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Gott mit dir, o heiliger Boden, der du getränkt bist im Blute so vieler Edlen! Bewahret diese heili­gen Flecken, aus daß sie Zeugenschaft abgeben für Euch vor dem Volke, das Euch in Liebe zu Hülfe kom- men^wird.

Und nun Gott mit dir, o junger König der Un­garn! Vergiß nicht, daß dieses Volk nicht dein sei!

Ich vertraue zu Gott, daß du diese Ueberzeugung noch auf den Ruinen Ofens schöpfen werdest.

Der Allmächtige segne dich, mein theures Volk! Glaube, liebe und hoffe!"

Wo stehe»» wir?

* Seit drei Jahren müht sich die Reaktion ab, Ruhe und Ordnung zu stiften. Ist es ihr gelungen in ihrem Sinne? Und wenn dies, was denn doch wohl als sehr streitig selbst in den Regierungskreisen betrachtet werden dürfte, um welchen Preis hat der Belagerungsstaat gesiegt und welcher Zukunft führt er die Regierungen und die Regierten entgegen? DieNat.Ztg" brachte vor mehreren Tagen einen Artikel:Es bedarf einer That"âbetitâtj der bedeutendes Aufsehen gemacht hat, weil er so wahr und so schlagend die Situation zeich­net. Obwohl zunächst für Preußen berechnet, ist der Artikels doch Mo allgemein interessant, daß wir wenig­stens den Schluß vorlegen wollen. «Die Verfassung," schließt die Schilderung der jetzigen Noth,die Ver­fassung ist festgestellt, aber zumeist auf dem Papier. Noch ist nichts Organisches eingeführt. Das Gesetz über die Gemeindeordnung ist suspendirt, hier eingeführt, dort beanstandet, endlich den Provinziallandtagen vorgelegt, deren Kompetenz bestritten wird, in denen sich die Ver­wahrungen und Proteste häufen ein Wirrwarr über das, was Recht und Unrecht ist, ohne Gleichen. Die Finanzgesetzgebung ist nicht vollendet. Wie es mit der Presse, dem Versammlungs- und Ver- cinsrecht, den großen Bildungsmitteln des Volks für die Verfassung, steht, werden selbst unsre ärgsten Gegner bedauern, wenn sie überhaupt die Verfassung und Entwicklung wollen. Das Rechtsgefühl im Volke ist erschüttert, die Ausweisungen sind an der Tages­ordnung, die Denunziationen reißen nicht ab, die Fe­stungen sind gefüllt mit politischen Gefangenen, die Parteien befehden sich in so vielen Fraktionen, daß die Demokratie, die sich zurückgezogen hat, nicht mehr vor­geschoben werden kann, wenn es gilt, dies unselige Treiben zu erklären. Die Konfessionen spalten sich, auf allen Gebieten des Lebens wuchert das Mis­trauen. Ist das das alte Preußen 8 Seien wir wahr, darin allein liegt die Rettung. Das alte Preußen eri- stirt weder innen, noch nach seiner äußern Machtstel­lung. Das dritte Jmperatorthum, das deutsche, in dem Preußen schon lange aufgegangen war, oder zu dem es, besser gesagt, sich entfaltet hatte, hat frei­willig die mühsam errungene hohe Stellung ausgegeben, und es kreiset als Planet um die Sonnen Oesterreich und Rußland. Indem es mit seinem bestimmenden drängte, THW ihm nur sein materielles todtes Gewicht, und nach ewigen Naturgesetzen muß ks als bloße Materie von den grö­ßeren Gewichten seine Bahn angewiesen erhalten. Das ist die einfache Lage der Dinge. Sie wird be­wußt oder unbewußt in jeder Brust gefühlt; sie ist die Quelle aller unserer Verlegenheiten; sie erzeugt die Angst, daß, wenn einmal die großen Prinzipien sich gegenüberstehen, in Deutschland die Wahlstätte der. Verwüstung sein wird; daß wir das Bad bezahlen, wenn die verbündeten Kolosse sich auf ihre Hinterlän­der stützen, daß Deutschland eine Beute werden kann der slavischen und romanischen Stämme, wenn es sein Schwert Preußen eingebüßt, oder, wenn sich dies auch treu bewähren will, das Vertrauen zu ihm verloren gegangen ist. Wir stehen möglicher Weise an der

fallen, die sich seither der Einfuhr auländischer Erzeug­nisse entgegenstellten und nach drei Monaten schreite man zu einer neuen Aufnahme des Vorraths.

