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Wiesbaden Dienstag, 7, Oktober

DieFreie Bettung" erscheint, mit Ausnahme des Montag«, tagli* in einem Bogen. Der Adonneiiieiiisprels beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden,^ fl 45 ft. auSwäriS durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Beibrettung derFreien Bettung* stets von wirtsamem Er­folge. Die Jnserationâgebühren betragen für die vterspaltige Petitzetle 3 fr.

Freiheit und. Ueeht!"

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Zeich en der Zeit.

& So unglaublich es klingt, so verdient es jeden­falls als Zeichen unserer unglaublichen Zustände eiii- registrirt zu werden, daß man aus Berlin der Ham- burger-Börsen-Halle" schreibt, die Publikation des Bnn« desbeschlusses vom 23. August erfolge nicht nur sehr rasch von den betreffenden Regierungen, sonderndie Willfährigkeit einzelner Regierungen scheine, nachdem man begonnen, die bestehenden Gesetze aufzuheben, sich im ausgedehntesten Maße zu äußern, und es sei für die gegenwärtige Situation sehr bezeichnend, daß man von Frankfurt aus bereits den Wunsch ausspreche, die Ein;elregi eru n qe ii möchten nicht weiter ge­hen, als der Bund." (?) In Frankfurt finde^dieser Wunsch zunächst eine Begründung in dem vom Senate aufgestellten Preßgesetzentwurf,dem gegenüber die vormärzliche Censur als eine Wohlthat zu betrachten war/(

Mit welcher Keckheit die Organe der Reaktion re­den , möge folgende Stelle der als offiziös geltenden Rheinzeitung" gelten, welche am 3. October an der Spitze ihres Blattes erklärte:Der königl. Commis- sär hat, als er den rheinischen Provinziah-Landtag er­öffnete, mit fester Hand die Sonde in die Wunden unserer öffentlichen Zustände gelegt, welche parlamen­tarische Qncksalber so lange überpflastert und überklei­stert haben, bis der Brand die edlen Theile anzufres- sen drohte. Ja, wahrlich, ein kluger und kühner, ein ächter und rechter Arzt muß kommen, wenn wir Hei­lung und Genesung hoffen wollen.... Unsere Krank­heit ist die, daß die beschwor»? Verfassung gleichwohl unmöglich ist. Wir kennen die Krank­heit, unb das ist der erste Schritt zur Genesung."

Was würde die Regierung zu Düsseldorf wohl ge­than haben, wenn ein Oppositionsblatt es gewagt hätte, dem König Leichtsinn bei Beschwörung der Verfas­sung, also eine leichtsinnige Eidesleistung vorzuwerfen? Und hier geschieht dies nicht blos, sondern man wagt sogar, die beschworene Verfassung eine Krankheit, die Einsicht von der Unmöglichkeit, eine beschworene Verfassung zu halten, für den ersten Schritt der Ge­nesung zu erklären und folglich offenen Verfassungsbruch zu predigen. Indeß dürfen wir uns bald auf noch ganz andereUnmöglichkeiten" der reaktionären Presse Vorbereiten, wenn es sich bestätigen sollte, daß der be­kannte Wolfgang Menzel zum Redakteur für die neue Kreuzzeitung gewonnen ist, welche in Köln gegründet werden soll. Die Junker und Pietisten habe» seit Jah­ren fortwährend auf Frankreich als das Sodom und Gomorrah Pingewiesen, und doch scheuen sich ihre Or­gane nicht, gerade derPatrie" und demConstltn- tionnel" eine Sprache zu entlehnen, die bisher in Deutschland unerhört war. Man predigt täglich Ver- fassungsbruch, agitirt für Staatsstreiche und schimpft dazu frömmlend auf die Gottlosigkeit der Demokratie!!

