rayon Prags, dann der Landesfestungen Josephstadt, Königsgrätz und Theresienstadt verboten.
Prag, 2. Okt. sA. A. ZI Nachdem das Landes- militärcommando als Termin zur .Waffenablieferung den 20. Sept, festgesetzt, und diesen Termin für die aufgelöste Nationalgarde bis zum 23. verlängert hatte, sind gestern bei der Durchsuchung eines Hauses auf dem Johannesplatz (Altstadt), zu welcher zwei Polizeikom- miffäre sammt Militärassistenz beordert waren, wieder Waffen- und Pulvervorräthe gefunden worden.
Wie», 3. October. (Bresl. Ztg.) Die Anwesenheit des Banus in Wien scheint einen doppelten Zweck zu haben. Einmal gilt es, die inneren Verhältnisse Croatiens, welche keincsweges sich in einem sehr befriedigenden Zustande befinden und namentlich an der Steuer-Ucberbürdung einer Schranke des Wohlstandes begegnen, zu ordnen; sodann aber war seine Anwesenheit nöthig, um sich mit ihm über die Maßregeln zu verständigen, wodurch man sich an der türkischen Regierung für die Freilassung der ungarischen Flücht- liuge rächen will. Denn wenn gleich Oesterreichs Ansehen in der Türkei nicht groß genug war, um diese Maßregel zu hindern, so will es doch zeigen, daß es stark genug sei, um seinen Nachbar zu belästigen. Dazu braucht man vor allen Dingen die Aufstellung eines Armeekorps. Dieses soll in der Stärke von beiläufig 25,000 Mann an der bosnischen Grenze aufgestellt werden, und hat der Banus den Befehl erhalten, namentlich auf die häufigen Grenzverletzungen ein wachsames Ange zu haben und keinen Collisionsfall zu übersehen. Bei solchen Anstalten und Instruktionen dürfte es nicht fehlen, binnen Kurzem hinreichenden Stoff zu Beschwerden anfzusammeln, welche man je nach Lage der politischen Verhälnisse geltend machen werde.
Wien, 3. Okt. (Agsb. Allg. Z.) Gestern gab es auf dein Nennweg einen kleinen Auflauf, doch nicht etwa aus Feindseligkeit gegen die bestehenden Verhältnisse oder überhaupt in böslicher Absicht, sondern weil Jemand sich einen schlechten Witz erlaubt hatte. In einem hiesigen Winkelblättchen stand zu lesen, der Fürst Metternich löse alle Pfänder bis zum Belaufe von 2 Gulden ein, und das leichtgläubige Volk strömte in hellen Haufen nach des Fürsten Wohnung, um der Wohlthat theilhaftig zu werden. Das Einschreiten der Polizei mußte die Straßen wieder frei machen, was ohne besondere Schwierigkeit bewerkstelligt wurde.
Wien, 5. Oktober. Das an der türkischen Grenze aufzustellende Armeekorps wird nach der „L. Ztg." 25,000 Mann betragen, und sind die strengsten Befehle erlassen, keine Grenzverletzung von türkischer Seite ungeahndet hingehen zu lassen.
Ungarn.
. Pesth, 2. Oktober. Ueber die Ehrenberg'ische Colonisation schreibt man aus Tokay, daß das Schicksal der Eingcwanderten keineswegs beneidenswerth sei. Der ungarische Bauer nennt sie nicht anders als: „Bankerotte Deutsche", und wenn einer von ihm etwas verlangt, wendet er ihm den Rücken mit den Worten: „Geh Ham!"
Dänemark.
Kopenhagen, 4. Oktbr. Die „N. Pr. Ztg." berichtet : „Zuverlässige Privatnachrichten aus Kopenhagen melden, daß daselbst eine Ministcrkrisis ausgebrochen ist, in Folge deren fast unzweifelhaft ein demokratisches Ministerium ans Ruder kommen wird. Ueber die Folgen dieses Ereignisses in Bezug auf die Unterhandlungen , betreffend die Erbfolgefrage unv die Herzog- thümer, sind die Stimmen hier sehr getheilt, nur darin sind sie einig, daß in diesen: Falle eine Räumung Holsteins seitens der österreichen und preußischen Truppen nicht so bald stattfinden dürfte, als nach dem Gang der bisherigen Unterhandlungen zu erwarten gewesen."
