und behauptet, daß seiner Trennung von den alten Freunden lediglich „persönliche Motive" zu Grunde liegen. „Macht es ihm" — fragt sie heute — „einen sittlichen Eindruck, wenn er seine alten Freunde in demselben Angenblicke, wo er dieselben verläßt, schlimmer verdächtigt, als dies bisher von ihren schlimmsten Feinden geschehen ist? Macht es ihm einen sittlichen Eindruck, wenn er nach kaum sechs Monat eil seine schriftliche Petition durch einen schriftlichen Protest widerlegt und plötzlich eine Stellung cinnimmt, die jedem Fernstehenden als ein lediglich auf persönlichen Motiven beruhender Bruch mit seiner ganzen Vergangenheit erscheinen muß? Oder meint er, daß dies alles dem Volke einen sittlichen Eindruck macht?" So klar es ist, daß Herr v. Bethmann-Hollweg nicht „verdächtigt", sondern die Absichten der „R. Pr. Z." und ihres Rund- schauers (auch die von dem letzteren vorgenommene „Interpellation" der Adresse des brandenburger Landtages) mit unzweideutigen Citaten belegt hat, so weiß die „N. Pr. Z." doch, daß ihr unermüdliches Wiederholen derselben Beschuldigung leicht „geeigneten Ortes" einige ihr erwünschte Spuren zurücklassen könne. Dieses • Semper aliquid haeret« hat sich die Krenzzeitung von ihrer Gründung an zur obersten Maxime genommen. Je mehr es ihr gelingt, die übrige Presse mittels des schon über ihrem Haupte schwebenden Fallbeiles „administrativer Maßregeln" zum Schweigen oder zur Dämpfung und Verschleierung zwingen zu lassen, auf so weitere Kreise und mit so größerer Wirkung wendet sie ihre Maxime an. Erst waren es ausschließlich die Demokraten, die Rodbertus, von Berg rc„ welche sie verfolgte; dann tarnen die „Eigentlichen" daran, die „Bi-Ba-Beseler" und die „graue Erbse aus Preußen"; jetzt werden mit Nächstem die Herren von Bethmann, Graf v. Pourrales rc. außer der Abfertigung in der Bel -Etage auch einen Platz unter dem Strich des von ihnen initgegründeten und unterstützten Blattes erhalten!"
Deutschland.
Köln, 21. Okt. Die hiesige Turnergenossenschaft ist polizeilich aufgelöst worden.
Berlin, 23. Oktober. (Nat. Ztg.) Zu dem auf- zusteUenden Bunkeskorps, für das der General Roth v. Schreckenstein zum Oberbefehlshaber ernannt ist, wird nicht, wie anfänglich bestimmt, das in Koblenz garnisouirenve 25. Infanterie-Regiment, sondern das 17. Infanterie-Regiment aus, Köln lind Düsseldorf gezogen werden.
Berlin, 23. Oktober. (Nat.-Z.) Die Anwesenheit des diesseitigen Gesandten in Paris, Grafen Hatzfeld, hier, stand mit der Entwickelung der Verhältnisse in Frankreich im Zusammenhänge. Die „Voss. Ztg." will sogar von neuen Instruktionen wissen, welche der Graf erhalten habe und die in allen Punkten, welche die inneren Verhältnisse Frankreichs betreffen,' die strengste Neutralität vorschreiben, wogegen für einzelne Punkte präcise und durchaus bestimmte Instruktionen ertheilt seien. Man höre noch, daß auch die Instruktionen der betreffenden Gesandten derjenige» Mächte, welche der französischen Frage gegenüber mit Preußen auf demselben Standpunkte stehen, mit den dem Grafen von Hatzfeld ertheilten Juftruktione» so ziemlich übereinstimmend seien. — In militärischen Kreisen scheint man an kriegerische Ereignisse zu glauben. Die „Pr. Wehrz.", das Organ derselben, erörtert die künftige Bedeutung der Festungen, sie sagt: „lleberall erkennt man die .Nothwendigkeit fester Punkte und leider vorzugsweise gegen innere Feinde. Wohin wir sehen, arbeiten Schaufel und Maurerkelle gegen künftige Kugeln, und trügt die Signatura temporis nicht, so wird man solcher Kugelfänge bedürfen." — Nicht nur nach Bremen, son- ; dern auch in mehrere andere der kleineren deutschen i Bundesstaaten dürften, wie der „N. C." versichert, in Kurzem Bundeötagskommissäre mit der Vollmacht ab-
lischt» Charakters in Bezug auf ausländische Angelegen- i Heiken vollständig geirrt haben. j ,
