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Freiheit und Recht!"

JYo 23Ä Wiesbaden Samstag, â. Oktober 1S5S.

DitFreie Zeitu ng" erscheint, mit Ausnahme Oed Montags, lägltch tu emem Bogen. Ler ÄdonnemeniSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I fl. 45 kr., auswärts durch dt» Post bezogen mit verhaltn, ßmäßigem Aufschläge. Inserate werven bereitwillig ausgenommen und ssud bei der großen Beibretinng derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er­folge. Die JnserationSgebühren betragen für die vierspaltge Petitzetle 3 fr.

Das Aleformmeeting in der Manchesterer Friedenshalle.

(Schluß.)

Unter den übrigen Reben thun wir noch kurz der des Herrn W. I. For Erwähnung. Dieselbe suchte zunächst zu beweisen, daß bas so genannte Haus der Gemeinen nicht wirklich das englische Volk repräsen- tire. In einer Unzahl wichtiger Fragen weiche die Volksmeinung von der Meinung der parlamentarischen Majorität ab. So sympathistre das Unterhaus mit großen Kriegsrüstungen; die Sympathieen des Volkes aber seien mit dem Frieden und den Werken des Frie­dens. Das Volk verlange das, was die Mehrheit des Unterhauses als chimärisch und utopisch ansehe; das Volk wolle die Brüderschaft aller Nationen mw wolle die Schwerter in Pflugscharen umgeschmiedet wissen. Das Unterhaus sympathistre mit den Des­poten, das Volk mit den Patrioten des Festlandes...... Das Haus der Gemeinen entspreche seiner Idee durch­aus nicht. Es enthalte 274 mit der Peerage und der Aristokratie in verwandtschaftlichen Verhältnissen ste­hende Mitglieder, und sei in Wirklichkeit eine Fabrik, in der man Lords verfertige. Wo finde man in Eng­land einen zweiten Ort, in dem jede vierte Person entweder der L>ohn oder der Bruder, oder der Onkel, oder der Neffe, oder der Enkel, oder ein sonstiger Verwandter eines Peers oder Aristokraten sei? Offen­bar sei ein neues Haus der Gemeinen ein dringendes Bedürfniß. Die fehlerhafte Constitution des Hauses gleiche der Mißgestalt des Dichters Pope, welcher stets ausgerufen habe:O, daß Gott mich doch verbesserte!" und welchem ein Gassenbube erwidert habe:Verbes­sern? Gott dich verbessern, du kleines Ungethüm? Da wäre es doch weit leichter, gleich einen ganz neuen Kerl zu Schaffen." For zählte nun eine Reihe vonVerunstal- tmigen (deformitiesjbeë Unterhauses auf, scheußliche Miß­verhältnisse in der Vertretung, wie sie zum Theil schon Wilson erwähnt hat. Dazu gehört die Erscheinung, daß die Zahl der Vertreter verschiedener Wahlbezirke sich seit geraumer Zeit nicht geändert hat, ohne Rück­sicht darauf, ob die Bevölkerung sich vermehrt oder vermindert hat, oder stationär geblieben ist. So lange nicht bewiesen sei fährt der Redner fort, wes- halb Jemanden das Stimm: echt versagt werden müße, habe Jeder gegründeten Anspruch darauf!Ich habe" sagt er -Lord John Russell jüngst äußern hö­ren, er könne sich kein die bloße Kopfzahl darstellen­des Haus der Gemeinen denken, welches in Harmonie mit einer Monarchie, einer erblichen Pairskammer und einer Staatskirche handeln würde. Meine Gedanken schweifen zurück in jene Zeit, wo ein Arbeiter aus Norwich, meiner Vaterstadt, sich eine Sammlung der Prophezeihungen über die muthmaßlichen Folgen der

