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Leerheit und Recht!"

Jfâ 2Ä3> Wiesbaden Dienstag, izt. Oktober 1851.

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DUFrrtt Zellung" «r,scheiltt. mit AuSna-m» des Montag», täglich in einem Bogen Der ridonnementSpeeiS beträgt vierteljährlich hier in WieSdadeo I S 45 ft ausw-r'S durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate weiden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen B^bretiung derfreien Zeitung« stets von wirksamer' Si- folgt. Die JnserationSgebühren betragen für die einspaltige Petitzetle 3 fr.

Ein Blatt aus der Junkergefchichte.

Durch die Revolution in Frankreich (1790) war eine besondere Furcht über die Höfe und Kabinetts ge­kommen; überall witterten sie Jakobiner; ja der frei­gesinnte und freimüthige Mann ward verdächtig."

Diese Stelle ist aus Brockhaus Conversationsleri- fon, 7. Auflage.--In VehsesGeschichte des preußi­schen Hofs und Adels" wird erzählt:

Seit dem französischen Revolutionskrieg war Ja- cobinismus eben so das Losungswort geworden, wie früher, gleich nach dem Tode Friedrichs des Großen, Fr ei geister ei und nach den Befreiungskriegen De­magogie. An die Stelle der monarchischen Regie­rung Friedrichs 11. war unter Friedrich Wilhelm II. eine Adels- und Camarilla - Regierung getreten. Die aristokratische Hofpartei, die den König umgab und die alles mit äußerster Sorgfalt entfernte, was ihm die Augen hätte öffnen können, führte, um ihren Einfluß recht sicher zu stellen, eine Art von Sch recken 6 syst e m ein. Was nur irgend eine Spur von Geringschätzung des ministeriellen Ansehens verrieth, ward mit Mißbe- lieben angesehen und als gefährlich bezeichnet, alle und jede freimüthige Beurtheilungen der innern und äußern Politik wurden als ruhestörende Verbrechen geahndet. Die Preßfreiheit ward eingeschränkt, ein ^geheimes Polizeiamt errichtet. Man besoldete Spione, die sich in die Privatgesellschaften und Familienzirkel eiu- schlichen, dadurch ward alle Vertraulichkeit, selbst unter den innigsten Freunden vertilgt und ein allgemeines Mißtrauen erregt. Es war keine Thatsache aufzuwei- sen, aus der man die geringste Abneigung und Wider­setzlichkeit gegen die Regierung nur hätte muthmaßen können. Aber dem König ward Furcht und Mißtrauen gegen das Volk beigebracht, dadurch ihm die Hofpartei nothwendig gemacht und dieser die oberste Gewalt in ihren Händen befestigt.

Welchen Despotismus sich die preußischen Menu ster erlaubten, beweist die Einkerkerungsgeschichte des Kriegsraths Zerboni di Sposetti im Jahre 1796. Kurz nach einem Aufstande, der in Breslau im Okto­ber 1796 statt gefunden hatte, empfing der allmächtige Minister von Schlesien und Südpreußen Graf Hoym einen Brief von Zerboni aus Petrikan, der folgende Stellen enthielt:Es find (am 6. Oktober 1796) A, stritte in der Hauptstadt Schlefiens vorgefallen, die in einem wohlregierten Staate nicht erhört find. Un­sere Staatsverfassung ist gut, unsere Gesetze sind weise, wo kann also der Kehler anders liegen, als in der Ausübung der letzteren? Was hiervon auf die g-oße 'Schuldrechnung Ew. Errellenz kommt, hat Ihnen Ihr Gewissen in der Nacht vom 6 zum 7_t. M. gesagt. Wehe Ihnen, wenn die guten Entschlüsse, die Sie da faßten, das Schicksal aller Ihrer bisherigen Entschlüße haben; Ihre letzten Jahre werden dann unrühmlich und Ihr Andenken verhaßt sein! Sie wollen das