Nachschrift: Die Beschuldigungen der „Times" gegen Kossuth haben zu lebhaften Debatten । auch in der Presse geführt. Hier die Beweise gegen j ' die „Times": Der Verfasser der „russischen Enthüllu». ; • gen" setzt in einem langer» Briefe an „Daily News" der von den „Times" letzthin weitläufig auseinander ' gesetzten Klage gegen Kossuth — in Betreff der Gelder- verwaltnug imZempliner Comitate — eine Rechtferti- ‘ gung entgegen, deren Resumc folgendes ist: „Von einer gerichtlichen Klage gegen Kossuth wegen Veruntreung war nie die Rede— wenn er ein Dieb gewesen wäre, hätte man ihn schwerlich zum Finanzminister gemacht — ein Vermissen aber jener Aktenstücke sei nicht möglich, weil dergleichen in Ungarn gebucht wird." Graf V. Vay (aus dem Zcmplimr Comitate) veröffentlicht über denselben Gegenstand einen Brief an den Herausgeber der „Times". Er lautet: „Ich gehöre mit Kossuth derselben Gespanschaft an, und ohne in die Details dieser verläumderifchen Anschuldigung einzugehen, erkläre ich, daß er bekannter Weise unschuldig befunden wurde,'als eine klatschhafte Anschuldigung gegen ihn erhoben worden war, die aber gleich von den Urhebern im Stfch gelassen wurde, und die ich als Ungar mit Unwillen zurückweise. Die Fakten sind in Kürze folgende: Mr. Kossuth, noch sehr jung mit Waiiengel- Mn betraut, betheiligte sich damals eben so viel bei Wetten, als bei Prozessen. AIs er eines Tags höher und unglücklicher, als gewöhnlich, spielte^erzählte man sich (auf Anstiften von österreichischer Seite), er habe mit den ihm anvertrauten Geldern gespielt. Man wollte eine Untersuchung veranlassen, aber gleich bei der Voruntersuchung stellte es sich heraus, daß die Gelder unberührt waren, wodurch seine Gegner beschämt ab- ziehen maßten." „Daily News" beleuchten in einem längeren Artikel die Mangelhaftigkeit und Unlauterkeit der Quellen, aus welchen die „Times" ihre Keniuniß über den ungarischen Aufstand geschöpft habe n, und zeigen dieJnconsequcnz des erwähnten Blattes bei Behandlung der ganzen ungarischen Frage.
Und solchen Zeugnisse» gegenüber wagt die „Ober- postamtszeitnug" heute noch, jene Lügen zu wiederholen und sich selbst auf die „Daily News" zu berufen!! Dieses scheint jetzt Parole der „guten Presse" zu sein; man lese, was die „Köln. Ztg." über die Ver- läumkungen der Kreuzzeitung gegen Herrn von Bethmann-Hollweg schreibt:
„Die „N. Pr. Z." dehnt ihre Feindseligkeit gegen Herrn v. Bethmann-Hollweg, wie es scheint, bereits auf dessen Angehörige aus. So erzählt sie heute von dem Schwiegersöhne desselben, dem diesseitigen Gesandten bei der hohen Pforte, Grafen Pourtalès, dieser beabsichtige, „in der nächsten Zeit nicht nach Konstantinopel zurückzukehren", und knüpft daran die sehr freundliche Bemerkung: „Da aber die Verhältnisse im Oriente so wichtig geworden sind , daß ein Diplomat von der aa°^^.t..äg h.^(Sffl|fn Pöürtälès nicht fern stehen kann, so dorfman wohl ânnebmen, daß derselbe überhaupt die diplomatische Laufbahn zu verlassen gedenkt." Es liegt dieses Verfahren ganz in ihrem lange mit Conscqncnz befolgten Systeme, sich ihren Gegnern nach Möglichkeit persönlich furchtbar zu machen. Die verworfenste rothe Presse hat niemals in solchem Grave mit Drohungen und üblen Nachreden gegen Persönlchkeiten operirt, wie dieses Organ der angeblich „frommen" und „patrio- di scheu" Partei. In ihren, gleich Bandwurm-Gliedern schon seit fast acht Tagen täglich ausgegebenen Leitartikelchen gegen Hrn. v. Bethmann-Hollweg, die noch immer keinen Schritt vom Fleck und näher zur Sache gekommen sind, sondern noch heute wie gestern und vorgestern ausschließlich in den einleitenden verschleierten Invektiven stecken bleiben, beschulvigt sie ihn ; unablässig einer unsittlichen „Verdächtigung" der „Wahr- j Hastigkeit und Treue der Negierung und der Krone",
geschickt werden, die Verfassungsverhältnisse dieser Staaten in Kraft des Bundesbeschlusses vom 23. August zu regeln.
