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2^7 Wiesbaden. Samstag, 18. Oktober 1831

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Diegern ZtituNg" fsto.int, mit Ausnahme des Moatags, lagtily in einem Wogen Der LdoiinemenlSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 fl 45 tr., auSwäriS durch die Post be ogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Setbrettung derFreien Zeitung" stets von wirksamem fr- folge. Die JnserationSgedühren betragen für die vierspaltige Petitzetle 3 kr.

Die Krisis in Frankreich.

X Der Charakter der französischen Politik unter bem Napoleoniden ist Charakterlosigkeit und die daraus sich ergebende Con equenz Inkonsequenz. Es wäre da­her ein gewagtes Unternehmen, schon diesen Morgen vorhersagen zu wollen, was uns die nächsten Posten bringen werden. Wenn wir nach den gestrigen Mit­theilungen dennoch heute schon über die jetzige Krisis einige Andeutungen wagen, so geschieht es nur, um auf ein Faktum, daß jetzt außer Frage steht, Nachdruck zu legen: die OrdnungsPartei in Frankreich, von Anfang an ein tolles Durcheinandertreiben der ver­schiedenartigsten Interessen, doch einig in der Gier, das Landvolk zu bevormunden, zu beherrschen und auszu­beuten nnd aus diesem Grunde cinmüthig in allen Volksknechtungsmaßregeln, ist bankerott. Wäre sie es nicht, hätte der Prätedent.Präsident zu ihrem Ein­flüsse Vertrauen, glaubte er, sie beherrsche mit dem 31. Mai die Wahlen des Landes, hoffte er, mit ihr Re­vision und Wiederwählung durchsetzen zu können, für­wahr, er würde diesem Wahlgesetz nicht den Krieg er­klärt, fürwahr, er würde sich eines so dienstbeflissenen Commis, wie Fancher einer ist, nicht entledigt, fürwahr, er würde namentlich ein so brauchbares Subjekt, wie Carlier als Polizeipräfekt ist!, nicht aufs Spiel gesetzt haben! Noch mehr, er würde, wenn die konservative Politik, wie jene Herren sie verstehen, noch eine Zukunft böte, diesen Schritt um so weniger gewagt haben, da er der Republikaner so wenig gewiß ist, daß er zu be­fürchten hat, zwilchen zwei Stühle zu gerathen. Ja, dieser Bruch mit dem 31. Mai erschwert sogar alle Staatsstreiche, um nicht zu sagen, er macht sie un- MZWch. Denn was mit einer durch Bevorrechtung gewählten Nationalversammlung schwierig zu erlangen, sollte es mit einer aus allgemeinen Wahlen geschaffe­nen leichter sein?

Aber das gerade ist der Hauptgrund der jetzigen Wendung, daß Louis Bonaparte an.Èmk, dieses Zurück- kehren zum allgemeinen Stimmrechte, also zur reinen Republik, werde ihm die ganze Popularität wiedergeben und ihm die Kraft verleihen, den Weißen sowohl swie den Rothen die Stange zu halten

Louis Bonaparte hat neuerdings vertraute Män­ner durchs Land geschickt, mit dem Aufträge, nachher Wahrheit zu forschen und ihm die ganze, unumwun­dene Wahrheit zu sagen; er hat lebhaft vèrkeh-. t mit dem schlauen Emil von Girardin; er hat den Wiener Stadthauptmann Weiß bei dessen Anwesenheit in Pa­ris ausforschen lassen: wenn er nach dem Allen sich von der Ordnungspolitik loszumachen sucht, so müssen diese Nachforschungen wohl wenigstens so viel gelehrt haben, daß die Ordnungspartei, m Frankreich kein zu­verlässiger Stab, die JcsuitenMfe ein gefährliches Danaergeschenk und die Huld M österreichischen Ka- binets keine Bürgschaft für die Zstkunft sei.