Und das nennt man einekonservative" Politik. Kann es eine größere Verblendung geben, zumal in einer Zeit, wo so viele Tausende deutscher Männer durch ihre Anwesenheit in England Gelegenheit hatten, sich mit eigenen Augen zu überzeugen, wie eine wahre konservative Politik verfährt? Wenn wir noch des Beweises bedürften, daß diese Reaktion die galoppi- reude Schwindsucht habe, fürwahr die tollen Fieber- phantasien ihrer Organe würde uns denselben liefern. Wir würden nicht so viel Nachdruck auf diese Zeichen der Zeit legen, wenn uns die höchst gefährliche Ein­wirkung derselben aas das Nechtsbewußksein der Massen nicht ein nur zu begründetes Entsetzen einflößte.

Wiesbaden, 3. Oct. Während in der gestrigen Allg. Nass. Ztg." der aus demFr. Jr." in die Freie Zeitung" übergegangenen Nachricht von der dem Herrn Pfarrer Koch von Osterspai gedrohten Unter­suchung wegen Verleitung zu Meineid (weßhalb er auch nur entflohen seyn soll) widersprochen und dieselbe eine Unwahrheit" genannt wird, erklärt heute der Kor. desFr. Jr.",daß jene Nachricht auf den, in Ge­genwart mehrerer achtbarer Zeugen ausgesprochenen Mittheilungen eines mit den Verhältnissen des Herrn Pfarrers Koch amtlich vertrauten Beamten beruhten, dessen ehrenwerthen Namen er aufWun'ch der Redac­tion derAllg. Nass. Ztg." zu nennen bereit sei."

4I- Wiesbaden, 6. Okt. Obgleich es sich eigent­lich von selbst versteht, daß bei Aufhebung der Giund- rechte in den Einzelstaaten der Rechtsfortbestand der in Spezialgesetze über,gegangenen Bestimmungen nicht alterirt werden kann, weil sonst ein vollkommenes Chaos in den rechtlichen Verhältnissen eintreten würde, so ist es doch gewiß sehr nachahiii-.ngswerth, wenn dieKass. Ztg." aus guter Quelle mel tt, daß in den thüringen- scheu Staaten die Nngültig'eitseiklärung der Grund­rechte mit dem ausdrücklichen Zusätze erfolgen werde,daß die in Spezialgesetze übergegaugenen Be­stimmungen derselben rechtlich fortbestehen." '

Mainz, 4. Okt. (Mzr. Volks;.) Nach zuverläs­sigen Mittheilungen soll aus Finanz-Rücksichten und ge­wiß noch aus andern Hähern Gesichtspunkten, das Kreis­gericht in WQei wieder nach Mainz zurück verlegt wer­den. Wie bekannt, sind schon früher über diesen Ge­genstand mehrere Druckschriften erschienen, die gewiß nicht ohne Einstuß auf die Sache bleiben, indem solche die Frage mit großer Gründlichkeit nach allen Seiten ^M behandelt haben.

'Frankfurt, 4. Okt. (Agsb. Allg. Z.) In der Bundestagssitzung am 20. Sept, hatte die Berathung über den Antrag der preußischen Regierung, ihre im Jahre 1848 dem Bund zugefügten Provinzen wieder heransziehen zu dürfen, statt und Hr. v. Bismark er­klärte, dem Vernehmen nach, daß die preußische Re­gierung jene Einverleibung als zu Recht bestehend keinenfallö ansehe. Die "Abstimmung, welche hiernach vorgenommen wurde, hatte jedoch kein definitives Re­sultat, indem mehrere Bundestagsgesandte noch ohne Instruktion waren, und man sich mit einem bloßen Majoritätsbeschlusse in einer so wichtigen Sache, wie es scheint, nicht begnügen wollte.

Frankfurt, 5. Okt. (Jut.-Bl.) Der politische Ausschuß des Bundestages hat sich über das System noch nicht geeinigt, welches dem Bundespreßgesetze zu Grunde gelegt werden soll; auch sind die Fachmänner, die ihm berathend zur Seite stehen sollen, noch nicht ernannt.