Gute, aber Sie haben nicht die Kraft, es zu vollbrin­gen; Sie beugen Ihre Knie vor der Convenienz und huldigen der Laune deS Moments. Der Mann von Kenntnissen ohne Ahnen, der denkende Kopf ohne ge­sellige Feinheit hat für Sie keinen Werth. Sie haben das Vorurtheil der Geburt, das man sonst ertrug, zu einer Zeit, wo man jedem grauen Wahne dreist in die Augen leuchtet, durch die kleinlich strengen Grenz­linien unausstehlich und sich dein gebildeten Bürger­stande unerträglich gemacht. Das Schicksal hat we­nigen seiner Lieblinge einen Wirkungskreis angewiesen, den es Ihnen so früh gab. Auf dem Orte, wo Sie stehen, was konnten Sie für Schlesien, für Südpreu­ßen thun! und was geschieht durch Sie? Sie sind von Ihren geistlosen Schreibern, die mit wenig Ge­schicklichkeit für Ew. Hochgräfl. Errellenz eine gesetz­liche Formel zu finden beflissen sind, nur die Aus­drücke der Livree gewohnt. Aber Sie bedürfen nack­ter Wahrheit!""

Nachdem Graf Hoym dies Schreiben Zerboni's dem Könige mitgetheill hatte, wirkte er aus, daß der­selbe als SkaatS- und Majestätsverbrecher aus könig­liche Gnade zuerst auf die Festung Glatz, dann nach Spandau und zuletzt nach Magdeburg gesetzt wurde. Zerboni sollte das Haupt einer Verschwörung in dem preußischen Polen sein, Auszüge, die Hoym aus den in Zerboni's Schreibtisch aufgegriffenen Papieren hatte machen lassen, sollten das beweisen. Zerboni saß drei Jahre lang in emgem Gewahrsam , dann ward er un­ter der folgenden Regierung, nachdem es ihm ge­lungen war, in die Rechtsform seine Ver­theidigung einzuleiten, freigesprochen; den neuen Königs Liebling, der Geheime Cabinctsrath Mencken hatte imGenius der Zeit" einen Brief an ihn abdrucken lassen, im Sinne der Partei der damaligen Demokraten. Zerboni trat nun in seine Kriegs- und Domänenrathsstelle zurück, gab 1801: Aktenstücke zur Beurtheilung der Staatsverbrechen des Kriegs- und Domaueuraths a rboni und seiner Freunde" heraus und ward später Qoerpräfioent des Großher- zogthums Posen."

Deutschland.

0 Von der Kreuzeiche am Mühlberg, 11. Okt. Unvollkommen ist Alles, was-auf dieser Erve lebt und webt, was sich ereignet und zuträgt, was die Natur hervorbringt, waS die Menschheit produzirt. Der dies­jährige Frühling war naß und kalt, der Sommer an­fangs trocken, wenig warm, später unfreundlich und naß, man hoffte, der August und September würde warm und heiß werden, die Sonne würde die Frucht zur Reife treiben, die Trauben durchglühens; aber man hoffte und wünschte vergeblich. Rauh und unfreundlich zogen die Tage dahin; der Herbst will nicht nachholen, was der Sommer versäumte; die Erndle fällt nicht vollkom­men gut ahé und io blickt man mit Sorgen nud Zagen

