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ner und rückhaltsloser. Der heutige Leit-Artikel, über­bietet die früheren. Sie fragt:Was fürchten wir und was haben wir zu fürchten,?" Und sie antwortet: Sie fürchte eben nicht die natürliche Furchtsamkeit oder den persönlichen Unmuts dieses oder jenes ihrer frü­heren oder jetzigen Freunde,es trete von uns ab, wer in der gegenwärtigen schweren Zeit einen Men­schen lieber hat, als die gute Sache: wir kennen unfern Bruder nicht, wenn er sich zwischen uns und unsere höchsten Ziele stellt!" Auch fürchte sie nichtdie Kammern mit ihren Fraktionen und Fraktiönchen: der Sturm in einem Wasserglase hat allerdings etwas gar Komisches, doch erschrecklich ist er weniger." Aber sie fürchtet, die Regierung könnte sich fürchten, den Kam­mern und dem Geschrei über Verfassungsbruch rc. mit der erforderlichen Verachtung zu begegnen. Wir müssen die folgenden Sätze wörtlich her setzen:Freilich wird man hier und dort den Mund voll genug nehmen und Kernphrasen, als da sind:Verfassungsbrüche",tiefste Erniedrigung Preußens",Mißtrauen der Völker", sittliche Eindrücke",altpreußische Ehre" und dergl., dutzendweise verkaufen,wie die Hufnägel". Doch was verschlägt dieses alles? Wenn sie ausgesprochen haben, dann haben sie eben geredet, und wenn man sich nicht darum kümmert, so ist es so, als hätten sie nichts gesagt. Die Zeit ist hin, wo Vincke Seide spann und Beckerath an dem wiegenden Webestuhle der Zeit seine schwülstigen Phrasen mit dem Uuschlitte seiner eigenen Thräne tränkte: mögen sie und ihre Mißver­gnügten heute rechts oder links anspringen,man merkt die Absicht und man ist verstimmt". Fürchten wir uns aber auch selbst nicht vor der Kammer, so können wir doch die Besorgniß nicht völlig unterdrücken, daß sich Andere vor derselben fürchten, und daß insbesondere die Regierung sich in die falsche Alternative hineindrängen lassen möchte, entweder ihre Vorlagen und Entwürfe durchzusetzen, oder aber zur Auflösung der widerspansti- gen Kammer zu schreiten. Einmal würde man durch die Auflösung wohl kaum eine willfährigere Versamm­lung gewinnen, und sodann, was kann es schaden, wenn wir ein Gesetz weniger verfertigen und unser Staatsrecht einstweilen beim Alten belassen! Wird das, was die Regierung will, im Lande als Heilsam erkannt und erstrebt, dann wird die Kammer durch dessen Verwerfung schwerlich an Einfluß und Ansehen gewinnen, und es wird nicht lange dauern, daß die stolzen Wellen sich zum Ziele legen. Bis dahin wird Niemand bezweifeln können, daß der Regierung, wie sie verfassungsmäßig das Recht hat, Gesetze selbstständig zu erlassen, auch die Befugniß beiwohnt, die Wirksam- keit und Ausführung als schädlich erkannter Gesetze und diese Gesetze selbst in der hiefür verfassungsmäßig vorgeschriebenen Form zu suöpendiren." Diese Sprache derN. Preuß. Z." ist doch endlich wohl klar genug! Die Kammer-Mehrheit hat sich übrigens die imperti- nente Sprache, womit das Organ der Junker über sie hinweggeht, selbst zuzuschreiben. Es ist natürlich daß man nach zwei Sessionen voll unzähliger und unend­licher Nachgiebigkeiten ihr die Fähigkeit mannhaften Widerstandes nicht mehr zutraut.

Berlin, 23. Oktober. fAllg. Agsb. Ztg.j Das kurhessische Ministerium hält sich bereits der Zustim­mung des Bundestags in Betreff der inzwischen er­lassenen Verordnungen und provisorischen Gesetze ^ver­sichert, und dieselben werden nun den nach dem Wahl­gesetz von 1831 zusammenberufenen Ständen zur defi­nitiven Vereinbarung vorgelegt werden. Ein Theil jener Verordnungen und provisorischen Gesetze, wie hie Abschaffung des Verfassnugseides des Militärs, die Urlaubseinholung der Beamten für den Eintritt in die Ständever ammlung, die Inkompetenz der Richter zur Nichtanerkennung einer in verfassungsmäßiger Hwrm erlassenen Verordnung sind ohnedies bereits in den Artikel 16, 23 und 24 der geheimen Beschlüsse der Wiener Ministerialkonferenz ausdrücklich enthalten. Andererseits wird es aus bester Quelle und durch Or­gane der liberalen Partei bestätigt, daß in Hessen we­der in der Justiz, noch im Schulfach die massenhaften Dienstentlassungen, Versetzungen und Pensionirungen stattfanden, von denen man gerüchtweise sprach. Selbst Bayrhoffer docirt noch unangefochten fort und Dr. Gräfe, Rektor der Kasseler Realschule, hat nur sein JnspÜientenamt über die vereinigten Partim- und Frer- schulen verloren.

