die plötzliche Eile der Burg­grafen selbst, diesen ihren größten Akt zu ändern haben das Gesetz moralisch vernichtet. Der mit vier Stimmen Majorität gefaßte Beschluß, es dennoch nicht fallen zu lassen, ist nicht blos eine Concession an die Revolution, sondern thut der legalisirten Revolution den größten Vorschub."Der Sieg der OrdnnugSp.ar- tei ist also nichts als eine schwere Niederlage derselben. Die Majorität hat ihr Spiel verloren und wer dem Gange der Entwicklung in Frankreich mit Einsicht ge­folgt ist, wird sich nicht mehr verhehlen können, daß die Ordnungspartei im Sterben liegt und deshalb fie­berhaft noch einmal alle ihre Kräfte zusammen rafft. Auf die Verwerfung des allgemeinen Stimmrechts war die Verwerfung des Quästorenantrages die Antwort der Linken, welche sonst schwerlich in Masse gegen denselben gestimmt haben würbe. 408 Stimmen ver­warfen den Antrag, die Ordnunqspartei, welche am verwichenen Donnerstage noch 355 Stimmen ins Tref­fen führte, war am Montage, 16. November, bereits auf 300 Stimmen herabgesunken.

Deutschland.

± Wiesbaden, 21. Novbr. Die gestrige As- siseufitzung gegen Caspar Beck von Schwanheim en­dete mit der Verurtheilung des Angeklagten in eine 2^2jährige Korrektionshausstrafe. In der heutigen Sitzung des Schwurgerichts wurde die Anklage gegen Schmied Joh. Gredert von Erbach verhandelt. Den Vorsitz führte Hofgerichtsrath Jeckeln, die Staatsbe­hörde vertrat Substitut Moritz und als Vertheidiger fungirte Prokurator G. Wilhelmi. Johann Gre- bert ist als fleißiger und ordentlicher Familienvater be­kannt und hat noch nie eine Strafe erlitten. Die heu­tige Anklage gegen ihn ist darauf gegründet, daß er, nachdem über sein Vermögen am 17. März 1851 der Konkursprozeß erkannt worden war, den am 5. April 1851 bei der Herzoglichen Landoberschult-

heißerei Eltville abgeleisteten Manifestations-Eid wissentlich falsch geschworen habe, inbem er mehre zu sei­nem Vermögen gehörige Gegenstände, deren Schätzungs­werth 76 fl. 46. beträgt, bei der Aufnahme des Inven­tars über sein Vermögen absichtlich verschwiegen. An der Ausführung seiner Absicht durch Verheimlichung dieser Gegenstände, seine Gläubiger zu benachtheiligen, wurde er durch alsbaldige, auf Grund einer anonymen Anzeige, vom Amte eingeleitete Untersuchung gehindert. Von den Geschwornen als schuldig erkannt, ward der Angeklagte von dem Gerichtshof in eine Korrek­tionshansstrafe von 2% Jahr und in die 89 fl. 58 fr. bettenden Untersuchungskosten verurteilt.

f Eltville, 19. November. In Bezug auf die in dein Artikel d. d. Eltville, 17. Novbr., angeführte Thatsache, glaube ich, daß die Handlungsweise eines israelitischen Gutsbesitzers dahier gleichfalls Erwähnung verdient. Derselbe beweist vielfach seine Brüderlichkeit gegen armen Mitbürger, ohne Unterschied der Con- fession, indem er z. B. Vielen, die nach Amerika auswandern, 20 bis 30 fl., andern hiesigen bedürftigen Einwohnern 10 bis 15 fl. gegeben hat. Man sieht hier, daß dieser Reiche die richtigen Wege aufgefunden, wie den armen Rheingauern zu helfen, nämlich mit Geld und mit vielseitigen Beschäftigungen. Es wäre sehr wünschenswerth, wenn andere reiche Familien Bei» spiel hieran nehmen würden! Mit dein Einherbsten geht es des schlechten Wetters wegen sehr langsam. Ein hiesiger Bürger hat seinen heurigen Rothwein per Ohm zu 25 fl. verkauft; dagegen verkaufte man in Niederwalluf das Stück weißen Wem zu 40 fl. und in Raueuthal die Ohm zu 78 ft.

0 AuS dem mittleren Rheingau. Es sind in diesen Blättern schon verschiedene Stimmen über die fortschreitende Verarmung der unsern schönen Gau be­wohnenden Bevölkerung laut geworden. Eilt kleiner Tocil der letzteren sucht sich durch Uebersiedelung nach Teras und Neu-Süd-Walis eine neue und, wie er hofft, sicherere Zukunft zu gründen. Jenen aber, welche durch die Verhältnisse mannichfacher Art an die Scholle gebunden sind, geben wir nachstehende Bemerkungen zu berücksichtigen: Die sehr bedeutende Weinproduktion steht außer Verhältniß des schmalen, zwischen Rhein und Taunus bnilaufeuben Strich Landes. Diese That­sache ist nicht mehr zu bestreiten. Man verhehlt sich auch nicht, daß eine gründliche Umwandlung von Nöthen ist, hat aber bei der von einem zum andern Jahre vertröstenden Hoffnung auf einen guten Herbst nicht den Muth, sich seine Lage recht klar zu machen, und schreitet dadurch um so rascher rückwärts. Des­halb fordern wir Jeden, der dazu beitragen kann, daß es besser werde, auf, durch Lehre und Beispiel dahin mitznwirken, daß der Weinbau in nicht dazu geeigneten Distrikten, winterlichen Lagen und Ebenen, unterbleibe, und daß namentlich der Grundsatz zur Regel werde, werde, daß da, wo der Pflug hinzukommen

Skizzen aus dem Kaukasus.