Königsberg. (K. H. Z.) Der bisher vom Amte suspendirte Oberlehrer Witt aus Hohenstein, Mitglied der Berliner Nationalversammlung, welcher im Laufe der Disciplinaruntersuchung zur Versetzung, aus seiner bisherigen in eine andere minder günstige Stellung ver- urtheilt worden war, ist zufolge höherer Entscheidung aus seinem Lehramte nunmehr definitiv entfernt.
Bremen, 20. Okt. Die hiesige Polizcidirektion hat nenerdings zwei für Auswanderer beachteuswerthe Bekanntmachungen erlassen. Der eine besagt: „Bekanntlich sind hierscibst, wie in vielen andern Städte», Agenten von Geschäftsleuten nordamerikanischer Häfen bemüht, den Auswanderern Billets zur Weiterbeförderung (auf Eisenbahnen, Dampfschiffen, Kanalböten) von dem überseeischen Landungsplatz nach dem Be- stimmungsort im Innern zu verhandeln. Da nun dieser Handel, wie die Erfahrung gelehrt hat, zu großen Unzuträglichkeiten führt, indem die der dortigen Verhältnisse unkundigen Auswanderer, welche zur Annahme solcher Billets verleitet worden, nicht selten sich arg getäuscht fanden, so achtet sich die Polizeidirektion im Interesse der Auswanderer verpflichtet, diese dringend zu warnen, sich schon vor ihrer Ankunft im überseeischen Hafen auf dergleichen Merbindlichkei- ten wegen ihrer Weiterbeförderung ins Innere nicht einzulaffen, und ist ihnen vielmehr zu empfehlen, in New-Aork, New-Orleans, Baltimore und Philadelphia sich ausschließlich des unentgeltlichen Raths der Agenten der deutsiyen Gesellschaft zu bedienen." Die zweite Bekanntmachung warnt die, welche nach Bremen kommen wollen, um in einen andern Welttheil ausznwander», ohne die zur Bezahlung der Ueber» fahrtskosten und zur Bestreitung ihrer anderweitigen Bedürfnisse hinreichenden Geldmittel zu kommen, indem ihnen sonst der Aufenthalt nicht gestattet wird und sie vielmehr ohne Weiteres in ihre Heimath^wer- den zuaückgewiese» werden.
München, 22. Oktober. (N. W. Z.) Der Ab- geordnete Kolb hat der Kammer einen Antrag auf Ergreifung der Initiative zu einem Gesetzentwurf eingereicht, durch welchen statt sechsjähriger einjährige Budgctperioden ein geführt werden sollen, und demzufolge auch der Landtag statt alle drei Jahre jedes Jahr sich zu versammeln hätte.
Prag, 17. Oktober. (Brsl. Ztg.) Unsere Thea- tercensur wird täglich strenger; eine neue Verordnung befiehlt, auch bereits gegebene Possen, welche die Censur haben, jedesmal am Tage der Wiederholung zur Einsicht auf die Censur zu schicken. So traf sich vor ein paar Tagen, daß bei einer hier schnell beliebt gewordenen Parodie des Propheten von Hickel von der zwei und zwanzigsten Aufführung drei Strophen gestrichen wurden, welche derselbe Komiker bereits 21 Male gesungen hatte.!!!
Wien, 21. Okt. (O. D. P.) Feldzeugmeister Haynau soll auf der Reise nach Gräfenberg vom Schlage gerührt worden sein.
Ungarn.
