TodeSurtheil gegen Kossnth -und Genossen in contumaciam vollzogen wurde, umfassende militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen waren und Infanterie und berittene Geusdarmerie zur allenfallstgen Cernirung ausgerückt war. Es siel jedoch, trotz der zahlreich versammelten Volksmenge nicht die mindeste Unordnung vor. Die Vorlesung des Urtheils erfolgte durch drei Auditeure und dauerte zwei Stunden. In den nächsten vier Wochen — heißt es — wird eine zweite ähnliche Procedür stattsiuden. Pulsky ist heute erst citirt worden.
Das gegen Kossnth erlassene Erkenntniß lautet: „Ludwig Kossnth, aus Monok, Zempliner Komitats in Ungarn gebürtig, 47 Jahre alt, evangelisch , verhcirathet, Vater von drei Kindern, Advokat und Zeitungsredakteur, im Jahre 1848 ungarischer Finanzminister und 'Deputirter der Stadt Pesth am ungarischen Landtage, hat vom Beginne der ungarischen Revolution His zu deren Beendigung durch Waffengewalt in -Förderung und Leitung derselben die hervorragendste Rolle' gespielt, insbesondere au derselben sich ' dadurch beteiligt, daß er den Reichstag zur Nichtanerkennung des allerhöchsten Manifestes vom 3. Oktober 1848, womit derselbe aufgelöst wurde, und zum Beisammcnbleibcn verleitete; das Präsidium der unter dem Namen Landesvertheidigungsausschuß errichteten provisorischen Regierung übernahm; durch Emittirung von Geldnoten sich die Mittel verschaffte, den bewaffneter Widerstand gegen die rechtmäßige Negierungsgewalt zu unterhalten, welchen er durch NÄmtirnng, Mobilisirung der Rationalgarden und Aufbietung des Landsturms in gefährlicher Weise entwickelte; daß er selbst mit der Armee den Einfall in das Erzherzog- thum Oesterreich mitmachte; die Thronfolge Sr. Maj. Franz Joseph 1. für Usurpation erklärte; bei dem Anrücken der k. k. Truppen unter Feldmarschall Fürsten Windischgrätz den Sitz der Regierung und des Landtages nach Debreczin verlegte; durch Aufrufe und Proklamationen, durch Belohnungen und Standgerichte das Volk und die Armee zur Ausdauer im begonnenen Revolutionswerke antrieb, und durch Agenten die Sympathien des Auslandes für dasselbe zu gewinnen trachtete; daß er endlich in den geheimen^Konferenzen vom 13. April und in der öffentlichen Sitzung vom 14. April 1849 die gänzliche Losreißung Ungarns vom Gcsammlstaate, die Entthronung und Verbannung der a. H. Dynastie beantragte und durchsetzte, als proklamirter Gouverneur Ungarns sich ein Ministerium wählte, mit demselben am 14. Ma den Eid auf die Unabhängigkeitsakte ablegte, am 18 Mai und 27. Juni 1849 zum Kreuzzuge gegen die alliiere österreich-russische Kriegsmacht aufforderte und mit diktatorischer Gewalt Ungarn beherrschte, bis die Kriegsereigniffe ihn am 11. August 1849 in Arad zum Abtreten von der Regierung und bald darauf zur Flucht in die Türkei genöthigt haben." — In gleicher Weise wird gegen jeden andern der 36 Mitverurtheilten der Thatbestand aufgeführt, worauf schließlich das Urtheil, dahin lautend, folgt: „Nachdem die Angeschuldigten, der in der dargestellten Thatgeschichte bei jedem Einzelnen angeführten Thathandlungen rechtlich überwiesen, ungeachtet des mit 31. März v. J. abgelaufenen Eita- tionstermines nicht erschienen sind, so wurde in dem über sie abgehaltenen Kriegsrechte durch Stimmeneinheit zu Recht erkannt: sie seien sämmtlich des Verbrechens des Hochverraths schuldig, haben deshalb nach dem 5 Kriegsartikel und der Proklamation vom 1. Juli 1849 nebst dem Verfalle ihres Vermögens jum Ersätze für den durch die Rebellion verursachten Schaden, Michael Horvath auch nebst dem Verluste der Temporalien, Kmethy, Messaros, Splenyi, Stein und Vetter aber nebst Entsetzung von ihrer in der k. k. Armee bekleideten Charge die Todesstrafe durch den Strang verwirkt, und es solle ihr Namen auf den Galgen geschlagen werden. Welches vom k. L 3. Armeekommando bestätigte Urtheil heute kund gemacht und nach Vorschrift des Dienstreglements in Vollzug gesetz worden ist. Pest, 22. Sept.'1851. Vom k. k. Kriegsgerichte."
