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^U SrléJ. Wiesbaden. Donnerstag, 2. Oktober 1851.

DieFreie Zeitung" erscheint, mit LuSnayme v.o iWomayü, .u,n>® in «mein sogen Der Ädonneineniüprcis betragt vierlettayrlich yier in LSieavaden 1 st. 45 ft., auswärts durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschlag». Inserat» we-oen dereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Vnbrettung derFreien Zeitung" stets von ivtrfsamem Er­folge. Die Jnserationügebirbren betragen für die Vikrspoltch» Petitzcil« 3 kr.

England und das Jahr 1832.

X Verb Palmerston, der englische Minister des Auswärtigen, hat die Gelegenheit, welche ihm seine Wähler für's Unterhaus durch ein Bankett in Tiverton boten, benutzt, um sein politisches Glaudensbekenntniß zu geben. Die Reve ist ganz eines jener großen Staats- männer würdig, welche unter Negieren nicht verstehen, gegen die Zeitströmung zu schwimmen, sondern der öffentlichen Meinung zu folgen und so dem öffentlichen Wohle zu dienen; die Rede ist groß und gewaltig, und ein Heller Stern in dieser trüben Zeit: sie verdient des­halb, auch dem deutschen Volke, wenigstcuLihren Haupt­stellen nach, bekannt werden.

Das Bankett in Tiverton ward von Hole präsi« btrt, welcher durch einen Toast auf die Minister der Königin den Gast zu folgender Aeußerung über den wahren Konservatismus veranlaßte:

Ich danke Ihnen, meine Herren, in meinem Na­men, wie im Namen meiner Kollegen. Alle unsere Bestrebungen zielen darauf ab, uns die Zustimmung unserer Königin und das Vertrauen des Volkes zu sichern, indem wir mit Festigkeit, ohne Leidenschaft und systematisch den Weg der stufenweisen Verbesserung gehen. (Beifall.) Freilich erwecken wir auf diesem Wege hin und wieder die Befürchtungen der Aengst- lichen und täuschen wir nicht selten die Erwartungen der Hitzköpfe und der Dummköpfe. Aber in uns lebt die feste Ueberzeugung, daß wir nur durch solches La- viren das Staatsschiff mitten durch die Klippen führen und den Sturm beschwören können. Als glückliche Piloten gelang es uns bisher, zum guten Hafen dieses stolze Schiff in seiner ganzen Unbeschädigtheit zu füh­ren unk, indem wir die Mannschaft wohlauf, zufrieden und rüstig sehen, hoffen wir, dereinst andern Piloten in gutem Zustande dies herrliche Fahrzeug mit dem Wunsche zu überantworten, daß seine politische See­fahrt immer glücklich voran gehen möge."

Auf einen zweiten, den Abgeordneten des Wahlor- tes (Palmerston und Heathcotes) ausgebrachten Toast, antwortete der Minister-Volksvertreter:

Ihre Aufnahme, meine Herren, ist mir Beweis, daß ich Ihr Vertrauen nicht verloren habe, und daß ich Ihre Freundschaft behalten werde, die, wie ich zu hoffen wage, ich mir erworben seit sechszehnjähriger un­unterbrochener Vertretung Tivertons. Sie wissen, daß nur die meine ganze Aufmerksamkeit und meine ganze Zeit in Anspruch nehmenden Arbeiten allein mich ab* hielten, Sie im Laufe dieser Jahre öfter zu besuchen. Doch auf die Stürme, welche vor einem und vor zwei Jahren noch Europas Oberfläche bewegten, ist eine Stille eingetreten, welche Frieden verkündigt, obwohl nach Anderer Ansicht diese Ruhe nur die Keime künf­tiger schwerer Kämpfe birgt.

