Die „8 rtit Zeitung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, täglich in einem Bogen. — Der AdonnementSpreis beträgt vierteljährlich hier in âKleSbadeu 1 ff. 45 tr., äuswâr!« durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung der freien Zeitung" stets von wirksamem folge. - Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltige Petitzeile 3 ft. 0 "
„âeiheit und Recht!"
1851.
Ein Brief eines amerikanischen Staatsmannes.
# So oft in den letzten Jahren die Meinung auftauchte, die Vereinigten Staaten könnten über kurz oder lang, wo nt$f bald schon ihre seit Washington befolgte Neutralitätspolitik aufgeben und in die auswärtige Weltlage nicht blos merkantilisch eingreifen wollen, erhob sich die reaktionäre Preffe, um diese Ansicht als das Hirngespinnst demokratischer Ideologen hinzustellen. Der Beschluß des Kongresses, Koffuth mit dem Mississippi abholen zu lassen, war darum ein sehr bedeutsames Zeichen der Zeit. Heute liegt uns ein Aktenstück vor, welches beweist, daß der Gedanke, in der europäischen Politik aktiv Partei zu nehmen, selbst bei den konservativsten Staatsmännern der Union bereits Raum gewonnen hat. Zu dem Kos- suth-Bankett ist auch dem gegenwärtig in England verweilenden früheren amerikanischen Finanzminister Mr. Walker eine Einladung zugegangen. In seinem Antwortschreiben sagt er: „Der Dag dieses Festmahls wird von meinen Landsleuten als eine glorreiche Epoche in dem allmäligen, aber sichern und konservativen Fortschritt der britischen Freiheit betrachtet werden. Er wird aufs Neue beweisen, daß die Drohungen des Absolutismus englische Herzen nicht einschüchtern. England braucht keine fremde Hülfe; sollte aber der hochherzige Schutz, den es den Unterdrückten gewährt, die Unterdrücker veranlassen, sich gegen England zu verbinden, so werden Millionen meiner Landsleute es für ein ruhmvolles Vorrecht erachten, wenn ihnen gestattet wird, für und mit England, unter seiner und unserer Flagge, unter seinen und unseren großen Heerführern, gegen eine Welt in Waffen zu kämpfen. Keine Sprache kann die tiefe Bewegung schildern, die Ihr Empfang Kossuths in Amerika hervorrufen wird, die Dankbarkeit, die jedes Herz erwärmen wird, wenn die Nachricht an die Küsten meines Vaterlandes gelangt. Dort wird der erlauchte Verbannte einen Triumph feiern, wie wir ihn nie Jemanden bereitet haben,außer unserem Wohlthäter Lafayette. Wir betrachten Kossuth als den Vorkämpfer für die konstitutionelle Freiheit und die Rechte eines braven, unterdrückten Volkes. Wir glauben, daß er in Ungarn einte Regierungsform herzustellen suchte, mit einem enr- sprechenden Gleichgewicht, soweit thünlich, der uNsrigen ähnlich, in der Leben, Freiheit und Eigenthum unter dem unverletzlichen Schutz der Gesetze steht. Wir Hanen nicht gesehen, daß er jene kommunistischen Doktrinen unterstützt hätte, die mit der Eristenz einer freien Negierungsform unverträglich sind und jetzt als ein Vorwand benutzt werden, den Absolutismus wieder herzu st el len. Wenn unsere Regierungsmeise auch der Form nach von dèrJhrigen verschieden ist, so sind wir doch mit Ihnen verbunden durch gemeinsame Abstammung und Sprache, durch gemeinsame Bewahrung
des gemeinen englischen Rechtes, der Geschwornenge- richte, der Preßfreiheit und jener großen Grundsätze konstitutioneller Freiheit, für welche Ihr Russell gestorben ist, Ihr Hampden und Sidney geblutet haben. Wir sind ferner mit Ihnen verbunden als Anhänger der Staatswirthschaftslehre, die von Adam Smith, Ricardo, Peet und Cobden gelehrt wird und dem Kommunismus feindlich ist, einer Lehre, zu der sich Ihr gegenwärtiges, einsichtsvolles Ministerium, zu der sich Parlament und Volk bekennen. Wie Sie, sind wir der zwangsweisen Veränderung der Gütervertheilung abgeneigt, die den Verfall der römischen Freiheit bezeichnete und deren Wikderauftreten unter einer andern Form den Vorwand zur Wiederherstellung absoluter Gewalten geliefert hat. Unsere Vorfahren brachten keine solche desorganisirende Lehren aus England mit nach Amerika und dieselben werden nie durch List oder Gewalt der Despoten oder Demagogen auf unserm Boden einheimisch gemacht werden. Die Thätigen bilden die Masse unseres Volkes. Sie wissen, daß die wünschenSwerthe Steigerung der Löhne nur du.ch Vermehrung des Kapitals erreicht werden könne, welches