Bordemann. Ja vierhändig! Er strampelt mit
Hände und Beene —
Rath (phantasirend). Einpacken! — Fliehen! nach ■ Neustadt-Eberswalde! Ach Gott! ach Gott! — Gens- j d'armenmarkt! zwei Guillotinen! — Bester, gutester Herr Rehberger — lassen Sie mich doch leben — ich habe Sie ja nie beleidigt — ach! meine sehr geehrten Herrn Proletarier! Ich war ja nur 14 Tage im Treubund! — ich will's gewiß nicht wieder thun! Ach! Himmel! wie dankeich dir! Die Russen kommen! Ach, mein lieber Herr Koffacke! thun Se doch die Knute weg! Ich bin ja zeitlebens im Treubund gewesen! einigster Erdarbeiter — nur »ich sterben — leben — leben — leben!
(Er füllt zurück und fängt fürchterlich an zu schnarchen.)
Doktor. Er schnarcht! Frau Räthin, Ihr Gemahl ist gerettet! Die Medizin ist nicht mehr nöthig! Der Schweiß ist da! Sein Leben ist außer Gefahr — Bordemann. Im Schweiße meines Angesichts!
Doktor. Ich komme um 2 Uhr wieder und hoffe Herrn Gcheimerath bereits aus dem Bette zu finden.
Vier Stunden später.
Rath (erwachend). Ah! Köstlich! Herrlich ist mir zu Muthe! Ich fühle mich wie neu geboren! Das nenne ich geschwitzt haben.
Bordemann (am Bette des Rathes). Ja, ich habe aber auch Mühe gehabt sie zugedeckt zu halten.
Rath. Wie? Sie sind noch hier! ach so! Ulrieke!
Großbritaarrien.
London, 3. Oktober. In dem Gemeinderath der City stellte Gilpin gestern den Antrag, daß die Korporation eine Beglückwünschungs- und Bewillkommungs- avreffe an Kosuth richten und ihm in öffentlicher Sitzung überreichen möge:
„Es ist keine Frage, sagte er, daß Kossnth's Name von der ungeheuern Majorität des englischen Volkes kaum weniger verehrt wird, als in seinem Vaterlande. Ein Willkommen erwartet ihn von Männern aller Stände, aller politischen Meinungen, ein Willkommen, das die Herrscher lehren wird, daß die Freiheitsliebe heute noch so fest in der Brust des Engländers wurzelt, wie einst in der Brust ihrer Vä^er, und daß ein Vertreter der Freiheit hier mit offenem Herzen ausgenommen wird, komme er als der beglaubigte Gesandte eines freien konstitutionellen Landes, ober als gehetzter Flüchtling. Kossuth, der Bürger, hat besonderen Anspruch auf Ihre Theilnahme, Bürgerrepräsentanten. Er kommt zu uns nicht als Soldat, zurückkehrend von Leichenfeldern, sondern als der Staatsmann, dessen Name ein Symbol aufgeklärter Staatsweisheit geworden ist, dessen Vorzüge die Ursache seiner Verbannung, dessen Vaterlandsliebe ihn aus dem Vaterlande getrieben, aber dessen bloßer Name noch immer ein Thurm der Hoffnung für.Ungarn und, nur ausgesprochen, die Herzen der Jungen mächtiger schlagen macht und noch die Brust des hinfälligen Alters erwärmt. Es ist noch nicht gelungen und es wird nicht gelingen, das Bild Kossuths aus den Herzen derer zu verwischen, die ihn verehren, und sein Name wird als einer der edelsten des Menschengeschlechts auf den Tafeln der Geschichte verzeichnet stehen. Es war meine Absicht, den Antrag zu stellen, daß Koffuth das Bürgerrecht der City ertheilt werden möge; es ergeben sich aber juristische Schwierigkeiten und ich beschränke mich daher auf den Antrag, zu erklären, chas.wir Alle ohne Unterschied unserer politischen Ueberzeugung können, wie herzlich wir uns freuen, daß er frei ist. Wir haben einst mit. schweren Unkosten Säbel verschenkt an den Fürsten Schwarzenberg, an Blücher, Barclay de Tolly, den Kossakenhetman Platoff und andere Generale und Admirale. Ich muthe der Korporation keine Kosten zu. Ich sage wenig, wenn ich behaupte, daß der Mann, für den ich spreche, in dem Tempel des Ruhmes höher steht, als alle die, denen wir früher Ehrenbezeugungen erwiesen haben. Ich verlange Ihre Zustimmung als einen schuldigen Tribut für den Verbannten, ich verlange sie als einen Ausdruck Ihrer Sympathie für die Sache konstitutioneller Freiheit--- —; ich .verlange sie, Bürger von London, damit Ihr Euch selbst ehrt, indem Ihr den ersten Bürger Europa's ehrt."
