Einzelbild herunterladen
 

Freiheit und Ueeht!^

Trm*i - '. -_'-_ --- . ..-. . t ...-;.. ._!.. . . e mwmi wiiii i._[..-.. L. , ii II, I im I....... I nj

JVs. 268- Wiesbaden Donnerstag, 6. November 1851.

Die »Freie Zeitung" nf^.-tut, mii dusnapmr d>S ^wniag«, iagtich in einem Sogen Der riboiiiieinenis»re,S beträgt »tertelia-llich hier in Wl.sdadt« 1 st. 45 kr., auSwâriS durch die Post bezogen mit verhälinißmäßigem Pufi-biaae. Jmerate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Seideetkung derFreien Zeitung" stets von wirksamem ®t» olge. Die Jnserationogebüvren betragen für M, Merfpoltige Petitzeile 3 fr.

8

L

2

1

I

8

8

6

4

2

8

1

4

8

4

4- >

4

N » th und Hülfe.

II.

In unserem ersten Artikel haben wir hauptsächlich die den kommunistischen Theorien entnommenen Vorschläge! zur Abhülfe eines etwaigen Mangels an Nah­rungsmitteln behandelt. Das Gemeinsame war, daß sie vorzüglich den Ertrag der inländischen Erndte durch künstliche Verwohlfeilerung der Preise den ärmeren Klaffen zugänglicher zu machen suchten. Der Haupt­fehler aller dieser Vorschläge steckt darin, daß sie es übersehen, daß durch künstlich erzeugte Wohlfeilheit sofort die Konsumtion vermehrt wird, also in den letz­ten Monaten vor der nächsten Erndte nothwendig Hun­gersnoth kintreten muß. Die Mittel, um dieser Even- iualität durch Orgamsinmg der Konsumtion vorzu­beugen, laufen auf einen Verwaltungsmechanismus hin­aus, der, abgesehen von allen anderen Mißverhält­nissen, dem Volke so theuer zu stehen kommen würde, daß schon dadurch allein alle Vortheile, welche erreicht werden sollen, mehr als illusorisch gemacht werden würden. Wir haben nur ein Beispiel in der Geschichte, wo rine solche Organisation des Verzehrs durch,geführt ist. Es war in den Tagen des Convents, den nur eine revolutionäre Kraskmtwickelung dazu befähigte. Guillotine und Standrecht dienten ihm als Mittel. Wenn der im Jnlandc geernvtete Ertrag zur Ernäh­rung der Bevölkerung nicht ausreicht, so ist das ein­zige Mittel, welches dem Mangel abhelfen kann, die Ergänzung der Erndte durch Einfuhr von Nahrungs­mitteln vom Auslande. Was liegt also in einem Jahre d"cs Mißwachses näher, als die Erleichterung der Ein­fuhr durch Aufhebung der Zölle auf Lebens­mittels Man befreie den Handel mit Nahrungs­mitteln von allen Schranken und überlasse ihm dann allein die Sorge, dem Mangel abzuhelfen: so werden wir sicher am raschesten, reichlichsten und wohlsellsieu mit Nahrungsstoffen versehen werden. Der freie Han­del wird alle, auch die entferntesten Quellen erschlie­ßen, und das eigene Interesse der Kaufleute wird Zu­fuhr und Verzehr so regel», daß wir bis zur nächsten Erndte ausreichen. Wenn die ganze Welt unser Korn­magazin ist, war? bedürfen wir dann noch der dürf­tigen Staatsmagazine, namentlich in diesem Jahre, wo die Erndte» der Nachbarländer so reichlich ausgefallen sind? Wir gerathen durch diesen Vorschlag allerdiugs in Kon­flikt mit dem finanziellen Interesse, die Sreuerkage würde einige Einbußen zu erleiden haben. Aber sie kann dieses um so eher, da ihr auf diesem Wege der ungeheure Kostenaufwand erspart wird, den sie durch eigene Einmischung in den Handel und die Konsumtion haben würde. Nicht so sehr haben wir vielleicht zu fürchten, daß wir das landwirthschaftliche- Interesse Mm Gegner haben werde». Zwar geht unser Vor­schlag auf Beseitigung aller landwirthschaftlichen Schutz­

