Die „grete Zettung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, laglich in einem Aogen — Der Adonnemenispre'L betrag! viertelt»»«»- »irr in LSirid»»«» l g. *5 k„ auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißinäßtgem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei »er großen Sertedtung der »Freien Zeitung" stets von wirksamem Erfolge. — Die JnserattonSgebühren betragen für die vierspaltlgr Petitzeile 3 ft.
I .. ■ ........... - -----------------------------
Ludwig Koffuth in England.
Winchester, 25. Okt. (K. Z.) Kossuths Wohnung in Winchester ist fortwährend in Belagerungs- Zustand. Die Deputationen und einzelne ausgezeichnete Individuen folgen einander auf dem Fuße, und die Zeitungsreporters haben ihr Hauptquartier daselbst aufgeschlagen, damit ihnen ja kein Moment entgehe, ja kein Name entschlüpfe. Selbst der Berichterstatter der „Times" macht seine Noten in der Wohnung des ehemaligen Gouverneurs von Ungarn. Inmitten dieses Tumultes, während jeden Augenblick ein Anderer Kossuth vorg»führt wird, arbeitet und schreibt dieser unausgesetzt, um die dringendsten Briefe und Anfragen zu erledigen. Heute wurde ein ganzer Koffer von Briefen, blos aus England, auf Kossuths Stube gebracht. Herr Luke, der bekannte Medailleiischuitzer, arbeitet gleichfalls in Kossuths Zimmer und folgt ängst- I lich allen Bewegungen des Gouverneurs; dicke Schweißtropfen traten auf seine Stirn, und er machte eine ganz spaßige Figur, als eine Deputation der Baptisten ihre Aufwartung machten. Die Einladungen zu Banketten nehmen kein Ende, und nach den Antworten zu schließen, die Kossnth bisher ertheilt, hat er die Absicht, hier in England ganz außerhalb der Parteien zu stehen. Aus diesem GruNbe dürfte auch das von den Chartisten beabsichtigte Banket abgelehnt worden sein. Kossuth soll geäußert haben, daß er alle Parteien bei sich empfangen, baß er aber burchaus keiner Partei irgenbwie den Vorzug geben wolle. In England habe er es mit der Nation zu thun. Er darf nicht ausschließlich austreten, da er gegen das Prinzip der Jntervenirnng fremder Mächte in dem Freiheitskampfe zu agitiren beabsichtigt. In seiner nächsten Rede wird er, wie aus den Bemerkungen auf verschiedene Anfragen erhellt, bereits den diesfälligen Feldzug beginnen. Rußland soll verhindert werden, sich in die Angelegenheiten der Völker, die für ihre Freizeit kämpfen, zu mischen, das Uebrige werden diese schon selber machen. Es wird nicht schwer nachzu- weiseu sein, wie Englands Interessen mit jenen aller unterdrückten Nationen die gemeinschaftlichen seien, so wie sie gegen das Interesse Rußlands verstoßen. Die österreichische Regierung hat Nichts verloren, so lange gewartet zu haben. Der Weg, den Kossuth einzuschlagen gedenkt, ist jener der Assoziationen und die Bedingung des mächtigen Einflusses der Munizi'palbehörden. Die vorzüglichsten derselben haben sich bereits in Adressen an Kossuth gewandt. Es verdient auch erwähnt zu werden, daß die Frauen sich in ihrer Begeisterung • für Kossuth auszeichnen. Heute waren mehrere Hundert der Winchester-Frauen bei ihm und mehrere über- , reichten ihm Blumen. Die Redakteure schicken ihm alle ihre Blätter, und heute sind bereits die über Ungarn und Kossuth erschienenen Broschüren, Gedichte und Lieber ihm zugesenbet worden. Von den Städten , die er besuchen wird, dürfte Birmingham eine der ersten sein. Kossuths Frau ist mit Madame Pulszky t bereits nach London gereist. Die rege Theilnahme in der Stadt, so wie in London ist im fortwährenden Zunehmen und hält mit den perfiden Angriffen der „Times" gleichen Schritt. Ihr heutiger Leitartikel ist um so giftiger, je artiger zu sein er sich bemüht. Ueber die Rede schweigt fr natürlich und meint blos, daß Kossuth die Anerkennung und Vorliebe für die [ englische Konstitution mit dem Kaiser von Rußland theile.
