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sächlich die Unabhängigkeit der richterlichen Ueberzeu­gung, auf welche die Freisprechung gegründet sein soll. Daß das Obergericht zu Rotenburg gegen die Sep- temberverordnungen verstoßen und die Grenzen seiner Competenz überschritten, wird als entschuldbarer Rechts­irrthum angesehen. Nach diesem Vorgang dürfte die Sache des ehemaligen Generalauditorats, welche nun­mehr zur Verhandlung sieht, eine für die Angeklagten günstige Wendung nehmen. Wie denn überhaupt die Untersuchungen gegen den Richterstand, wegen seines Verhaltens in jenen Tagen allgemeiner Renitenz, kaum noch ein anderes Resultat als Freisprechung liefern werden.

Hannover, 30. Septbr. Auch dieZeitung für Norddeutschland" beharrt, derHannoverschen Zeitung" gegenüber, auf ihrer Meldung von einer Cabinetskrisis. DieNiedersächsische Zeitung", deren letzte Nummer heute ausgegeben ist, bringt über denselben Gegenstand heute folgende Mittheilung:Die Ministerkrisis hat bestanden und besteht noch, jedoch tritt die Wahr­scheinlichkeit näher, daß das Programm des Herrn v. Münchhausen und das gegenwärtige Ministerium, d.h. die constitutionelle Monarchie auf demo­kratischer Grundlage" vorläufig für Hannover maßgebend bleiben wird."

Bad Liebenstein, 30. September. (Frankf. I.) Vom 27. bis 29. d. Mts. tagte in den freundlichen Räumen des hiesigen Kurhauses , die durch eine edle deutsche Frau veranlaßte und von A. Diestcrwcg, Frie­drich Fröbel, H. Köhler und W. Middendorf ausge­schriebene Pädagogen -Versammlung. Trotz der an­dauernd regnerischen Witterung hatten sich von nah und ferne gegen 60 Freunde und Freundinnen des Er- ziehungswesens eingefunden: von Hamburg, Hannover, Braunschweig, Berlin, Halle, Dresden, Leipzig, Kassel, aus Baiern, Baden, Waldeck, den sächsischen Herzog- thümern und Fürstenthümern und andern deutschen Staaten. Recht erfreulich war es, daß auch der wei- marische Staatsminister v. Wydenbrugk und der meiningische Confistorial- und Schulrath Dr. Peter die Versammlung besuchten. Der Versammlung wur­den, zu Folge des festgesetzten Programms, am ersten Vormittag des Zusammensein, durch verschiedene Pä­dagogen und Kindergärtnerinnen erziehliche Mittheilun­gen / hauptsächlich über Kindergärten, gemacht. Es stellte sich heraus, daß die Friedrich Fröbel'sche Erzie­hungsweise grade in der letzten Zeit, was Manche in Hinblick auf das bekannte preußische Verbot gar nicht erwartet hatten, viele neue Freunde gewonnen, und besonders in Baden und Hamburg bedeutende Fort­schritte gemacht hatte. Am Nachmittage des 27sten Septembers entwickelte Friedrich Fröbel die Grundsätze, Mittel und die Verfahrungsweise seines Systemes. Dies wurde den folgenden Vormittag des 28. einer Besprechung und Beurtheilung unterworfen. Am Nach­mittage desselben fanden unter der Leitung des grei­sen, lebhaften Kinderfreundes und einiger Kindergärt­nerinnen praktische Spiel- und Beschäftigungs-Ucbun- gen mit dem kleinen muntern Völkchen deS hiesigen Kindergartens statt. Am dritten Tage der Versamm­lung (am 29. September) wurden am Vormittag Wege und Mittel besprochen, um die edle Sache der Kindheit und Jugenderziehung auf geeignete Weise zu fördern. Sodann kamen am Nachmittag die Bildung des weiblichen Geschlechtes und nebenbei eine zu ver­öffentlichende Erklärung hinsichtlich der Friedrich Frö- bel'schen Erziehungswelse zur Berathung. Nach einer äußerst lebhaften Debatte über den letzten Gegenstand wurde die Versammlung nach 7 Uhr Abends in Ein­tracht, Liebe und freudiger Hoffnung geschlossen. Die erwähnte Erklärung, sowie der Hauptinhalt der Pro­tokolle sollen nächstens durch den Druck veröffentlicht werden.