dem kommenden Winter, der tunfeln Zukunft entgegen. Die gefürchtete Krankheit der Kartoffelii hat sich fast allenthalben wieder eingestellt, hier stärker, dort in geringerem Grade. Ebenso beklagt inan überall die geringe Quantität, welche man eingeerntet hat. DaS hatte man nicht erwartet. Die Kartoffeln standen dem Kraut nach zu schließen allenthalben gut und schön; dasselbe hielt sich länger grün, als in früheren Jahren, wovon die naßkalte Witterung im August und September die Ursache sein mag; man glaubte daher aUcrwärts eine bessere, reichere Kartoffelernte zu machen, als man wirklich gemacht hat. Die Witterung war diesen Sommer diesem Gewächse unserm menschli­chen (Hennen nach günstiger, als voriges Jahr und dennoch fiel diese Knollenfrucht so spärlich aus. Man hört jetzt allgemein die Ansicht äußern: wenu das so fort geyt, wenn die Kartoffeln jedes Jahr in geringerem Grade gerathen, so haben wir in 5 10 Jahren keine Kartoffeln mehr. Die Meinung, daß diese Frucht als ausländisches Gewächs am Aussterben la- borire, gewinnt immer mehr Raum. Diese Anficht, die schon oft ausgesprochen, ist nicht so ganz wahrscheinlich, sie scheint sich von Jahr zu Jahr immer mehr zu bestäti­gen durch geringere Quantität und schlechtere Qualität der so nützlichen Frucht für Mensch und Thier. Was auch die Menschen über die Krankheit der Kartoffeln sagen mögen, die Meinung bricht sich immer mehr Bahn: durch ein kulturwidriges Verfahren ist die Kar­toffel als ausländisches Gewächs im Ab- und Aus­sterben begriffen. Alles Gerede über die Kartoffeln und die Anwendung aller vorgeschlagenen Mittel haben sich bis jetzt unzulänglich erwiesen, nichts will fruchten. Die Millionen Milben, die die Gelehrten auf dem Kartoffel­kraut wittern, das Krank- und Schwarzwerden dessel­ben ist ja keine Ursache, nein, nur die Folge, die Wir­kung der Krankheit. Wenn ein Mensch, ein Thier, eine Pflanze krank wird, so erzeugt sich sehr leicht und schnell Ungeziefer; so wenig wir sagen können: daS Ungeziefer am kranken Schafe ist die Ursache, daß es an der Naide leidet, eben so wenig kann man sagen: der Schimmel, die Milben am Kartoffelkraut sind die Ursachen, daß dieKnollen in der Erde faulen. Gift, wahres Gift müßten dann die Milben ent­halten, daß das Regenwaffer, am Stengel herabkriefend in die Erde an die Knollen führe. Wäre das Gift so wirksam, baß davon die Kartoffeln angegriffen wür­den, erkrankten und faulten: so müßten schinßrichtiger Weise auch die Thiere von dem Gifte erkranken und sterben, die das Kraut und die halb- und ganzfanlen Kartoffeln fräßen. Davon fehlen aber bislang noch Beispiele; folglich können der Schimmel und die kleinen, nur mit einer Loupe erkennbaren Milbchen unmöglich die Krankheit der Kartoffeln verursachen, nein sie find nur als eine Folge der Krankheit zu betrachten. D e Kartoffelkrankheit kann nicht von oben aus der Luft kommen, da sie jedes Jahr bei dem verschievesten Wit­terungswechsel wiederkehrt; nur bas ist bei ihr anzn-

Der Eis Handel der Vereinigten Staaten.

Die englischen Zeitungen melden, daß von den Ver­einigten Staaten im Laufe des Jahres 1850 9500 Tonnen (tons) Eis nach Indien und Mauritnis ver­führt worden. Diesen eigenthümlichen Handel .iort)< amerikas, den ganz neuerlich Noiwegcn nachgeahmt hat, begann der unternehmende und ausdauernde Frederic Tudor zu Boston (Massachusetts) im Jahre 1805. Man könnte Boston den Eishafen nennen, behalte Tropenländer mit diesem kalten Stoff versorgt. «eine ersten Eisgcschafte machte Tudor in Westindien und dem Süden der Vereinigten Staaten, doch^fast ohne Gewinn und manchmal mit Verlusten. Seine erste Ladung nach Calcutta ging am 18. Mai 1833 ab und bald darauf suchten die Eisschiffe auch Madras und Bombay auf. Erst seit 1832 nahm der Eishaudel be­deutend zu. Es war keine Kleinigkeit, die passendsten Veranstaltungen in den Schiffen zur Aufnahme der Eisladungen, Eishäuser und die besteArt dieselben ein» zurichten, endlich die Maschine zum Schneiden und Zu- bereiten des zur Verschiffung und Aufbewahrung be­stimmten Eises und zur Fortschaffung desselb.u m d.e Magazine und Schiffsräume zu ers-adeu. «ett 1841 ist das Eis hauptiächlich auf der zu dieffm ^weck ge. bauten Chürlestoner Zweigbahn transportirt worden. In Havalmäh , wo Eis ein Monopol» ist, wird es zu

