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§ Mainz, 7. Oktober. Was den Freunden unse­res tüchtigen Abgeordneten zur zweiten Kammer, Pfar- rer Matty aus Freilaubersheim, freilich noch ein Räth­sel, das spricht dasMzr. Jr.", natürlich aus aller­bester Quelle, als Gewißheit aus, er ist seines Amtes entsetzt! Unsere Regierung scheint es zu lieben, ihre Maßregeln einige Tage vorher durch dieses aller- christlichste Organ verkündigen zu lassen. Ueber Mattys Schicksal herrscht in Rheinhessen bis auf die Piusiteu und Bureaukraten wohl nur eine Stimme der Theilnahme. Zndeß überraschen wird auch diese Maßregel nicht, wenn dasM;r. 3" richtig prophe- zeihte; wir sind seit geraumer Zeit an dergleichen gewöhnt.

Frankfurt, 7. Oktober. DerO.-P.-A.-Z." nach entbehrt die in derLeip;. Ztg.," veröffentlichte Nach­richt von einer beabsichtigten Verlegung des B n ndestags aus F r a n k s u r t a in M a i n jeden Grundes.

Hanau, 7. Oktober. (O.-P.-A.-Z.) Ein seltsa­mer Fall zur Anwendung der Gesetze des Kriegszu­standes hat sich hier ereignet. Ein junger Schweine- büs hat nämlich mehrmals die riiiluärlschcn Allarm- signale aus seinem Horne in der Nähe der Kaserne trefflich geblasen , und dadurch kleine Verwirrungen veranlaßt; er ist deshalb nach Kassel zur Aburtheilung vor das Kriegsgericht gebracht worden !

Kassel, 1. Oktbr. (Köln. Ztg.) Es hat sich hier seit einiger Zeit wenig Belangreiches zugetragen. Die rechtskräftig", d. h. nach den Grundsätzen der Kriegs­gerichte rechtskräftig Verurtheilten sind nach Spangen­berg abgeführt worden, darunter.insbesondere auch der zu fünf Jahren Festung verurtheilte Oberst d'Orville, von dem mehrfach versichert wurde, daß er um Be­gnadigung ei »gekommen sei und solche wahrscheinlich auch erhalten werde. Die deshalbige» Gerüchte und Behauptungen scheinen sich darauf zu reduziren, daß Herr d'Orville von einem hochgestellten Offizier man sagt, von dem Oberst-Lieutenant v. Kaltenborn aufgefordert worden , um Begnadigung nachzusuchen, von einem andern Cameraden aber dringend abgemahnt worden ist, den Rath zu befolgen, weil höchster Wahr­scheinlichkeit nach an eine Gewährung des Gesuches doch nicht zu denken sei. Nur die verurtheilten Mit­glieder des Obergerichtes zu Rotenburg sind bis jetzt noch nicht zur Strafabbüßung anfgefordert und respek­tive eiligeren worden, obgleich sie nicht appellüt ha­ben und folglich ein vollziehbares Urtheil vorliegt. Es scheint sich noch um eine Revision von Amts wegen zu handeln, und würde man eine Freisprechung wohl eben so wenig beklagen, als bei den Mitgliedern der Haupt- Staatskaffe, deren ganz unerwartete Lossprechung im Publikum ziemlich allgemein als eine vom Justizministe­rium veranlaßte Maßregel angesehen wird. Die Herren Henkel und Hornstein haben in aller Kürze eine zweite Sentenz, und zwar ohne allen Zweifel eine verurtheilende, zu erwarten. Ueber die Lage der An­klage gegen die Mitglieder des permanenten Stände- Ausschuffes hört man nichts. Dr. Kellner ist erst einige Male vernommen worden. Die meisten Verhöre hat­ten bisher der vormalige Drucker derHornisse", Hr. Hoffmann, und Setzer rc. zu bestehen, von denen aber nur noch wenige auzutreffeu gewesen sein sollen. Es war dabei hauptsächlich auf Ermittlung der Verfasser verschiedener Artikel in derHornisse" abgesehen. Neben den Verboten und sonstigen Maßregeln gegen die Presse hat man auch eine gewisse Censur wieder kingeführt. Dem Buchhändler Luckhärdt ist nämlich vom hiesigen Verwaltungsamte, resp, vom Bezirks- Direktor, nunmehrigen Negierung-Direktor Wachs, die Veröffentlichung einer Buchhändler-Anzeige, worin ein paar mißliebige Worte vorkamen, versagt worden. Die anstößigen" Worte wurden gestrichen. Alle Remon­strationen ic. blieben ohne Erfolg.