. Die „Times" scheint sich auf letzteren sehr viel zu Gute
zu thun und darin eine Entschuldigung für ihre russische Politik zu suchen. Heute war großes Frühstück beim Mayor von Southampton, an dem Koffuth lelber keinen Theil nahm, da er fortwährend arbeitet, und Anreden hält ober anhört. Man muß so an unausgesetzte ’ Thätigkeit gewohnt und durch solche Uebung gestählt ie sein, wie Kossuth, um solche Anstrengungen auszuhal- ten. Es ist ein interessanter Anblick, den schönen Mann mit dem milden Blicke, der hohen, gedankenschwangeren - Miene, den belebten Zügen, dem schwärmerischen Lächeln inmitten der gemessenen Engländer zu sehen. Sein ♦ Talent, die Herzen zu gewinnen, mit denen er verkehrt, scheint bereits hier seine Wirkung zu äußern. Er macht einen entschieden günstigen Eindruck. Als er die Türkei verließ, brach der Gouverneur von Kiutahia so wie Kossuths Dienerschaft in Thränen aus. Hier ergibt sich gleiche Theilnahme, Cobren und Lord Dudley Stuart waren fast den ganzen Tag hier, und auch die i Notabilitäten der ungarischen (Emigration sanden sich bereits ein.
London, 27. Oktober. [Äöln. Ztg.) Kossuths Reden, welche er in Winchester beim Dejeuner des Mayors gehalten, füllen die Spalten der heutigen Journale. Die Rede war zunächst für England berechnet, und dieselbe enthielt eine gedrängte Zusammenstellung der Nevolutions-Ge chiäüe in Ungqrn. Die Blätter sprechen sich, mit Ausnahme der „Daily News", noch nicht in Leit-Artikeln darüber aus, doch glaube ich zu wissen, daß Ksffuths Auftreten hier den Beifall gewiegter Staatsmänner gefundn. In der zweiten Rede Kofsuths in Winchester, in welcher er nachzuwei- sen suchte, daß die Regierungsi wm eben nicht immer die Hauptsache, machte die Anführung der bekannten Sage von den drei Ringen (Nathan der Weise) und die Parallele zwischen England, Amerika und Frankreich großen Eindruck. Diese kurze Ansprache, die gänzlich improvisirt war, überzeugte die Anwesenden von der Leichtigkeit, mit der sich Kossuth in der englischen Sprache bewegt. Die Agitation zu Gunsten Kossuths macht in London rasche Fortschritte, und selbst in der City, deren vorzügliches Organ die „Times" ist, wird eine Adresse an ihn unterzeichnet, die bereits von zehntausend Unterschriften bedeckt ist. Ich habe mit einem Mitgliede des Commou council gesprochen, und dieses meinte, daß nach dem gegenwärtigen Stande der öffentlichen Meinung kaum mehr ein Zweifel obwalte, Kos- suth werde zu dem am 9. November staltfinbenden Diner des Lord-Mayors eine Einladung erhalten. Ich brückte meine Ungläubigkeit ans und bemerkte, daß doch die Gesandten von Rußland, Oesterreich und Frankreich danir nicht erscheinen würden. „Das thut durchaus nichts", meinte bas erwähnte Mitglied des Ge- meinVeratheS ; „der Gemeinderath ist unabhängig und kann sich über solche Empfindlichkeiten des diplomatischen Corps Hinwxgsetzen." Es ist überflüssig, die Wichtigkeit einer solchen Auszeichnung näher zu beleuchten, und ich kann