Reformbill anlegte. Diese Weissagungen lauten furcht­bar genug. Baukes behauptete, die Bill werde einen dem Pöbeldespotismus nahe kommenden Zustand her- beiführcn; Sir J. Shelley meinte, mit dieser Bill werbe kein Ministerium sechs Wochen regieren können; Price prophezeite Verwirrung und Bürgerkrieg und glaubte, ein mächtiger General werde den Militarveö- potismus über das Land bringen, und Sir R. Vivian war der Ansicht, die Freisassen könnten davon über­zeugt sein, daß ihr Eigenthum nicht sicher sein werde unter einem reformirten Parlament, welches den König seiner Krone berauben könne. Selbst Sir R. Peel sprach es da­mals als seine Meinung aus, daß ein reformirtes Par­lament die Herrschaft den Demagogen in die Hände liefern, dies glückliche Land dem Despotismus und der Zerstörung überantworten werde, und daß die Mo­narchie, wenn nicht dem Namen, so doch der Sache nach in der das Unterhaus regierenden Demokratie untergehen werde. Da diese Weissagn ngen sich nicht erfüllt haben, so hätte sich Lord J. Russell wohl die Thorheit ersparen können, bei dieser Gelegenheit zu prophezeien. Der edle Lord möge Gerechtigkeit üben und sich um die Folgen nicht kümmern. Ich glaube, die Monarchie würde bei einer so demokratischen Reform, wie sie Lord John Russell sich als von unseren Demo­kraten ausgehend nur immer denken kann, vollkommen so sicher sein, wie sie es verdient. (Beifall und Gelächter.) Was die Staats kirche angeht, so möchte ich allerdings nicht behaupten, daß jeder Wähler sich, wie Seine Herrlichkeit zu wünschen scheint, verpflichten sollte, dies Institut zu unterstützen. (Gelächter.) Es ist entstan­den aus Gründen der Politik, und die Zeit wird viel­leicht kommen, wo man es aus Gründen der Politik weiter reformiren oder ganz abschaffen wird. (Lauter Beifall.) Kirche, Peerage und Königthum be­stehen nur durch v a s V o l k und für o a S V o l k! Sie haben einen Anspruch auf ihr Dasein und auf unsere Achtung, so lange sie ihre Pflchten ge­bührend erfüllen und sich, jedes in seiner Sphäre, dem allgemeinen Besten wahrhaft dienstbar er­weisen. So lange das der Fall ist, haben sie Anspruch auf die Achtung und den Beistand des Volkes. Ist dies aber nicht der Fall, so kommt ihnen nur der Spruch zu:Haut sie ab! Weshalb versperren sie uns den Weg?"" (Lauter Bei­fall.)..... Die Einigkeit der gewerbtreibenven und producirenden Klassen war es, welche, als die Landes- einrichtungen gröblich verkehrt und gemißbraucht wor­den waren, als der Thron das Sinnbild der Tyrannei und der Altar das des Aberglaubens geworden war, sowohl Thron wie Altar stürzte und das Volk "dieses Landes lehrte, baß seine Gerechtsame selbst bas feierliche Amt in sich begriffen, über Erzbischöfe und Könige zu Ge­richt zu sitzen."

Deutschl«nd.

Vom Niedermain, 29. Septbr. (A. A. Z.) Der gegenwärtige. Divisionär von Trier, Generalmajor v. Bonin, ist zum Oberbefehlshaber des in der Um­gegend von Frankfurt a. M. zusammenziehenden Bun- deökorps ernannt worden.