Braunschweig, 4. Oktober. Ueber die Notiz der Rchs.-Ztg.," daß die aus Kurhessen hierher geflüchteten i

Herren Pfaff und Oetker auf Requisition haben verhaftet werden sollen, derselben jedoch nicht Statt gegeben worden ist und die gedachten Männer sich in Sicherheit befinden, meldet dieKöln. Ztg." Folgen­des:Der Herr Landrath Auffarth ist am 30. v. M. hier angekommcn und unter der Bezeichnung: Parti­kulier Aussenberg ans Hofgeismar, imDeutschen Hause" abgestiegen; übrigens liegt unter dieser Namenoverän- derung nach unseren Gesetzen nicht etwa eine Fäl­schung, sondern hoffentlich nur Ehrenwerthes, denn chrenwerth, das sind sie alle, alle." Herr Auffarth hat eine Vollmacht des kurhessischen Ministeriums bei- gebracht, wodurch dieses, von dem dortigen Kriegsge­richte dazu veranlaßt, denselben ermächtigt, die Ver­haftung der Herren Pfaff unb Oetker und ihre Aus­lieferung Behufs einer Untersuchung wegen Aufreizung zur Unzufriedenheit oder zum Aufruhr zu bewirken. Zu diesem Behufe hat sich derselbe zunächst an die Po­lizei gewandt, diese aber denn wir leben in einem Lande, wo Recht und Gesetz gilt erklärt, daß sie hierzu nicht berechtigt sei. Darauf hat sich Herr Auf­farth an den Staats-Anwalt gewendet und dieser bei dem Kreisgerichte einen Verhaftsbefehl beantragt, wel­ches aber wegen formeller Mängel der Vollmacht den erwähnten Antrag zurückgewiesen hat. Es ist nun nicht zu bezweifeln, daß Herr Auffarth diese Mängel beseitigen und einen Verhaftsbefehl auswirken wird, sofern ihm jetzt, da die gedachten Männer längst in Sicherheit und der Macht der hiesigen Behörden ent­zogen sind, noch irgend etwas damit gedient sein kann. Hier herrscht darüber die größte Freude; denn die auch ohne die Verfolgung durch die Hessischen Macht­haber als Ehrenmänner bekannten Herren Pfaff und Oetker zählen hier sehr viele Freunde."

Berlin, 5. Oktober. (Fr. I.) Große Entrüstung erregte heute die Seitens der Polizei erfolgte Störung des Gottesdienstes der deutschkatholischen Ge­meinde, welcher, eben im Beginn, durch den die Versammlung überwachenden Constablerwachtmeister auf­gelöst wurde. Kaum hatte nämlich der Prediger Erd­mann den Predigttert verlesen und das Bedauern ausgesprochen, daß die Gemeinde am heutigen Tage ihres Seelsorgers Pfarrer Bronner entbehren müßte, so schritt der Schutzmann bei Nennung des Namens Bronner ein mit den Worten:Herr Prediger, Sie entfernen sich vom Tert!" und hob den Gottesdienst im Namen des Gesetzes" auf. Der heutige Tag war nämlich zur Einsegnung der Confirmanden der Gemeinde bestimmt, welcher Akt durch das Einschrei­ten der Polizei natürlich nun hintertrieben wurde. Unter großer Bewegung trennte sich die aus etwa 2000 Personen bestehende Versammlung; die Frauen unb Confirmanden unter bitteren Thränen darüber, daß ihre heiligsten Gefühle auf so rücksichtslose Weise verletzt wurden. Solchen Akt beginnt dieselbe Kirchen­polizei, weiche jeden Wagen, der während des Gottes­dienstes vor einer Kirche in raschem Trabe vorbeifährt, anhält und in Polizeistrafe nimmt.

Der Papst hat einen Kardinal-Protektor der sämmt­lichen katholischen Vereine ernannt. Der hiesige St. Vincentiusverein, in dessen Sitzung dies kürzlich mit- getheilt ward, hat sich von neuem vermehrt und des­halb die Errichtung einer fünften Conferenz zu den bereits bestehenden vier Lokalconferenzen beschlossen.

DieLith. Cor." meldet über die von hier tu Be­zug auf die Presse festgehaltenen Grundsätze, daß "bei Behandlung dieses Gegenstandes in der Bundesver­sammlung einfach an den März-Bunresbeschluß ange­knüpft werden wird, der eine Aufhebung der Censur anordnet und den Einzelstaaten die Gewährung der Preßfreiheitmit Anordnungen gegen den Mißbrauch" überläßt.

