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II

1851 genommen. Ich hätte lieber die Predigten die­ses Jahres berücksichtigt gesehen, da diese für den Zweck ver Anlage. nicht nur eine reichere Ausbeute ge­geben hätten, sondern auch das Verhältniß zum Chri- stenthum klarer und schärfer als die ältern beleuchten. So ist es auffallend, daß der mit der Glaubens- revission Beauftragte die zu Anfang 1851 über die Unsterblichkeit gehaltene Predigt unbeachtet gelassen und sich bei dieser Frage mit einer einzigen Predigt von 1850 begnügt hat. G. Weigelt." Die Er­wiederung an den Senat (zunächst an den Weddeherrn Sen. Schröder gerichtet) ist außer von dem Predi­ger Weigelt von den 6 Gemeindevorstehern: Buchet, Busch, ^Frieddurg (trat am 1. Jan. d. J. in der Ton­halle öffentlich vom Judenthum zum Deutschkatho- licismus über), Windeier und Sandtmann unterzeichnet.

Schleswig-Holstein. (D. R. Z.) Die Knech­tung Schleswigs geht ungestört ihren Gang fort. Das Militär halt nach wie vor, wenn auch nicht mehr durch Prügel, das famose Grußcdikt aufrecht; und su­chen zudem die Offiziere mit ihren Familien auf Kosten der Beguartierten zu leben und es sich wohl sein zu lassen. Wer nicht grüßt oder wer sich weigert, die Familie des Offiziers, die er zu sich hat kommen las­sen, zu beköstigen, der erhält einige Mann mehr Ein­quartierung. Denn das Militär quartiert sich auf dem Lande selbst ein, und richtet sich nicht nach den für die Einquartierung bestehenden gesetzlichen Regeln. Die Civilverwaltung aber sucht nach und nach die wenigen Geistlichen und Lehrer zu entfernen, die noch von frü­her her vorhanden und nicht Willens sind, unbedingt den Gelüsten der Dänen und ihrer Genossen zu fröh- neu. Namentlich gilt dies von denjenigen Distrikten, die man mit der dänischen Kirchen- und Schulsprache zu beglücken beschlossen hat. Nachdem neuerdings wie­der eine Menge Schullehrer beseitigt, und die Prediger in Gelting, Töstrup, Nabenkirchen, Joldelund u s. w. entsetzt worden, wird in jenen Distrikten kaum noch ein anständiger Lehrer und Geistlicher aus der früheren Zeit vorhanden sein. Und dennoch läßt der Schles­wiger sich nicht beugen! Die Animosität wächst mehr und mehr, und je weniger sie sich äußern kann, desto tiefer frißt sie sich in die Herzen der Bevölkerung ein. Das gutmüthige, loyale Volk denkt jetzt nur an den Tag der Rache.

Italien

Rom. Ein am 5. Okt. ergangenes Urbis et Orbis Decretum mad)t bekannt, daß auf Ansuchen des Jc- suitengeuerals Ablaß in verschiedenen Abstufunaen ge­währt werde für ein gegen Versuchungen der Jugend heilsames Gebet zur Mutter Gottes, wenn dasselbe täg­lich zwei Mal oder im Augenblicke der Versuchung ent­weder in lateinischem Formular oder in wortgetreuer Uebersetzung gebetet werde!

S ch w e i z.

HH Aus der Schweiz, 30. Oktober. Forcirtheiten auf der einen, wie auf der andern Seite führen zu entgegengesetzten Resultaten, sobald der Volksgeist wach ist. Dies zeigen einmal wieder recht schlagend die nun­mehr beenkigten Nationalrathswahlen. Freiburg und Luzern ;. B. wählten im Verhältniß von 10 gegen 2 radikal, das radikale Waadt'm ähnlicher Weise kon­servativ. Der Sieg der Radikalen in St. Gallen gibt dieser Partei an % der Stimmen im Nationalrathe. Ochsen­bein hatte versucht, den volltönenden Namen Dufour zu seinen Parteizwecken auszubeuten, doch, obgleich bei beiden Parteien als Militär geschätzt, siel er überall durch, weil das Volk die Absicht merkte. Ochsenbein hat überhaupt schulbubenmäßig operirt und es deshalb selbst mit seinem Anhänge arg verdorben. Das Berner Patriciat, das auf seinen Rath nicht wählte, fühlt bit­tere Nene, sich vor der Schlacht schon besiegt erklärt zu haben. Besonders lebhaft war der Kampf im Jura, wo die Parteien fast-gleich sind und die Konservativen zwar siegten, doch nur mit winzigen Majoritäten. Die Stimmzahl betrug 17,179; die absolute Majorität 8590. Die Konservativen erhielten: Mochard 8738, Elsasier 8649, Moreau 8667, Aubry 8620; dagegen die Ra­dikalen : Stockmar 7929, Carlin 8007, Revel 8007, Kleyen 8053 Stimmen, woraus ersichtlich, daß die ra­dikale Minorität fast wie ein Mann stimmte.

