Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

wollen. Die Familie Rothschild soll als Bedingung zur Uebernahme des österreichischen Anleiherestes die Ver­leihung des Grafentitels gestellt haben. Diese Forderung soll bewilligt sein und so sehen wir der Kreirung des HerrnBaron" zum Grafen stündlich entgegen. Der Rothschild'sche Grafentitel kostet circa 50 Millionen freilich etwas viel; dochwir haben's ja!" Welche Lieder konnte Herr Dingelstedt jetzt singen, wenn er noch derNachtwächter mit langen Fortschrittsbeinen" wäre! Und was wird Heinrich Heine dazu sagen? Gut, daß seinRomancero" noch nicht erschienen ist: diese Rothschild'sche Romantik verdient, in Heine'schen Versen besungen, verewigt zu werden. DasJntel- ligenzblatt" giebt uns die schöne Aussicht, daß unsere freie Stadt" zumWaffenplatz" erklärt werden solle, um eintretenden Eventualitäten gegenüber die ganze Exekutive in eine Hand zu legen. Dieser permanente stille Belagerungsstand wird unsern Handel und Wan­del sonder Zweifel sehr förderlich werden. Doch Frankfurt war ja früher eine Festung und da diegu­ten alten Zeiten" nun einmal wiederkehren sollen, warum nicht auch Festungsreglements und Geldgrafen?

Frankfurt, 1. Okt. DerO.P.A.Z." nach wird das in der Umgegend der hiesigen Stadt zusammen­zuziehende Bundescorps aus 6900 Mann Infanterie (2200 Mann könial. preußische, 1500 Mann königl. bayerische, 1000 Mann großh. badische, 1000 Mann großh. hessische; 600 Mann kurhessische und 600 Mann herzogl. nassauische Truppen), 1100 Mann Cavallerie (preußische, kurhessische und großh. hessische) und drei Batterien (24 Geschütze) bestehen.

* Darmstadt, 1. Oktober. Das heutige Regie­rungsblatt enthält eine Verordnung, wodurch das Ver­bot der politischen Vereine vom 2. Oktober 1850 um weitere sechs Monate verlängert wird.

Baden-Baden, 29. Sept. (Fr. I.) In diesen letzten Tagen kam der Leipziger Buchhändler O. W. von einer Geschäftsreise aus der Schweiz hier an. Da dessen Regierung Verdacht hegen mochte, daß der er­wähnten Reise auch politische Zwecke unterliegen könn­ten, und auch deßfallsige Anzeige gemacht worden sein soll, so wurde O. W. kurze Zeit nach seinem Hiersein vorläufig in Haft genommen und Haussuchung bei ihm gehalten. Im Zusammenhänge mit dieser Haus­suchung wurde noch eine zweite bei dem längere Zeit mit Familie hier anwesenden Oberregisseur des Mann­heimer Theaters abgehalten, welche lediglich und allein dadurch veranlaßt worden war, daß dieser von frühe- ren Jahren her mit O. W. befreundet ist und ohne sich erst weiter nach dessen politischer Gesinnung zu erkundigen, als Freund mit ihm verkehrte. Beide Hausuntersuchungen hatten nicht daS geringste Resultat, hätten aber für letzteren sehr tragische Folgen haben können, da seine von einem Schlaganfalle noch recon- valescente Frau durch die unerwartet und plötzlich vor­genommene Haussuchung, deren Veranlassung sie sich unmöglich erklären konnte, in keinen geringen Schrecken versetzt wurde. In Zukunft wird jeder Badegast, bei zufälligem Zusammentreffen mit einem Freunde von früheren Zeiten her, bevor er ihn als solchen begrüßt und behandelt, wohl thun, sich erst nach dessen politischer Gesinnung zu erkundigen, um sein Benehmen gegen ihn darnach einzurichten. Der erwähnte Vorfall wird unsern Bädern ohne Zweifel keine neue Anziehungskraft verleihen. (Auch in der Mannheimer Wohnung des Ober- regisseurs Düringer wurde Haussuchung vorgenommen.)

Tuttlingen, 29. Sept. In Folge des seit einiger Zeit eingetreten, oft ganze Tage anhaltenden, Regen- wetterS ist die Donau zum zweitenmal in diesem Jahr ausgetreten.