Wird man nicht ungleich mehr Getreide, Vieh, Tuch, Leinwand, Eisen, Steinkohlen, Zucker rc. vorfinden, als zur Zeit der ersten Aufnahme? Es ist eine aus­gemachte Wahrheit, daß unsere schützenden Tarife keinen anderen Zweck haben, als zu verhindern, daß alle diese Gegenstände zu uns gelangen, das Angebot zu be­schränken, das Herabgehen der Preise, den Ueberfluß abzuwehren.

Nun ist die Frage: ist unter dem Schutzsystem das Volk besser genährt, weil es weniger Brod, Fleisch und Zucker im Lande gibt? Ist es baffer gekleidet, weil weniger Garn, Tuch und Leinwand vorhanden sind? Sind seine Zimmer besser geheizt, weil es we­niger Steinkohlen hat? Gehen seine Arbeiten besser von Statten, weil ihm weniger Eisen, Kupfer, Werk­zeuge, Maschinen zu Gebote stehen?

Aber, wendet man ein, wenn das Ausland uns mit seinen Erzeugnissen überschwemmt, so nimmt es uns alle unsere edlen Metalle.

Was thut das? Nähren wir uns denn von edlen Metallen, bekleiden wir uns denn mit Gold? Neh­men wir denn Silber zum Einheizen? Mögen mehr oder weniger edle Metalle im Lande sein, wenn wir nur mehr Brod im Bäckerladen, me^ Fleisch in den Fleischbänken, mehr Leinwand in den «schränken, mehr Holz in dem Holzkammern haben!

Schwelle einer Zeit, die der äußersten Anstrengung jedes einzelnen Mannes bedarf, um uns aufrecht zu erhalten. Schon suchen Viele das Weite und eine neue Heimath, weil sie verzweifeln. Wir, die wir aushalten wollen, sind schuldig, über dem Kampfeder Parteien einmal unsere Lage klar ins Auge zu fassen. Die Geschäfte stocken; die Gewerbe sind er­lahmt; die Schulden des Staats wie der Privaten haben sich vermehrt; der Handel, das Unternehmen wagt sich nicht heraus, die Banquerotte mehren sich, eine Handels­krise droht von Amerika und England aus mit j ihren Rückwirkungen auf den europäischen Continent; der Winter ist im^Anzuge, die Hauptnahrung der Armen ist 'mißrathen , die Kornpreise sind im Steigen, so geängstigt von allen Seiten sieht der Vaterlandsfreund mit Bangigkeit in die Zukunft. Wie ist zu retten? Das Volk kann nichts thun; es sieht auch nicht ver­trauend auf die Kammern, die gewählt sind nach einem Gesetz, das losgerissen ist von der gesetzlichen Ent­wickelung. Das Volk beginnt in den schlimmsten Zu­stand zu gerathen, in den es kommen kann in die Gleichgültigkeit; es kann sich nur noch aufrasten zum Spott, nicht mehr zum offenen Wunsche, und dennoch wird es ängstlich überwacht. Es fehlt, mit einem Worte, am Vertrauen, an freudiger Begeisterung, an einem bestimmten Ziele, für das eine Begeisterung möglich wäre. Es muß aber etwas geschehen, eS be­darf einer That, so durchgreifend, so bestimmt, so kühn, so begeistert wie am 21. März 1848 einer That, die Vertrauen erregt, die kein Rückwärts ge­stattet; einer That, die nach Innen elektrisirt und das Volk befähigt nach Außen kräftig 31t handeln, wenn Tag und Stunde kommt."

D e u t s ch ! s N d.

* Wiesbaden, 9. Okt. Die neueste Kurliste mel­det bis 7. inet. 13,309 Kurgäste.

Aus dein Rheingau, 9. Oktober. Die Nach­fragen um Weinverkäufe mehren sich noch immer, und sind auch bereits bedeutende Ankäufe geschehen. So sind unter Andern: zu Hallgarten 30 Stück dieser Lage, sowie zu Geisenheim circa 20 Stück ausgeführt wor­den. Die nasse Witterung ist der Aussaat des Ge­treides sehr hinderlich. Die Kartoffeln faulen mehr als früher, besonders werden die öberhöhischen Orte sehr hart heimgesucht. Vielen Gutsbesitzern wird nicht die Aussaat für kommendes Frühjahr übrig bleiben. Die Schweinemästungen müssen allenthalben unterblei­ben und wird überhaupt das fette Schlachtvieh bei uns sehr rar werden. Die schlechte Traubenerndte ver­bietet auch manchem Gutsbesitzer, den nächsten Winter das brache Feld roden zu lassen, so daß voraussichtlich der Taglöhner ohne Verdienst bleiben und über dieß noch theüre Lebensmittel einkaufen wird.