Elberfeld, 2. October. (Elberf. Ztg.) Vorge­stern wurde hier bei dem SchneidergeseUen Fr. Be­necke eine Hausuntersuchung vorgenommen, auf den Verdacht hin, daß der Geselle eine staatsgefährliche Correspondenz unterhalte. Die Nachforschung hatte kein Resultat; doch wurde ein Gedicht auf den 18. März 1848 gefunden und mitgenommen. Eine an­dere Hausuntersuchung fand bei einem anderen Schnei- dergeseUen, Brobach, Statt, bei dem einige kleine Bücher, unter ihnen die Gedichte von Freiligrath, mit Beschlag belegt wurden.

Minden, 2. October. Hier erschien eine Verord­nung vom 20. September 1851, nach welcher die Ausübung der Jagd an Sonn- und Feier­tag en untersagt ist.

Berlin, 30. Sept. (Magd. Ztg.) Dem Handels- Ministekium sind zur Zeit des Beginns der Londoner Gewerbe-Ausstellung von Breslau und Stettin An­träge zugegangen, welche einen erleichterten Besuch Lon­dons bind) Ermäßigung der Eisenbahn-Preise und die Anlegung von Muster-, Proben- und Modellsammlun­gen von Gegenständen der Ausstellung bezweckten. Dem erster» Wunsche hat das Miiiisterüim entsprochen, der zweite ist unerfüllt geblieben, und man riech den Com­munen und Corporationen, das Ihrige zur Erfüllung dieses Zweckes zu thun. In Folge dessen sind auf An­regung des Gewerberathes in Stettin Sammlungen veranstaltet, und es hat sich dort ein eigener Verein gebildet, welcher die Summe von 3600 TZr». zusam­menbrachte und eine besondere Commission von Hand­werkern rc. nach London sandte. Es ist zu bezweifeln, daß diese Commission bedeutende Acgmsitionen an Mustern und Modellen in der Ausstellung selbst ge- macht hat, wie es denn Thatsache ist, daß man einer­seits dort nicht so leichte Proben re. erhielt, und daß andererseits die Ansstellung selbst, wollte man sie nach allen Seiten hin nutzbar ausbeuten, ein monatelanges Studium erfordert. Jetzt nun, nachdem man Kenntniß von der für London beabsichtigten Proben- iinb Modell­sammlung erhalten, taucht unter den Gewerbtreibenden wieder der Wunsch auf, die Regierung möge noch eine derartige Sammlung aeqinriren und zur Benutzung der Gewerbtreib nden aller Provinzen stellen. Der Bres­lauer Gewerberath hat in diesem Sinne einen Antrag beim Handels-Ministerium gestellt und au alle Gewerks-

und Handels-Corporationen bi cher Weise sich auszusprechen.

gerichtet, in glei-

Berlin, 2. October. Dieser Tage ist hier eine merkwürdige Betrügerei entdeckt worden. Vor mehre­ren Jahren wird ein Schneider, namens Thomazeek, ordnungsmäßig als verstorben angemeldet und bestat. tet. Der Bruder des Verstorbenen erhebt in zwei Le» bensversicherungsanstalten auf den Namen desselben be­deutende Summen. Vor einigen Tagen wird dem Staatsanwalt angezeigt, der Schneider sei gar nicht gestorben, sondern ausgewandert. Gestern begibt sich der Staatsanwalt in Begleitung eines Geistlichen und mehrerer Polizeibeamten und sonstigen Zeugen auf den katholischen Gottesacker. Man öffnete das bezeichnete Grab und findet einen leeren Sarg. Der Arzt, wel­cher den Todtenschcin für den angeblich verstorbenen Schneider unter Vorwissen deS Betrugs ausgestellt, ist sofort verhaftet worden.

