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^ 2H8 Wiesbaden. Donnerstag, 9. Oktober 1S51.

Die «grflt Zeitung^ »rsSemt, mit LuSnaym» des Montags, lagUch III »mein Äogen. Der AdonnementSpreiS betragt vierteljâdrllch hier in Wiesbaden 1 fL 45 h., auSwâriS durch dl» Post bezogen mit verhältnismäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Beibretiung derFreien Zriiung« stets »ov wirksamem «x* ^lge. Dir JnserationSgebühren betragen für die Vierspaltge Petitzetle 3 kr.

Der Klerikalkatholicismus und der Kon- flstorialprvtestantismus.

4= Die Organe sowohl des kirchlichen wie deS po­litischen Absolutismus befleißigen sich bekanntlich in neuester Zeit einer großen Unumwundenheit. Da die freisinnige Presse bei den vielen Fußangeln, die ihr jetzt überall gelegt werden, nicht immer mit derselben Stärke gegen ihre Gegner auftreten kann, so ist es um so lehr­reicher, zu sehen, wie der Absolutismus mit seinen eigenen Worten sich selbst für jeden Denkenden wider­legt. Die Stellung des Protestantismus, dem Ultra« inontanismus gegenüber, wird in Deutschland mehr und mehr dieselbe, wie die des Gothaer Koiistitutiona« liömus, dem Junkerthume gegenüber. Daß die ultra­montane deutsche Presse noch nicht so offen auftritt, wie die italienische, französische nnd englische, darf nicht verwundern: hier gebraucht man den Protestantismus zur Zeit noch zum Sturmbocke gegen den Deutschkatho­licismus und die freien Gemeinden. Sind diese einmal niedergerannt, so wird es heißen:Der Mohr hat seine Dienste gethan, der Mohr kann gehen!" Daß italienische ultramontane Blätter im Grimm gegen den Bau einer protestantischen Kirche in Turin Luther einen HanSwurst und seine Lehre dieReligion des guten Fressens und Saufens" schimpfen, ist bekannt, eben so, daß das UniverS" es bitter beklagt, daß Luther nicht verbrannt worden sei. Offener aber hat sich wohl noch kein Blatt ansgesprochen, als derRambler", eins der bedeu­tendsten Organe der englischen Ultramontanen, welches sich also vernehmen läßt:

Wir sind die Kinder einer Kirche, die stets die tiefste Feindschaft gegen das Prinzip der Religionsfrei­heit bekannt und der Theorie, daß bürgerliche Freiheit an sich ein Segen sei, nie auch nur den Schatten von Znfti.nmu^g gegeben hat. Es ist ein unerträglicher Anblick, zu sehen, daß dieses erbärmliche Stichwort so häufig unter uns gebraucht wird, um die protestantische Welt zu täuschen! Wir sagen: um die protestantische Welt zu täuschen, obwohl wir weit entfernt sind, läug- nen zu wollen, daß es Katholiken genug giebt, die sich in der That einbilden, daß sie Anhänger der Re­ligionsfreiheit seien, die da aufrichtig glauben, daß, wenn das Blatt sich wenden und die Katholiken in England die Oberhand gewinnen sollten, sie unter allen Umstän­den Anderen dieselbe Duldung gewähren würden, die sie jetzt für sich in Anspruch nehmen. Möge aber un­ser katholischer Mann der Duldung, wie wir ihn an« nehmen, noch so aufrichtig sein, er ist nur deshalb auf­richtig, weil er sich nicht die Mühe nnnmt, tiefer in seine eigne Ueberzeugung zu blicken. Sein Hauptzweck ist, die Protestanten zum Schweigen oder wenigstens dahin zu bringen, daß sie ihn unangefochten lassen, und da er in der That keine persönliche Böswilligkeit gegen sie empfindet und ihren Glauben eben so herzlich verlacht als er ihn haßt, so redet er sich ein, daß er