Mainz, 8. Oktober. Die heutige zweite besondere Sitzung der Generalversammlung des katholischen Ver­eins Deutschlands war wo möglich noch zahlreicher besucht, als die gestrige. Der Antheil an den Ver­handlungen war lebhaft. Der erste Antrag lautet; Der Verein wolle für die nächste Generalversammlung eines der vier Bisthüiner Münster, Paderborn, Osna­brück und Hildesheim in Aussicht nehmen, ward von dem Ausschüsse befürwortet, und dahin angenommen, daß man an erster Stelle Münster wähle. Für den Fall eines dort eintretenden Hindernisses ward Frei­burg im Breisgau bestimmt als der Ort der sechsten Generalversammlung des katholischen Vereins.

Kassel, 5. Okt. (N. C.) Allem Anscheine nach werden die politischen Prozesse eine noch weitere Aus­dehnung erhalten. Man ist im Augenblicke damit be­schäftigt, eine anderweite Räumlichkeit für die Militär- strafabtheilung, welche sich im hiesigen Kastell befindet, zu beschaffen, um im Kastell selbst Raum zu gewinnen. Das städtische Polizeipersonal hat das seitherige Kennzeichen, ein Blechschild mit dem städtischen Wap­pen, ablegen müssen und soll eben so, wie die Staats­polizei, uniformirt werden. Der verabschiedete Rc« gierungsassessor Schomberg ist als Vortragender Rath iin Finanzministerium zu Weimar angestellt worden. _

Kassel, 6. Okt. In den letzten Tagen ist das neu erschienene Staatsoienstgesetz vielfach auf den Lehrer­stand augewendet worden. Es sind nämlich eine Menge Lehrer, man spricht von einigen Fünfzig, zur Disr Position gestellt worden; unter ihnen befinden sich die aus dem letzten Landtage zur Linken gehörenden Pro­fessor Bayrhoffer von Marburg (Präsident der letzten Ständekammer), Rektor Gräfe von hier, Pfarrer Theo­bald von Hanau, Reallehrer Berlitt von Hersfeld; ferner Lehrer Jansen von hier und mehrere andere. Nach anderen Nachrichten sollen Professor Bayrhoffer und Rektor Gräfe sogar suspendirt sein.

Hannover, 6. Oktbr. fWes.-ZlgZ Der schlum­mernde Zustand, worin die in Begleitung sehr un­günstiger Wetterzeichen eingetretene Ministerkrisis in den letzten Tagen sich zu befinden schien, hat, wie es scheint, manche der hiesigen Blätter, wie der hiesigen Berichterstatter, zu der irrigen Annahme Verleitet, die Krise sei, wenigstens vorläufig, glücklich überwunden und die ihr zum Grunde liegende Differenzpunkte zwi­schen der Krone und den Ministern in der Hauptsache

ausgeglichen. Leider befindet sich diese Angelegenheit j in einer ganz andern, bei weitem weniger günstigen 1 und zwar genau in derselben schwankenden Lage, worin ( sie sich vor 10 Tagen befand. Man wird diese Be« , Häuptling hoffentlich nicht bezweifeln, wenn wir die j Versicherung hinzufügen, daß der König in Folge eines ! besorglichen Unwohlseins während der letzten 8 Tage , nur zwei Mal auf wenige Minuten das Bett verlas» ( sen und jeder Art von Negierungsgeschäften sich ent- ; zogen hat. ,

Bremen, 6. Oktober. sD. A. 3-1 Der Nedak- ' teilt desBremischen Volkssreundes," jetziger Archivar 1 der Bürgerschaft, ist zu 9 Wochen Gefängnißstrafe ver- ' urtheilt, weil er in seinem Blatte gesagt hatte,ein frommer Hirte habe von St. Stephani nach der Doms- haide das sechste Gebot verloren." Die Betreffenden reichten eine Klage ein und in diesen Tagen erfolgte das Erkenntniß. Zwei andere Redakteure haben wahr­scheinlich ein ähnliches Urtel zu erwarten. Es wurde nämlich von einem vielgenannten Prediger, der der frommen Richtung angehört, im Publikum behauptet, er habe einen unerlaubten Umgang mit einer verhei- ratheten Frau gehabt und die Blätter machten darüber ihre Glossen. Dein Prediger Dul 0 n ist verboten worden, außerhalb seiner Gemeinde künftig zu taufen. Es liegt dabei ein altes Gesetz zum Grunde. Heute ist die neue Gewerbeordnung publizirt und ist die Aufnahme in die Innungen dadurch wesentlich erleich­tert worden. Ein Gesell kann künftig mit 25 Jahren Meister werden und die Gebühren sollen von den ver­schiedenen Innungen zwischen 5 und 25 Thaler fest­gestellt werden, ein höherer Betrag darf nicht verlangt werden.