Nürnberg, 27. Sept. Eben wird Nachstehendes von der Vorstandschaft der hiesigen freien christlichen Gemeinde veröffentlicht:Wir machen hiermit bekannt, daß seit einigen Tagen polizeiliche Verhöre einzelner Mitglieder unserer Gemeinde stattfinden, wobei das Handgelübde an Eides statt gefordert und dann Fragen gestellt werden, wie:Was hat Sie bewogen, der freien Gemeinde beizutreten? Fühlen Sie sich glücklich und glauben Sie, daß Ihre Kinder im spätern Leben glück­lich werden können? Glauben Sie an einen Gott und was verstehen Sie unter Gott? Besuchen Sie die Kirche fleißig? Glauben Sie an eine Unsterblich­keit? rc." Niemals haben wir aus den Grundsätzen des Deutschkatholicisums ein Geheimniß gemacht. Wir haben eine Prüfung derselben nicht im entferntesten zu scheuen; unsere Schriften geben darüber genügenden Aufschluß und die Ansichten der Majorität unserer Ge­meinde in religiöser Beziehung sind in den unsern Sta­tuten vorangebruckten Grundbestimmungen enthalten, auf deren Grund unsere Gemeinden von der Regie­rung anerkannt wurden. Niemals ist es uns selbst aber eingefallen, in das Gewissen des einzelnen Ge­meindemitgliedes einzudringen und nach den einzelnen Punkten seines Glaubens zu fragen; wir haben stets nur gefordert, daß seine Handlungen gut und recht seien. Wir protestiren darum öffentlich gegen jenes Verfahren der Polizeibehörde, indem wir dasselbe für einen Eingriff in die von der bayerischen Verfassung garantirte Gewissensfreiheit halten. Nürnberg, den 27. September 1851. Der Vorstand der freien christlichen Gemeinde."

Würzburg, 26. Sept. Der Bau der Bamberg- Frankfurter Eisenbahn wird von Oben mit vielem Eifer betrieben. Laut desN. C.", beträgt nach den

Voranschlägen unserer Kreksregierung die Zahl der Arbeiter, die im nächsten Jahre in den sieben Sektionen Eltmann, Schweinfurt, Würzburg, Gemünden, Lohr, Hayn und Aschaffenburg beschäftigt werden sollen, über 21,000.

Hannover, 29. September. DieNiedersächsische Zeitung" behauptet, trotz der Widerlegung in der halb­amtlichenHannoverschen Zeitung," daß die Meldung derZeitung für Norddeutschland," das Ministerium habe seine Entlassung eingereicht, dennoch auf Wahr­heit beruhe. Die Angelegenheit sei sicherm Verneh­men nach schon so weit vorgeschritten, daß Verhand- lungen zur Bildung eines neuen Ministeriums ange­knüpft seien. Weitere Andeutungen des genannten Blattes lassen vermuthen, daß das neue Ministerium nicht im Sinn der Partei der /.Niedersächsischen Zei­tung" ausfallen werde.

Bremen, 29. September. Was seit Monaten vor­auszusehen war, meldet dieWeser-Zeitung," die Be­seitigung des demokratischen Regiments in Bremen, steht in diesem Augenblicke am Vorabende seiner Ver­wirklichung. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfah­ren, werden schon übermorgen an die Bürgerschaft Mittheitungen des Senats gelangen, welche in dieser Beziehung als entscheidend bezeichnet werden können. (Nach der neuestenWeser Zeitung." vom 30. Sep­tember dieses Jahres sind diese Mittheilungen bereits er­folgt). Der Senat wird sich in denselben auf die letzten Bundesbeschlüsse und auf die ihm von Seiten der Bundesversammlung gewordene Aufforderung be­rufen, um die von ihm vorgeschlagenen Abänderungen der bremischen Verfassung nicht mehr als eine Sache der Wahl, sondern derunbedingten Nothwendigkeit" hinzuftellcn.

Hamburg, 29. Sepbr. (K.Z.) Aus bester Quelle kann ich mittheilen, daß die mecklenburger Regierung es rund abgeschlagen hat, in Verhandlungen über den Anschluß an den Zollverein einzutreten; die betreffende Note dürfte das Datum vom 26. Sept, tragen.

Berlin, 30. Septbr. Daß in Paris ein Staats­streich wirklich im Werke war, zeigt folgende, wahr­scheinlich etwas zu spät eingetroffene Notiz derN. Pr.Ztg.", welche meldet:Nachrichten aus Paris lassen auf ein nahe bevorstehendes Ereigniß schließen. Es scheint nicht unwahrscheinlich, daß die Negierung in Uebereinstimmung mit den Chefs der Majorität der nicht mehr möglichen Verfassung von 1848 ein Ende macht." (Siehe unsern Leitartikel.)