6% Cents das Pfund verkauft. In Calcutta war der Preis nie über 6 Cents und ist jetzt 2/2 Cents, in Neworleanö auch nicht mehr und oft weniger. Die jetzigen Eishäuser und Eiskeller, oft ungeheuer groß und manchmal nahe an 100,000 TonS fassend, sind über die Eide gebaut, in südlichen Ländern, wo E-S den größten Werth hat, kostspieliger und von gehauenen oder Backsteinen. In Neuengland, wo Eis diesen Werth nicht hat, bestehen sie gewöhnlich ans Holz und haben doppelte Außenwände. Es gibt aber dort auch einzelne Eishäuser aus Backsteinen und von solcher Größe, daß sie 36,000 Fuß Land decken, Gewölbe von 40 Fuß Tiefe und Mauern von 4 Fuß Dicke haben. Ein solcher Bau ist kostbarer, aber viel dauerhafter und bei der häufigen Nähe von Eisenbahnen sicherer vor Feuer. Im Winter 1847 wurden täglich an Ar- beitslohn für Tagelöhner 650 Dollars und für Pferde 230 Dollars ausgegeben. Doch diese Arbeit dauert in der Regel nicht über 3 Wochen. _ Der gewöhnliche Lohn für Menschen und Pferde ist 1 Dollar per Tag. «ehr anziehend ist für den Beobachter das Schneiden des Eises in den Eisteichen oder kleinen Eisseen mit dem von einem Pferde gezogenenice-cutter, welche Ma­schine einem Nothhobel ähnlich ist, ausgenommen, daß sie eine NeHe von aufeinanderfolgenden Meißeln hat, welche die Höhlung immer tiefer graben. Bei gelin­dem Schneefall schafft dersnow-scrabel (Schnee- Schaber) den Schnee weg, nach starkem Schneefall,

wenn Wasser aufs EiS gekommen und gefroren ist, wird zur Beseitigung des Schneecisesice - plane, der Eishobel, gebraucht. Ist bas Eis dick genug uno von Schnee und Schnceeiö frei geworben, so wird eS von dem Eisschneider (ice-cutter) in gleichförmige Blöcke von gewöhnlich 22 Quadratzoll zerschnitten, dann auf Schlitten nach den an den Ufern ter E'.s- teiche erbauten Eishäusern gebracht oder in gehauenen Kanälen geflößt, wo es in den Gewölben IN regel­mäßigen Reihen, Block auf Block gestapelt und mit Holzspänen zngedeckt wird und so lange liegen bleibt, bis es versch sst wird, nach allen Küstenstaaten näm­lich Pennsylvania, Maryland, Delaivare, Virginia, North Carolina, Sviith Carolina, Georgia, Florida, Alabama, Missiisippi, Louisiana und Teras, ferner nach Vera Cruz, W-stindien, Südamerika, England, Mauritius, Indien und China. Im Lauf des Jahres 1847^ wiu'ken von Boston aus in 258 Fahrzeugen (49 Schiffen, 39 Barken, 45 Briggs und 125 Schoo- nein) nach den genannten atlantischen und Golfstaaten 51,887 Tonnen und ebenfalls von Boston aus in 95 Fahrzeugen (21 Schiffen, 24 Barken, 38 Briggs und 12 Schoonern) nach Cuba, Martinique, St. Thomas, Porto Rico, Guabaloupe, Barbadoes, Trinidad, Anti­gua, St. Vircent, Nassau, Jamaica, Pernambuco, De- maèara, Honduras,' Vera Cruz, Rio de Janeiro, Mau­ritius, Insel Bourbon, Manilla, Calcutta, Madras, Bombay, Ceylon, Hong Kong, Whampoa, Batavia u.