Aeiißerst interessant und wichtig ist aber vor Allem Louis Bonapartes Stellung zu Girardin und Magnan. Da wir über dieses Verhältniß jüngst erst sprachen und das dort Gesagte heute sich vollständig zu bestäti­gen scheint, so erlauben wir uns, auf den Leitartikel in unserer Nummer vom 3 Oktober zu verweisen, wozu wir nur noch bemerken wollen, daß Magnans Rücktritt so gut wie gewiß war, doch jetzt dessen Bleiben nicht allem versichert, sondern hinzugesetzt wird, er werde Changarniers frühere ganze Machtvollkommenheit er­halten.

Um die ganze Situation km^ zu bezeichnen, möch­ten wir, wenn man uns nicht misverftchen will, sagen, Louis Napoleon rufe dem Lande zu:Ich gebe euch Re­publikanern zu, daß ihr die Majorität und die Zukunft habt; ich gebe euch zu, daß die Ordnungspartei eigent­lich eine ÜnordnungspaffU ist, die nur durch Außer­ordentlichkeiten , Wahlbeschränkungen, Belagerungszu­stände u. s. w. ihre Existenz fristet; ich gebe euch zu­gleich zu, daß die Reaktion der absolutistischeu Mächte ein Riese auf thönernen Füßen ist, der nur so lange stark ist, als wir uns schwach zeigen; ich gebe endlich zu, daß mit der Republik Ernst gemacht und Frank­reichs Ghre wieder auf die Fahne geschrieben werden muß; aber ihr werdet mir gleichfalls zugeben, daß die anarchischen Elemente noch keineswegs genannt, das Definitivem der Republik noch keineswegs eine That­sache ist; darum biete ich euch einen Vergleich an: ich beantrage die Abschaffung des Wahlgesetzes, revidirt dafür den Paragraph, der meine Wiederwahl verbietet; nieder mit den Royalisten, es lebe die Republik, doch die Republik unter einem erblichen Präsidenten, wie weiland in Holland!"

Wird die Nation auf diesen Plan Angehen? Es giebt sehr viele Politiker in und außer Frankreich, die an einen solchen Kompromiß glauben. Aber die repu­blikanische Linke? Wird sie Girardin folgen oder dem National"? Letzterer nämlich erklärt im Namen der demokratischen Partei sich gegen den Tauschantrag der Presse", die Revision für bir Wiederherstellung des allgemeinen Lvtimmrechts p bewilligen: dieses sei ein unveräußerliches Recht, jene eine Frage des perfoniu chen Interesses. Daß derNational" in dieser'Politik das Recht auf seiner checke hat, ist keine Frage. Han­delt die Linke in diesem Sinne, weist sie des Präsiden­ten Hand zurück, so ist es sehr wahrscheinlich, ja kaum anders zu erwarten, als daß Louis Bonaprrte sich entweder vor der Orduungspar'lei wieder demüthigt, oder aber zu einem rein bonapartistischen Kabinete greift und Staatsstreiche wagt Ob Magnan ihm hierzu alsdann den Arm williger reicht als vor vierzehn Ta­gen, ist eine Frage. Jedenfalls würde dann aus der Krisis eine Katastrophe werden, die weithin ihre Wir­kungen zeigen dürfte.

Alles wohl erwogen, ruht also das Schicksal Frank­reichs jetzt in der Hand jener Mitglieder der Linken, die unter jetzigen Verhältnissen möglich sind; glauben

fie nicht, daß mit Louis Bonaparte eine ehrliche repu­blikanische Politik zu wagen sei, oder trauen sie sich und ihm nicht Genie genug zu, die allerdings ungeheueren Schwierigkeiten der Situation zu lösen, so wird daS Zerhauen des Knotens erfolgen, entweder durch Louis Napoleon oder, wenn dieser sich zu schwach erweist, durch die Nation, also entweder durch eine Dikta- t u r, oder durch einen Konvent beides schlimme Aus- sichten für die Pläne der östlichen Kabinete; denn eine Diktatur und Napoleons I. Kaiferchum war nichts Anderes kann in Frankreich nicht ohneGloire" bestehen, ein Konvent nicht ohneFreiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit"; zu dem Einen wie zu dem Andern aber pflegt sich die französische Nation nicht zu erheben ohne einen Eroberungs- oder Propagandakrieg. Angesichts dieser Aussichten zeigt sich die Politik der deutschen Staatsmänner, dienichts aus der Gefchichte lernen wollen", in ihrer ganzen Heillosigkeit.