Köln, 26. Sept. Im Publikum gewinnt die An­sicht Raum, daß die Untersuchung gegen die mehrge- nannten Mitglieder des hiesigen Gemeinderaths wegen der Adressedebatten vom 26. August, falls sie bis zur Vorlage bei der Rathskammer gedeihen sollte, von die­ser abgewiesen werden dürste. Dr. Brüggemann ist zu Anfang dieser Woche von seiner Reise zurückgekehrt und liefert, indem er, wie früher, dieKöln. Ztg." als Hauptredakteur unterzeichnet, den besten Beweis von der Grundlosigkeit des Gerüchts, als ob seinem Aufenthalt in Köln Schwierigkeiten entgegenständen. Die Untersuchungen gegen Dr. Becker dauern noch fort, und ist der Schluß derselben noch gar nicht voraus zu sehen. In den nächsten Assisen wird dessen Sache also noch nicht Vorkommen. Dem Dr. Daniels dagegen, welcher bekanntlich später eingezogen wurde, wird schon in der Oktoberassise der Prozeß gemacht. Diesen Morgen hat man auch den Dr. Klein in Verwahrsam genommen.

Waldbröl, 30. Sept. DasWaldbröler Kreis­blatt" enthält nachstehende Mittheilung:Heute Mor­gens ist die bei Waldbröl gelegene große Pulvermühle der Gebrüder Milchsack in die Luft gesprungen. Die Erplosion war bei der Maye des vorhandenen Pulvers so ungeheuer, daß die Erde im Umkreise von mehr als zwei Meilen stark erschüttert und die Mühle selbst mit ihrem nächsten Zubehör und den umstehenden Bäumen dem Erdboden gleich gemacht wurde. Das große eiserne Schwungrad fand sich in kleine L-tücke zersplittert in weiter Entfernung wieder. In dem etwa 10 Minuten von der Pulvermühle entfernten Orte Benroth wurden ein großer Theil der Fenster sammt den hölzernen Rah­

men zertrümmert und einige auf der Straße verwei­lende Kinder durch den Luftdruck zu Boden geworfen. Glücklicher Weise hatten sämmtliche Arbeiter zwei Mi­nuten vor dem Aufstiegen der Mühle das Fabrikgebäude verlassen, um zu frühstücken, und ist somit kein Men­schenleben zu beklagen; nur einer der Arbeiter hat durch einen stiegenden Fensterflügel eine nicht erhebliche Ver­letzung am Kopfe erlitten. Die Ursache der Erplosion ist unermittelt geblieben."

Elberfeld, 29. Sept. Wie es heißt, soll der Besitzer derElberfelder Zeitung", Buchdrucker Lucas, von der Regierung aufgefordert sein, einen Wechsel in der Redaktion der Zeitung eintreten zu lassen, falls er sich keinen Unannehmlichkeiten auSsetzen wolle. Als Nachfolger des Herrn Rave ist Herr Hermes, (!!!) Redakteur derNeuen Bremer Zeitung", vorgeschlagen worden.

Berlin, 28. Sept. (N. Od.-Ztg.) Der Kam- mergerichtsassessor Herr v.Zißewitz hat sich, um nicht fer­ner von Ort zu Ort getrieben zu werden, nach Frank­reich begeben und beabsichtigt, den Winter im Depar­tement des Cher auf einer Besitzung des bekannten französischen Volksrepräsentanten Michel de Bourges zuzubringen. Dem Kammergerichtspräsidio hatte er bereits früher die Anzeige gemacht, daß er, in Folge der polizeilichen Maßregeln des Herrn von Hinckelvey, gezwungen werde, sich, ohne Urlaub, von seiner vor­gesetzten und eigentlichen Dienstbehörde fern zu halten. Zu den Entdeckungen des großen (?) Complots in Paris soll auch ein dort als Flüchtling lebender Berliner Literat sich haben gebrauchen lassen. Man hatte ihn durch das Versprechen einer ansehnlichen Pension zu gewinnen gewußt. Er empfing indeß nach gethaner Arbeit ein für allemal 50 Francs.

Am Schlüsse des Monats Juli belief sich die Zahl der Einwohner Berlins auf 430,312 Seelen.

Berlin, 30 Sept. (Köln. Ztg.) Bald nach dem Erlasse des Verbotes der Fröbel'schen Kindergär­ten wandte sich bekanntlich der davon betroffene greise Professor Friedrich Fröbel an das hiesige Unterrichts- Ministerium mit der Bitte, jenes für Preußen erlas­sene Verbot zurücknehmen zu wollen. Diese Bitte soll jedoch nicht bewilligt worden sein. Es mag noch an­geführt werden, daß der bei dem hiesigen Provinzial- Schul- Collegium angestellte Schulrath Bormann, wel­cher doch einer positiven, christlichen Richtung huldigt, sich öffentlich für die Fröbel'schen Kindergärten ausge­sprochen hat. (S. Liebenstein).