*Pesth, 18. Okt. Wie es jetzt in Ungarn aussieht, darüber folgenbe Andeutungen. Der „Banater Telegraph" schreibt: „Vor Kurzem wurde ein elfjähriger Knabe von dcr Polizei aufgegriffen. Seine Aussage bei dem Verhör war folgende; Ich heiße Rudolf Reich, bin von Szegediu gebürtig. Mein Vater war Hauptmann bei Franz Karl Infanterieregiment und ist während der ungarischen Revolution zu den Ungarn übergetreten; er sitzt zu Arad noch auf 19 Jahre gefangen. Meine Mutter ist gestorben, mein Vater verhaftet; ich bin ganz allein. Ich lebe jetzt von den Soldaten in der Kaserne, die mir Brod und von ihrer Menage geben. Ich kam mit der Artillerie von Szegebin an, kann
Glück sind? Wissen sie nicht, daß in diesem Falle ' die gegenwärtig wohlfeilen Preise des Brodes sich durch eine später eintretenbe Hungersnoth ausgleichen würden? Die Herren von der Baisse verlangen ein Verbot der Kornausfuhr. Geradezu unsinnig ist dieses Verlangen in dem gegenwärtigen Augenblicke, wo die Preise in allen Ländern rings umher niedriger stehen, als bei uns, die Getreideausfuhr also, wie die „Preußische Zeitung" es ausdrückt, „sich von selbst verbietet." Eine Folge des Ausfuhrverbotes würde nur eine Beschränkung der Einfuhr dcs uns fehlenden Bedarfs an Getreide sein. Der auswärtige Kaufmann kann nur dann mit Sicherheit Korn auf unsern Markt bringen, wenn cs ihm, im Falle er die Conjunktur bei uns verfehlt, frei steht, seine Waare von unserm Markte wieder zurückzu- ziehtn. Ein Verbot der Ausfuhr macht ihn, sobald er das Getreide über unsre Grenze gebracht hat, von allen Wechselfällen unseres Marktes abhängig, während ihm bei freier Ausfuhr noch der Markt der ganzen Welt offen stehen würde. So wird der Getreivehandel von unseren Grenzen fern gehalten, und wir bleiben, im Fall wirklich Mangel bei uns eintritt, zum großen Theil, wie früherhin, auf die von der Regierung ne- gociirten Getreideeinkäufe angewiesen, die, wie die Erfahrung gelehrt hat, in der Regel zu theuer sind und zu spät kommen. Ein Verbot der Getreideausfuhr täuscht diejenigen Völker in ihren Erwartungen, welche gewohnt sind, ihren Getreidebedarf aus dem
Zollverein, als einem vorzüglich Korn produzirenden Laude, zu beziehen. Es nimmt uns im Weltkornhandel unseren kaufmännischen Kredit, weist die anderen Völker darauf hin, ihre regelmäßigen Bezugsquellen anderswo, als bei uns, zu suchen, und schlägt damit unserem Korngeschäfle und unserer Kornproduktion die tiefsten Wunden. Wenn wir die Abnehmer von unsc- rem Markte weggewöhnen, wenn wir ferner durch künstliche Erniedrigung der Kornpreise unsere Getreide- Produzenten in Nachtheil setzen, so wird die nothwendige Folge sein, daß diese ihre Getreide-Produktion eins chr ä n k e n. Die gegenwärtige Konjunktur beweist, daß unsere Getreide-Produktion nicht immer den inländischen Konsum deckt. Ein Getreide-Ausfuhr-Verbot würde also nicht blos den Mangel des gegenwärtigen Jahres vergrößern, sondern auch durch Einschränkung der Produktion für alle Zukunft die Gefahr der Hungersnoth vermehren. Das Verlangen nach einem Verbote der sogenannten Zeitkäufe beruht aus der Annahme, daß die Spekulation eine übermäßige Preissteigerung herbeiführe. Die „Pr. Ztg." weist dem gegenüber nach, daß eine künstliche Preissteigerung auf die Dauer deshalb nicht möglich sei, weil auf Zeit nicht mehr von dem Haussiers gekauft werde, als Baissiers zu verkaufen willens sind, daß also die Bemühungen beider Parteien sich gegenseitig aufheben müssen, und das Re- sultat ein Preis sein müsse, der den Verhältnissen des Angebyts und des Bedarfs entspricht. Jene Annahme,
sagt sie, „rührt daher, daß man „Spekuliren" für gleichbedeutend mit „Kaufen" hält, und dabei vergißt, daß es in eben so großem Maße das Verkaufen in sich schließt." Wenn wir auch zugeben, daß es den Machinationen der Haussiers gelingen könne, die Preise an diesem ober jenem Markte auf einige Zeit künstlich in die Höhe zu schrauben, so rechtfertigt dieses Uebel noch keineswegs ein Verbot der Zeitkäufe; denn wir müssen, ehe wir dieses ansiprechen, prüfen, welches weit größere Uebel dadurch auf der andern Seite vielleicht hervor- gerufen wird. Es herrscht ziemlich allgemeines Ein- verständniß über die große Wichtigkeit des solide», reellen Kornhandels. Dieser regelt die Preise so, daß das Produkt der diesjährigen Ernte bis zur nächste» vorhält und die Konsunition gleichmäßig auf die einzelnen Monate verteilt wird; er führt im Fall des Mangels Zufuhren ans andern Ländern rechtzeitig herbei, kurz er ist das einzige und das sicherste Mittel gegen den Eintritt einer wirklichen Hungersnoth. Je mehr man hiermit einverstanden ist, desto ärger schimpft man auf die „Spekulanten" und „Schwindler", die ohne Kapital, ohne reellen Kauf und Verkauf, reine Wett- und Spielgeschäfte abschließen. Man vergißt, daß diese „Wetten über die Preisbewegung" die nothwendige Ergänzung des soliden Kornhanbels sind. Der eigentliche Koruhandkl ist deshalb ein gefahrvolles Geschäft, weil der Ausfall der Ernte gerade in der Zeit, wo der Kornhändler seine Einkäufe machen muß,