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Freit Ztilung.

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^ 254 Wiesbaden. Sonntag, 26. Oktober 1851

DieFreie Zeituu

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Ein englisches Koffuth Meeting.

* Als wir gestern an dem Schlüsse unseres Leit­artikels, Lle"Ä»sicht aussprachen, daß Kossuth allen Einflüsterungen und Verläumdungen zum Trotz durch­aus nichts an Popularität bei dem englischen Volke verloren habe, hatten wir die Verhandlungen des am 20. Oktober von einer großen Bewohnerzahl West­minsters gehaltenen Meetings noch nicht gelesen. Die neuesten Blätter bringen ausführliche Berichte, von de- iyn wir den derKöln. Ztg." Hier unverkürzt vor­legen.

Der Vorsitzende, General Sir De Lacy Evans, wies zunächst durch einen Rückblick auf die Geschichte der letzten Jahre nach, wie der von den Ungarn ge- fälligste Kampf ein wahrhaft gerechter und ver­fassungsmäßiger gewesen sei. Als Kossitth die vielge- tadelte Unabhängigkeits-Erklärung erlassen habe, sei ihm in der That nichts Anderes zu chun übrig geblie­ben. Kossuth sei nicht der Erste, der zu diesem letz­ten einer unterdrückten Nation zu Gebote stehenden Hülfsmittel seine Zuflucht genommen habe. Washing­ton habe etwas Aehnliches gethan, und ohne Zweifel sei auch Washington von den damaligen Gesin­nungs-Genossinnen derTimes" geschmäht worden.

In der Schätzung, welche von gewissen Leuten an die Charaktere gelegt werde, sei der Erfolg der einzige Maßstab. Kossuth würde ein Washington gewesen sein, wenn österreichische und russische Waffen ihm nicht vereint gegenüber gestanden hätten. Die europäische Geschichte habe keinen wahrhaft größeren Mann auf- Mvkisen, als Kossuth. Vertheidiger einer starken Sache, habe er diese Sache durch seinen Muth, seine Energie, seine Ehrenhaftigkeit und sein administratives Genie noch stärker gemacht. 50,000 Oesterrercher, 30,000 Kroaten und zahllose Russen habe er sich gegenüber gehabt, doch in einem kurzen Feldzüge seien alle diese Horden von den ungarischen Generalen über die Gränze getrieben worden. (Die Anwesenden erhoben sich hier und gaben ihren Beifall durch laute Rufe zu erkennen). Er (Evans) kenne in der ganzen Geschichte keine außerordentlichere militärische und politische Lei-" stnng. (Stürmischer Beifall.) Große Heere seien in einem Monat auf die Beine gebracht worden; ein unwiderstehlicher Geist glühender Vaterlandsliebe sei dem Heere und dem Volke eingeflößt worden, und die ganze Nation habe die wunderbarste Energie entfaltet, um diese Armeen im Felde zu halten. Es sei dies et­was Großes gewesen, und der Mann, der am Mei­sten dazu beigetragen habe, sei Kossuth. (Lauter Bei­fall.) Der zweite Feldzug sei unter veränderten Um­ständen geführt worden. ' Die Russen seien mit über­legener Streitmacht herangerückt, der Kampf sei un­gleich geworden, Verrath habe die Ungleichheit erhöht, und Ungarn sei gefallen. Er wolle hier Görgey we­

der vertheidigen noch angreifen! (Grunzen.) Nur das wolle er sagen, daß er gern diesen ansgezeichneten Solda­ten sich gegen die wider ihn erhobenen, bisher nicht umge- stoßenen Anklagen, durch die er sicher in ein verdächtiges Licht gestellt werde, öffentlich rechtfertigen sehen möchte. Ungarn sei gefallen, aber mit der Sache Ungarns sympathisire jeder freies Mann in Europa. (Beifall). Es sei demnach jetzt nur noch die perwSr., liche Frage ins Auge zu fassen. Man habe den Ver-^ such gemacht, den persönlichen Charakter Kossuths an-- zuschwärzen. (Eine Stimme:Dreimaliges Grunzen: für dieTimes"!) Wenn man erst anfange, den Privat­charakter öffentlicher Männer einer Prüfung zu unter­werfen, wo solle man dann aufhören? Es sei leicht, Gegen besch Rdigungen, zu erheben. Reiche Tories und Absolutisten mit 20,000 Pfo St. jährlicher Einkünfte seien allerdings nicht der Versuchung ausgesetzt, Gelo- Unterschleife zu begehen; nichts desto weniger könnten sie sehr große Schurken sein. Das Publikum habe nichts mit dein Privat-Charakter öffentlicher Männer zu thun. Es habe über den Koffuth zu urtheilen, dessen Laufbahn offen vor der Welt dagelegen habe, und er (Evans) seinestheils sei überzeugt, daß unter allen Männern, die in der europäischen Politik eine Rolle gespielt, keiner mehr Tugend, Muth, Genie und Patriotismus entfaltet habe, als der Führer der Ungarn. (Lauter Beifall.) Man werfe die Frage auf: was Ungarn oder Kossuth die Engländer qiigehe? Die Erwiederung'sei einfach. Werde nicht von den europäischen Absolutisten das Recht in Anspruch genommen, sich wider die Freiheit zu ver- bündenL Und da wage man es, dem englischen Volke zuzumuthen, daß es sich sogar des bloßen MeinungS- Ausbrucks enthalte. Er behaupte, daß Europa eine Gesellschaft von Nationen sei, und daß ein Volk dem anderen Volke gegenüber dieselben Pflichten habe, wie der Einzelne dem Einzelnen gegenüber. Die Inter­vention eines Volkes zu Gunsten eines an­deren sei kille unerläßliche Bedingung der Freiheit! Ein HerrT,_ Prout beantragte hierauf die erste Resolution,in welcher die Sache Wngarns für eine gerechte erklärt und der Glaube ausgesprochen wird, baß die Zeit des Sieges der ungarischen F eiheit nicht mehr fern sei. Lord D. Skua r t unterstützte die Resolu- tion. Das englische Volk, sagte er, habe stets mit den ihre Rechte vertheidigenden Völkern sympathisier selbst wenn der Kampf für diese Rechte gegen England gerichtet ge­wesen sei. Welcher Engländer bewundere nicht die amerikanischen Republikaner, weil sie die Tyrannei der englischen Regierung abgeschütteltL Mit Ungarn sympathisire England ganz besonders wegen der Achnlichkeit des ungarischen Kampfes mit den früher von England durchgemachten Kämpfen. Ein Anarchist sei Kossuth nie gewesen. Ungarn habe sich unter feiner Führung nur erhoben, um die Rechte, in deren Besitz es seit acht Jahrhun­derten gewesen, zu vertheidigen. Der Versuch, Kossuth

