„âeißerr und Recht!"
«^ 2^1« Wiesbaden Samstag, 11. Oktober 1851.
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Kossuth.
* Kossuth ist der Name, dem wir jetzt in englischen Blattern am meisten begegnen. Aus einem kürzlich veröffentlichten parlamentarischen Aktenstücke gebt hervor, daß zu Gunsten der Freilassung KostutHS 42 Denkschriften an die englische Negierung und 4 Petitionen an das Haus der Gemeinen gerichtet worden sind. In den „Daily-News" fordert W. T. Lamp Esq. wiederholt zu einer Nationalfubscription auf, wobei er versichert, daß in den Fabrikdistrikten jeder, Mann für Mann, einen Beitrag zeichnen werde, um Kossuth ein „hörne“ in England zu bereiten. Die Demonstration für den Empfang wird großartig werden und sie ist es schon, wenn man bedenkt, daß die aller- konservativsten Geldmänner der Hauptstadt, das Com- mon Council, der absolutistischen Reaktion den Krieg erklärt, d. h. ihr den Kredit gekündigt, sie bankerott erklärt haben, indem sie beschlossen, den k. k. Hochver- râther als ihren Mann einzuholen. — Ein Korrespondent des „Globe" giebt sich Mühe, zu beweisen, daß Kossuth nicht für sein „so genanntes" marseiller Manifest verantwortlich gemacht werden könne, selbst wenn dasselbe wirklich seine Unterschrift trage. Die darin enthaltenen Ansichten seien nicht die Ansichten Kossuths, auch habe er ein derartiges Aktenstück aus dem Grunde nicht abfassen können, weil er der französischen Sprache nicht hinlänglich mächtig sei. (?) Man müsse daher annehmen , dâß der Name Kossuths zu politischen Parteizwecken mißbraucht worden sei. Wir bemerken dazu, daß noch kein franz. Blatt an der Echtheit gezweifelt hat. Um unsern Lesern jedoch einen Vergleichungspunkt zu bieten , wornach sie selber urtheilen mögen, lassen wir einen Abdruck des Abschiedsmanifestes vom Vaterlande folgen, auf das zurückzublicken gerade jetzt so mannigfaches Interesse bietet. Dasselbe lautet nach der Uebersetzung, die damals die „Köln. Ztg." brachte:
„Orsova, 15. August 1849.
—-^tNött mit dir, theures Bate, land! Gott mit dir, Law der Magyaren! Gott mit Dir, Land der Qua- hn! Nicht mehr werde ich die Gipfel deiner Berge schauen, nicht mehr werde ich mein Vaterland den Boden nennen können, wo ich an meiner Mutter Brust die Milch der Gerechtigkeit und der Freiheit ringksogen habe. W-rst du mir verzeihen, o mein theu- res Vaterland? Wirst du dem verzeihen, der nun fern von dir unstät herumirrtn muß, weil er für dein Glück gekämpft hat? Wirst dn mir verzeihen können, der ich von deinem Boden nur den kleinen Fleck noch frei nennen kann, auf dem ich jetzt nicberfniee mit meiner Familie und mit einigen treuen Söhnen des großen besiegten Ungarns?
„Mein Blick fällt auf dich, o armes Vaterland! Ich sehe dich gebeugt von Leiden; ich wende ihn der Zukunft zu: die Zukunft ist in schweres Dunkel gehüllt. Deine Ebenen sind bedeckt von rothem Blute.
Ueberftnß — Mangel.
(Schluß.)
Man wird zugestehen, daß wir alle als Erzeuger Wünsche hegen, welche dem allgemeinen Interesse entgegen sind. Als Winzer würden wir nicht böse sein, wenn es in allen Weinbergen der Welt fröre, den unserigen natürlich ausgenommen: das ist doch wohl die Theorie des Mangels. Sind wir Hammer- werksbesitzer, so werden wir natürlich wünschen, daß nur wir Eisen auf den Markt bringen, mag der Bedarf deS Publikums noch so groß ,ein, denn gerade dieser wird uns desto höhere Preise verschaffen, je lebhafter er empfunden wird; das ist abermals die Theorie des Mangels. Sind wir Lanowirthe, so werden wir uns sagen, daß bei theurem Brod wir gute Geschäfte machen würden; also immer und immer die Theorie deS Mangels. Und so machen eS alle Industrien. ,
Gehen wir zur Betrachtung des unmittelbaren Interesses des Verbrauchers über, so finden wir es in vollkommener Uebereinstimmung mit dem allgemeinen, mit den Forderungen des Wohls der Menschen. Der Käufer wünscht den Markt in Fülle versehen, gutes Wetter zur Ernte, neue Erfindungen, um die Zusuh- raug von noch mehr Erzeugnisse zu erleichtern, E>- soarung an Zeit und Arbeit, Fallen aller Schranken. Ji dem Allen geht das unmittelbare Interesse deSVer-
Die unerbittliche Verwesung wird es bald schwarz machen, gleichsam zur Trauer ob der zahllosen Siege, die deine Söhne errungen über die fluchwürdigen Feinde deines geheiligten Bodens. Wie viel Gebete dankbarer Herzen flüsterten nicht uins Ohr deS Allmächtigen! wie viel Thränen strömten nicht hinab in Deine Tiefen, um selbst das Erbarm-n der Verdammniß anzurufen! wie viel vergossenes Blut hat dir nicht bewiesen, daß der Ungar sein Vaterland liebe und daß er für dasselbe zu sterben wisse!