. Zürich, 30. Okt. DieN. Zürch. Ztg." bemerkt: In den Wahlergebnissen, die aus allen Kantonen ein­berichtet werden, beurkundet sich unbestreitbar die Ueber­einstimmung der schweizerischen Nation mit der gegen­wärtigen Bunkesgesetzaebung. Wenn auch die Natio- nalrathswahlen in einigen Kantonen zu einem mehr örtlichen Parteicnkampf benutzt wurden, so hat sich in Wahrheit von einer eigentlichen bnndesfeiuklichen Partei oder einer sogenannten Reaktion keine Spur gezeigt."

Basel, 30. Okt. (Fr. Journ.) Der Ausfall der Wahlen im Berner Jura wird dem dortigen Einflüsse der Geistlichkeit auf bte kath. Bevölkerung zugeschrieben. Geistliche sollen dort in Familienkreisen sogar geäußert haben,es sei ein größer Verbrechen für Stockmar zu stimmen, als eineu Menschen zu tödten." Ein vom Klerus vertheiltes Schriftchen bedroht Diejenigen, welche

1 für einen Radikalen stimmen würden, mitVertamm- I Niß der Hölle" und erklärt es überhaupt für einVer- 1 g brechen". Die Geistlichen hatten die Wahlburcaur be- ' setzt, und schrieben selbst den Leuten die Stimmzettel. Es soll deshalb auf Nichtigfeitserkläruiig der Jura- Wahlen beim nächsten Nationalrathe angetragen werden.

Spanien.

Madrid, 22. Oktbr. Das KriegsdampfbootIsa- ! bella die Katholische" ist, von Cuba kommend, am 19. d. in den Hafen von Cadir eingelaufen ; es hatte meh­rere der deportirte» amerikanischen Freischärler und den in Neworleans beglaubigt gewesenen spanischen Konsul an Bord.

Gsoßbritaa «ien.

London, 29. Oktober. (Köln. Ztg.) Heute Mor- ' gens um 6 Uhr ist Kossuth in Eaton place angelangt. Er kam heute so wie vorgestern incognito hier an, um allen Demonstrationen auf dem Bahnhöfe vorzubeugen. Der feierliche Empfang wird in der City stattfinden, und werden bereits alle Vorkehrungen getrosten, diesen nach altenglischem Brauche so pompös als möglich zu machen. Die Discusstons-HaUs, welche in London be­kanntlich sehr zahlreich sind, und in denen oft bessere, jedenfalls originellere Reden gehört werden, als selbst im Parlamente, beschäftigen sich ausschließlich mit Kos­suth. Das Publikum ist mit wenigen Ausnahmen dem ungarischen Gaste zugethan.. Die toryistischen Blätter fangen auch an, sich anständiger über Kossuth auszu­sprechen, und gestehen bereits, daß er kein gewöhn­licher Mensch sei. Auch die Judge und Jury, eine Carricatur der Jury, welche hier ungefähr die Rolle spielt, wie in den Cafés chantants von Paris die komische Chansonette, hat sich des modernen Gegenstandes bemächtigt, und die Annonce-Wagen kündigen the new case an: Kossuth und Louis Bonaparte vor den Schran­ken des Judge von Garrickheab. Die Adresse in der City erhält täglich neue Unterschriften, so wie die Adressen aus den übrigen Grafschaften sich mehren. Frau Kossuth ist im wirklichen Sinne des Wortes be­stürmt mit Anträgen von Erziehungs-Anstalten für ihre Kinder. Diese werden jedenfalls hier verbleiben, wäh­rend Frau Kossuth ihren Mann nach Amerika zu be­gleiten gedenkt. Das gestrige Banket in Southampton war eines der glänzendsten, deren man sich hier erin­nert. Der Empfang Kossuth's in de» Straßen war wo möglich noch enthusiastischer, als bei seiner Ankunft. Die Eisenbahn-Gesellschaften hatten billige Trains von London und den mit Southampton in Verbindung ste­henden Punkten aus veranstaltet und die Hafenstadt hatte ein ungewöhnlich belebtes Aussehen. Die Rede Kossuth's werden wir nachtragen. Die Version der Times" ist die genaueste, doch muß bemerkt werden, daß Kossuth durch heftigen Brustschmerz gezwungen war, eher abzubrechen, als er gewollt zu haben schien. Auf dem Meeting in Guildhall wird Kossuth gleichfalls eine längere Rede halten. Doch der ausführlichste Speech dürfte für das Banket in der demokratischen Start Birmingham aufbewahrt bleiben. Kossuth wirr, wie mir von einem seiner Freunde mitgetheilt wurde, jede für seine Person zu veranstaltende Subscription ausschlagen, und soll er erklärt haben, daß er die Hülfe Englands zu Gunsten der Sache, und weder seiner Person noch auch der Emigration in Anspruch zu nehmen gedenke. So muß auch-die von Ihrem ge­schätzten Blatte gebrachte Mittheilung von een fünf­zehn Tausend Dollars, welche ihm aus Amerika ge­schickt wurden, berichtigt werde». Kossuth hat nicht einen Heller vo» der amerikanischen Regierung erhalten. Wann der feierliche Umzug in London Statt finden soll, ist noch nicht bekannt; wahrscheinlich morgen. Je­denfalls werden große Placate die Bewohner von der Zeit in Kenntniß setze». Die Abreise Kossuth's »ach Amerika ist für den 14. Nov. festgesetzt. Mehrere Schifffahrts-Gesellschaften haben freie Ueberfahrt für Kossuth und seine Gefährten angebotem