Berlin, 26. Oct. Süddeutsche Blätter sprechen jetzt wiederholt die Meinung aus, daß mehrere süd­deutsche Regierungen den Zollverein kündigen dürften, da Preußen denselben factisch durch den Vertrag vom 7. September gekündigt habe. Wie derAld M." aus bester Quelle vernimmt, ist es gerade Preu­ßens fester Entschluß, den ZollvereinSvcr- trag vor dem 1. Januar auch formell zu kündigen. Man beabsichtigt von hier aus in der Vereinsverfassung Reformen von dringender Wichtigkeit durchzusetzen, die man nicht ferner dem Schicksal aus- setzen will, durch eine einzige dissentirende Stimme ver­hindert zu werden.

Posen, 24. Okt. [Wit. 3-1 Es sind hier seit einigen Tagen wieder Gerüchte einer bevorstehenden Mobilmachung des hiesigen 5. Armee-Corps lebhaft im Gange; wahrscheinlich in Folge der an die hiesige Landwehr ersten und zweiten Aufgebots in diesen Ta­gen ergangenen Ordre. Er hatte sich nämlich hier bei der vorjährigen Mobilmachung als sehr unzweckmäßig erwiesen, daß die Landwehren und Reserven aller Waf­

fengattungen nach einem und demselben Sammelplätze berufen waren; es ist daher jetzt für den Fall einer Mobilmachung die Anordnung getroffen und den ein­zelnen Leuten beider Aufgebote der schriftliche Befehl ertheilt worden, daß sich jeder sofort nach erhaltener Einberufungs-Ordre direkt nach dem für seine Waffen­gattung besonders bestimmten Haupt-Sammelplatze zu begeben hat. Als solche sind z. B. für gewisse Kreise bcstlinint: Posen für die Artillerie, Lissa für die Ca- vallerie und Glogau für die Infanterie. Außerdem aber und darauf gründet sich das Gerücht einer möglichen Mobilmachung wohl besonders ist den Wehrmännern beider Aufgebote zugleich die gemessene Ordre zugegangen, in jeder Beziehung bis zum 1. Nov. ihre Einrichtungen so zu treffen, daß sie, wenn am 2, die Einberufung Statt fände, derselben sofort Folge leisten könnten. Eine gleiche Ordre soll, wie uns ge­jagt wird, auch im Bezirke des 6. Armee-Corps (Schle­sien) erlassen sein.

Königsberg, 21. Okt. Als Kuriosum wird der K. Z:" mitgetheilt, daß ein ritterschaftlicher Abgeord­neter eine Petition folgenden Inhalts eiubrachte:Die Schullehrer- Seminarien sollen abgeschafft, die Lehrerstellen mit ausgedienten Unteroffizieren be­setzt und als Lehrgegenstände nur Schreiben, Lesen, Rechnen unb täglich ein zweistündiger Religions­unterricht eingeführt werden", und daß über diese Petition mit einer nicht gar zu großen Majorität zur Tagesordnung übergegangen wurde.

Braunschweig, 23 Okt. (Hann. Z.) Hier ist Ge­genstand des Tagesgesprächs eine durch Bermächt- niß einer jüngst verstorbenen wohlhabenden Frau be­gründete Stiftung zum angeblichen Belaufe von 40 50,000 Thlrn., aus deren Aufkünsten Jungfrauen des mittleren Standes eine jährliche und lebenslängliche Un­terstützung von 40 Thlrn. gegeben werden soll.

Leipzig, 26. Oktober. (Fr. I.) Sie erinnern sich vielleicht noch der Erzählung von einer dem sächsischen Kloster Marientyal entsprungenen Nonne. DasOber­lausitzer Journal" meldet jetzt, daß diese Nonne, welche wievererlangt sei, für diese ihre Entweichung eine schwere und harte Strafe zu erleiden habe.