„Und doch, o theures Vaterland, bist du zum Sklaven geworden! Aus den Eingeweiden deines eigenen Bodens wird das Eisen hervorkommen , zu knechten alles, was heilig, und zu fördern alles, was fluchwürdig ist.
„O Gott! Wenn Du Dein Volk liebst, dem Du nach so vielen Kämpfen unter unserem heldenmüthigen Ahnen Arpad zu siegen gestattetest, ich flehe zu Dir, lasse ihn keine Demüthigung widerfahren!
„Siehst du, theures Vaterland, in meiner Verzweiflung und auf dem Fleckchen deines Bodens spreche ich noch so zu dir: verzeihe mir, denn Tausende deiner Söhne haben ihr Blut vergossen meinetwegen für dich. War ich doch dein Anwalt, als man auf Dein Loos daS Wort „Verloren" schrieb. Nahm ich doch das Wort für dich, als man dir zurief: „Sei ein Sklave!" Habe ich mich doch mit meinem Schwerte umgürtet, als man Dir zu sagen wagte: „Du bist keine Nation mehr auf dem Boden der Magyaren!"
„Die Zeit ist mit raschen Schritten vorübcrgegan- gen; das Schicksal hat auf Die Blätter deiner Geschichte mit schwarz-gelben Lettern den Tod verzeichnet. Und das Siegel darauf zu brücken, rief es Den Koloß deS Nordens herbei; doch das heiße Eisen des Ostens wird dieses Siegel bald schmelzen machen.
„Sichst da, mein Vaterland, für dich, das so viel
* edles Blut vergossen, gibt es nicht einmal Mitleive» ; denn auf den Hügeln, gebildet von den Gebeinen deiner gefallenen Söhne schneiden Tyrannei und Despotismus ihr Brod!
„Siehst du, theures Vaterland, der Undankbare, den Du vom Fette deines Ueberflusses genährt, ist gegen dich gezogen; gegen dich der Vaterlaudsverrather, um Dein Dach der Erde gleich zu machen.
„Du aber, edle Nation, du hast dies alles ertragen, du hast dein Geschick nicht verflucht, denn in deinem Busen hat über alle Leiden die Hoffnung ihr 9icß gebaut.
„Ungarn! wendet Euren Blick nicht von mir; Denn in diesem Augenblicke noch fließen meine Thränen für Euch, und das Fleckchen, auf Dem meine schwankenden Füße stehen, trägt noch Euren Namen.
„Du bist erlegen, weil du selbst deinen Fall herbeigeführt hast.
„Nicht das Schwert des Fremdlings hat dein Grab gegraben, nicht Die Kanonen der vierzehn Nationalitäten, die gegen dich gezogen, haben Deine Vaterlandsliebe
eeeeeiieengenHeeÄiBHaHMeaeBOBeaaeBeeeeeeeaeÄeeHBBetieeeHeKe» brauchens neben Dem richtig verstandenen öffentlichen.
— Man wird vielleicht sagen, baß Dmd> die errhörung dieser Wünsche Die Beschäftigung des Erzeugers abueh- men, und endlich wegen Mangel an Nachfrage aufhören wurde. Allem warum? Doch wohl nur, weil bei dieser äußersten Annahme alle nur penkvaren Bedürfnisse und Wünsche vollständig befiiedigl werden würden. Der Mensch hätte, wie der Allmächtige, alle Sachen durch eine einzige Ausübung seines Willens zu schaffen. Warum soll aber bei Dieter Voraussetzung das Aufhören der Erzeugung durch Arbeit zu bedauern sein?
Man denke sich eine gesetzgebende Versammlung von Arbeitern, deren jeder elnzrine als Erzeuger seinen geheimen Wunsch als Gesetzesentwurf zu Tage brachte. Würde das Gesetzbuch derselben nicht daS sytematische Monopol, die in das Leben Angeführte Theorie des Mangels sein?
Dagegen würde eine nur aus Verbrauchern bestehende Versammlung Die Freiheit in ein System bringen, alle beschränkenden Maßregeln abschaffeu, alle künstlichen Schlagbäume Umstürzen, kurz Die Theorie des Ueberflusses zur Wirklichkeit machen.
Es folgt daraus:
Daß, wenn man nur das Interesse der Erzeuger fragt, man an ein dein allgemeinen eutgegenste- Heudes sich wendet.