Republik Frankreich.

w Paris, 30. Oktober. Vero», der bekannte Vertraute Louis Bonapartes uuv Lärmtrompeter des Constitutionnel" ist heute das Gespräch des Tages: Veron legt heute in seinem Blatte eine Lanze ge­gen den Präsidenten ein, Vero» schüttelt den Ely­seestaub von een Füßen! Längst lag die Partei Ve­ron-Morny mit der Partei Persigny. Girardin im Elysee in Fehde; die erstere scheint jetzt für den Augenblick durch Girardins aufgehende Gunst besiegt, doch das Pikanteste ist dabei, daß auch Girardi» sei- »es Einflusses noch keineswegs gewiß zu sein scheint. Louis Bonaparte soll von feinem neuen Kabinet die Zusage erlangt haben, daß es die Abschaffung der Ge­setzes vom 31. Mai beantragen und sich nicht zurückziehe» wolle, welche Beschlüsse auch die Nationalversammlung in dieser oder jeder andern Frage fassen werde. Da­für soll der Präsident zugesagt haben, keine Staats­streiche oder gewaltsame Oppositionsmaßre- gel n gegen die Nationalversammlung zu unternehmen. Hiermit stimmt freilich die Anrede des neuen Polizei- präfekls so wenig, wie der Tagesbefehl des neuen Kriegsministers, die beide eine Sprache führen, als stehe die Diktatur vor der Thüre. Man spricht heute auch bereits von einigen neuen Veränderungen im Ka- binet, da Corbin das Justizministerium nicht über»eh- me» will. Manche hoffen auch jetzt noch auf eine Aussöhnung mit der Majorität. Die Börse war heute etwas besser: 3p(5t. 55, 60^ (Hausse 15 C.); 5pCt. 89, 95 (Hausse 10

Belg i e n.

Brüssel, 29. Oktober. (Köln. Ztg.) In fast al­len Städten, mit Ausnahme Antwerpens, haben in den Wahlen für die theilweise Erneuerung der Ge- meinderäthe die Liberalen gesiegt. Selbst in Namur

unb Löwen, dieses letztere der Brennpunkt des Cleri- kallsmus, wo die Universität einen übergroßen Einfluß übte, sind die von den Clerikalen begünstigten Candida­ten, und unter ihnen der Herr Landeloos, der Ban­nerträger der Partei, erlegen. In Antwerpen wäre die beabsichtigte Ausstoßung der Herren Legrelle, Geel- hand und Gheystens jedenfalls ein Mißgriff der Libe­ralen gewesen, da diese Herren zu den geachtetsten der Stadt gehören. In einigen Städten,, wie Brüssel und Lüttich, haben die Clerikalen längst aufgehört, zu kämpfen. Nichts desto weniger wird die ministerielle Partei sich auf ihren Sieg viel zu Gute thun. Wes­sen sich aber wahrscheinlich keine Partei rühmen wird, sind die 250 Stimmen, die in Verviers an den noto­rischen Republikaner Mottet gegeben wurden.

Rußland.