Berlin, 30. Septbr. (O.-P.-A.-Z.) Die Nachricht, daß seitens unseres Staatsministeriums jüngst Beschlüsse in Bezug auf ein Vorgehen gegen die Deutschkatholiken gefaßt worden waren, wird in Abrede gestellt. Daß nichtsdestoweniger diesen Angelegenheiten ernste Auf­merksamkeit zugewandt wird, kann ebenso versichert werden, wie daß der Herr Cultusminister mit aller Energie dem Deutschkatholicismus wie den freien Ge­meinden gegenüberzutreten Willens ist.

Aus sicherer Quelle wird derV. Z." aus Mün­chen mitgetheilt, daß der Episcopat der römisch-katho­lischen Kirche in Deutschland in Verbindung mit den bedeutendsten Kanonisten der Frankfurter Bundesver­sammlung eine Denkschrift übersandt hat, welche zu endlichen allgemeinen Maßregeln gegen den Deutschka­tholicismus dringend auffordert. (Vgl. Nürnberg.)

Danzig, 25. Septbr. (Sp. Z.) Wie verlautet, wird auch unsere Stadt, und zwar schon im Frühlinge des nächsten Jahres, des Besuches der Jesuiten sich zu erfreuen haben; ein Theil der hiesigen kathol. Geistlich, keit und auch mehrere angesehene Laien dieser Konfession, sollen auf die Hinüberkunft derselben und eine öffent­liche Mission angetragen, und der Bischof von Culm, Dr. Sedlag, zu dessen Sprengel unsere Stadt gehört, dem Ersuchen sehr bereitwillig entgegengekommen sein.

Gratz, 26. Sept. (Ostd. P.) Die freichristliche Gemeinde hat ihr OrganUrchristenthum" sistirt, in Folge der preßgerichtlichen Verurtheilung des Redak« teurs, doch gedenkt sie es wieder erscheinen zu lassen.

Wien, 28. September. Demnächst werden einige Abänderungen der Strafprozeßordnung ins Leben tre­ten. Als die wichtigste derselben wird die Beseiti­gung der Geschwornen und die Ersetzung dersel­ben durch ein Richterkollegium, welches nach seiner Ueberzeugung zu urtheilen habe, bezeichnet. Die Mo­tive sind: die Unmöglichkeit der Geschwornen (?!) bei politischen Uebertretungen, die Unzulänglichkeit des In­stituts für einige Landeötheile (z. B. Galizien und Dalmatien rc.) endlich die bisher wahrgenommenen zahlreichen Mängel desselben!?!

Triest, 29. Sept. (A.A.Z.) Wir haben eine ost­indische Ueberlandpost. Calcutta, 21. Aug. Von Gholab Singh ward der Aufstand der Gebirgsstämme von Kaschmir unterdrückt. Bombay, 1. Sept. Dost Mohammed hat Herat angegriffen. (Wir verweisen auf die Artikel derFr. Ztg." über den Orient, worin die auch England und Rußland nahe berührenden Ver­wicklungen bezeichnet sind, zu denen die Frage um den Besitz des herrenlos gewordenen Herat Anlaß gibt.)

Großbritannien.

London, 29. Sept. DerWeser -Ztg." schreibt man über die Vorbereitungen zu Ko sfuthö Empfange:Die städtischen Behörden von Southampton halten Alles zu seinem festlichen Empfange bereit. Auch in mehre­