Berlin, 6. Oktobers DieNat. Ztg." schreibt über die gestrige Depesche desSt. 21.",daß die Bundesversammlung den Austritt der Ostprovinzen Preußens aus dem deutschen Bunde beschlossen habe":

Es dürfte dieser Beschluß indessen in einer Weise ge­faßt sein, der ihm wenigstens einen Theil der großen Bedeutung nehmen muß, welchen er in Bezug auf die Frage des Gesammteiutritts Oesterreichs haben würde. Es lag in der Absicht Preußens, nicht den Austritt zu bewerkstelligen, sondern den Eintritt als nicht vollzo­gen zu betrachten, weil der damalige Beschluß nicht in genügender Form gefaßt war; es galt also nicht die Aufhebung eines bestehenden, sondern die Beseitig gung^eiueö in seiner Rechtsgültigkeit angefochtenen Be­schlusses." Man schreibt hiermit übereinstimmend der Kaff. Z. ":Durch Beschlüsse des engern Raths der Bundesversammlung in seinen Sitzungen vom 11. und 22. April, sowie vom 1. Mai 1848 wurde die Auf­nahme dieser außerdeutschen Theile des preußischen Staats in den deutschen Bund, damals auf Veran­lassung der preußischen Regierung erklärt. Die Letz­tere hegt nun nach dem Inhalte des obigen Antrags, mit Rücksicht auf die Bestimmungen der Artikel 3, 4, 6, 9, 10, 12 unb 13 der Wiener Schlußakte in Verbin­dung mit den Art. 1 und 4 der Bundesakte Bedenken, daß diese Anfnahme in genügender Form zu Stande gekommen sei, und es war der Zweck dieses Antrags, um jede Unklarheit über Rechtsverhältnisse im Bunde zu heben, diesen Gegenstand der gemeinsamen Erörte­rung der Bundesversammlung nochmals anheim zu geben. So viel wir wissen, hat nun eine andere Ver­handlung über denselben, resp, dessen Erledigung durch eine endliche Beschlußfassung im Schooße.h. Bundes­versammlung nicht stattgefunden, derselbe ist aber siche­rem Vernehmen nach in einer der letzten Sitzungen in becitirterer Form Seitens des königl. preußischen Bun- destagsgesandten wiederholt, so daß jetzt derselbe ge­radezu auf eine Erklärung der H. Bundesversammlung abzielt, daß sie die fraglichen Provinzen als nicht zum deutschen Bunde gehörig betrachte." Der hierauf gefaßte Beschluß ist bekannt.

* * München, 4. Okt. Wenn der Kolbsche Adreß- antrag auch als solcher mit großer Majorität verwor­fen wurde, so bildet er doch ein interessantes Inter­mezzo. Kolb äußerte bei der Motivirung:Wenn der Chef des Ministeriums sich rühmt, daß das Nicht- zustandekommen der Union unb der Neichsverfaffung das Werk des Ministeriums sei, so ist es Zeit zu fragen, was er an bereit Stelle gesetzt hat? Wenn man duldet, daß die Partikularrechte der einzelnen Staaten in unerhörter Weise angetastet werden, wenn man die inneren trüben Verhältnisse Bayerns betrachtet, die herrschende Noth, größer als nach einem langjäh­rigen Kriege, die die Frucht eines Systems ist, das gegenwärtig wieder sortgeführt werden soll; wenn man die Zollverhältnisse in Erwägung zieht und einen Blick in die Art unserer Verwaltung wirkt, die neuen Polizei­maßregeln kennt,^Maßregeln gegen die mißliebige Presse, gegen das Vereins- und Versammlungsriiht, wobei mir die Aeußerungen unseres Herrn Ministerpräsiden­ten in der sächsischen Kammer in den Sinn fallen; wenn man sogar die Verantwortlichkeit der Abgeord- nen antastet und sie für ihre Vota in Rechenschaft ziehen will, wenn man die Gewissensfreiheit beschränkt, und auf die Gerichte bei Fällung von Urtheilen wirkt; wenn sogar Verfaffungsverletzungen vorliegen, indem das Ministerium das Budget zu spät vorlegte, sich deshalb nicht einmal entschuldigt und die Kammer so­fort vertagt, so daß wir uns in einer neuen Finanz­periode befinden, ohne noch eine Berathung gepflogen zu haben; wenn man das Lottofortbestehen sieht u. dgl. mehr, soll man bei all diesen Sachen siillschweigen? Wenn wir dazu stillschweigen, so ist es Peffer, wenn keine Verfassung eristirt; Rudhart, der gewiß der Ma­jorität angehören würde, hat ausgesprochen, besser ist keine Verfassung, als eine zum Scheine, und das ist auch meine Ansicht."