Es gehört etwas dazu, den Propheten in politi­schen Dingen machen zu wollen; indeß obwohl Viele

dein Jahre 1852 mit Furcht und Schrecken entgegen sehen, wage ich, ohne grade Prophetengabe in Anspruch zu nehmen, vorherzusagen, daß ich zu der Hoffnung sehr geneigt bin, das Jahr 1852 werde ohne die Ka­lamitäten vorübergehen, welche viele von denselben be­fürchten zu müssen glauben. Haben wir in den letz­ten Monaten nicht den schlagendsten Beweis erhalten, wie wenig Grund manche trüben Vorhersagungen ha­ben? Als Se. König!. Hoheit, der Prinz Albert mit dem Geiste der Fernsicht und dem gesunden Urtheile, welche gereift sind durch das ihn charaktcrisirende Wissen und die Erfahrung, den gewaltigen Gedanken der Industrieausstellung, die jetzt dem Schlüsse nayet, faßte wie viel Misgeschick wurde damals vorherge­sagt, wie viel große Erschütterungen, die Gefährdung des Eigenthums, die Umwälzung der StaatsgeseUschafl! Und nun? Wir dürfen behaupten, daß sich nie eine dichtere Menschenmasse von allen Theilen des Erdkrei­ses in einer Stadl zusammenfand, ohne daß die Ruhe auch nur einen Augenblick gefährdet ward. Die Segnungen dieser Ausstellung werden unermeßlich sein, doch vor allen ist die größeste, wichtigste und nachhal­tigste gewiß die Kraft, welche durch diesen Verkehr der Völkerfreundschaft gegeben werden wird, dieser so­lidesten Grundlage des allgemeinen Weltfriedens. (Bei­fall). Unter den Völkern, welche am meisten von den hier erfahrenen Aufnahme erbaut sind, müssen wir vor allen unsere Vettern vom jenseitigen Gestade des atlantischen Weltmeeres nennen.

Kein Amerikaner, ja kein Fremder war hier, ohne daß er von der Ruhe und Ordnung, die in diesem Lande herrschen, angenehm überrascht worden wäre.

Was die Ausländer in England vorzugsweise be­wundert haben, ist die Ordnung, welche sie überall herrschen sahen; sie sagten nämlich:Wir sehen kein Militär, wir sehen keine Gensv'arme» mit Flinten und Bayonnetten und Säbeln an der Seite; wir sehen ein paar sehr höfliche Polizeimänner mit einem Stück­chen Stock in der Hand (Gelächter), die uns den Weg zeigen und in aller Weise brhülflich sind. Wir müssen gestehen, das ist wunderbar anzuseheu."" Wohl, sagte ich darauf zu meinen ausländischen Freunden, das kommt erstens daher, daß die britische Nation sehr viel gesunden Verstand und ein gutes Herz hat; zweitens daher, daß bei uns un­parteiisch und ohne Ansehen der Person Recht gesprochen wird: deßhalb vertrauen die Leute aus das Gesetz und denken nicht daran, es selbst in die Hand zu nehmen. Drittens kann hier Jedermann frei seine Meinung sagen. Hat er Unrecht, so antworten ihm schon die, welche Recht haben. Hat er Recht, so überzeugt er die, welche Un­recht haben. Dieser friedliche Meinungskampf führt zu den glücklichsten Ergebnissen. Endlich haben Regie­rung und Parlament seit vielen Jahren daran gear­beitet, Verbesserungen einzuführen und Miß­bräuche abzu schaffen. Darum sind die Leute zu­