Die „O. C." bringt wieder „zuverlässige Nachrichten" aus der Schweiz, nach welchen die revolutionäre Fraktion der Flüchtlinge sich dort wieber lebhafter, als je zu rühren beginne. Die Zeichen für die Aufführung von Maßregeln gegen die Schweiz vermehren sich.
Wien, 25. September. Die „Oesterr. Corresp." versäumt ebenfalls nicht, den Fürsten Metternich mit einem kleinen Artikel zu begrüßen, in welchem sie den persönlichen Tugenden dieses Staatsmannes ihre Anerkennung zollt, und seine Rückkehr von unfreiwilliger Entfernung als den Beweis für den „in Oesterreich erfolgten A b sch l nß d e r R e v ol u t i o n" erklärt. Ueber die künftige Stellung, welche der Fürst einnehmen wird, äußert sich die „O. C." mit keinem Worte.
Wien, 25. Sept. Es liegen drei Noten vor uns schreibt man der „Allgemeinen Zeitung", welche zwischen der österreichischen Jnternunciatur in Konstantinopel und dem Minister der Pforte Ali Pascha über die Freilassung der ungarischen Flüchtlinge gewechselt wurden. Die erste Note der Jnternunciatur ist vom 29. Juli. Sie drückt die „Ueberraschung" aus, daß man von den Absichten der Pforte erfahren, Kossuth ohne vorgängige „reifliche Ueberlegung" freizulassen. Das Actenstück beruft sich auf den Wortlaut einer Uehereinkunft, worin sich die Pforte verpflichtet, die Jnternirten nicht eher freizulassen, als „bis sie davon die kaiserl. Regierung benachrichtigt und ihre Einwilligung dazu erlangt". Die Jnternunciatur „verwahrt sich daher in aller gorm"
gegen den beabsichtigten Schritt der Pforte, den sie „als einen Bruch (infraction) der abgeschlossenen Ueber- einkunft" ansehen müsse, und welcher die kaiserliche Regiern ng zu „sehr peinlichen Maßregeln zwingen werde" (imposer de penibles nécessités). Die Antwort Ali Pascha's erfolgte am 16. Aug. Sie sucht die erhobenen Vorwürfe damit zu widerlegen, daß die Ruhe in Ungarn notorisch hergestellt , die Freilassung daher von keinerlei schlimmen Folgen sein könne. Eine längere Festhaltung der Flüchtlinge würde der Pforte allzugroße Verlegenheiten und Unaunehmlichkelten bereitet haben. Unterm 18. August antwortete die österreichische Jnternunciatur mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß die Pforte auf ihrem Vorhahen beharre, wiederholte die früheren Verwahrungen, und erklärte gleichzeitig „im Namen Sr. Majestät die hohe Pforte verantwortlich für alle Folgen, welche die Freilassung nach sich ziehen könne".
Von der Adria, 24. Sept., schreibt man der „Leipziger Zeitung", daß zum Schutze der in Bosnien sich aufhaltenden Oesterreicher und zur Deckung des Landes längs der Grenze des türkischen Croatien und der Herzegowina, ein österr. Observati ons- korps ausgestellt werden wird. Die Reise des Ban Jett ach ich nach Dalmatien habe nur den Zweck gehabt, an Ort und Stelle das Terrain zu reconosziercn, um bei seiner Begegnung mit dem Kaiser in Triest sesbst darüber Bericht abstatten zu können. Die betreffenden Befehle seien täglich zu erwarten.
J t K i i e m.
Genua, 22. September. Die „Zeitung von Genua" meldet, daß Koffuth mit andern Ungarn den 21., Morgens 9 Uhr, auf dem Dampfer „Mississippi" in Spezzia, 17 Stunden südöstlich von Genua, angelangt sei.
Mailand, 23. Sept. (Agsb. Allg. Ztg.) Die lang und heiß ersehnte Amnestie ward nicht gegeben.
Spezzia, 22. Sept. (O. C) Der „Missisippi" läßt sich mit Lebensmittel zur Fahrt nach Neu-Aork versehen.
Belg Leu.