der Fond ist, aus dom die Löhne gezahlt werden, durch Associiruiig der Arbeit und des Kapitals, soweit das in industriellen Unternehmungen möglich ist, nicht durch ein Reglement der Gesetzgebung, sondern durch freiwillige Vergesellschaftung, diesichaus der klaren Erkenntniß des eigenen Interesses von selbst entwickelt. Sie wissen, daß die Zerstöruitg oder Verminderung deS Kapitals auch die Löhne zerstören oder vermindern müßte. Sie wissen, daß das Kapital nur aus accumulirter Arbeit besteht, daß also Krieg gegen das Kapital führen so viel heißt,' als die Arbeit befeinden, die am höchsten belohnt werden wird, wenn sie unge- fesselt von einer Einmischung des Staates und der Gesetzgebung auf allen Märkten der Welt den Absatz für ihre Produkte suchen kann. Dikse Ansichten habe ich vor einigen Jahren als Finanzminister in einem amtlichen Berichte an den Kongreß entwickelt; sie sind von dem Kongreß praktisch adoplirt, durch vermehrte Majoritäten unserer jüngsten Wahlen von dein Volke gutgeheißen und können als die. festbegründete Politik des Landes betrachtet werden. Aehnliche Ansichten wurden von einem dahingeschiedenen Premierminister England's befolgt, dessen Maßregeln, mit den unsrigen zusammenwirkend, den Handel erweitert und die freundlichen Beziehungen zwischen Amerika und England befestigt haben und der als ein Wohlthäter in der dankbaren Erinnerung beider Länder und des Menschengeschlechtes fortleben wird. — D i e A u f n a h in e K o ssu t h s in England wird als ein V e r d a m m u n g S u r- theil über den Absolutismus, ein freudiges Echo in der Union finden."
Deutschland.
* Wiesbaden, 20. Oktober. Die Konzessionser- theilung zum Bau der Bahn von Deutz nach Ehren- breitstein, von dort längs dem Lahnthal bis Limburg und von dort hieh.er.nach Wiesbaden ist erfolgt; das Projekt Einer Bah» von Bonn nach Coblenz, Bingen und Mainz ist dadurch um viele Jahre zurückgedrängt, wo nicht gradezu vernichtet. Biebrich wird hierdurch für den Mittelrhein der natürliche Hafen der Deutz-Frankfurter Bahn. Die „Mzr. Abendpost" bezeichnet die Wichtigkeit dieser Konzession dadurch, daß sie meint: „Main; wird auf die Erfindung der Lufteisenbahn warten müssen, um seine Handelsverbindung mit dem Norden herzustellen."
^ Rüdeöheim, 17. Okt. Die Theatergesellschaft des Hrn. M. Rosenthal giebt gegenwärtig hier mitunter sehr besuchte Vorstellungen. Lobenswerth ist jedenfalls, daß die Direktion mit den geringen Mitteln, die ihr zu Gebote stehen, dennoch recht auserlesene Lustspiele, in denen oft tüchtige Seiteuhiebe auf die verkette Moral der Jetztzeit geführt werden, dem Publikum zum billigen Genusse gibt. Der Herr Pfarrer Schneider in Eibingen hat den Bundesjungfrauen und seiner ganzen Gemeinde den Besuch des hiesigen Theaters deshalb streng untersagt. So etwas überrascht nicht — man le e nur die Moral, die man im „Mainzer Journal" tagtäglich predigt!
** Frankfurt, 19. Oktober. Die Ernennung des Generals von Bonin als von der Bundesversammlung ernannter, vereidigter und derselben verantwortlicher „BundeSgeneral" bestätigt sich. Das Korps wird 12,000 Mann stark. Die Berliner ,, Wehrzeitung" meldet, daß die Kontingente von Sachsen-Meiningen und Coburg-Gotha in die. Bundessestung Rastatt verlegt werden sollen. Um die kleinen Staaten zu Militär! konventionell nach und nach zu zwingen, also.zu demimedia- tisiren, wünscht die „Wehrzeitung" die aus verschiedenen Bundeskontingenten bestehenden Armeekorps in Bun- deöfestungen verlegt zu sehen, woraus dann natürlich folgen würde, daß die so von Militär entblößten Staaten freinde Truppen bekämen.
(Die „Nat.-Ztg." vom 17. erklärt die, auch von der „N. Pr. Ztg." gebrachte, Nachricht von Bonin'S Ernennung zum Bundesgeneral „aus sicherer Quelle" für irrthümlich.) (?)
Kassel, 13. Okt. (D. Reichs-Ztg.) Vorgestern Abend, als der Kurfürst zur gewöhnlichen Zeit von Wilhelmshöhe ins Theater fuhr, wurde derselbe etwa eine halbe Stunde von Kassel durch einen sogenannten Kanonenschlag erschreckt, welcher sich unter oder dicht neben dem Wagen entlud. Man scheint diesem Knabenstreiche — denn einen andern Rainen weiß ich nicht dafür — eine hohe Wichtigkeit beizulegen, vielleicht darin gar ein Attentat auf das Leben des Kurfürsten zu suchen. Noch an demselben Abend ist Land-
Schluß der Industrie-Ausstellung.