Die Folge dieser mit dem lebhaftesten Beifall begleiteten Rede war der Beschluß, mit allen Stimmen gegen drei, dein Antrag oeinäü r» ^p-'-f.ib'-'n D"' Kommission zur Redaktion der Adresse wurde wfoet ernannt. Nach den heute eingetroffenen verläßlichen Nachrichten haben, wie es sich erwarten ließ, oer russische und österreichische Gesandte dem Präsidenten der französischen Republik nicht erlaubc, Kossuth durch Frankreich reisen zu lassen. Er ist also gezwungen, den Seeweg fortzusetzen und kann erst am 7. oder 8. in Southampton euitreffen. Mayor, Aldermen und Gemeinderath des genannten Hafens werden ihn im vollen Kostüm an der Landungstreppe empfangen und auf dem Stabthause glänzend bewirthen. Er und alle seine Begleiter werden die Gäste der angesehensten Familien sein. Eine große Anzahl von Mayors und Deputationen von Vereinen werden aus London und aus den verschiedensten Gegenden Englands nach Southampton gehen.
London, 4. Okt. Der „Morning Advertiser" meldet, daß Kossuth, nachdem er von der Deputation der Stadt London empfangen, tu der offenen Kalesche des Lord Dudley Stuart, in Begleitung des edlen Lords, nach GuildhaU fahren werde.
(Er sagt seiner Frau einige Worte leise. Die Räthin nimmt ihr Porte-Monnaie und gibt Bordemann ein ; Viergroschenstück.)
Bordemann. Wie denn — Frau Räthin — Rath. Adieu, adieu lieber Mann!
Bordemanu. Ich begreife nicht —
Rath. Adieu, adieu! (dreht sich mit dem Gesicht nach der Wand).
Bordcmann. Na, Herr Nath, wie ist's denn mit dem Leibrock? —
Nath. Na, das ist doch unverschämt! — Ihr Demokraten — Ihr seid doch recht freche — Menschen.
Borbemann. Aber, Herr Geheimerath, Sie sagten doch —
Rath. Lieber Mann — ich bitte — nicht aufdringlich! Adieu — adieu!
Bordemann (wirft ihm das Viergroschenstück in'S Bett). Schweinehund. (Er geht).
Moral.
Wenn eines Tag's dein frankes Herz Erfüllet ist mit Angst und Schmerz — Sollst, wenn Hülfe du verlangst Nicht gleich gar so viel versprechen! Denn ist weg die Todesangst — Pflegt man oft sein Wort zu brechen!
(Volkskalender des Kladderadatsch).
Republik Frankreich.
* Paris, 5. Oktober. Der Marseiller „Peuple" bringt das sendschreiben Kossuths an die dortigen Demokraten. Dasselbe lautet:
„Da mir die Negierung der französischen Republik die Erlaubniß, durch Frankreich zu reisen, verweigert hat, so wollte das Volk von Marseille, indem es dem Drange eines jener hochherzigen Gefühle des französischen Herzens folgte, die ein unversieglichec Quell der Größe Ihrer Nation sind, mich durch ein- Kundgebung seiner republikanischen Gefühle ehren — eine Kundgebung, achtbar in ihren Beweggründen, männlich in ihrem Beschlusse, friedlich in ihrem Feuer und erhaben in ihrer Ruhe, wie die Natur, dies große Ebenbild Gottes, vor dem Sturme.
„Ich hörte meinen Namen gefügt in den Gesang der Marseillaise und in den Ruf des »Vive la Repu- blique!" — den einzigen gesetzmäßigen Ruf Frankreichs, den einzigen, dessen Gesetzmäßigkeit erkauft ist durch so viel Blut der Märtyrer der Freiheit.
„Die Liebe zur Freiheit ist etwas so Natürliches; es heißt so wenig, für ft" zu leiben, es ist fast weniger als eine einfache Pflicht, aber es liegt der höchste Ruhn: in dem Gedanken, mit dem Prinzipe der Freiheit für gleichbedeutend zu gelten, in der Meinung deS französischen Volkes.