Prag, 1. Oktober. Das k. k. Landes-Militär, Commando-Präsidium hat die in Leipzig erscheineud- Deutsche Allgemeine Zeitung" für den Belagerung^

Rath. Um zwölfe wie spät ist's beim? Ach Gott! wo bleibt denn der Doktor? ah jetzt! jetzt den Kopf fest! Feste, lieber Bordemanu! Feste!

Bordemann. So Herr Geheime-Nath! nur immer zu es wird Ihnen schon leichter werden!

Räthin. Hier, lieber Mann, ist auch eine warme Stürze!

Rath. Ach, das brennt, aber es- thut gut, sehr gut! Ach du lieber Gott! wie danke ich Dir daß mir ein Bischen besser ist

Bordemann. Ja, ja, Herr Schleicher, wenn man gleich dazu thut da wird's nicht so schlimm aber meine arme Frau hat sich nicht schonen können hat waschen, kochen die Kinder abwarten müssen

wie das bei uns Professionisten

Rath. Schon gut! Langweilen Sie mich nicht mit Ihren häuslichen Angelegenheiten Sie sehen doch daß ich krank bin'

Bordemann. Herr Geheimrath entschuldigen ich wäre gewiß nichtrein gekommen aber Frau Räthin '

Rath. Ulrieke. Die Stürze ist kalt! Eine andere! Ach es kommt schon wieder o weh! mein Leib! au! meine Füße werden so starr meine Nägel sind schon ganz blau ach, Gott! ach Gott! lie­ber Herr Bordemann fühlen Sie mal meine Nasen­spitze hat denn Ihre Frau auch so eine kalte Na­senspitze gehabt §

Bordemann. I! Aengstigen Se sich nicht so, Hr. Geheimerath! Das ist ja gar nichts. Se haben ja nich n' mal bisken Krampf in de Beene, u» am Ende sind wir ja Alle in Jottcs Hand!

Rath. Ja wohl, liebster Meister. Wir sind alle in Gottes Hand ach! mir ist so schwindlich ja, ja! Was sind wir Menschen o weh! Wir Men­schen sind ja alle Brüder! Oweh! ja, ja, lieber Bor­demann wenn ich gesund werde sollen Sie mir ein paar schwarze Tuchbeinkleider und einen blauen Leib ach! mein Leib! ach! mein Leib!

Doktor (eintretend). Guten Morgen, lieber Rath! Ei! machen Sie uns keine schlechten Spässe! Hahahaha! Sterben Sie uns nur nicht gleich! Unser Verein kann einen so wackern Patrioten nicht entbehren! (fühlt ihm den Puls.)

Rath. Ach, lieber Doktor mir ist sehr unwohl!

Doktor. Hm! hm! Etwas Papier und Feder wenn ich bitten darf recht rasch!

Rath. O weh! o weh!

Doktor. Ein heißes Bad, Frau Räthin! so schnell als möglich!

Rath. O weh! o weh!

Doktor. Ist nicht vielleicht Jemand hier, der Herrn Rath frottiren könnte?

Nath. O weh! o weh! ich hab'se, ich hab'se!

Doktor (zu Bordemann). Würden Sie wohl so gütig sein, Herrn Rath etwas reiben?

Bordemann (hat sich die Rockärmel aufgekrempelt und fängt an den Rath zu frottiren). Na, warten Se, des wollen wir gleich frügen!

Nath. Ach lieber Herr Bordemann! Ach gutester Herr Bordemann! Ach wie danke ich Ihnen! ach, ich muß sterben! v weh! o weh! Ach! Reiben Sie doch nicht so start verzeihen Sie mir, wenn ich Sie be­leidigt habe - ich habe ja stets für die Hebung der unteren Klaffen ach, reiben Sie doch nicht so tief unten ach! so! so! Sie edler Mann Sie! Glauben Sie mir ich bin kein Revolutionär mehr reiben nach oben oben reiben! oben reiben, lieber Bordemann ich will Sie gewiß nicht wieder um Ihr Brod bringen o weh! o weh! Warum sott denn der Eine Alles haben und der Andere Pfef­fermünze! Pfeffermünze! liebe Ulrieke ich komme um vor Durst

Doktor. Ah, prächtig prächtig! Er fiebert schon! Sie reiben vortrefflich, mein Herr

Bordemann. Ja, bet verstehen wir! Er war schon ganz schwarz und weiß un sehn Se mal wie er schon hübsch roth wird

Doktor. Ja wohl er glüht am ganzen Körper hören Sie nur er phantasirt schon.

Räthin. O Gott sei Dank! Mein Mann phan­tasirt y