Berlin, 1. October. Der zur Zeit in Paris an­wesende Stadthauptmann von Wien, Herr v. Weiß, wird sich von dort nach Frankfurt a. M. begeben und dort sein erprobtes Urtheil auf polizeiliche Angelegen­heiten abgeben. Wie wir vernehmen, ist er gleichzei­tigt beauftragt, über Die ihm in Paris gewordenen Nachrichten über das Treiben der socialistischen Comi­tes Bericht in Frankfurt zu erstatten. Herr v. Weiß wird deßhalb in seinen Ermittelungen nicht bloß auf Oesterreich, sondern auf alle zum Bunde gehörigen Staaten Rücksicht nehmen.

Königsberg, 28. Sept. (O.P.A.Z.) Für Wales­rode ist durch Vermittlung seiner Freunde eine nam­hafte Summe zusammengebracht worden, welche seine Cristen; während seiner, noch andauernden Kerkerhaft einstweilen sicher stellt, während dieselbe durch die auf öffentliche Denunziationen desFreimüthigen" erfolgte Entziehung seiner Feder als seines Subsistenzmittels ernstlich bedroht war.

Wien, 30. Sept. DieWiener Ztg." enthält die gewöhnliche Wochengabe durch Veröffentlichung der neuerdings erlassenen kriegsgerichtlichen Urtheile. Dies­mal sind dieselben von besonderem Interesse, weil sie trotz der großen Ruhe, deren sich Wien erfreut, wieder einmal von einem Aufruhr Kunde geben, der durch Betheiligung an einer unerlaubten Verbindung noch erschwert wird; einenHörer der Medizin" traf des­halb zehnmouatlicher Stockhausarrest in Eisen. Andere Verurtheilungcn erfolgen wegen unerlaubter Verbindung, Majestätsbeleidigung rc.

Italic«.

Vom Po, 27. Sept. (Köln. Ztg.) Die Reise des österreichischen Kaisers durch Ober-Italien ist mit all dem offiziellen Jubel vor sich gegangen, wie ich Ihnen voraus gemeldet. Die Leute haben gute Miene zum bösen Spiel gemacht und sich, in Betracht ihrer leidigen Ohnmacht und der gegen jedes Geschlecht und Alter schonungslosen Strenge der Militär-Dictatur, aller Demonstrationen enthalten. Die Ehrenpforten und Triumphbögen, dic Beleuchtungen und Fackelzüge, die Fest-Theater und Evvivas waren unvermeidliche, von oben herab unter Androhung von Geld- und Frei­heitsstrafen anbefohlene Verpflichtungen; ja, es sind sogar die verschiedenen Anreden, welche die Bürger­meister an Se. Majestät hielten, dem commandirenden General zur Genehmigung vorgelegt worden, der da­von Abschrift behielt. Es kommt nun freilich Aehnli. ches auch anderwärts vor, aber man muß gestehen, daß die Verstellung nirgends vollkommener sein wird, als in Italien. Mit Waffen in der Hand offen her­vorzutreten, Gut und Leben freudig hinzuopfern, ist eben nicht die Sache dieses Volkes. Dagegen dürfte es in dem raffinirten Geist der Erfindung immer neuer Mittel und Wege des passiven Widerstandes kaum von einem andern übertroffen werden. Ich habe in frühe­