eben aus diesem Grunde noch nicht ganz die Meinung meines Gewährsmannes theilen, obgleich der Enthusiasmus für Kossuth so allgemein ist, daß auch diese Demonstration nicht mehr unnwssliK wäre. Eine gewisse Presse wird nicht ermaägeln, die Aeußerungen Kossuths hier mit der Presse von Marseille zusammenzusteUen, und so dürfte es nicht ohne Interesse sein, hier einiges über den Standpunkt Ko>- suth's zu bemerken. Es wurde mir gesagt, daß der Gouverneur von Ungarn in einer Unterredung mit mehreren Redakteuren der größten Journale von London sich ohne Rückhalt über sein politisches Glaubensbekenntniß ausgejprochen habe. „Ich bin", sagte er, „ein Anhänger jeder Freiheit und betrachte als Grundlage eines freiheitlich organisirten Staates die individuelle und die Muncipal-Freiheit. Für meine Person bin ich Republikaner und glaube, daß die Verhältnisse Ungarns nach dem, was daselbst geschehen, schwer eine andere Regierungsform zulassen dürften. Diese meine persönliche Ueberzeugung würde mich jedoch nie weiter gehen lassen, als in der Unabhängigkeits-Akte Ungarns gegangen war. Es wird Sache des Volkes und des Landes sein, die Regie- rungSform zu bestimmen. Hier in Englano bin ich Gast und gehöre keiner Partei an, und die Sache meines Vaterlandes ist so gerecht, daß wir auf die Sympathien aller Partei Anspruch zu machen, ein Recht haben. Der Kampf in Ungarn war der eines ganzen Volkes, und wer in seinem Namen spricht, der muß sich auch wieder an ganze Nationen und nicht an einzelne Parteien wenden." Ungefähr in diesem Sinne soll sich Kossuth ausgesprochen haben, und daß ihn in der That ehrliche Gedanken leiten, geht aus seinen hiesigen Ansprachen hervor. Der Grundsatz der Nicht- Intervention, für den Ko„uth auf dem Banket in Southampton in die Schranken treten wird, ist auch nur eine Schlußfolgerung der individuellen Freiheit, auf einzelne Nationen angewandt. Es ist zu verwundern, daß die Engländer, welche in ihren Associationen so viel praktischen Sinn darthun, nicht dieses Prinzip durchzuführen suchten, ehe sie an eine allgemeine Friedens-Association denken zu müssen glaubten. Der erste Schritt zum allgemeinen Frieden ist in der That die Anerkennung des Grundsatzes der N>cht-Jn- t e r v e n i x u ii g, und damit dieser nicht bloß eine leere Phrasebleibe, müssen die freien Staaten dessen Hintansetzung gleichfalls mit den Waffen zu rächen im Stande sein. Darum kaun auch die Agitation ter Frieeens-Congresse in so lange nur eine uii frucht^ re, ohnmächtige bleiben, in so lange die Nicht- Jntervenirung nicht oberster Grundsatz der europäischen Staaten Politik geworden. In Amerika wird bei Ge
legenheit der nächsten Präsidenten - Wahl das Prinzip der Nicht-Jniervenirung eine große Rolle spielen. Man wird daselbst die Grundlage der auswärtigen Politik Amerikas zur Wahrheit machen wollen, indem man den Grundsatz der Nicht-J itervenirung mit bewaffneter Gewalt aufrecht erhalten zu wollen sich bereit erklären dürfte.