„Ich bin nicht ruhmgierig, doch diesen Ruhm nehme ich an, um ihn zu verdienen. Ich nehme ihn an als ein Pfand der Solidarität; ich nehme ihn an als ein Zeichen der Bruderliebe der französischen Nation zu allen Völkern; ich nehme ihn an als das Wort des Heiles für mein vielgeliebtes Vaterland.
„Ihnen, Franzosen, Republikaner, die Ehre dieses Heils — uns armen Ungarn die Pflicht, sie zu verdienen! Und wir werden sie verdienen. Meine Nation wird den Ruf Ihrer Brüderlichkeit vernehmen, stolz darauf sein unb ihm muthig entsprechen, wie es dem geziemt, der sich's zur Ehre anrechnet, der Bruder des französischen Volkes zu heißen. Dies ist der einzige, des Marseiller Volkes würdige Dank, würdig dieser Kundgebung, womit es nicht mich, sondern meine Nation und in meiner Nation weniger die Gegenwart als die Zukunft ehren wollte!
„Lassen Sie mich nichts weiter von der Verweigerung der Negierung der französischen Republik, mir Durchgang durch ihr Gebiet zu bewilligen, reden: ich weiß, daß das französische Volk nichts gemein hat mit ihren Beschlüssen; ich wußte,'.daß weder HerrL. N. Bonaparte noch Herr L. Faucher die französiche Nation sind; ich wußte und ich weiß, daß die Erekutivgewalt übertragen ist, doch daß die Ehre der französischen Nation ihnen nicht übertragen ward.
„Ich werde ihre Verweigerung vergessen und wünsche, daß die Menschheit sie auch vergessen möge^wenn ju» vergessen zu haben scheinen, daß sie es waren, cs noch einmal werden sollten!
„Gestern Abend kam einer Ihrer Brüder — einer unserer Brüder — ein Arbeiter von Marseille — ach, ich kenne seinen Namen und werde ihn nie vergessen — trotz Der Kalte schwimmend an Bord der amerikanischen Fregatte, um mir die Hand zu drücken. Ich drückte die seinige mit Inbrunst, mitBewegung, während ich ihm sanft seine Verwegenheit vorhielt. „Was wollen Sie", entgegnete er mir, „ich wollte Ihnen die Hand drücken, fand kein Fahrzeug und sprang ins Wasser. Giebt es Hindernisse für Den, der will?" Ich verneigte mich vor diesen hochherzigen Worten.
„Die Liebe zur Freiheit, bas Gefühl der Pflicht und der Bruderliebe — sie waren mein eigen, als ich nach Marseille kam; in Marseille aber fand ich den Wahlspruch: Es gibt kein Hinderniß für den, der w ill! (II n’y a pas d’obstacle pour celui qui veut!) Dieser Wahlspruch soll der meinige werden!
Es lebe die Republik!
Gruß und Brüderlichkeit! Ludwig Kossuth.
Marseiller-Rhede, Fregatte „Mississippi" der B. St., 29. Sept. 1851/'
Die hiesigen Demokraten haben eine Adresse an Kossuth nach Marseille gesandt. Dieselbe zählij eine große Anzahl Unterschriften, unter welchen sich die mehrerer Repräsentanten der Montagne befinden.
Eine Anzahl von Mitgliedern der Montagne, 12 bis 15, sollen bereits zur »Begrüßung Kossuths nach Southampton abgereist sein.
Paris, 5’. Oktober. (Köln. Ztg.) Das Ereigniß des Tages ist Kossuths Brief an die Demokratie von Marseille. Man kann sich kaum einen Begriff von dem Wieberhall machen, den dieses Document hier gefunden. Die inneren Fragen treten darüber in den Hintergrund, und bei der nationalen Empfindlichkeit der Franzosen darf man sich nicht wundern, daß durch den Contrast zwischen dem, waS in England geschieht, und dem Benehulen der hiesigen Regierung die öffentliche Meinung auf's schmerzlichste berührt wird. Leon Faucher hat L. Bonaparte'» einen schlechten Dienst erwiesen. Kossuth, als Gast der französischen Regierung, wäre ruhig durch Frankreich gereist; die Sympathieen, die ihm auf seinem Wege begegnet waren, würden ^zum Theil auf L. Bonaparte zurückgefallen sein. Die öffentliche Meinung hätte ihm Rechnung getragen für die freundliche Aufnahme eines Unglücks, das er selber einst gefühlt, und Kossuth hatte es als seine Pflicht betrachtet, seinerseits jeden Anlaß zu einer lärmenden Kundgebung zu vermeiden. Hr. Leon Faucher hat dies nicht