ren Briefen schon mannigfach charakteristische Züge davon mitgetheilt. Jetzt scheint die ganze politische Taktik mit Einem Mal und vollständig verändert. Man unterwirft sich, spielt den Friedfertigen, den Ver­söhnten, den Reuigen, will überall hin vergessen und verzeihen^ die reichen und vornehmen Familien in den großen Städten der Lombardei sind gesonnen, ihre Häuser wieder zu öffnen und die artigsten Wirthe für ihre österreichischen Gäste zu machen. Aus Bergamo wird uns geschrieben, daß sich dort die jungen Leute verständigt haben, vor allen Offizieren den Hut zu ziehen und ihnen im Theater, in der Arena oder wo sonst bei öffentlichen Schauspielen mit größter Zuvor­kommenheit zu begegnen. Selbst das unglückliche Brescia legt die Trauer ab und kleidet sich wieder in bunte Farben. Die Zeitungen haben nach dreimaliger Verwarnung auch den letzten Gedanke» an Opposition aufgegeben und überfließen in Versicherungen loyaler Ergebenheit und Treue. Wer von den Vorgängen nichts wüßte, noch in das Innere der Seelen zu sehen vermöchte, würde glauben, es gäbe kein mit seiner Regierung zufriedeneres und glücklicheres Land, als das österreichische Italien. Und diese Wendung ist so schnell vor sich gegangen, sie ist so allgemein und wie durch eine geheime Parole verbreitet, daß wir selbst uns noch nicht zurecht zu finden, eines unheimlichen Eindrucks zu erwehren vermögen. Denn hinter dem freundlichen Blicke und dem lächelnden Munde birgt sich tödlicher Haß, ewige Feindschaft und die Absicht, durch alle Künste der Verstellung die Fremdherrschaft irre zu fiihren, zu ermatten, einzuschläfern, sicher zu machen, und was noch sonst in der Berechnung rache­dürstender Gesinnungen verborgen liegt. Schon früher, wo die Verhältnisse doch günstiger waren, hat es Oester­reich nicht verstanden, in diesem Lande sich eine Partei zu schaffen; jetzt wird es ihm aber selbst bei der klüg­sten Politik unmöglich sein; denn selbst wenn der Eigen­nutz oder die Noth des täglichen Brodes Diesen und Jenen in seine Dienste treibt, beim ersten günstigen Augenblicke werden sie zu Verrâthern werden. Die Zeit einer regelmäßigen Civil-Regierung ist gar nicht vyr- auszusehen; die Militär-Dictatur mit Belagerungs-Zu­stand und Kriegsrecht ist noch auf lange unvermeidlich. Was dabei aus dem Lande werden soll, ist eine andere Frage; denn eine solche Sicherstellung des Besitzes ist zugleich der Ruin aller Segnungen und Früchte, wo­mit Natur und Cultur dieses Land so reich ausgestat­tet haben. Es ist nicht zu viel gesagt, daß Ober- Italien seit 1848 um mehr als zehn Prozent seiner Productionskraft verloren hat, und wenn der Verfall einmal einreißt, so geht er mit Riesenschritten. Die unsinnige Steuer-Belastung des Grundes und Bodens hat ein ländliches Proletariat hervorgerufen, das in anhaltender Zunahme ist. Um dies zu verstehen, muß man das Agricultur-System Italiens kennen, wo es keine selbstständigen Bauern gibt, sondern â conto meth zwischen Grundherren und Colonen getheilt wird. In Rom scheinen jetzt die Nachwehen der österrei­chischen Intervention sehr fühlbar zu werden. Radetzky verlangt nämlich 500,000 Fl. Verpflegungsgelder jähr­lich, und der Papst meint, Oesterreich solle die gute Sache ^um so mehr auf seine Kosten nehmen, als die französische Republick ihre unliebsame Occupation aus eigenem Beutel bezahle. Es ist, um die Sache dem Kaiser persönlich vorzustellen, ein Cardinal nach Mai­land geschickt worden, der aber geringes Gehör gefun­den haben soll.

Rom, 18. Sept. (V. Ztg.) Der bloße Gedanke, es möchte mit der Zeit vielleicht doch hier zu einer österreichischen Besatzung kommen, erschreckt die Römer: man kann den Tod nicht mehr fürchten, als sie den österreichischen Prügel und die Croaten. Und aller­dings wird diese Furcht durch zuverlässige Nachrichten aus den von ihnen besetzten Provinzen vielfach gerecht­fertigt. Die für oft unbedeutende Vergehen verhäng­ten entehrenden Prügelstrafen werden nach wie vor mit unerbittlicher Strenge vollzogen, doch ist den Lo­kalblättern untersagt, auch nur das einfache Faktum zu melden. Ich fragte gestern einen ans den Bädern von Ascoli zurückgekehrten angesehenen Römer, wie sich die Oesterreicher dort anfführten.Signor, (war die Antwort) sie geben durch ihre Barschheit fast täg­lich Anlaß zu neuen Klagen. Wären Sie Italiener, die Haare würden sich Ihnen sträuben, sähen Sie daS Treiben dort mit an. Ich selbst sah, wie ein öster­reichischer Offizier einer mit ihrer Mutter promeniren- den jungen Dame, welche den Kopf bei seinem Vor- übergehen zum Gruße einer Freundin seitwärts ab­wandte, mit der Degenscheive so heftig auf die Knie schlug, daß sie zu Boden siel. Davei rief er:Ich will Euch lehren, den Kopf abwenden, wenn unser einer neben Euch vorbeigeht."

Schweiz.

Aus der Schweiz, 28. Sept. (Nat.-Z.) Der bischöfliche Kommissär Knill hat zu Appenzell eine er­bauliche Bettagspredigt über den Verfall der Schweiz gehalten. Als Gründe desselben bezeichnete er: 1) die Reformation; 2) die Unterdrückung der kleinen Kantone; 3) die neuen Bundesgesetze über die freie Niederlassung und die gemischten Ehen.Durch die freie Niederlassung werden wir überflutet von fremden Abenteurern und Leuten ähnlichen Gelichters, die weder an Gott noch Göttliches glauben; durch die gemischten Ehen aber wird das allgemeine Verderben, das im Staate herrscht, auch in die Familie gepflanzt." Der Mann sollte der