Da die Nicht-JnterventionS-Frage in den durch die Abwesenheit Kossuth's hervorgerufenen politischen Meinungsäußerungen eine bedeutende Rolle spielt, so theilen wir hier mit, wie sich Cobden in Winchester über diesen Punkt anssprach. Er sagte: „Mein berühmter Freund (Kossuth) hat am Schlüsse seines höchst beredten Vortrages erklärt, er wünsche nur eiuc solche Kundgebung in England, welche Rußland verhindern würde, in Ungarn einzufalle« oder sich in die inneren Angelegenheiten eines Landes zu mischen. Wenn es irgend einen Mann gibt, der hinsichtlich der Nicht- JnterventionS-Frage eine stärkere Meinung hat als ein anderer, so bin ich dieser Mann. Ich bin ein Fanatiker dieser Lehre, weil ich glaube, daß keine männliche Kraft in England sein kann, welches sich rechtS oder links nach auswärtiger Hülie umsieht und seine Hülfsquellen nicht durch seine eigene innere Thätigkeit entwickeln darf. Doch stimme ich vollständig mit meinem Freunde darin überein, daß ein von England gesprochenes Wort eine fast unwiderstehliche K ast im Rathe der betreffenden Fürsten gehabt haben würde. Ich gestehe, ich kann nur bedauern, daß man die Invasion Ungarns durch Rußland, die größte Schmach für die Civilisation unserer Tage, ohne einen zornigen Protest von Seiten Englands hat hingehen lassen. Ich erklärte, daß, so lange der Streit zwischen Oesterreich und Ungarn liege, wir nicht weiter gehen dürften, als unsere Sympathie mit dem Rechte ausdrücken. Von dem Augenblicke aber, wo Rußland einschritt, änderte sich die Sache. Eine halb-barbarische Macht kam mit ihren Horden, um ein civilisi tereS Land zu vernichten, nnd ein starker Protest der Regierung und des Volkes von England würde von ungeheurem Vortheile gewesen sein. WaS aber waren die Fakta? Andere Staaten lagen in den Netzen der Reaktion. Die leitenden englischen Zeitungen aber sprachen nicht nur nicht einen Protest auS, sondern ergriffen geradezu Partei für die Sache Rußlands. Wäre die öffentliche Meinung so weit aufgeklärt, daß e^fei ie Zeitung wagen würde, sie durch Parteinahme für Rußland zu fälschen, so würde eS nicht viele Worte eines englischen Ministers deS Auswärtigen erfordern, um jener Meinung bei den fremden Machthabern Gewicht zu verschaffen."
* London, 27. Oktober. Die große Kossuth'sche Winchester-Rede liegt jetzt in den engl. Blättern in ihrer ganzen weltgeschichtlichen Schwere und orato- rischen Schönheit vor unS. Mögen die verschiedenen Parteien verschieden über Kossuths Politik urtheilen, so wird doch keiner leugnen können, daß es sich'hier um mehr als eine gewöhnliche R'de hindelt. Selbst dir „Times" gestehen daS zu Wer diese Reden und be- sonders die Winchesterrede nicht gelesen und in sich verarbeitet hat, der hat ein Stück Weltgeschichte versäumt. Dies der Grund, weshalb alle Blätter, ^welche mehr als bloße Neuigkeitskrambuden sind, ihre Spalten jetzt mit diesen Dokumenten füllen, die bas Siegel der Unsterblichkeit tragen. Die Winchester-Rede lautet nach ihrem wesentlichen Inhalte nach der „Köln. Ztg.":
„Herr Mayor und meine Herren! Indem ich mich erhebe, um Ihnen aufs herzlichste und aufrichtigste für die edlen, wohlwollenden und großmüthigen Gesinnungen, die Sie, Herr Mayor, auszudrücken die Güte hatten, und welche bei allen Anwesenden einen so warmen Anklang fanden, zu danken, empfinde ich eine Rührung, welche einer redn shen Leistn ig nicht eben günstig ist. Außerdem muß ich gestehen, daß ich durchaus unvorbereitet bin auf diese Gelegenheit, eine so ausgezeichnete Versammlung von Freunden und Brüdern aazuieeen. Oegleich ich nicht gerade ungewohnt bin, in meiner Muttersprache zu reden, wird es mir doch in zweifacher Hinsicht schwer, Sie in zusammenhängendem Englisch anzureven, und ich bitte daher auf einige Augenblicke um Ihre Nachsicht. Ich fühle, ui. H., daß- ich die großmüthigen Gesinnungen, welche Sw mir ausgedrückt haben, nichts Anderem zuschreiben daif, als der "edlen Sympathie für das edle Prinzip bec Freiheit, welche Engländern so wohl ansteht, und dem Glauben, daß die Sache Ungarns eine gerechte Sache war und eine Sache, bie anfs engste mit den Grundy fâge'n der Freiheit zusammenhängt. Statt des veigeb