Deutschland.

X Wiesbaden, 16 Oktober. Welche segensvolle Einwirkungen von den Missionärs auf die Menschheit erwachsen, mag folgender Fall lehren;Es kam in hiesige Stadt ein Dienstmädchen, welches fort, während von Teufeln, großen wie kleinen, umgeben zu sein vorgab, mit ihrem Bruder zu einem Ärzte, um ärztliche Hülfe hiergegen zu erhalten. Das Kranken- eram ergab, daß eine Missionspredigt in Aachen, von der Kranken noch als gesund besucht, die Veranlassung von dieser, die arme Leidende geißelnden Plage gewor­den war, und daß sie jetzt noch ebenso leidend von ihrem Bruder, der sie kaum fortbringen konnte, in ihre Heimath, das Amt Wallmerod, als geisteskrank gebracht werden muß."

* Wiesbaden, 17. Oct. Die Regierung in Cob- lenz hat in einem vorgestern dem Bürgermeister von Ehrenbreitstein zugegangenen Rundschreiben diesen Be. amten benachrichtigt, daß nach einem Reskript des Han­delsministeriums vom 3. d. M. der Köln-Mindener- Ei'enbahngeseUschaft Conzession zum Fortda » der Bahn von Deuz bis Frankfurt a. M. er­theilt worden sei, und fordert die Bürgermeister auf, den Ingenieuren und sonstigen Beamten bei ihren deS- fallsigen Arbeiten jede mögliche Unterstützung zu leisten.

Hanau, 14. Oktbr. (O.P.A.Z.) Heu re früh um 7 Uyr verfügten sich zu gleicher Zeit Einzelne Polizei- beamten, in Begleitung kleiner Militärpikets, in die Wohnungen von 6 ober 7 Mitgliedern des hier bestan­denen Turnvereins, und nahmen daselbst, auf Requi­sition der königl. preuß. Regierung, sehr sorgfältige Haussuchung vor; Verhaftungen sind nicht erfolgt, in­dem höchstwahrscheinlich nirgend sich etwas dazu Ver­anlagung gebendes vorgefunden hat; nur an einem Orte sollen verschiedenartige Waffen mit Beschlag be­legt worden seyn.

Städtisches Theater zu Wiesbaden.

Sonntag, den 5. Oktober: Struensee-, vonLaube. Wir haben in dem Werke eine allerdings sehr poe- tische Arbeit zu schätzen; der theatralische Effekt bleibt aber weit hinter dem poetischen Werthe zurück, wenn die Hauptrollen des Stückes sich nicht m guten Hän­den befinden; denn der Charakter deS Struensee ist so haftlos, so schwankend gezeichnet, daß man sich gleich­gültig von ihm wendet, wenn nicht der vorstellende Künstler, selbstschaffend, unser Interesse zu wecken ver­mag. Auch labortu das Stück an l! urmhnchrmlichkeiteu, die uNangeneom berühren, wohin z. B. das lange Zwie­gespräch bei Seite, zwischen St: uensce und der Gräfin tu Gegenwart des schlauen, alles beobachtenden Gnl- denberg und des ganzen Hofes, sowie die leidenschaft­liche Liebeserklärung deS Struensee zur Königin in einem offenen, jedeui zugänglichen Saale gehört. Die Ausführung des Stückes war musterhaft und die Jn- sceuesetzung ließ nichts zu wünschen übrig.^ Auf den Schultern der Hauptdarsteller, Königin, Gräfin,.Struen­see und Guldenberg, ruht das Gewicht des Stückes. Mad Flindt als Gräfin hatte wahrhaft großartige Mourente: die Gluth der Liebe, der Augenblick des anflodernden Rachegefühls und der Eifersucht, sowie der gekrankte weibliche Stolz, als sie Strueusee vorder Königin blieend findet, sowie die später erwachte Neue