durch Schmähungen in der öffentlichen Meinung her- abzusetzen, werde scheitern. Das britische Volk habe einen scharfen Blick für die Unterscheidung von Recht und Unrecht, und wenn Kossuth den Fuß auf eng­lischen Boden setze, werde das englische Völk ihn wie Ein Mann begrüßen und in seiner Person die heili­gen Grundsätze der Vaterlandsliebe und der Freiheit J ehren. (Lauter und lauge anhaltender Beifall.) Die I Resolution wird einstimmig angenommen. Feargus : O'Connor giebt hierauf eine echte Probe chartistisch- . H.bernischer Beredsamkeit, vor deren gedrängte Kraft fdie Worte seiner Vorredner gleich fleisch« und blutlo­

sen Schatten in Nichts versinken.Ich will" sage ernicht länger als fünf Minuten zu euch spre­chen. Denn wenn ich an Ungarn denke, kocht mein Blut so, daß ich fürchten muß, eine rebellische Rede zu halten (Gelächter). ZJhr werdet euch alle erinnern, daß Cobbet ein gewissts Blattdie blutige alte Ti- mes"" nannte, und ihr habt gesehen, wie dieTimes" Kossuth behandelt hat. Als jener höllische alte Strolch Haynau den Werbern Arme und Beine abriß und sie von den Wallen herab den Schweinen zum Fraße vorwarf (homerische Reminiscenz des melesischen Red­ners), nach England kam, und als Barclay's Brauer ihm jenen Willkomm gahen, an den er so lange den­ken wird ich würde ihn, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre, in eine Braukufe geworfen nnd gesot­ten haben (lautes Gelächter und Beifall), da schimpfte dieTimes" auf die Brauer, wie sie auf diese Versammlung schimpfen wird, weil dieselbe für Koffuth Partei ergreift. Doch ich habe wegen gehal­tener Reben acht Mal vor Gericht gestanden und acht­zehn Monate in einsamer Haft gesessen. Deßhalb will ich mich hier darauf beschränken, drei Hochs für Kos­suth vorzuschlagen." Diese drei von den Chartisten- Führer beantragten Cheers^vurten denn auch in sehr nachdrücklicher Weise ausgebrächt, und es folgte ihnen ein dreimaliges gleich herzliches Grunzen für dieTi­mes". T. Saunders beantragte sodann die zweite Resolution, welche Kossuth in England ivtutvmuu.. heißt. Kossuth, sagte er, sei kein politischer Quacksalber, sondern ein Freund der konstitutionellen Reform. Welche Mängel auch immer die moderne Aristokratie haben möge, man dürfe in- England nimmer v rgeffen, daß die Aristokratie an ihrem Tage edel für die Freiheit gestritten habe. Weder Haupt, wenn sich die Leute nur die Mühe geben wollten, die Grundzüge der alten eng­lischen Verfassung zu studiren, so würde man weit we­niger von Chartismus, Socialismus, rother Republik, Communismus und dergleichen Zeug hören. Der Red­ner verlas hierauf eine an Se. Erzellenz Ludwig Koffuth" gerichtete Adresse, welche ebenso, wie die Re­solution, einstimmig angenommen ward. Unter den späteren Redner i erwähnte ein Herr Roggers deSun­männlichen, verlaumderischen, unenglischen Angriffs" derTimes" auf Koffuth und äußerte, wie er glaube, daß dieTimes" sich in ihrer Beurtheilung des eng»

Die Beschränkung des Kornhandels.