die reine Wahrheit spricht, wenn er sich für einen Ad­vokaten der Religionsfreiheit ausgibt und erklärt, daß Niemandes Gewissen Zwang angethan werben dürfe. Der praktische Erfolg ist, daß hin und wieder, im Ganzen aber doch sehr selten, Protestanten sich tauschen und Hinreißen lassen, ihren unerwarteten Bundesgenossen in brüderliche Umarmung zu schließen. Sie sind nichts destoweniger getauscht, wir wiederholen es. Glaubt uns, Protestanten von England und Irland, nicht einen Augenblick, wenn Ihr uns unsern Liberalismus verkünden hört! Wenn Ihr einen katholischen Redner in einer öffentlichen Versammlung feierlich versichern hört,es sei der erniedrigendste Tag seines Lebens, an dem es nöthig werde, das glorreiche Prinzip der Re­ligionsfreiheit erst noch zu vertheidigen", so seid nicht zu einfältig in Eurer Leichtgläubigkeit. Das sind brave Worte, aber sie haben nichts zu bedeuten, nicht mehr als das Glanbensbekenutniß, das ein Kandidat seinen Wählern ablegt. Wer so spricht, spricht nicht Katholizismus, sondern Protestantismus und Unsinn (he is not talking Catholicism, but Protestantism and nonsense); und er wird sich in der Praxis so wenig von solchen Grundsätzen leiten lassen, als Ihr es in Eurem Verhalten gegen ihn thut. Ihr fragt: wenn er Herr im Lande und Ihr in der Minorität wäret, wenn nicht der Zahl, doch der Macht nach, was er dann thun würde? Das würde, sagen wir Euch, gänzlich von den Umständen abhängen. Wenn es der katholi­schen Sache zuträglich wäre, würde er Euch dulden; er würde Euch aber auch, wen' zweckmäßig, einsper­ren, verbannen, vernrtheilen; vielleicht würde er Euch sogar hängen lassen. Davon könnt Ihr aber sicher über­zeugt sein: er würde Euch nie tolerirenum des glorreichen Grundsatzes bürgerlicher und religiöser Freiheit willen." Der Verfasser entwickelt weiter, daß ein Recht auf bürgerliche Freiheit eine reine Einbildung sei, daß die einzig zulässige bürgerliche Freiheitdie E'laubniß sei, das oder jenes unter Zulassung deS Gesetzes zu thun." Die Vorstellung von einem angebornen Rechte, Alles zu thun, waS das Recht des Mitbürgers nicht beein­trächtigt, verabscheut er. Er kennt kein anderes Recht, zu handeln und zu denken, als einerlaubnißweises," concessionirtes.Religionsfreiheit fährt er wört­lich fortin dem Sinne, daß Jedermann die Frei­heit haben solle, sich seine Religion zu wählen, ist eine der schändlichsten Täuschungen, in die der Vater der Lüge unser Zeitalter verstrickt hat. Schon das Wort Freiheit" ausgenommen in dem Sinne einer be­sonderen Erlaubniß zu einer speziellen Handlung sollte von dem religiösen Gebiete verbannt werde». Es ist eine Lüge. Kein Mensch hat das Recht, sich seine Religion zu wählen; Niemand als ein Atheist kann das Prinzip der Religions-Freiheit aufstellen. Soll ich es also mit dieser scheußlichen Täuschung halten? Soll ich die verdammliche Lehre nähren, daß Socinianis- muß, Calvinismus, Protestantismus, Judenthum nicht Todsünden sind, gleich dem Mord und dem Ehebruch?

Soll ich meinen irrenden protestantischen Brüdern Hoff­nung machen, daß ich mich nicht um ihren Glauben kümmern würde, wenn er sich nicht um den meinigen kümmert? Soll ich versuchen, ihn darüber zu täu« scheu, daß er nicht mehr Recht auf seine religiösen An­sichten hat, als auf meine Börse, mein Haus, mein Lebensblut? Nein! der Katholizismus ist der unduld­samste unter allen Glauben. Er ist die Intoleranz selbst, denn er ist die Wahrheit. Ebenso gut könnte man behaupten, daß ein vernünftiger Mensch daS Recht habe, zu sagen , zwei mal zwei mache fünf, als die Theorie von Religionsfreiheit aufstellen. Die Gottlosigkeit dieses Prinzips wird nur von seiner Absurdität übertroffen."

Wer Ohren hat zu hören, der höre! Leugnen aber wird Niemand, der die Geschichte kennt, daß der Kle­rikalkatholicismus stets, wo er die Macht hatte, in diesem Geiste gehandelt hat. Ist ks entsetzlich, daß in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch solche Grundsätze offen gepredigt werden, so ist es wenigstens anerkennenswerth, daß der Ultramontanismus so un­verschleiert auftritt. Warum wagt der Protestantis­mus nicht entschlossen, sein Banner der Gewissens­freiheit^ wieder eben so offen aufzurollen? Weil er sich vor der Konsequenz seines eigenen Prin­zips fürchtet?! Was würde Luther wohl gesagt haben, wenn er auf dem Elberfelder Kirchentage plötzlich er- schieiien wäre? Und was derselbe Gustav Adolph, dessen Namen man zum Protektor eines Vereins ge­macht hat, der bisher noch nichts gethan hat, als die Ohn­macht der Sache, der er dienen soll, zu bekunden? Es ist nicht unsere Absicht, Glaubenszwtst zu säen; wir ma­chen auf diese Kontraste nur deshalb aufmerksam, weil wir der Ansicht sind, daß religiöse Duldung und Ge­wissensfreiheit unseres JaprhundertS allein würdig sind, daß aber der Friede nur gedeihen kann, wenn der Protestantismus sein Prinzip als Gegengewicht ge­gen den Glaubenshaß in die Wagschale wirft, oder wenn er, sobald er dies nicht will oder kann, so auf­richtig ist, zu erklären, daß er aufgehört habe, die Fahne zu trugen, die Lnther und die Heroen des 16. Jahr- Hunderts aufpflanzten, weil dieses alte Feldzeichen schwer für die Hände der jetzigen Generation geworden sei.

D e u t f ch i « n d.

