„Freiherr und Recht!"
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•^ ^âf» Wiesbaden. Mittwock, 29. Oktober 1851.
Die „greif Zeilui,g" erscheine, mit AuSna-m» deS Montags, rägltch in einem Sogen. — Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fl. 45 h., auswärts durch dir Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Leibrxttung der „freien Bettung“ stets von wirksamem <Lr. folge. — Die Jnserationögebühren betragen für die vierspaltig» Petitzetle 3 fr.
Junkcrthrim unb Bürgerthum.
ft Der deutsche Philister kommt zwar nur sehr langsam hinaus über seine Erbbornirtheit in Beurtheilung politischer Zustande; aber er kommt doch Darüber hinaus. Schon fällt es ihm wie Schuppen von den Augen, daß die Sache des Fortschritts eine Geldfrage, ja seine Existenzfrage im strengsten Sinne deS Wortes ist. Es geschieht freilich Alles, um ihn zu kuriern von seiner Furcht vor dem Neuen. In Preußen hat sich mit einer kolossalen Keckheit eine Partei in den Vordergrund gedrängt, welche unumwunden das ausspricht, was ihre Verbündeten in andern deutschen Landen nachzumachen bereit sind, sobald sich "ihnen die Gelegenheit bietet. Das Organ dieser Männer, die Berliner „Kreuzzeitung", hat unlängst einen Artikel gebracht, der ungemeines Aufsehn macht, obgleich man sonst wohl gewöhnt ist, in diesem Blatte das Verwegenste im derbsten Tone gepredigt zu hören. Die „N. Pr. Ztg." macht sich trotz aller angeblichen Frömmigkeit und konservativen Politik kein Gewissen daraus, die scheußlichste Aufhetzerei der Armen gegen die Neichen zu üben, sobald es sich darum handelt, den geweibfleißigen Mittelstand in seinen politischen Ansprüchen zu bekämpfen; sie macht sich kein Gewissen daraus, den gewerbfleißigen Mittelstand als eine Rotte blntsaugender Vampyre anzuklagen! Alle politischen Ungleichheiten, behauptet das Organ „Mit Gott für König und Vaterland", seien in gleicher Weise geschichtlich und durch Erbrecht entstanden wie die Ungleichheiten des Besitzes und Vermögens überhaupt, und deßhalb politisch und sittlich nicht minder gut berechtigt als diese. Diese aller Geschichte Hohn sprechende Behauptung bedarf keiner Widerlegung, die „Kreuzztg." selbst auch scheint keinen großen Werth auf das Argument zu legen, denn sie fügt hinzu: „Wäre es daher auch in dem Maße wahr als es zum Glück gelogen ist, daß die Rechte und Privilegien einzelner Stände, daß die Immunitäten und Vorzüge bestimmter Personen und Grundstücke überwiegend mit Unrecht erworben, und insbesondere ■— wie ein richtiger Volksrebiwr Normenden muß — von „denen Raubrittern und Schnapphahni- chen" wie von der „herrschsüchtigen Hierarchie des finstern Mittelalters" den armen Wanderern auf der Landstraße abgejagt oder den Frauen und Kranken durch Gewissenstortur abgemarlert seien: können die Schnapphäne und Raubritter der Börse und des Geldsacks, können die Sklavenhalter der Industrie sich rühmen, daß an ihrem Golde kein Unrecht, können sie sich rühmen, daß an ihrer Pracht und ihrem Luxus kein Schweiß und keine Thränen der Armuth sieben? Was werden alw die Herren Fabrikanten und Industriellen, was werden die th al er geschätzten Constitution el len zu ant vorten haben, wenn die Leibeigenen der Dampfmaschine, wenn die Hintersassen der Geldaristokratie,