Vom Neckar, 30. Sept. (Neck.-Dpfsch ) Elsner läßt seiner Übeln Laune heute tu derKronik" Luft in einem Artikel, der nach allen Seiten hin verdrießlich kläfft und verzweifelt nm sich beißt. Er beschuldigt so- gar wegen der Ueberschwemmungen die Natur selbstzerstörerischer Tendenzen, ja des offenen und heiin- lichen Zusammenwirkens mit der Umsturzpartei, deren endlichen Sieg er als eine ausgemachte Sache annimmt. Er behält sich nur vor, im letzten Moment triumphi- renv auszurufen;Nicht wahr, ihr Schelmen, ich habe mich in euch nicht getäuscht?" Große Geister begegnen sich oft in demselben Gedanken. Aehnlich, wie dieKro­nik" über die Ueberschwemmungen und anderes Unglück, äußert sich auch derStaars-Anzeiger" und die Württ. Ztg." DerStaats-Anzeiger" klagt den Himmel an, daß erkeine Einsicht habe" und die Württ. Ztg." erwähnt die geistreiche AeußerungEines unserer Staatsmänner":der Himmel scheint demokra­tisch gesinnt zu sein"! Warum? Wegen der (Über­schwemmungen! Hätten wir den Himmel reaktionärer Tendenzen beschuldigt, ich vermuthe, man hätte gegne­rischer Srits darin Blasphemie gesehen. Indessen glau­ben wir allerdings zuversichtlich an den alten Spruch des Volks:Unser Herrgott verläßt kein'n Dentschcir nicht!" Er kann den Untergang der deutschen Na­tion nicht wollen, was auch die irdischen Götter über sie beschließen mögen!

. Zweibrücken, 29. Sept. (Pf. Ztg.) Der König hat den wegen Theilnahme am Hochverrath zu Todes­strafe verurteilten Philipp Schmidt von Kaiserslau­tern begnadigt und die Strafe in jene der Zwangs­arbeiten auf die Dauer von 20 Jahren umgewanvelt.

Kassel, 1. Oktober. (O.-P.-A.-Z.) Man wird sich erinnern, daß diejenigen Mitglieder des Obergc- richts zu Rotenburg, welche den vom Oberbefehlshaber General von Haynau ernannten Verwaltungsbeamten Faber wegen Anmaßung von Amtsbefugnissen zu sechs Wochen Gefängniß verurteilt hatten, dieferhalb vom permanenten Kriegsgericht auf Grund der Verordnung von, 28. September mit Festungsstrafen von 6, 4 uno 3 Monaten belegt wurden. Auf die gegen dieses Er­kenntniß ausgeführte Appellation ist gestern der Spruch des Generalauditorats den betreffenden Personen publik zirt worden und lautet derselbe auf völlige Frei­sprechung. So viel bis jetzt über die von dem obersten Militärgerichtshof hierbei zur Anwendung ge­brachten Motive bekannt geworden, so ist es haupt-

Die Erndtezeit wird kommen!

Der Süden rinnt mit Norden e mit der Nackt daè Licht,

@6 ist kein Kampf ein Morden! SS jmid)jt der kalte Norden;

Der Frühling kommt noch nicht!

So war's! So ist's! Und wird es wieder werden?

Hat Menschenliebe stets ihr Märlyrthum?

Hat Wahrheit keine Heimath hier auf Erden? Verfolgt im Leben, nach dem Tod nur Ruhm?

Sind die gefüllten Kerker Klagelieder, Für Nachwelt ein prophet'scher Tchmerzenschrei? Steigt nie die Freiheit segnend uns hernieder, Daß die Verheißung eine Wahrheit sei?

Bleibt für die Beffeni ew'ger Kampf bad Leben?

Reicht stets den Leidenskelch das rechte Thun, Stets Kreuz uitb Dornenkrone männlich Streben? Dazu der Drang im Bessern: nie zu ruhn ! Wer löst dies Räthel, das mit Blut geschrieben, Von tausend Blättern der Geschichte weint? Ach, ihre Sphinx ist mordend uns verblieben, Und kein Oedip erlösend uns erscheint!" So klag ich oftmals im Titaneligrollen; Ich wende knirschend der Geschichte Blatt Und trinke dann mich an dem übervollen Geweihten Kelche ew' ger Liebe satt.

DeS Räthsels Lösung seh' ich vor mir stehen: Die Blüthe von dem Baum der Menschheit fallt, Sie barg die Frucht! Die Blüthe mag vergehen, Reist nur die Frucht, beglückend eine Welt!