frieden, und wenn auch Manches zu ändern ist, nun, so wissen sie, daß cs im Lauf der Zeit und nach rei­fer Erwägung geschehen wird. So haben wir die Test- und Korporationsakte abgeschafft, und den Dis­senters wie den Katholiken zur Glaubensfreiheit ver- holfen. Wegen der Titelakte hat man uns schwere Vorwürfe gemacht. Aber sind die Katholiken nicht in allen Staats- und Bürgerrechten den Protestanten gleich­gestellt? Ich wünschte, Protestanten hätten in man­chen katholischen Ländern über keine größere Unduld- samkeit und Verfolgung zu klagen, als die Katholiken bei uns! Ich rede hier von Südeuropa, von Rom, Neapel, Portugal u. s. w., und ich lasse andern auf­geklärten katholischen Ländern, wie Frankreich, Belgien und sogar Oesterreich, Gerechtigkeit widerfahren Diese Staaten beweisen, daß hn aufrichtigsten Katholizismus nichts ist, was sich nicht mit vollkommener Duldsam­keit gegen Andersdenkende vertrüge.... Seht Ihr, sagte ich zu meinen auswärtigen Freunden, da habt Ihr daS Geheimniß des kleinen Stückchens Stock und der Abwesenheit von Roth- und Blauröcken, und ver­laßt Euch darauf, jedes Land, welches eine solche Po­litik verfolgt, wird dasselbe Schauspiel der Ordnung bieten, welches Ihr bei uns bewundert." Die Bei­fallsrufe der Versammlung wollten kein Ende nehmen.

Sodann auf die Arbeiterfrage übergehend, meinte er, daS Staatsgebäude habe die Arbeiterklassen zur Grundmauer; je weniger fest, dauerhaft und ruhig diese Grundmauer, desto bedenklicher sei der Stand des Gebäudes. Den Armen reich zu machen, sei kein Mensch im Stande; physische Arbeit werde stets und überall schlechter bezahlt, als ankere, und Eldorado'-, wo einem die gebratenen Tauben stis Maul flogen, gebe es nicht; arbeiten müsse jeder. Aber wenn es nicht menschenmöglich sei, Alle reich zu machen, so schließe dieS keineswegs aus, daß für die Arbeiter recht viel zur Verbesserung geschehen und ihre Lage mehr und mehr erleichtert werden könne. Dies sei in Eng­land durch die Abschaffung der Korngesetze zunächst ge­schehen.

Das Wiederzurückkehren zum Schutzsysteme sei ein reines Ding der Unmöglichkeit : eher werde der Fluß Ere, der von Twerton ins Meer fließt, zu seiner Quelle zurückkehren. Die wahre Weisheit im Staats­leben sei die, zu unterscheiden zwischen dem, was schw i e- rig und dem, was unmöglich ist. Ein energischer Charakter werde nicht müde werden, Schwierigkeiten zu überwinden; doch sich an dem Unmöglichen abmü- hen, heiße, seine Kraft vergeuden; dies aber wollten jene, die von Wiedereinführung des Schutzsystems träumten.

England," fuhr er fort,hat in seiner ihm von der Vorsehung verliehenen durchaus bevorrechteten Lage die Pflicht, unter allen Völkern des Erdkreises zum Frieden zu reden uno zu ermutigen, und die andern Regierungen dazu zu bewegen, daß sie nach Kräften ihren Ländern die politischen und bürgerlichen Sequun-

Dramaturgische Skizzen.

Von einem alten B ü h u e n p r a k t i k e r.

I.

H.Theater?! Theatergeschwätz in diesem Blatte, das wichtigere Angelegenheiten zu besprechen die Verpflich­tung hat? Darf man een Blick von unserer ernsten, trüben Zeit ab- und nach Etwas hinwenden, das ohne innern und äußern Halt trotz aller Renommage zur Spielerei geworden ist? In die Winkelblätter mit diesem Geschwätz!"

So werden manche Leser dieses Blattes ausrnfen und meine Skizzen mit Geringschätzung übergehen, und dennoch drängt es mich, über dieses von vielen Patrioten aufgegebene Institut Einiges zu sagen, das auf der einen Seite den Zweck der Anregung zum Bessern, auf der andern Seite den Zweck hat, für dasselbe ein neues Interesse zu gewinnen.