wenn die von den Börsenrittern ausgepl linderten „Wanderer" mit demselben Rechte, und voraussichtlich noch mit etwas größerer Heftigkeit die Aufhebung des modernen Feudalismus, wenn sie die Lösung der unmenschlichsten Sklaverei, wenn sie die Beseitigung und Erleichterung der feigen friedlichen Raubritter, wenn sie die Vernichtung oder die Theilung des schnldbefleckten Gutes begehren?" — Wir lassen hierauf die Antwort der „Weser-Ztg." folgen, welche ausruft: „Wir wollen hier von der Ruchlosigkeit nicht reden, die solche zur Jacquerie aufstachelnde Zeilen diktirt hat. Wir haben längst gewußt, daß die Sittlichkeit der Feudalherren mit der Moral der com- munistischen KnipperkoUinge so ziemlich auf gleichem Fuße steht. Mir haben es ohnehin vor wenigen Jahren erlebt, daß in einem „civilisirten Staate" die blutdürstige Wuth eines aufgehetzten Proletariats von einer sogenannten „conservativen Regierung" benutzt wurde, um sich die Oppositon eines gebildeten Standes vom Halse zu schaffen. Wir haben es nicht vergessen, daß in Neapel die Lazzaroni mit den Treuhändern König Ferdinands im herzlichsten Einvernehmen die Constitutionel« len todtschlugen, daß in der Lombardei das besitzlose Landvolk mit dem Raube der Städte und des Adels zur Loyalität geködert wird. Der Contraft also zwischen dem Inhalt und den Urhebern jener Kreuzpredigt ist an sich nichts Neues. Genau dieselbe Richtung ist es, welche in Großbritannien vor fünf Jahren durch den glorreichsten Kampf auf immer besiegt worden ist. Die feudale Romantik, im Bunde mit dem prosaischen Eigennütze der grundbesitzenden Aristokratie, ist weder eine altdeutsche noch eine nenpreußische Schöpfung. Alt- england hat diese Feindin deS Fortschrittes so gut gekannt, wie fast jedes civilistrte Land der Welt. Alle die Stichwörter und Parteiphrasen, mit denen die Kreuz- zeitung um sich wirft, finden sich fast buchstäblich in den Schritten und Reden der englischen Nentories, -- Disraeli, Lord John Manners, Southey u. s. w. — wieder. Wie. Misere Ju ker ihre Steuerfreiheiten und ihre Patrimonialrechte bei Leibe nicht auS Eigennutz, sondern „lediglich aus Interesse für das allgemeine Beste" vertheidigen, so muß in den Reden der britischen Pro- tektionisten das WohlRdesFärmers und des Tagelöh^ ners herhalten, um den Vorwand für die Aufrechterhaltung der Kornzölle und der verrotteten Wahlflecken zu liefern. Die adligen Grundbesitzer sind immer „die hochherzigen und uneigennützigen Vertheidiger des armen Mannes, des unverdorbenen Lankmannes gegen den herzlosen Industrialismus der Städter, der Mittelklassen." Nichts gerechter daher, als daß man ihnen ihre Steuervortheile und ihre politischen Privilegien beläßt!? — Robert Southey, der durch Lord Byrons grausame Sa- tyre unsterblich gewordene Hofpoet Georgs VI., hat vor zwanzig Jahren ein Buch geschrieben — (Sir Thomas Moore, or Colloquies on the Progress and Pro- I spects of Society) — welches bereits die gegammte i KreuzzeitungSpolmt mit aller ihrer Mystik und allen