I. G. Horneyer.

Gemeinnützige S.

Der Kaffe.

* Der Kaffe ist ein langsames Gift! hat man früher behauptet, doch antwortete Voltaire schon barauf, er habe sein Leben lang viel Kaffe getrunken uno sei doch alt geworden. Durch Uebermaß, wie durch schlechte Zubereitung kann der Kaffe allerdings schäd­lich werden, sonst aber schärft er, wie wir in einem Berichte derJndepenbance" lesen, die Verstaudeskrafte und jedenfalls ist er, wie die neuere Wissenschaft be­wiesen, stärkend für den Körper. Wodurch er so heil­sam wirkt, darüber sind die Urtheile noch nicht einig, doch geben selbst die Gelehrten, d,e ihm am Wenigsten zu- trauen, wenigstens zu, daß, wenn er nicht gradezu nähre, er doch jedenfalls den Körper hindere, sich zu entnähren" (de se denourrir), wie Herr Payen sich ausdrückt, b. h. wenn er den Organen auch seine neue Nahrnugsstoffe gibt, so verhindert er doch so lauge, wie seine Wirkung dauert, die Organe, daß sie sich abnutzen. Aber nahrunggebenv oder nur nahrunger- halteud, so steht so viel fest, daß in heißen Klimate» die Arbeiter erklären, sie könnten ohne Kasse die Stra­pazen ungleich weniger ertragen. In den Tropeuge- gendcn trinkt man ein, ja anderthalb Litres Kaffe, ohne die mindeste Beschwerde davon zu empfinden. Eben so sparen sich in Belgien viele Arbeiter in den Fabriken an Brot und Kartoffeln ab, was sie für Kaffe aus- geben. Nicht minder Thatsache ist es, daß die Sol­daten im Felde (z. B. in Schleswig-Holstein die Preus-

sen) ungleich länger Strapazen aushielten, wenn sie Morgens Kaffe getrunken hatten. Die Erfahrung lehrt, daß der Kasse eieie gute Wirkung besonders bei heißec Witterung zeigt. Aber freilich kommt auf die richtige Zubereitung und Starke Alles an. Schwacher Kaffe erschlafft, wie warmes Wasser, den Magen. Die Wir­kung des Kaffe's wird nicht minder sehr vermindert, wenn der Kaffe gekocht oder, wie es häufig noch ge­schieht, lange gekocht wird, wodurch er zwar sch w at­ze r, aber nicht gehaltreicher wird. Das Wasser muß veilil Aufgüsse stark siedend fern, doch das Geiränk seicht darf nicht gesiedet werden. Ein anderer Fehler, der sehr häufig vorkommt, ist das zu starke Rösten der Bohnen. Das Rösten soll blos dazi, dienen, daß die Bohnen zu zer­mahlen oder zu zerstoßen sind (wie es im Orient ge, schieht) und daß das Aroma sich leichter entwickeln kann; doch zu starkes Brennen verwandelt je stärker desto mehr die Boone in Kohle. Verkohlter Kaffe hat kein Aroma und feint Kraft mehr: der Geist iji ent* flohen, das Phlegma ist geblieben. Kaffe von verkobl- len Bohnen ist nicht besser, als mit jeder andern Kohle schwarz gefärbtes Wayer. Ueber das rechte Maß des brennend entscheidet die Hebung, die ihre < esteuiguna im schlechteren oder besseren Geschmacke findet. Anm lind bekanullich nicht alle Kaffesorten gleich. Ein gu­ter Kaffe nur ist ein gesünder Kaffe; wer nicht v el Bohnen nehmen kann, trinke lieber eine weniger große Kaffegnantität, doch eine gute Qualität, und er ersetze Veii Mangel an Quantum dadurch, daß er vorher oder nachher ein frisches Glas Wasser trinkt.