Brüssel, 24. September. Die Jahresfeier der Septembertage, die uns die Unabhängigkeit brachten, ist gestern und heute in der gewohnten Weise durch Festlichkeiten aller Art begangen worden, die morgen noch fortdanern und deren Schluß am Abend ein großer Ball der königl. musikalischen Gesellschaft, so wie ein glänzendes Bankett bilden werden, bas der König im Schlosse gibt und zu dem die Mitglieder der Ausstellungs-Commission und viele Künstler eingeladen sind. Das Nationalfest ist weder heute noch gestern durch einen Unfall oder Erceß gestört worden. — „GäligNanLs Messenger" vom 22. schreibt: „Der Handelsvertrag zwischen Preußen und Belgien ist so eben ratificirt worden."
Brüssel, 27. Sept. (K. Ztg.) Die heute hier bekannt gewordenen Senatswahlen sind meist, besonders in den Städten, ministeriell ausgefallen.
V Brüssel, 28. September. Die Wahloperationen haben gestern früh um 9 Uhr begonnen. Die Kandidaten des „liberalen Vereins (association liberale) und der „konstitutionellen Union" haben trotz der unerhörtesten Anstrengungen und Manövers der Klerikalen einen, glänzenden Sieg errungen.
Republik Frankreich.
# 27. Septbr. Gänzlicher Mangel an politischen Nachrichten, doch desto eifrigere Vorbereitungen zu den Heranrückeuden Parlamentskampfen. Seit die Bonapartisten Louis Bonaparte, die OrleaUisten Joinville entschieden als ihren Kandidat auf den Schild erhoben haben, ist die Entscheidung über den Cretonschen Antrag wegen Rückkehr der verbannten Prinzen zugleich die Entscheidung, ob Joinvilles Kandidatur möglich wird oder nicht. Die zweite große Debatte wird über bas Gesetz vom 31. Mai erfolgen. Ueber die Haltung der demokratischen Partei haben wir bereits Vie Erklärung Girardins, daß diese Partei eine t H ei l w c i se Abänderung nicht unterstützen werde. — Börse: 3pC. 56, 30 (Hausse 5 C.); 5pCt. 92, 30 (Hausse 30 E.)
Amtliche^Rachrichten.
Lehrvikar Demmer in Liebenscheid ist zum Lehrer daselbst ernannt worden. Lehrer Triesch in Nastätten ist in den Ruhestand versetzt, Lehrer Schilling von Birken zum Lehrer in Nastätten, Lehrer Roth von Weilburg zum Lehrer in Birken und der Schreibund Hilfslehrer Kröâ am Schullehrerseminar zu Idstein zum Lehrer in Weilburg ernannt worden. Lehrvikar Sch an dry zu Herschbach ist Lehrer in Ober- reifenberg ernannt worden.
Vermischtes
(Ueber die Schädlichkeit der Blumen in Zimmern.) Cremon erwähnt eines Bischofs von Breslau, der von ven Ausdünstungen der Rosen erstickt
wurde. Triller berichtet, daß ein junges Mädchen durch zu vieles Einathmen von Violendüft starb, und daß eine Gräfin von Salm durch einen gleichen Zufall ihr Leben verlor. — Einst erwachte zu London eine junge Dame, die mit ihrem Mädchen in einem mit Blumen angefüllten Zimmer schlief, mit einer schrecklichen Angst, und hatte kaum noch so'viel Kraft ,'ihre Gesellschafterin zu rufen, die sich noch nicht so ermattet fand. Diese stand auf, öffnete das Fenster, aber beide konnten sich nicht eher erholen, als bis sie die Blumen aus dem Fenster geworfen hatten. — Eine junge Dame zu Toulosi, die ihr Zimmer mit Blumen zu schmücken gewohnt war, wäre bald ein Opfer ihres Lieblingsgeschmacks geworden. Ihre Schlafkammer war voll Hollunder; dieser hatte die Luft so sehr «»gesteckt, daß sie kaum noch Kraft gewinnen konnte, zu klingeln, so betäubt fand sie sich, bis ihre Kammerfrau, die zu ihrer Hülfe herbeigeeilt war, die Fenster geöffnet und die Blumen hinausgeworfen hatte. — Forster erwähnt eines Mannes, der auf das Land reiste, unterwegs den Wagen halten und sich von seinem Bedienten eine Menge von starkriechendem Geisblatte aus den Hecken pflücken ließ- Es ward bei seiner Ankunft auf seinen Befehl im Schlafzimmer ins Wasser gesetzt. In der Nacht erwachte der Mann und war fast im Ersticken, könnte kaum sprechen, und hatte Mund und Nase vom Geruch des Gaisblattes voll. Er