* Wiesbaden, 8. Oktober. Wenn dieKass. Ztg." wohl unterrichtet ist, so bestehen trotz aller Ableugnun­gen doch geheime Klauseln zu dem Zollvertrage zwischen Hannover und Preußen. Es soll nämlich stipulirt sein, daß im Falle Süd- und Milteldeut'chland dem Ver­trage nicht beiträten, Preußen nicht gebunden sei, das bekannte Präcipuum an Hannover für sich auszubezahlen, und andererseits habe sich Hannover für diesen Fall den Rücktritt oder Abänderung der Vertragsbestimmungen Vorbehalten. Dieser Fall wird jedoch hoffentlich nicht eintreten, da nur Sachsen, als bekannter öste rcichi« scher Vorposten, nur gegen den Vertrag operi.t.

Aus der Wilhelmsstraße.

Im September.

Der Geheimerath Schleicher, der von seinem eau gewöhnlich erst Nachmittags um 3 Uhr zu- rückzukehren pflegt, tritt plötzlich Vormittags 11 Uhr bleich und verstört in seine Wohnung.

Räthiii. Wie, Dn kommst schon lieber Mann? Was ist denn vorgefallen? Wie siehst Du denn aus?

Rath. Ach, Ulrieke, laß mir nur schnell Kamil­lenthee kochen, ich habe solches Leibweh bekommen.

Räthin. Leibweh! Großer Gott! lieber Fried­rich! Nnr schnell zu Bette!

Rath. Ach, es wird wohl nichts sein aber nur ist so unwohl.

Räthin (in die Küche rufend.) Kamillenthee! An­tonie! eine heiße Stürze rasch!

Rath. Wer klingelt kenn da draußen so stark?

Räthin. 's wird noch der Bettler von vorhin sein! ]

Rath.^Der Unverschämte! Jagt ihn fort! O, weh! mein Leib! gib dem Menschen einen an weh! zwei Groschen.' Schicke nur schnell zum Doktor, liebe Ulrieke, es wird schlimmer schlimmer.

Räthin. Gleich, Fritzchen, gleich will ich schicken. Hier ist indeß der Thee; trink ihn nur rasch 'runter, lieber Mann, es wird schon besser werden!,'

Rath. Ach, wie heiß, wie siedend heiß! aber ja! das erwärmt angenehm hast Du kein Kerl draußen 'nen Sechser gegeben?

Räthin. Zwei Groschen.

Rath. Einen Sechser hab ich Dir o weh! es macht ja nichts! Ach, liebe Ulrieke, was ist der Mensch! Vor '»er Stunde war ich ganz munter und auf einmal kiese plötzliche Kolik diese Todesangst wenn es nur nichts ist.

Räthin. Du wu st Dir gestern bei Sr. Excellenz den Magen verdorben haben.

Rath. Ja wohl! Ich habe zn viel ge­trunken ! Aber die vielen Toaste auf das Wohl des Viehkerl der Doktor! warum kommt er nicht, der verfluchte Doktor, Ach, mir ist sehr schlecht! Hast Du denn keine Choleratropfen?

Räthin. Aber ich bitte Dich Männchen, sei doch nicht gleich so ängstlich!

Rath. Aengstlich! Bei dieser Zeit soll man wohl nicht ängstlich sein! Ach Gott! da klingelts schon wie­der. Vielleicht ist's der Doktor. Sieh doch zu, mein Herzchen! Ach Du lieber, guter, einziger Gott! Ach, hilf mir nur diesmal! Ach, wenn es nur ichon vor­über wäre, Ulriekchen! wo ist sie den»? Sie soll mich erinnern, daß ich o weh! daß ich mor­gen an den HülfSverein für Schleswig-Holstein drei fünf drei Thaler schicke. Die armen Men­sche» mögen auch recht v weh! recht viel leiden!

Räthin. Wie ist Dir, mein Kind?

3tath. Bald so bald so! Wer war denn da?

Räthin. Der Schneider den Du früher mal gehabt hast der alte Bordemann.

Rath Der Lumpenkerl, der Demokrat der durchaus nicht in den Treubund eintreten wollte was will der Schuft?

Räthin. Er fragte, ob Du nicht wieder bei jihm arbeiten lassen möchtest es ginge ihm so traurig seine Frau wäre vorige Woche an der Cholera ge­storben.

Rath. An der Cholera? O weh o weh! Ich werde mich übergeben müssen ruf mir den Schneider den Doktor den Schneider Ulrieke.

Râthin. Den Schneider?

Rath. Ja wohl, den Schneider! Ach, djese Schmerzen! Ich habe mich versündigt! Ach Gott! dieses schreckliche Kneipen man soll ja alle Men­schen lieben alle Menschen o weh! o weh! wie wird mir guten Taa, lieber Herr Bordemann ! Ach diese gräßliche Stiche entschuldigen Sie raß ich Sie habe rufen lassen; cs ist mir so plötzlich gekommen - mein Kopf, mein Kopf!

Borvemann (hält ibm Den Kopf.) Ja, ja, H^x Geheimerath! Des kommt sehr schnell meine Se­lige bekam's um 3 Uhr in der Nacht und um zwölf Uhr war sie todt.