ihren Sophismen entwickelt, und welches für die Polemik eine bessere Handhabe bietet, weil es, was die „Neue Preußische Zeitung" nur hin und wieder in Aphorismen andentet, zu einem vollständigen Systeme verarbeitet. Das Land bar Erbweisheit hat diesen Plunder mittelalterlicher Erbweisheit längst zu den Akten gelegt. Wie genau Herr Southey und Herr von Gerlach übereinstimmen, werden die Leser sehen. — — Nichts haßt Southey so innig, wie das manufac- turing System die Industrie. Ihm zufolge ist dies System „tyrannischer als das Lehenswesen"; es ist ein „System wahrhafter Leibeigenschaft", ein System, welches „Leib und, Seele in gleichem Maße zerstört." Er spricht die Hoffnung aus, daß die Concurren; fremder Nationen Englands Industrie aus dem Felde schlagen, daß Englands auswärtiger Handel abnehmen und auf diese äßitfe das Land wieder zu „Stärke und Gesundheit" gelangen möge. Gegen diese monströse „GefühlS- politik" (Denn sie hat auch nicht ein einziges, thatsächliches Argument auf ihrer Seite) erhob sich schon im Jahre 1830 ein siegreicher Kritiker in „Edinburgh- Review", welcher die ganze Rüstkammer der junkerlichen Polemik mit dem Schwerte positiver Sachkennt- niß in Stücke zerschlug. Er wies zuerst nach, daß Die industriellen Bezirke des Landes eine größere Wohlhabenheit genießen, als die ackerbautreibenden. In letzteren war Die Armensteuer viermal höher als in jenen. Die Industrie erzeugt das Proletariat nicht,, sondern es findet es vor, und sie sammelt es nur in den gewerblichen Centren an, weil sie ihm eine bessere materielle Eristen; bietet, als der Landbau. Von dem ländlichen Proletariate reden die Junker möglichst wenig, und die Regierungen fragen nicht viel danach, weil es nie in so großen Massen beisammen wohnt, wie das städtische. Aber der Volkswirth fragt nicht nach solchen polizeilichen Rücksichten, sondern nach dem Wohlergehen der Individuen. Aber die Industrie, heißt es, zerstört den Leib. Die fatalen Statistiker sind auch hier anderer Ansicht, als die adeligen Gefühlspolitike-. Wir wissen, daß „während des Wachsthums dieses grausamen Systems (um mit Southey, zu rede»), dieses neuen Elendes, dieser neuen Enormität, dieser AnSgeburd eines entarteten Zeitalters^wrefex Pest, die kein Mensch billigen kann, dessen Herz nicht versteinert, dessen Verstand nicht verdunkelt ist", eine große Abnahme der Sterblichkeit stattgefunden hat, und daß diese Abnahme in den fabriktreibenden Städten größer gewesen ist, als sonst irgendwo. Freilich ist die Sterblichkeit, wie sie es immer gewesen ist, in Den Städten größer, alS auf dem Lande; aber die Abnahme der Sterblichkeit in Den Städten chat die auf dem Lande weit überflügelt. Vor hundert Jahren starb zu Manchester jährlich der 28fte Einwohner, heutzutage der 45ste. Nun sollte man denken, daß im Allgemeinen die Menschen langer leben, weil sie bessere Nahrung, bessere Wohnungen, bessere Kleidung, bessere Pflege in Krankheiten und weniger Sorgen haben, — aber
Kinkel's Flucht.