(National-Zeitung.)

Wenn die Mensch-N durch Verbote satt gemacht werden könnten, so wäre es leicht,die soziale Frage zu lösen," .und der deutsche Philister hätte sie gewiß schon längst gelöst. Wenn ihn der Schuh drückt, läuft er zur Polizei, damit diese dem Schuhmacher verbiete, enge Schuhe zu machen; wenn das Brod ihm zu theuer ist, so geht er zum Bürgermeister und fordert eine Brottare, d. h. das Verbot, mehr als einen von der Hohen Obrigkeit festgesetzten Preis für Back naaren zu fordern. Die lange Gewohnheit, von dem fchützen- den Flügel einer allgegenwärtigen Polizei überall um­hegt zu sein, hat diese Polizeisucht, daß Zeugniß der Armuth und Schwäche, welches der deutsche Philister sich täglich ausstellt, hervorgerufen. Es war in der That kein erbauliches Schauspiel, als wir in der ver­gangenen Woche die Regierung sich gegen die Zumn- thnngkn der Polizeisüchtigen, ihre Macht einzulegen, mit Hand und Fuß wehren sahen. Es bewies, daß der Philister noch polizeilicher ist, als die Polizei. Wir meinen den Artikel der offiziellenVr^. Zig»' vom 15 Oktober, in welchem sie mit einem g'ünd- lichen ökonomischen Raisounement die Anforderungen zu rückwies, daß die Regierung der hohen Getreide- preise wegen die KonanSfnhr und die sogenannte Zut-

fäufe im Korngeschäfte verbieten möge. Die Bildung ist in den letzten 10 Jahren so weit vorgeschritten, daß die Regierung in der Weigerung, mit der polizei­lichen Zwangsgewalt auf die Kornpreise einzuwirken, die öffentliche Meinung auf ihrer Seite haben wird. Hat es doch die Koblenzer Handelskammer schon für noth­wendig gehalten, öffentlich gegen die Nachricht, als habe sie ein Kornaussuhrverboi beantragt, zu protestiren. Wenn die Herren von der Baisse alle Mittel, unter andern auch solche Petitionen um Ausfuhrverbote, an. wenden, um die Getreidepreise zu drücken, so finden wir das ganz erklärlich; aber Niemand, der die Sache von dieser. Seite ansieht, wird etwas dagegen haben, wenn ihre Bemühungen mißlingen. Allein wie überall, wo man die-Znmuthung an die Polizeigewalt stellt, für die Interessen Einzelner, dir schlecht spekulirt haben, einzutreten, um den natürlichen Gang der Dinge zu ändern, werden allgemeine, sittliche, humane Gründe vorgeschoben, welche noch immer geeignet sind, Viele für die verlangten Maßregeln einzunehmen und über den Charakter derselben zu täuschen. So werden auch hier die arbeitenden Klassen vorgeschoben, denen der natürliche Gang der Dinge die Nahrungsmittel zu sehr vertheure Wir wollen es allgemeiner fassen: es wird verlangt, daß die Polizei im Interesse der Konsumen­ten in die natürlich sich ergebenden Preisverhältnisse eingreife. Wir haben bisher hauptsächlich in der Schutz­zöllnerei, der Gewerbeordnerei die polizeiliche Thätig­

keit im angeblichen Interesse gewisser Produzenten be­kämpft; hier haben wir ein Specimen einer anderen Gattung von Polizei, der Konsumentenpolizei, vor unS. Wir protestiren auch gegen diese Sorte von Polizei im Namen gerade der Konsumenten, deren Interesse da­durch gewahrt werden soll; denn wir wissen, daß die Gefahren, welche jede künstliche Einwirkung auf die Preisverhältnisse mit sich führt, doppelt groß sind, wenn dieselbe sich auf die Preise der nothwendigsten Lebens­mittel bezieht. Wir haben den Herrn Baissiers zuvör­derst einzuwenden, daß ihre beiden Anträge von ganz entgegengesetzten Voraussetzungen über den Ausfall dec gegenwärtigen Ernote ausgehen. Ein Kornausfuhr­verbot letzt voraus, daß die Erndte wirklich schlecht aus­gefallen sei, die gegenwärtigen hohen Kornpreise also ganz in der Ordnung seien. Ein Verbot der sogenannten Zeit­käufe in Getreide geht dagegen von der Annahme auS, daß die Getreidepreise durch die Spekulation künstlich in die Höhe getrieben seien, die Erndte also wirklich besser, reichlicher ausgefallen sei, als die gegenwärtigen Getreidepreise annehmen lassen! Jene beiden zu glei­cher Zeit gestellten Anträge beweisen also, daß die An­tragsteller selbst noch gar nicht wissen, wie groß der Ertrag der (Srnote eigentlich ist, und doch vermessen sich dieselben, künstlich eine Ermäßigung der Getreide- preise herbeiKpren zu wollen. W ffen die Herren nicht, daß, wenn die Ernote wirklich unzureichend ausgefallen ist, die gleich Anfangs eintrrtenden hohen Preise ein