zölle. Aber unsere Landwirthe sind ja der Mehrzahl nach frethändleiisch, und zum Ueberfluß haben wir sie noch auf einen Punkt aufmerklam zu machen. Die Spitze jener kommunistischen Vorschläge war gegen den ackerbautreibenden Theil des Volkes gerichtet, dem durch Zwangsmaßregeln der Erlös der Ernte, der Ertrag seiner Arbeit geschmälert werden sollte. Die Gutsbesitzer, welche den lanowirthschaftl. Vereinen und in dem land- wirthschaftl. Kongresse des vorigen Jahres die offizielle Vertretung des Ackerbaues ausmachen, mögen sich nicht wundern, wenn in Zeiten drohenden Mangels kommunisti­sche Ansichten, wie sie in jenen Vorschlägen enthalten sind, auftauchen. Sie haben sie großziehen helfe». Als ihnen auf dem landwirthsch Etlichen Kongresse im vori­gen L-ommer der Vorschlag gemacht wurde, einen Theil der Zölle, welche im Zollverein zumSchutze" des Ackerbaues bestehen, aufzuheben, da wollten sie, die sich so gern die mackeilosen Anhänger des Eigenthums nen­nen, die gehässigsten Schutzzölle, die Zölle auf Nah­rungsmittel, behalten. Die Herren waren damals Schutz­zöllner. Sie wollten den Vortheil nicht aufgeben, daß im Fall einer schlechten Ernte durch künstliche Ver- theuerung der Nahrungsmittel die Konsumenten zu ihren Gunsten erpropurt würden. Es ist nur eine Konse­quenz ihrer Handlungsweise, wenn jetzt Vorschläge auf­tauche», einen Theil ihres Ernteertrages zu Gunsten der Konsumenten zu erpropriiren. Sie mögen andere Gründe, als diesen Vortheil, für die Ablehnung jener Vorschläge gehabt haben; wir wissen, daß sie andere Gründe angaben: aber gleichwohl trifft sie unser Vor­wurf, trifft sie die Konsequenz ihrer Prinzipwidrigkeit mit Recht. Zölle tum Schutze des Ackerbaues und der Viehzucht haben in einem Lande, das, wie der Zoll­verein, vorzugsweise Ackerbau treibt, der Mehrzahl nach in gewöhnlichen Zeiten weder als Schutz- noch als Fi­nanzzölle große Bedeutung, da regelmaß g Ackerbaupro- diikte nicht ein-, sondern ausgeführt werden. Für ge­wisse, namentlich GrenzdiMkte, wo der Bezug der Nah­rungsmittel mdjècm AuSlaade wohlfeiler ist, sind die­selben auch in ^cwohnltchei^Zeüen höchst drückend. Zu­dem benachther 'gt ein Getreidezoll auch den Korn- ausfuhrhandel: erschwert es, daß die eigenen Küsten- Plätze zu Lager agsplätzen,Zür den Welt-Kornhanoel werden; er in o!"et in-vi.,... I günstige Kon­junkturen in einem Nachbarlâde zu benutzen, weil er die nachträgliche Ergänzung der eigenen Borrâthe durch Zufuhr aus andern Ländern verhindert; er erschwert jede Spekulation auf auswärtige Märkte, da er beim Miß­lingen derselben die Rückfuhr des Getreides vertheuert. Schon in gewöhnlichen Zeiten sind also die landwirth- schaftlichen Schutzzölle verwerflich. Tritt aber Miß­wachs ein, so sind gerade die Zölle auf Nahrungsmittel die gehässigsten und verderblichsten. Die emzige Hülfe in Zeiten res Mangels und der Theuerung ist die Zu­fuhr von Außen; aber mag J>as Ausland nns noch so reiche Fülle bieten: es steht der Zollwächter an der Grenze und verwehrt ihr, Hereinzuströmen und unsere