Berlin, 3. October. Ueber die Modifikationen die dem gegenwärtigen Wahlgesetze für die zweite Kam­mer bevorstehen, wird derKöku. Ztg." geschrieben: Nach der neuen Gemeinde-Ordi-üng ist derjenige Ur­wähler, welcher daS Recht der Gemeindewählerschaft befitzt. In der Denkschrift, welche derMinister deS Innern den gegenwärtigen Landtagen vorgelegt hat, ist das Recht der.Gemeindewählerschaft, folglich auch das der Urwählerschaft, bedeutend erschwert, und.es versteht sich demnach von selbst die Zustimmung der Kam- mern zu diesen Propositionen vorausgesetzt, daß dieser Umstand von der wesentlichsten Bedeutung in Bezug auf bas Wahlgesetz für die zcheite Kammer fein muß."

Berlin, 3. Okt. Daß die Frèâdè deS englische« Volkes über die Freilassung Koffuth's in diplomatischen Kreisen sehr ungünstig ausgenommen wird, bedarf kei­ner besonderen Erwähnung. Ein frankfurter Korre­spondent derPr. Z." knüpft hieran sogar die Nach­richt:Wie es verlautet, dürften erneuete sehr ernste Proteste und die nöthigen Maßnahmen der vereinten Kontinentalmächte nicht auf sich warten lassen." __ Der Geh. Fiuanzrath v. Viebahn ist vorgestern Abend von seiner Mission bei der Londoner Industrie-Ausstel­lung hierher zurückgekehrt. Ein ausführlicher Bericht über die Industrie-Ausstellung mit besonder Beziehung auf den Zollverein wird laut derPr. Z." binnen Kurzem erscheinen.

Berlin, 4. Oktober. Wie derOberpostamtsztg." geschrieben wird, stehen von Seite der Regierung Maß­nahmen zu Gunsten der regierungSfreundiichen "Blätrer zu erwarten. Es ist in dieser Beziehung ein Ministe- rialreskript an die einzelnen Regierungen u. s. w. et* gangen, worin angeordnet ist, daß Bekanntmachungen, Insertionen von Seite der Behörden nur den confer- nativen wohlgesinnten Organen der Presse zukommen zu lassen seien. Dir Anregung zu dieser Maßnahme wird als von dem Oberprâsidenten der Rheinprovinz, Herrn v. Kleist-Retzow, ausgegangen bezeichnet. __ Heute früh fand eine Sitzung des Staatsministerium« statt. Es wird vermuthet, dieselbe habe vorzugsweise der Erörterung ter Frage gegolten, welche durch die wichtige aus Frankfurt hier eingetroffene Nachricht an­geregtworden, dgß nämlich der Bundestag die Provinzen Preußen und Posen nicht als zum Bund gehörig betrach tet (?).In Bezug auf die gestern hier vorgenominetien Haussuchungen und Verhaftungen schreibt diePr. Ztg.":In der ver- gingrnen Nacht ist es der Wachsamkeit und Thätigkeit der Behörde gelungen, das Comite einer Verbindung aufzuheben, die nach dem bereits erfolgten Geftäudniffe eines Comitemitgliedes den Zweck hatte,die demokra­tischen Gesinnungsgenossen für den Fall einer etwaigen Revolution mit Waffen und Munition" zu versorgen. Dieser Zweck war allerdings gar nicht abzuleugnen' da außer den Mitgliederverzeichnissen, den Rechnungsbücher» mit den Abrechnnngen über die Büchsenlieferuugen, den Erkennungszeicheu u s w. auch Büchsen und Munition Vorgefunoen worden sind. Es haben gegen fünfzig Haussuchungen statkg fmden. Die in der Nacht Jn- haftirten wurden Nachmittags auf Antrag des Staats­anwalts in den C imi ialarrest gebracht."

Hamburg, 1. Oktober. (D A. Ztg.) Der letzte Korrekturbogen der neuen H e i u e' sch e n Geeichte ist nach Paris an den Dichter, der die Durchsicht trotz seines leidenden Zustandes selbst und zwar mit der aüerfubtilsteil Genauigkeit überwacht, abgegaugen. In