(Fortsetzung.)

Ein Haupterwerbszweig der Bevölkerung ist in neuerer Zeit die Gewinnung des Krapp geworden, welche Farbwurzel die ganze Westküste deS KaSpimee- res entlang, am ergiebigsten und besten jedoch in dem Kreise von Derbent vorkommt. Daß in den älteren Rcisewerken dieses augenblicklich bedeutendsten Handels­zweiges dieser Länder mit keiner Silbe gedacht wird, findet seine Erklärung in der Angabe derNordischen Biene", daß die KiEenbewohner früher gar keine Ah- I'ung von dem Werthe und der Bedeutung der Krapp­wurzel hatten. Noch vor 30 Jahren würden die Der­benter den als einen Thoren verlacht haben, der ihnen gesagt hätte, daß sie je im Stande sein würden, ohne sonderliche Anstrengung und mit geringen Geldmitteln ein so bedeutendes jährliches Einkommen, das sich im Jahr 1845 auf 403,780 Silberrubel belief, aus einer einzigen ihnen bis dahin unbekannten ^flan^e zu zie­hen, und den armen Lesghiern wäre es nicht im Traume eingefallen, daß sie blos mit Hülfe der Schau­fel (die nicht einmal ihnen, sondern dem Grundeigen­thümer gehört) aus dem benachbarten Kreise von Der- beut über 120,000 Silbcrrubcl in ihre Berge fort­schleppen könnten, wenn sie^drittehalb Monat sich zur Gewinnung des Krapp verwenden ließen. Auch die Schiffer von Baku betrachten den Krapp aus Der­

bent nicht als den geringsten Theil ihres Einkonilnens, denn sie gewinnen 20 bis 25 Kopeken Silber für das Pud an Fracht, was jährlich wenigstens 20,000 Sil­berrubel ausmacht.

Zwei ihrer Landsleute, Kelbalai-Hussein und Ibra h i m-B eg, sind es, denen die Debenter die ihnen durch Gewinnung des Krapp eröffnete GolbqneUe zu verdanken haben, eine Quelle, welche so ergiebig ist, daß sich im Lande bereits das Sprichwort gebildet hat: Krapp säen, Gold säen." Kelbalai-Hussein war es, der den gewinnreichen Anbau zuerst cmfübrte, und Ibrahim-Beg war es, der ihn in großem Umfange bis in die Berge hinein verbreitete. Wie groß der daraus erwachsende Vortheil bei verhältnißmäßig leichter Arbeit ist, möge aus der einfachen Angabe einleuchten, daß ein Kapan (d. t. ein etwa 3 Pud Samen enthaltenes Maß) Krappsamen, welches 15 Silberrubel kostet und dessen Anbau etwa 87 Stlberrubel Auslagen erfordert, im Laufe von 3 Jahren wenigstens einen reinen Ge­winn von 337 Silberrubeln einbringt. In einer Entfernung von etwa 12 Wersten von Derbent sieht man auf beiden Seiten der (oben beschriebenen) großen Heerstraße Beete, die im Sommer mit einem nicht sehr dichten und wenig hohen Kraut, der Krapppflanze, be, deckt sind. Die Zeit des Auögrabens fallt in die Mo­nate Januar und Februar. Man kann die Zahl der aus dem benachbarten Lesghistan nach Derbent kom- nirnden Bergbewohner, welche hier auf den Krappfel­

dern arbeiten, nicht genau angeben, wohl aber sie an­nähernd auf mehrere Tausende schätzen, indem während des Frühjahrs 18 45 über 40,000 Tschetwert Weizen­mehl zu ihrer zweimonatlichen Verköstigung aufgekauft wurden, waS bei der landesüblichen Mäßigkeit der Lesghier sehr viel sagen will. Aber trotz dieser Menge Hänve, trotz der großen Leichtigkeit, weitere Arbeitskräfte herbeizuziehen, trotz deS jum Anbau des Krapp wie geschaffenen Bodens, trotz der ungemeinen Leichtigkeit der Bearbeitung und trotz der Nahe des Meeres hat diese Industrie noch bei weitem nicht die regelmäßige Forin eines Handelszweiges gewonnen. Die Krapper- zeugüng ist nämlich ganz in den Händen der Moslem, die ohne alle Technik und Methode, auf rein empirischem Wege dabei zu Werke gehen und bei diesem, wie bei jedem Geschäfte kein anderes Ziel im Auge haben, als durch mäßige Arbeit ihren mäßigen Lebensunterhalt zu verdienen.' Dazu fommt noch, daß der Krappban hier mit geliehenen, Gelde unter ziemlich lästigen Bedingungen be­trieben wird. Die Grmideigenthümer, denen hauptsächlich daran liegt, immer möglichst schnell mit ihren Gläubigern auseinanderzukommen, sind in Folge dessen genöthigt, das AuSgraben der Wurzen $u beschleunigen; sie erhalten so weniger Krapp dem Gewicht nach und deshalb auch eine geringere Menge Farbkheile. Die Verichiffung des Krapps von Derbent nach Astrachan ist zwar wohlfeil, aber mit allerlei Nachtheilen verbunden. Man bedient sich nämlich meist der Segelschiffe, welche, statt die kurze