München, 26. Oktober. DemNürnb. Kur." wird gemeldet, daß künftiges Neujahr ein bayerisches Armeekorps in der Pfalz aufgestellt werde. Die Vor­bereitungen hierzu werden^ gegenwärtig im Kriegslist, nisterium in der Art getroffen, daß dieses allmälig ge­schehe. Diesem zufolge haben zunächst die zweiten Ba­taillone der drei hiesigen Jnfanterieregimenter Befehl zur Marschbereitschaft zu gewärtigen. Es wird hiervon auch nicht das geringste Geheimniß gemacht und hat selbst Fürst Taris beim letzten Ausmarsch in die Pfalz in seiner Anrede an die Soldaten gesagt,daß bald noch mehr folgen werden."

Wien, 23. Oktober. Feldzeugmeister Haynau, den einige Zeitungen am Schlagfluß sterben lassen, befindet sichr inGraseuberg am erkrankt. Seine Frau ist in diesen Tagen gestorben.

Italien.

Turin, 20. Oktober. sAgsb. A. Ztg.j Der Krieg zwischen Prälaten und Universität wird fortgesetzt. Dies­mal traf der .erzbischöfliche Bannstrahl den Priester Dalmazzo, der vom Erzbischofs von Genua wegen sei­nesHandbuches für Elementarschullehrer" mit der kleinen Censur bestraft wurde. Dieses Buch war von der Turiner Universität erprobt gefunden und der Priester selbst von der Regierung bei der Schule von Chiavari angestellt worden. Der Censnrirte hat viele Freunde, die ihn wegen seiner Leutseligkeit lieb hatten, und findet daher auch überall Mitleid.

Nach demGiornale di Roma" vom 18. befand sich der Papst in vollkommener Gesundheit. Von dem Grafen Terenzio Mauüani ist ganz vor Kurzem in Genua eine Schrift über Vas Papstthum erschienen, die voraussichtlich viel Aufsehen erregen wird.

Uebec die gegenwärtigen Zustände Neapels lesen wir imM. Herald" folgendes:Es liegt uns jetzt ein von einundzwanzig neapolitanischen Geistlichen un­terzeichnetes Schreiben vor, von welchen drei Kanoni­ker, drei Doktoren der Theologie, ein Doktor des ka­nonischen Rechts, zwei ligurianische Missionäre und die übrigen einfache Priester sind, und welche eine Peti­tion an den Staatsanwalt des Criminalgerichts in Neapel richten, um von ihm die menschliche Behand­lung zu fordern, auf welche zum mindesten jeder noch nicht schuldig befundene Gefangene Anspruch hat. Sie schmachten jetzt seit mehreren Monaten in dem Ge­fängniß von St. Franzisko in Neapel, wo man sie, wie es scheint, vergessen hat, da man keine Anstalten trifft, sie vor Gericht zu ziehen. In der ersten Zeit nach ihrer Einkerkerung wurde jedem von ihnen iy2 Penny (etwas über 1 Sgr.) täglich zu ihrem Unter­halt ausgesetzt, aber seit dem 26. Februar d. J. ist ihnen in Folge eines Beschlusses vom Ministerium auch dieses Scherflein" entzogen worden, indem man ihnen bekannt machte, daß sie sich aus den Kirchengü- tern zu ernähren hätten. So liegen denn nun die meisten dieser Unglücklichen auf den nackten Fliesen ihrer Kerkerzellen, und sterben im buchstäblichen Sinne eines langsamen Hungertodes."

Großbrttannieu.

Das DampfschiffArno" hat einen italienischen Flüchtling nach Liverpool gebracht, der allgemeines Jn> tereffe erregt. Eine halbe Stunde vor der Abfahrt des

Schiffes von Livorno war ein Sack an Bord gebracht und nach Liverpoolfrankirt" worden. Als das Schiff die hohe See erreicht hatte, öffnete sich der Sack und sein Bewohner, keine Sultanin wie am Bosporus, sondern ein junger Mensch, fast noch Knabe, kam her­vor, um den Schutz des Kapitäns anzuflehen. Er hatte gute Empfehlungsschreiben an Liverpooler Häuser, aus denen sich ergab, daß er und eine Anzahl Alters­genossen, in der Sprache der italienischen Polizei, das ruchlose Verbrechen begangen hatten, religiöse Pamphlete drucken und verbreiten zu lassen, nämlich die Bibel' Einige seiner Genossen waren ergriffen und brevi manu erschossen; er war durch unendliche List glücklich unter dte englische Flagge gerettet.