Noth zu mildern! In Betreff des Zolls auf Getreide- und Hülsenfrüchte hat man in den Ostseeplätzen in der kurzen Periode erhöhterKornpreise im Mt.Oktl r. schon lehrreiche Erfahrungen gemacht. Einen großen Theil des Monats hindurch standen die Getreidepreise in Stettin 7 Thlr. für den Mispel höher als in Amsterdam; Fracht und Spesen für Herbeischaffung eines Wispel« Getreide von Amsterdam nach Stettin betragen 5 6 Thlr. Es wäre also vortheilhaft gewesen, Getreide von Amster­dam nach Stettin einzufâhren und die Einfuhr würde die Preise gedrückt haben. Aber der Zoll von 5 Sg. pro Scheffel, 4 Tylr. pro Mispel, fraß den Vortheil, den die Einfuhr hätte haben können, und mehr alS diesen Vortheil auf; die Einfuhr unterblieb und die Preise behaupteten ihren Stand. Außer dem Zoll auf Getreide und Hülsenfrüchte, welcher den Scheffel um 5 Sgr. vertheuert, heben wir noch folgende landwirth« schaftliche Schutzzölle hervor: Kraftmehl, Nudeln, Stärke, Graupen, Gries, Grütze, Mehl zahlen einen Zoll von 2 Tylrn. pro Ctr., Ochsen 5 Thlr. das Stück, Kühe 3 Thlr., Jungvieh 2 Thlr., Kälber 5 Sgr., Schweine 20 Sgr. bis 1 Tchlr., Hämmel 15 Sgr., Schafe und Ziegen 5 Sgr., Salzfleisch, Schinken, Speck 2 Thlr. der Centuer, Talg und Schmal; 3 Thlr. (das Pfp. 1 Sgr.), Butter 3 Thlr. 20 Sgr. (das Pfd. mehr als 1 Sgr.), Oel 1 Thlr. 10 Sgr., Reis 20 Sgr. bis 1 Thlr., Käse 3 Thlr. 20 Sgr., Spirituosen 8 bis 16 Thlr., Sago 11 Tylr. Die zeitweise Auf­hebung aller dieser Zölle würde die Finanzen nicht zu sehr beeinträchtigen und die Einfuhr einer ungeheuren Menge vön Nahrungstoffeu, und zwar der gesundesten und nahrhaftesten Art, bewirken. Wir würden z.B. im Groß­handel den Reis zu 2 Sgr. das Pfund, den Sago zu 2% Sgr. beziehen. Für eine große Zahl dieser Zölle werden auch der gänzlichen Aufhebung wohl keine ernst­lichen Bedenken entgegenstehen. Namentlich bei denen auf Getreide und Mehl sucht man vergebens nach einem Grunde ihrer Eristenz. In Zeiten des Mißwachses müssen sie aufgehoben werden; aber ihre Aufhebung kommt dann immer theilweise zu spät, weil sie erst eintritt, wenn der Mangel schon da ist. Wir haben noch eine Art von Zöllen auf Nahrungsstoffe hervor- zuheben, die man in der Regel nicht zu den landwirth­schaftlichen Schutzzöllen zählt, die aber recht eigentlich dazu gehören, wir meinen die Zölle auf Zucker und Syrup. Sie haben die Rlloenzuckerfabrikation zu einem auf der Landwirthschaft b iftrenCen Gewerbe gemacht und vorzüglich dazu gedient, die s. g. Grundrente der zum Runkelrübenbau geeigneten Felder auf Kosten der Zllckcrkonsumenten in die Höhe zu schrauben. Sie ha­ben in den fruchtbarsten Gegenden des Zollvereins den Getreidebau von den besten Feldern auf diejenigen ge­drängt, welche einen geringeren und minder fsicheru Ertrag gewähren, um das beste Land einem Gewerbe­betriebe dienstbar zu machen, der nur durch beständige ~ Zubuße aus den Taschen der Könmmenten sein Leben fristet. Auch diese Zölle haben durch die Theurung

Durch Nacht zum Licht!

Matth., Sap. 10, B. 18 n. f. w.

Must es so sein? Mit Haß die Liebe ringen, Wie Licht mit Nacht? Gehemmt ihr Frühlingsschritt? Muß er durch Dornen und durch Sümpfe dringen. Bis er aus den ergieb'gen Boden trit?