ren andern Städten des Landes, besonders im Nor­den, werden in diesem Augenblicke Meetings gehalten, um Ettiladungen an ihn während seines kurzen Auf­enthaltes in England und Empfangsfeierlichkeiten, so wie Dankadressen an den Sultan für die Freilassung zu berathen. Seitens der City von London ist aber eln solcher Schritt noch zweifelhaft. Koffuth wird un­gefähr drei Wochen in England bleiben, und Anord­nungen für den festen Wohnsitz seiner Familie hier- selbst treffen, um dann für eine längere Zeit zuerst nach den Vereinigten Staaten zu gehen. Der Augen­blick seiner Ankunft in England ist für die Stimmung, in der ihn das Publikum empfangen wird, ein außer­ordentlich günstiger; denn es ist kein Hehl mehr dar­aus zu machen, daß diese Stimmung seit vorigem Jahre einen Umschlag erfahren und um Oesterreich, wenn sein sprichwörtliches Glück es doch verlassen und sein Fall einst erfolgen sollte, in diesem Lande kein Ange mehr naß werden würde. Eine furchtbare Masse von Abneigung, und was schlimmer, von Ge­ringschätzung, hat sich gegen die absoluten Regierungen des östlichen Europa, ja gegen alle Regierungen auf dem Continente zusammen, bei allen Gesellschaftsklassen und allen Parteien aufgespeichert, und wird fortan, in wachsendem Maße, bei allen günstigen Gelegenheiten, in unzweideutigen Demonstrationen sich anssprechen, so weit es den Mittelstand angeht, während hitzköpfigere Elemente im Volke wohl schon die Redensart laut werden lassen, ein Zusammenstoß der britischen und kontinentalen Welt sei doch unvermeidlich, und so sei es Zeit, daß die bri­tische Flotte zuvorkommend dem ganzen Treiben ein gründliches Ende mache. Wenn sich ihrer eine solche kriegerische Aufregung bemächtigt, sagen sie nämlich immerbritisch" statt englisch. Englisch ist die In­dustrie; britisch aber sind Heer, Flotte und Constitution."

Republik Frankreich.

Paris, 29. Septbr. (Köln. Ztg.) Das franco- allemannische Complott wird zur großen Verlegenheit für die Regierung sie wird die Verhafteten alle frei geben müssen, da, wie sich herausstellt, nichts Sonder­liches gegen sie geltend gemacht werden kann. Die veröffentlichten Urkunden von London scheinen in kei­nerlei Zusammenhang mit den Angeschuldigten zu stehen.

* Paris, 30. Sept. Im Ministerium des Aus­wärtigen herrscht seit einigen Tagen eine ungewöhn­liche Thätigkeit. Kuriere gehen in Schaaren, besonders nach Deutschland, mit Depeschen an die französischen Ge­sandtschaften. An politischen Nachrichten fehlt es. Das Gerücht, daß schon in den nächsten Tagen ein Brief Join- villes erscheinen werde, klingt etwas voreilig: so reif ist die Sache noch nicht. Die Seinewahl zu Magnans Ersatz soll dem Vernehmen noch in diesem, die Wahlen für die Nationalgarde des Seinedepartements im nächsten Monate erfolgen. Die Gerüchte, daß Faucher abtre­ten und das Gesetz vom 31. Mai alsdann fallen werde, treten mit neuer Stärke auf. Börse: 3 pCt. 56,15 (Baisse 35 C.); 5 pCt. 92,30 (Baisse

30 Cent.) "

AmtlicheNachrichten.

Bekanntmachung.

(Den Beitritt-zum deutsch-österreichischen Postverein betreffend.)

Nachdem die Bestimmungen, unter welchen die Post- admimstration des Herzogthums dem deutsch-östereichi- schen Postverein beigetreten ist, die Höchste Genehmigmm erhalten haben so wird Folgendes zur allgemeinen Kenntniß gebracht: °

1. Postverkehr zwischen dem Herzogthum und den nicht zum Tarischen Postbezirk qe- hörigen Postvereinsstaaten.

8 . 1. (Allgemeine Bestimmungen. Umfang des Vereins.) Vom 1. October dieses Jahres an kommen die Bestimmungen des in der Anlage A. abgedruckten Postvereinsvertrags bei Briefpostgegenständen, Zeitungen und FahrpostMdungen im Verkehr zwischen dem Her- Zügthiim Nassau einerseits und den nachgenannten Staatsgebieten und Staatsgebietstheilen als-

1) dem Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach'- schen Amte Allstädt; '

2) den Herzogtümern Anhalt-Bernburg, Anhalt- Cothen und Anhalt-Dessau;

3) dem Großherzogthum Baden;

4) dem Königreich Bayern;

5) den zum Großherzogthmn Oldenburg gehörenden Fürstenthümern Birkenfeld und Eutin -

6) dem Königreich Hannover;

7) dem Herzogthum Holstein;

8) dem Fürstenthum Lichtenstein;

9) den Großherzogthümern Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz;

10) der Oesterreichischen Gesammtmonarchie:

11) der Preußischen Gesammtmonarchie: dem Königreich Sachsen; dem Herzogthum Sachsen-Altenburg;

14) den Unterherrschaften der Fürstenthümer Schwarz- H aus5 , ^P^ und Schwarzburg - Sondees-

15) dem Fürstenthum Waldeck und

16) dem Königreich Würtemberg andererseits zur Anwendung.

8)

12)

13)

8. 2. (Entfernungsmaß.) Es werden hiernach