Am 21. Oktober standen, wie schon gemeldet wurde, vor den Schranken des berliner Krns-Schwurgerichts der ehemalige Gefangenwärter des Spandauer Zuchthauses, Bruh ne, und der Rathsherr und Gastwirth Krüger, ebenfalls aus Spandau, unter der Anklage, die Entweichung Kinkel's aus dem Zuchthause zu Spandau in der Nacht vom 6. zum 7. November v. I. veranlaßt, resp. begünstigt zu haben. Ueber die bisher noch nicht ganz aufgeklärte Flucht Kinkel's ergab sich hierbei Folgendes: Kinkel's Zelle befand sich zwei Treppen hoch in dem inneren Theile des Zuchthauses und hatte zwei Fenster, wovon das eine mit einem starken eisernen Gitter und das andere mittels eines nach oben geöffneten Blechkastens verschlossen war. Die Zelle selbst war von einem starken, mit Balken befestigten Lattenverschlag in zwei Theile getheilt, in deren nach innen belegenen Kinkel nach Verschließung des Lattenverschlages des Nachts eingesperrt war. Die Zelle selbst war durch zwei starke hölzerne Thüren mit starken Schlössern, jede besonders, verschlossen und zwar in der Weise, daß die Schlüssel zu sen beiden Thüren bei einem der höheren AufsichtS- Beamten des Zuchthauses und der Schluss! von dem Lattenverschlaae von anderen höheren Beamten ausbewahrt wurden. Am Abend des 6. November wurde
Kinkel durch den Oberanfseher Zerbst in ,seine Zelle eingeschloffen und Die Schlüssel den beiden Oberbeamten übergeben. Am andern Morgen, um 5% Uhr, war die Zelle Kinkel's leer, und hatte es den Anschein, als sei die Flucht durch Mithülfe anderer Personen und mit Anwendung von Gewalt bewerkstelligt worden. Die äußere zweite Thür war nur einmal verschlossen, obgleich sie des Abends zweimal verschlossen worden. An der anderen Thür befanden sich Spuren von Gewalt. Das Blech, welches d u Riegel der Schlüssel aufnimmt, war zurückgebrochen, und es war ersichtlich , daß dieö durch äußere Gewalt, und zwar durch Einklemmen eines SäbelS, wie ihn die Gefangenwärter tragen, bewerkstelligt worden. Im Innern waren von dem Lattenverschlage nach unten mehrere Latten, so wie auch der Querbalken gewaltsam herausgebrochen, und so eine Okffnung entstanden , durch welche ein Mensch bequem hindurchkriechen konnte. So aus der Zelle befreit, ist Kinkel wahrscheinlich alsdann durch ein unvergittertes Dachfenster nach der Straße zu entkommen. Der Angeklagte Bruh ne hat nun außergerichtlich ^gestanden: Mitte Oktober des vorigen JahreS sei er von einem ihm unbekannten Mann von dem Zuchthanse nach der Straße gerufen worden, da ihn dort Jemand sprechen wollte. Er habe sich zunächst geweigert, sei aber doch hingegangèa, und sser habe er einen jungen Mann gefunden, der, als er |td) ihm zuerst als seinen Landsmann vorgestellt und sich
nach dem Befinden Kinkel's erkundigt, ihn endlich gebeten habe, Zettel und Brief an Kinkel zu besorgen. Mehrmals sei er dann mit dem Unbekaniitrn, eer sich später als der Studiosus Karl Schurtz zu erkennen gegeben, zusammengekommen, und habe ver-- selde ihin 400 Thir. geboten, auch für sein ganzes Leben zu sorgen versprochen, wenn er die Befreiung Kinkel's bewerkstellige. Auf der anderen Seite sei ihm auch mit ewiger Verfolgung bedroht worden , wenn er nur das Entfernteste von dem Anerbieten verrathen würde. Später habe er endlich zugesagt, nachdem auch der Gastwirth Krüger eines Abends zu ihm gekommen war und ihm ebenfalls zugeredet hatte, die Flucht zu begünstigen, da es ungerecht wäre, Kinkel langer im Gefängniß schmachten zu lassen, und er selbst die Garantie für die ihm zu gewährende Bilohnung und dafür übernehmen wolle, daß für sein ganzes Leben vollauf gesorgt sei. Am 28. October sei der Studio- sus Schurtz abermals zu ihm gekommen, habe mit ihm einen Entweichungs-Plan verabredet, wonach Kinkel durch Bruhne aus seiner Zelle dadurch befreit werden sollte, daß der letztere aus dem Zimmer des Inspektors durch 'Nachschlüssel sich der Schlüssel zu der Zelte bemächtigen und Büttel bis zur Wachipforte führen sollte, wo ihn der wachthabende Gefaiigeneii-Anf- seher herauSlaffen sollte. Denigemaß sei er (Bruhne- aufgefordert worden, mit demse ngen G fangenwärter, der Die Nachtwache au dem Tage (Abend des 5. No-