Es ist leider nur zu wahr, daß unser deutsches Theater, im Ganzen betrachtet, in einem Ekel erregen­den Zustande ist, und wie man sich auch bemüht, hin­ter äußeren Prunk und Flitter die wachsende geistige Armuly zu verbergen, sie ist bettlerfrech und roh ge- iaorden, und macht durch jede Bewegung den ^Flitter zur schreienden Ironie. Und dennoch ist unserTheater nicht aufzugeben; es liegen noch Kräfte in dengel bru,

die, zu einer Kraft vereint, die Schanspielkunst wie­der zu Ehren bringen könnte.

In dem Kerne wurzelt das deutsche Theater nock- fest und gesund!" In diesem Ausspruche liegt kein Widerspruch mit dem oben Gesagten: es ist dem Kerne freie Luft und das Leben weckende Sonnenlicht genom­men und somit die Treibkraft in sich zurückgedrängt; ein einziger schöner Frühlingstag würde hier Wunder thun!

Man wird mich aber fragen: Was ich unter dem Kerne des deutschen Theaters, welcher mir noch gesund erscheine, verstanden wissen wolle? Ich erwiedere dar­auf: dieser gesunde Kern besteht für mich in literarischer Hinsicht nicht nur in dem guten Vorrathe desjenigen, was von ächt deutscher dramatischer Kunst uns von den Heimgegangenen Dichtern des Vaterlandes hinterlassen ist; sondern auch in der offenbar noch vorhandenen poeti­schen Kraft jetzt lebender, welche, wenn sie auch hin und wieder daS rechte Ziel verfehlt hat, doch in dyna­mischer Hinsicht anerkannt werden muß, uno, auf das gehörige Wechselverhältniß zurückgeführt, aus der Wur­zel frische Sprößlinge zu treiben im Stande ist.

Es ist nicht zu verkennen, welch einen schädlichen Einfluß eine verwirrende und überkünstelnde Kritik auf unsere dramatische Literatur geübt hat^ und noch übt, und welch ein wucherndes Gestrüppe sie hervorgerufen hat, sowie die Schmierlinge, die mit ihrem Theatergeklatsch, ohne Bildung, bildungsunfähig, einen Unsinn ins Leben

fördern, in dem die meisten Schauspieler sich recht be- haglich füyleu, eben durch die Schau pieler auf die Schauspielkunst aus das Verderblichste wirken. Doch alles dieses wuchernde Gestrüppe und mit diesem das sich daran mästende Ungeziefer , welches die Benennung Rezensent" zum Schimpfworte gemacht hat, würde das Hervortreten eines ächt produktiven GenuS Niederschlagen und den Stimm des Baumes selbst mit neuer frischer Kraft emportreioen. Es ist eine Erfay- rung, die fast zu jeder Zeit sich uns ausdrängte, daß nämlich Produktion und Kritik in der Reael im um­gekehrten Verhältnisse stehen, und die letztere immer lauter und verwegener wird, je ohnmächtiger die erste ist; doch wird sie sofort wieder vom Lehrer zum Schü­ler hinuntersinken müssen, wenn ein ansleuchtenoes neues Genie neue Gesetze vorfchreibt. Wir gutmüthigen, glaubensstarken Deuischei: sind ja das Volk, daß trotz seiner schmerzenden Narben und noch mancher bluten­den Wunde fortwährend hofft und h irrt. Unsere Bi­gotten stellen uns den l.ywimmenoen Wolkenouft als ein ausgeipannteo Trommelsell hin, auf dem ihr lieber Herrgott den unartigen sündigen Menschen etwas don­nert, und auf dem die Frommen, um zur höchste»-Voll­kommenheit zu gelangen, als geschlechtslose Engel umherlaufen. Wenn wir nun sogar dieses Himmelreich selbst zu hoffen wagen, warum sollen wir dann die Hoffnung aus jenes produktive Genie, auf dasselbe wieder erglänzende Licht aufgeben, deffes gänzliches irdisches Er-