Odessa, 26. Okt. (N. P. Z.) Vorgestern um 8 Uhr Abends ist hinter bem alten Bazar eine Feuers­brunst ausgebrochen, wie 'sich einer ähnliche» un- fere Stadt nicht zu erinnern weiß. Anfänglich griff das Feuer die Läden an, bis es in den nahe liegenden Holzvorräthen noch größere Nahrung fand. Wegen der großen Intensität des Feuers konnte man erst ge­gen Mitternacht sich mit den Löschanstalten zweckmäßig näher» und erst gegen Mittag gelang es, sich dessel­ben zu bemeiftern. Die größten Verluste haben die Holzeigenthümer getragen; man schätzt dieselbe» auf mehrere hunderttausend Silberrnbel. 1

Amerika.

^ Briefe aus Washington melde», daß der Präsident der Vereinigten Staaten der Seestationen Ordre erhalten habe, Kossuth überall mit Ehrensalven und militärischen Honneurs zu empfangen.

X Allerseelen.

Ihr Tausende, an diesem Tage, Wo ihr der Brüder all' gedenket, Die unter banger Todtenklage Ihr in die finstre Gruft gesenket.

O daß in alle» euren Seelen Heut' ein Gelübde für die Liebe», Die ihr beweint, nicht möchte fehlen, Ein Schwur, mit Flammenschrift geschrieben:

Daß alle, welche hier begraben Und noch in Geistesknechtschaft schieden, Einst Ruhestätten sollen haben In freier Erd' und Glaubensfriede».

Vermischtes.

* (Zur Vergleichung.) In Savoyen, dem früher vielleicht am Weitesten hinter der europäischen Civilisation zurückgebliebenen, entzog laut derAugsb. Allg. Ztg." die GemeindeSamoenS den Jgnorantelli den Unterricht'. Zn^RWnhëssèn, wo früher die Volks­schulen blühten, sollen zu den «schulbrüdern auch noch Schulschwestern eingeführt werden. Im katholischen Genua erschienen reformatorische BriefeDel Papato von Terenzio Mamiani; in ketzerischem Rußland sind alle antipapistischen Schriften jetzt streng verpönt.

Von dem äußerst thätigen Publizisten Bianchi-Gio« vini, Hauptredakteur derOpinione" in Turin, ist so eben der vierte Band seiner vielgelesene»Storia de Papi (Geschichte der Päpste) und eineStoria Bibliea erschienen.

Bei Silvius Landsberger in Berlin ist erschienen: Kossuth's Ankunft und Empfang in Southampton, nach authentischen Berichte» ausgenommen unb gezeich­net von Steckmest. Großes Querfolio-Blatt in Ton­druck. Preis 10 Sgr."

VoLkswirthschaftLicher Theil.

K fErnte-Refultate.) DerElberfelderZtg." wird eine Zusammenstellung der diesjährigen Ernte- Erzeugnisse gemacht, die in manchen Angabe» nichts weniger als richtig ist, doch da die Leser, welche unfern Berichten mit Aufmerksamkeit gefolgt sind, selber leicht ab und zugeben können, so ist diese Uebersicht doch nicht ohne Interesse. Eine gute Ernte in allen Getreide- arten machten nach derElberf.Ztg.": Schlesien mit einem Flächengehalte von 742 Qudr.-M., Posen 536, Frankreich 9625, Belgien 550, Holland 620, das süd­liche Rußland yi0 seiner ganzen Größe von 100,000 Qn.-M. angenommen 10,000 Qu.-M. Eine gute Ernte, außer Roggen, der nur eine Mittel-Ernte lie­ferte, machten folgende Gegenden: Westphalen mit 368, Rheinpreußen mit 487, Brandenburg mit 731, Pom­mern mit 574, Preußen mit 1178, Hannover 700 und Oesterreichs deutsche Besitzungen 3700 Qu - M. Eine gute Ernte lieferte demnach ein Flachenraum von 29,811 Qu.-M. Dagegen wollen eine schlechte Ernte gemacht haben: Thüringen mit 465, Königreich Sachsen mit 272, Bayern mit 1400, Württemberg mit 360 und Baden mit 275 Qu.-M., zusammen 2772 Qu.-M. Falls nun", räsonnirt dieElbf. Ztg." weiter,letz­tere Länder gar Nicbts geerntet hätten, so würde dies nur einen Ausfall auf ras große Ganze von circa 5 pCt. ergeben. Da nun Baye 11 aber bei seinem gro­ße» Flächenraum von 1400 Qu-M. nur 4V2 Mill. Einw. zählt, dazu aus verschiedenen Theilen desselben