über den abgelegten Schwur, wurden von ihr meister­haft wiedergegkben, was auch durch wieoerhotten Bei­fall Auerleünung fand. Man mnß dieser Dame alle Gerechtchkeit in ihren künstlerftchen Bestrebungen wiederfahreiâssen : fie ist eine Zierde unsrer Bühne. Ihr würdig zur Seite stand Fräul, Grahn als Königin, die als. solche das Mögliche leistete, was von einer angehenden Künstlerin zu ermatten ist. Auch sie fand beifällige Aufmunterung, und wenn sie, in ihrem sichtbaren Fleiße nicht ermüdet, so ist ihr eine schöne Zukunft zu prophezeien. Die Palme deS Abends gehört jedoch unstreitig dem Herrn Grabowsky als Struensee. Referent hatte Gelegenheit, das Stück in Leipzig zu sehen, wo es zum erstenmale, unter eige­ner Leitung des Dichters, W die Scene ging, aber nur durch die eminente Leistung des Herrn Marr und ein guteSÄrrangement über bem Wager gefallen wurde und der Strueujee des Herrn Wagner auch nicht die ge­ringste Theilnahme zu erwecken vermochte; mocß Herr Grabowsky durch seine meisterhafte Darstellung den Antheil des Publikums von Scene zu Scene höher steigerte. Es ist wohlthuend, die Sicherheit dieses routiuirten Künstlers zu sehen, mit welcher er stets seine Aufgabe beherrscht; da ist kein ängstliches Schielen nach dem Souffleur-kasten bemerkbar, wie bei so manchen ge­feierten Mimen, so daß seine eigne Sicherheit sich un­willkürlich bem Auditorium mit theilt, welches nicht den Herrn Grabowsky, sondern die handelnde Person des

Stückes selbst vor sich zu sehen glaubt, und so gelang es ihm, in den verschiedenartigsten Situationen deS Stückes st ts wahr und treffend zu zeichnen. Vorzüg­lich waren die zarten Gefüh.Smomente in dem Geständ- niß seiner Liebe zur Königin sowohl, wie die Ueder- raschung, als er plötzlich den König an seiner Seite erblickt; sowie die vernichtende Wirkung, welche die Nachricht von dem Tode seiner Mutter auf ihn machte. Wir kennen wenig Künstler, welche bei so großer Viel­seitigkeit auf gleiche Weise in allen Branchen künstleri­sche Schöpfungen verführen, wie Herr Grabowsky. Sein Wiederengagement dürfte deshalb ein glückliches ' Ereign für unsere Bühne zu nennen sein, und unter seiner umsichtigen Regie wird sich unser Schauspiel der so musterhaft von Herrn Schinvelmriffer geleiteten Oper m Kürze zur Seite stellen und dem Publikum genuß­reiche Abende versprechen können, wenn die Stelle eines ersten Vaters genügend besetzt wird. Herr Weilen­de ck brachte als Güldenberg den innerlich fühlenden Vulkan dieses stolzen und eingefleischten, stets scharf beobachtenden Dänen mit Ruhe und Sicherheit zur Anschauung. Herr Wilke gab sich mit der undank­baren Rolle des Königs alle Mühe und griff wirksam in die Handlung ein, sowie Herr Tietz als Ranzau und Hr. M et l a als Prediger nichts versäumten, was zuin Ge­lingen desGanzen beitragen konnte.UnverkennbareBefan- genheit ließ Hrn.Nauinann denCharakter desOoristen Kötter nicht zur vollen Geltung bringen, ohne jedoch