London, 15. Oktober. Die nach der Welt-Ausstellung führenden Straßen waren heute Morgens mit einer Unzahl von Fuhrwerken aller Art bedeckt. Trotz des ungünstigen Wetters fanden sich die Aussteller nebst ihren Freunden schon früh im Glaspallaste ein, und die zahlreichen Eingänge zum Gebäude waren von Tausenden von Personen belagert, denen es darum zu thun war, Zeugen des Schau,piels der Schluß- Feierlichkeit zu sein. Das Innere deS ÄnssteUungS- Gebäudes bot durch die in demselben versammelte Menschenmenge einen sehr belebten und malerischen Anblick dar. In der Mitte des Tran'epts war eine erhöhte, für den Prinzen Albert und die AuSstellungs- Commission bestimmte Plateforme errichtet. Unter den früh ankommenden Besuchern befanden sich Lord I Russell und der Earl, von Carlisle, deren Erscheinen durch den lauten Beifall der Anwesenden begrüßt wurde. Lord J. Russell sah sehr wohl aus und schien ausgezeichnet guter Laune zu sein. In der unmittelbaren Näye der Plateforme bemerkte man vor Beginn der Feierlichkeit außer den erwähnten edlen LordS den Earl Granville, Herrn For Maule, den Bischof von Orford, den Herzog von Devonshire, den Schatz- kanzler den Minister des Innern, der sich von seiner neulichen Krankheit bedeutend erholt hat, den Baron i
Lionel von Rothschild, den Earl von Clarendon, Aldermann Salomons re. Fast jede europäische Nation war in der Versammlung vertreten, und das Schauspiel , welches sich dem Auge darbot, war ein sehr buntes. Pünktlich um 12 Uhr kam Prinz Albert an; ein Musik-Chor begrüßte seinen Eintritt durch Anstimmen der National-Hymne. Der Bischof von London, in seiner Amtstracht, ging dem Prinzen zur Seite; Lord John Russell, Herr Labouchere, Herr T. Baring, und andere Mitglieder der Commission folgten. Dec Prinz bestieg die Plateforme. Der Bischof von London nahm zu seiner Rechten, Viscount Canning, Präsident deS Rathes der Preisrichter, zu seiner Linken Platz, und Lichterer verlas eine Rede, in welcher er die hinsichtlich der Bildung des Juries und hinsichtlich der Preis-Vertheilung von der Commission beobachteten leitenden Grundsätze darlegte. Er erwähnte, wie sämmtliche Ausstellungs-Artikel zunächst in dreißig Classen getheilt worden seien, wie man aber später Ungesehen, daß zwei dieser Classen der Thätigkeit einer einzigen Jury ein zu weites, Feld bieten mürben und deshalb denselben mehrere Unter-Abtheilungen hinzugefügt habe, so daß die Zahl der Juries auf 34 gestiegen sei. Jede dieser Juries sei aus einer gleichen Zahl britischer Unterthanen und Fremder zusammengesetzt gewesen. Die britischen Geschwornen seien von den königlichen Com- missarien mit Zugrundelegung von durch die Lokal- Ausschüsse der verschiedenen Städte angefertigten L.sten,
! die auswärtigen Geschwornen hingegen von ihren ein- ■ heimischen Behörden ernannt worden. Den Vorfitzen- ' den jeder Jury, seinen Stellvertreter und den Berichterstatter habe die Jury selbst gewählt. Eine vollständig von einander unabhängige Thätigkeit der einzelnen Iuries habe nicht statt,gefunden, vielmehr seien sie in sechs Gruppen getheilt worden, indem man die Iuries, welche mit einiger Maßen verwandten Gegenständen zu thun gehabt, zu einer Gruppe vereinigt habe. Die Entscheidung einer Jury sei nicht eher gültig geworden, als bis sie die Zustimmung der betreffenden Gruppe erhalten habe. Bei dieser Bestimmung habe man hauptsächlich den Zweck im Auge gehabt, zu vermeiden , daß irgend eine fremde, zufällig in der einzelnen Jury nicht vertretene Nation sich beeinträchtigt glaube. Die königliche Commission habe ferner beschlossen, aus den Vorsitzenden der Iuries (zur Hälfte Engländern, zur Hälfte Fremden) eine Rathskammer zu bilden, welche gewissen, zuvor von der königl. Commission nieoergelegten allgemeinen Grundsätzen gemäß die Bedingungen feststellen solle, nach welchen die Preise zuzuerkennen seien, und außerdem die Pflicht habe, die Thätigkeit der Juries zu leiten. Als Preise habe man zweierlei Medaillen von verschiedener Größe gewählt. Die Verschiedenheit derselben bezeichne jedoch nicht einen Unterschied in der Rangfolge der Preise, keine Abstufung im Grade des Verdienstes, sondern nur die besondere Art des Verdienstes.