Daß, wenn man nur daS unmittelbare Interesse
zum Wanken gebracht; nicht die fünfzehnte Nation, welche die Karpathen herüberbrach, hat dich gezwungen, die Waffen zu strecken. Nein, du bist verrathen, verkauft worden, theures Vaterland! Dein Todesurtheil, edle Nation, wurde geschrieben durch den, dessen Vaterlandsliebe ich nie zn verdächtigen gewagt hätte — im Fluge der verwegensten Gedanken hätte ich eher an Gottes Dasein gezweifelt, als daß ich je geglaubt hätte, er werde sein Vaterland verrathen können —; du bist verrathen worden durch ihn, in dessen Hand ich noch vor wenigen Tagen die Regierung unseres großen Vaterlandes niederlegte, das bis auf seinen "letzten Blutstropfen zn vertheidigen n1 geschworen hatte. Uno er ist zum VaterlandSverräther geworden, weil Die Farbe des Goldes ihm theurer war, als jene des vielen^ Blutes, das zur Rettung des Vaterlandes vergossen war. Das elende Metall hatte mehr Werth in feinen Augen, als das Vaterland, sein Gott, der ihn verließ, sowie er von ihm verlassen wurde für seine Genossen der Hölle. Magyaren! theure Gefährten! Verdammt mich nicht, weil ich gezwungen war, mein Auge auf fielen Menschen zu werfen, ihm meinen Platz zu überlassen. J»ch mußte es; denn das Volk hatte ihm sein Vertrauen zugewandt und die Armee ihm ihre Liebe geschenkt. Uno doch hat er das Vertrauen des Volkes verrathen, und doch hat er die Licbe der Armee mit H P vergolten. Fluche ihm, Ungarnvolk! Verfluche die Brust, die nicht vertrocknete, als sie ipn mit ihrem Lebensiafte zu nähren versuchte!
„Ich liebe dich, o treueste Der Nationen! so wie ich Die Freiheit liebe, für die du so heldenmüthig kämpftest. Der Gott der Freiheit wird dich niemals aus seinem Gedächtnisse lö'chen. Sei gesegnet immerdar!
„Meine Grundsätze waren nicht die Grundsätze Washingtou's. Meine Handlungen waren nicht jene Tell's. Ich wollte ein freies Volk, frei, wie nur Gott den Menschen schaffen kann. Und dn bist todt, todt, wie Die Lilie, um im nächsten Lenze nur um so schöner Blüthen zu treiben; dü bist todt, weil dein Winter gekommen. Doch vieler wird nidf fo lange währen, als jener deiner edlen, unter eisiger Luft Sibiriens schmachtenden KeioeusgeHhrten. Nein, fünfzehn Natko- nen haben Dein Grab gegraben, Die Tausende der sechszehnten werden kommen, dich zu retten. Bleibe treu, wie du es bisher gewesen, hatte die Worte der heiligen Schrift in Ehren, sage dein Sterbegebet und lasse deine National-Hymne nur dann erst erklingen, wenn .deine Berge von den Kanonen der Befreiung wider- Hallen.
„Gott mit sEuch, theure Landsleute! Möge Gottes Gedächtniß und Die Engel der Freiheit mit Euch sein! Fluchet mir nicht. Ihr könnt stolz sein, denn die Löwen Enropa'S mußten sich erheben, um die R. bellen zu besiegen. Die ganze civilisirte Welt hat in Euch die Helden bewundert, und die Sache des ye 13 Deinmütigen Volkes wird durch das freieste der freien Völker unterstützt werden.
der Verbraucher zur Basis nimmt, man zugleich auch des allgemeinen sich dazu bedient.
Verkäufer und Käufer sind die entschiedensten Wi- dcriacher.
Jene wollen, daß ihre Erzeugnisse auf dem Markte selten, wenig angedoren und theuer jemi.
Diese wunden Ileberfl nß, viel Angebot und niedrige ^reqe.
Die Gesetze, welche sich eigentlich auf keine Seite neigen sollten, nehmen für den Verkäufer gegen oen Kaufer Partei, für den Erzeuger gegen den Verorau- cher, für die Theueruug gegen Die Wohlfeilheit, für den Mangel gegen den Uebeifluß.
Sie handeln, wenn auch nicht absichtlich, vixt» wenigstens logiich, nach dem Satze: Eine Nation ist reich, wenn ihr Alles fehlt.
Denn sie sagen: man muß den Erzeuger begünstigen, indem man ihm einen guten Absatz ,eiues Erzeugnisses sichert. Darum muß man den Preis steigern; nm dies zu bewirken, muß man das Angebot beschränken; dieses aber beschränken, heißt den Mangel paffem
Wir wollen annehmen, daß man in dem Augenblicke, wo solche beschränkende Gesetze in Kratt sind, nach Gewicht, Maß uno Menge ein Verzeichn,ß aller im Lande vorhandenen Gegenstände, als Getreide, Fleifch, Tuch, Leinwand, Brennholz, Äolonialwaaren rc. auf- nähme. Am andern Tage lasse man alle Schranken