würgte sich und rief einigemal: Caprifolium! Seine Frau öffnete Thür und Fenster und warf die Blumen auf die Straße. Die frische Lust gab dem Manne Linderung"; allein er fühlte eine Matthätigkeit und eine Art von Lähmung der Zunge, die zwei Tage lang anhielt, ehe er völlig genesen war. — Zwei junge Leute schliefen in einem dichten, nicht gar zu großen Zimmer, worin ein Pomeranzenbaum stand. Mitten in der Nacht gingen zwei von den Blüthen völlig auf. Die beiden Schlafenden erwachten unter einer heftigen Angst, wollten aber einander nicht stören, und hielten alles Mögliche aus, bis die Betäubung so überhand nahm, daß Einer den Andern wecken wollte, und nun riefen sie um Hülfe. Durch die geöffnete Thüre, in deren Nähe das Bett stand, merkt der Eine Linderung; springt taumelnd aus dem Bette, macht alle Thüren auf und fällt, bei dem nun bemerkten Orangenblüthe auf die Ursache. Der Baum wird also, nachdem man die aufgegangenen Blüthen bemerkt, aus dem Zimmer gebracht, frische Luft gegeben, und jo vergingen in kurzer Zeit alle Beängstigungen und Schwindel. — Man sieht aus diesen Erfahrungen, daß der Rath, in Zimmern, die nicht geöffnet werden, keine stark duftenden Blumen zu ziehe», und in Schlafzimmern nie solche zu dulden, Achtung verdiene.
(Kork-Hüte.) In der 28. Klasse der englischen Abtheilung der großen Ausstellung befindet sich eine Reihe von Probestücken für die Benutzung des Korkholzes, bei deren Betrachtung man die Ueberzeugung gewinnt, daß mit der größeren Vollendung der Werkzeuge zur Verarbeitung von Naturstoffen viele der letzteren noch eine bisher nicht vermuthete Anwendung finden werden. Den Ausstellern dieser Proben ist es namentlich gelungen, das Korkholz zu Blättern von beliebiger Dicke oder vielmehr Feinheit, his zu dem Grade, daß mehr als 500 auf einander gelegte Blätter erst die Dicke eines emsigen Zolles ergeben, zu zerschneiden. Da diese Blätter demnach nicht dicker als mäßig starkes Schreibpapier sind, außerdem eine sehr gute, nur hier und da von Poren unterbrochene ebene Fläche darbieten, so würde man sich, in Ermangelung eines besseren Materials, des Korkes zum Abdruck von Holzschnitten, Steindrucken u. s. w. bedienen können. Die Tauglichkeit des Korkes für diesen Z^reck ist von den Ausstellern durch Vorlegurig eines ganz auf Kork gedruckten Bilderbuches dargethan, iudeffn nur in der Hauptabsicht, die Elasticität des Materials bei Benutzung der von ihnen erfundenen Schneideinaschine zu beweisen. Es ist in der That überraschend, wenn man steht, wie sich ein solches Blatt nicht blos in die kleinsten Falten zusammeiilegen, sondern jelbst zusammendrücken läßt, ohne, nachdem man es wieder auseinander gebreitet hat, auch nur eine Spur von Zer- kliitterung oder Brüchen zu zeigen. Durch diese Eigen- schaft machen sich nun aber diese Korkolätter, welche in jeder nöthigen Form und Größe geschnitten werden können, zur Unterlage für seidene Hilte hefonoerS geeignet. Der Korkhut besitzt aber außerdem Vorzüge daß ein Stoß oder Schlag seine Foran mW leicht zerstören kann, auch den rnirr ungemeinen Leichtitzkeir sowie den, bei heißer Witterung nicht weniger m tracht kommenden, der Porosität, wobei alle die kleinen Poren der Korkunterlage als Ventilatoren dienen und den Kopf kühl erhalten. Ein Hut freier Sri, der mit ausgestellt und nach der neuesten Mode gearbeitet ist wiegt nur etwa sechs Loth.
Antwort
auf die Entgegnung des Herrn Dr. Panthel i u N o. 223 der F r e i e n Z e i t u n g.
Mein nun entschleierter- Gegner kann eS nicht verschmerzen, daß ,ch die Resultate meiner Kunstheilung der Lungeiieulzünduiigen und ihre Kriterien in einem Jedermann zugänglichen Blatte veröffentliche. Er scheint nicht zu wissen, daß dem Publikum am besten genützt wird durch eine schnelle und verbreitete Veröffentlichung und daß diese am besten in einem politischen Tages-