* London, 27. Oktober. Gestern fand im Land­hause des Mayor von Southampton ein Frühstück statt, wobei Koffuth Ungarns Stellung zur habsburgi­schen Dynastie ausführlich entwickelte und dann Lord D. Stuart und Cobken Reden hielten. Unter den Ehren­bezeugungen wird besonders die des Offiziers der Horse- gards Algernon Masfingbord bemerkt, der Koffuth während seines Londoner Aufenthaltes sein Haus amEaton Place" mit Bedienung, Equipagen u. s. w. zur Ver­fügung stellte und wo Fran Koffuth bereits wohnt. Der Lord-Mayor von London hat Koffuths Empfang in Guildhall auf den Mittwoch anberaumt.

Republik Frankreich.

Paris, 26 Okt. (Köln. Ztg.) Das diplomatische Corps hat einen großen Antheil [an der letzten Mini­ster-Krists genommen. Der russische Geschäftsträger soll sich besonders sehr eifrig damit beschäftigt haben und in einer längeren Conferenz dem Präsidenten der Republik Vorstellungen gemacht und Rathschläge er­theilt haben. Sein Auftreten soll, wie man sich den­ken kann, nicht ganz ohne Einfluß auf Louis Bona­parte geblieben sein. Es scheint, daß das von Fräu­lein Munoz gegebene Beispiel nicht allein in Madrid, sondern auch in Paris Nachahmung gefunden hat. In der Chaussee d'Antin ist plötzlich eine reiche Marquise, Gemahlin einer bekannten politischen Person und Mut­ter von mehreren Kindern, mit dem Kammerdiener ih­res Gemahls verschwunden. Die Polizei verfolgt die Flüchtigen mit vielem Eifer.

* Paris, 27. Oktober. Das neue Kabinet ist da und welch ein Kabinet! Kein einziger Name von po­litischer Bedeutung! Thoriger fürs Innere, Fortoul für die Marine, ein gewesener Kürassieroberst, Turgot, Minister der Auswärtigen!! Freilich sind einige dieser Herren bloße Einsteher, und Fould und Rou- her werden bald wieder an ihre Stelle treten, ja die Her­ren Blondel und Corbin sind gar nicht einmal hier und vielleicht eben so wenig gefragt, ob sie die Finanzen und die Justiz übernehmen wollen. Der Kürassier Turgot ist daher zugleich interimistischer Finanzminister und Giraud Unterrichts- und Justiz- minister, obgleich diese Herren in allen Geschäften unerfahren sind. Selbst die Elyseeblätter beobach­ten eineigenthümlichesSchweigen überd ese KombinNion. Dagegen brachte Granier de Cassagnac gestern im Constitutionnel" einen Artikel, worin er in gewohnter Schamlosigkeit die Diktatur Louis Bonapartes predigte und die Nationalversammlung wie Schulbuben behan­delte. Die Permanenz - Kommission hielt heute eine kurze Sitzung, worin das neue Kabinet nicht der Ver­handlung werth geachtet wurde. Das Interessanteste bei der neuen Kombination aber ist, daß der Präsident seinen Plan einer doppelten Politik aufgegeben und dem neuen Kabinet auferlegt haben soll, die gänzliche Abschaffung des Gesetzes vom 31. Mai vorzuschlagen. Die Börse verhielt sich heute noch vollkommen zu­wartend : 3 pCt. 55,75 (Baisse 5 C.) 5 pCt. 90,45 (Baisse 10 C.).

2 Paris, 27. Oktober. Es verdient Beachtung, daß, während die Pariser Blätter von diesem Morgen noch im Unklaren waren, Girard in in derPresse" bereits erklärt:das neue Kabinet wird weder parla­mentarisch , noch halb-, noch außerparlamentarisch sein; es wird keinen offenen Charakter haben, doch was schadet das? Eins ist die Hauptsache: die Abschaffung des Gesetzes vom 31. Mai. Ein Kabinet, das mit Herstellung des allgemeinen Stimm­rechtes auftritt, wird aus diesem Grunde schon von jedem unterstützt werden, der den Bürgerkrieg nicht will."

Volkswirthschaftlicher Theil.

4= Wiesbaden, 27. Okt. In der neuesten Num­mer desWochenblatts des Vereins Nassauischer Land- und Forstwirthe" befindet sich ein interessanter Reise- bericht des Gutsbesitzers Eduard Weißel zu Winnenden über die^ Seidenzucht in Oberitalien. Es ist uns aus der Nassauischen Filanda darüber Folgendes mitgetheilt wordeneSeine Majestät der König von Würtem- berg sendete im Frühling d. I. den oben erwähnten Gutsbesitzer und den Herrn Dr. Ruff von Hohenheim, Vorsteher der dortigen Central-Seidenhaspel, nach Oberitalien, um sich mit dem Verfahren bei der italie­nischen Seidenkultnr speziell bekannt zu machen. Diese Herren verweilten drei Monate lang in Italien und