Aus Thüringen, 8. Okt. (Fr. I.) Bei den Ver­handlungen des Coburger Landtages über das neue Preßgesetz äußerte u. A. der frühere meiningische Minister von Speßhard:Kein Staat habe das Recht, die Grundrechte einseitig wieder aufzuheben; ebensowenig sei nach seiner Ansicht der Bundestag selbst hiezu berechtigt." Die letztere Aeußerung hat um so mehr Aufmerksamkeit erregt, als Hr. v. Speßhard durch­aus nicht einer extremen politischen Richtung angehört. Demohngeachtet zweifelt Niemand daran, daß auch bei uns der Bundesbeschluß über Aufhebung der Grund­rechte verkündigt werden wird, wenn vielleicht auch unsere Negierungen es für angemessen erachten, damit so lange zu zögern, bis ihnen die meisten anderen vor­angegangen. In jenem Betreff befindet nun aber der eine unserer Staaten sich in einer vortheilhafteren Situation, als der andere. So hat z. B. bet weima- rische Landtag im Jahr 1849 den von einigen Mit­gliedern gestellten Antrag, Die im Regierungsblatt pu- blizirten Grundrechte durch seine Zustimmung noch nach­träglich zu einem Landesgesetze zu erheben, abge- lehnt, und zwar aus dem ausdrücklich angeführten Grunde, weil sie als Reichsgesetze einer solchen Zustimmung nicht bedürfen; und wiederum ging spä­ter die Regierung nicht auf den Antrag ein, dieselben in das neu revidirte Grundgesetz aufzunehmen; wäh­rend die neue gothaische Verfassung sie vollkommen und mit noch erweiterten Zusätzen zu Gunsten der Volks­freiheit enthält. Durch den neuen Bundesbeschluß sind demnach die Grundrechte für das Großherzogthum Weimar oktroirt, während sie für daS Herzogthum Gotha fortbestehen, da der Bundestag sie eben nur als Reichsgesctz für rechtsungültig erklärt hat.

Berlin, 3. Okt. fNat.-Zst An diejenigen preußischen Truppen, welche zu dem in der Umgegend von Frank­furt zusammenzuziehenden Korps gehören sollen, ist der Marschbefehl mit der Maßgabe ertheilt worden, daß dieselben jedenfalls noch im Laufe dieses Monats in ihren neuen Standquartieren sein sollen. Der Plan der Concentration unmittelbar nach Frankfurt ist auf­gegeben worden, so daß die preußischen Truppentheile in Saarlouis, Wetzlar und Kreuznach bleiben. Zum Ersatz der hierbei zur Verwendung kommenden Trup­pen soll nur ein Linien-Jnfanterie-Regiment, das 33., welches seine Garnison eigentlich in Thorn hat, aus den östlichen Provinzen nach dem Rhein verlegt werden.

Die vor einiger Zeit angeregte-und in Stettin aus­geführte Idee, neben den vielen Leihbibliotheken, bei denen der belletristische Theil das vorwiegende Element ist, auch in Berlin ein größeres derartiges Institut für vorwiegend w i ssen sch a ft l i ch e W e r ke einznrich- ten, dürfte schon in der nächsten Zeit zur Ausführung kommen, indem ein hiesiger Buchhändler sich dazu ent­schlossen hat. Bei den noch immer verhältnißmäßig bedeutenden Schwierigkeiten für die Benutzung der Staats-Bibliotheken würde durch solche Institute, zu­mal wenn sie zugleich auf die Zeitgeschichte billige Rück­sicht nähmen, einem wirklichem Bedürfnisse abgeholfen werden.

DiePr. Ztg." schreibt:Die in den letzten Ta­gen vorgenommenen Haussuchungen und die Verhöre der Verhafteten haben dem Vernehmen nach zu Resultaten geführt, welche das Bestehen einer hochverräterischen Verbindung außer Zweifel setzen." DieA. G. Z." bringt dagegen einige Mittheilungen über die bis jetzt gepflogenen Untersuchungen, die das vorstehende Urtheil zu modificiren geeignet sind. Die Zahl der Verhaf- | teten giebt dieses Blatt auf etwa 14 an, sie gehören größtentheils dem Handwerkerstande an. Die Verhaf­teten befinden sich noch immer in Polizeigewahrsam. Die Aussagen derselben über den Zweck des Vereins sollen ganz verschiedener Natur sein, und 2 Personen