So sei es denn! Laßt kühn uns vorwärts schreiten.

Ein jedes Wundenmal ist Licbeswort;

Die Tropfen Blutet, die darnieder gleiten, Sie schlagen Wurzeln Heil'ger Liebe dort.

Nicht Schmink' noch Schleier darf die Wahrheit tragen,

Der Liebe ZwiüingSschwester zage nie,

Mag man sie auch in schwere Fesseln schlagen, Man richte geistnmnachtct über sic;

Man lad' ein schweres Kreuz auf ihren Rücken, Man führe sie zu ihrem Golgatha, Siegmuthig muß vom Kreuz sie uiederblicken, Noch von der Schwester zeugen muß sie da.

Ob Pharisäer auch das Unkraut säen, Krisgsknechte ihre junge Saat zertreten. Haßgier'ge Fäuste ihre Halme mähen lind jubelnd drob zu ihren Götzen beten,

Die Liebe siegt!! Ihr Saatkorn ewig treibet

Zuletzt selbst aus dem Unkraut ihre Frucht.

Was sie auch'te, Alles, Alles bleibet! Vergebens ist, was blinder Haß versucht!

Wir werden rastlos ihre Jünger bleiben,

Und für sie leiden, ringen mit zum Sieg,

Für sie mit Flammenschrift wie reden schreiben;

Verschlingt uns auch der haßgenährte Krieg,

Auf unsern Gräbern wird's einst Frühling werden,

Ein neues Paradies muß einst ersteh'n,

Die Liebe nur wird leiten dann auf Erden,

Und Haß und Neid und Lüge untergehn!

_____________ E. Horneyer.

Städtisches Theater zu Wiesbaden.

Sonntag den 26. Oktober 1851: Oberon, Ro­mantische Feen - Oper in 3 Akten, Musik von C. M. v. Weber.

Weber hat das hohe Verdienst, in seinem Oberon vorzüglich nach Wahrheit und Einheit des Zeit- und Ortscharakters mitglücklichem Erfolg gestrebt zu haben. Alideutsame Instrumentation, musikalisch freie Melodie, Gesangweise unter Herrschaft deklamatorischen Nythums sind Vorzüge, die dieser Oper vorzüglich die Klassifizi- tät verleihen. Die Aufführung betreffend, so müssen

wir zuerst die meisterhafte Durchführung der Ouver­türe unter der sichern Leitung des Hrn. Schinvelmeiffer erwähnen, welche das in allen Räumen gefüllte Haus mit stürmischem Beifall belohnte. Die Rezia der Frl. Storck war eine ausgezeichnete Leistung im Spiel sowohl als im Gesang, und es gelang ihr, das jugenv- lich-schwärmerische zarte Mädchen, das wir uns in der Phantasie als Vorbild ausmalen, lebend vors Auge zu führen. Die große Bravour-Arie:Ocean, du Unge­heuer!" (S-dur) sang sie mit hinreißender Wir­kung, und wir vermißten gerne darinnen den über­mäßigen Aufwand von Kraftmitteln, womit dieselbe gewöhnlich ausgestattet zu werden pflegt von denen, die die Rezia zur Ungebühr unter die heroischen Rollen rechnen. Fräulein Meier war als Fatime eine an« genehme Erscheinung und führte ihre Parthie recht ge­lungen durch, besonders ansprechend wurde das Duett von ihr undScherasmin (Hrn. Kühn le) vorgetragen, welch Letzterer sich im Spiel und Gesang vortheilhaft bemerkbar machte. Herr Peretti zeigte in der Par- thie des Hüon den durchdachten Sänger, der nicht zu verschwenderisch mit seinen Mitteln verfährt nnd stets berechnet, ,vohin er seine Kraft zu verwenden hat, was durch wiederholten Beifall volle Anerkennung fand. Als Oberon leistete Frau v. Nebell, obgleich diese Parthie (Tenor) für ihre Stimme nicht günstig liegt, da'Mögliche. Fräulein Grimm wirkte als Puck recht ve. dienstlich, doch könnte sie diese Parthie nicht jur