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Der Orient.
* Auf die ersten englischen Nachrichten über das Eintreffen des persischen Gesandten in London und über die Gründe, welche diese Sendung veranlaßten, haben wir die Tragweite der neuen Krisis, die sich in Binnenasien vorbereitet, in unserer Zeitung entwickelt. Als Ergänzung dazu lassen wir jetzt einen Artikel der „Const. Ztg." folgen, der unsere Ansichten bestätigt, doch die neue Seite stärker heraushebt, vaß es Ruß. lands Absicht zu sein scheint, Konflikte herbeiziisühren, wodurch England in der Ferne beschäftigt und dadurch in Europa für den Augenblick gelähmt werde. Wir halten diese Berechnung der russischen Politik, wenn sie eristirt, für sehr gewagt, da die Briten nie gewaltiger sind, als wenn sie Schweres zu bestehen haben. England ist nie schwach, außer gegen freie Völker. Bei Rußland ist es umgekehrt. Sollte der Czar die napoleonischen Ideen von der Vernichtung der britischen Vorherrschaft in Indien aufnehmen wollen, so wäre eS kein Ding der Unmöglichkeit, daß die Briten mit der Einnahme von St. Petersburg und Odessa antworteten. Eine Niederlage der Briten auf dem Kontinente der alten Welt ist eben nichts weiter, als eine Niederlage; doch so lange Rußland den Sund und die Dardanellen noch nicht als E k g e n t h um und mit russischer Besatzung besitzt, liegen seine Achillesfersen — und es hat deren zwei, im Süden und Nordwesten —jeder Seemacht offen, welche größer als die russische ist. Es war der tragische Irrthum Napoleons, daß er Rußland da angriff, wo es stark ist: in seiner kontinentalen Verthei- digungsfähigkeit. Doch er rannte in diesen Fehler, weil er die Geduld oder die Möglichkeit nicht fand, erst England lahm zu legen, ehe er Rußland bedrohte. Rußland ist im Bunde mit England oder selbst wenn England sich nur passiv verhält, schwer zu erobern; doch ohne England oder gar gegen England besitze eS — ganz abgesehen von der jetzigen Weltlage über« Haupt — nichts weniger als jene Macht, die es ge« gen Napoleon zeigte, damals zugleich außerordentlich begünstigt durch das damalige begeisternde Zu- sammenwirkeu der Völker mit den Dynastien.
Die „ ConstitutiomKe Zeitung" schreibt über die Verwickelungen in Mittel-Asien: „Es mögen jetzt wohl ein Dutzend Jahre verflossen sein, seitdem bie von den Agenten Rußlands geleitete persische Heeres« macht von den Mauern Herat'S zurückgeschlagen wurde und England, zum Theil allerdings durch eigenen Ehrgeiz angestachelt, zum Theil aber auch, um dem russischen Einfluß an den Gränzen Indiens mit Einem Schlage ein Ende zu machen, den verhängnißvollen Zug nach Cabul antrat. Rußland .säumte damals nicht, den hingeworfenen Fehdehandschuh aufzunehmen, und antwortete mit der Expedition nach Chiwa. So gaben sich, wie es schien, die beiden Gegner, der eine vom hohen Norden, der andere vom äußersten Süden
au-gehend, ein Rendezvous in den Gefilden BaktrienS; denn wäre es den Engländer gelungen, sich in Cabul, den Russen, sich in Chiwa festzusetzen, so würde dec vergleichsweise mit den schon durchmessenen Räumen nur unbedeutende Abstand die beiderseitigen Vorposten nicht lange getrennt haben und die Baschkiren- und Kosakenpulks würden mit den indischen Reiter-Regimentern der Engländer bald handgemein geworden sein. Aber das Unternehmen gegen Chiwa mißlang gänzlich, der Zug nach Cabul endete nach glänzenden Erfolgen mit einer traurigen Katastrophe, und nachdem England durch eine neue Expedition die Ehre seiner Waffen gerächt und die verrätherischen Afghanen hart gezüchtigt hatte, zog es seine Armee definitiv aus jenen Regionen zurück, um im Pundschab und in Sind leichtere und nützlichere Eroberungen zu suchen. Nur Rußland gab die einmal gefaßten Pläne nicht auf, sondern wartete mit Geduld auf die Gelegenheit, sie ins Werk zu setzen. Die erste Sorge des Petersburger Cablnets war, die östliche Küste des kaspischen Meeres unter seine Botmäßigkeit zu bringen, um bei künftigen Expeditionen einen Anhaltspunkt zu haben, auS welchem man sich verproviantiern, Verstärkungen erhalten oder auf den man sich nöthigenfalls zurück, ziehe» konnte. Zu diesem Zwecke wurden an mehreren Stellen Forts errichtet und mit hinlänglicher Besatzung versehen, man knüpfte mit den Turkmanen Unterhandlungen an und wandte sich, als diese ohne den gewünschten Erfolg blieben, an die Kirgisen, welche sich den Russen von jeher geneigter gezeigt hatten, als die anderen Steppenbewohner, und sich ohne große Mühe dazu verstanden, dem Beispiel ihrer Stammgenoffen von der sogenannten „„kleinen Horde"" zu folgen und den weißen Czaaren als ihren Ober Herrn anzuerkennen. Durch lolche, während einer Reihe von Jahren mit Beharrlichkeit verfolgte Operationen wurde die russische Herrschaft bis an den Aral-See, den Sir-Darja und die Gränzen von Turkestan ausgedehnt, und eS war jetzt eine Basis gelegt, auf der man zu weiteren Unternehmungen schreiten konnte, sobald die günstige Stunde schlagen würde. Dieser Zeitpunkt scheint nunmehr gekommen zu sein, und den oben erwähnten Nachrichten zufolge ist Rußland entschlossen, ihn nicht unbenutzt vorübergeheu zu lassen. Der Tod des Chans von Herat hat das Signal zu einem Erbfolge-streit gegeben, an welchem auch Persien sich betheiligt, welches ohneZweifel (?), wie im Jahre 1838, sich zu diesem Zwecke nach russischer Hülfe umsehen wird. Unterdessen haben die Russen einen räuberischen Ueberfall der Turkmanen zum Vorwand genommen, ein Truppenkorps an der Südküste des kaspischen Meeres zu landen und in gerader Richtung auf Herat vorzuschieben. Der bekannte Perowski, der trotz seines unglücklichen Zuges nach Chiwa für einen der fähigsten oder wenigstens einen der unternehmendsten Generale der russischen Armee gilt, hat vor Kurzem wieder den Oberbefehl im Orenburgischen erhalten. Sollte er allein oder in Verbindung mit
den Persern nach Herat Vordringen, so würde es ihm, wenn er nur hinreichend mit Artillerie versehen ist, nicht allzu schwer fallen, sich der Festung zu bemächtigen, wo er jetzt keinen Pottinger finden würde. Wird nun England jetzt ruhiger Zuschauer einer Conjunktur bleiben, die in nicht ferner Zeit die Grundlagen seineorientalischen Reiches zu erschüttern droht? Wir sind vom Gegentheil überzeugt und glauben, daß wir nächstens von Maßregeln von Seiten der indo-britischen Regierung hören werden."
Deutschland.
H Wiesbaden, 27. Sept. Herr Ministerpräsident von Wintzingerode hat nach seiner Rückkehr aus dem Seebade die Leitung der RegieruugSgefchäfte seit vorgestern wieder übernommen.
* Wiesbaden, 27. Sept. Die nächste General- Versammlung des Gustav-Adolphs-Vereins wird laut dem in Hamburg gefaßten Beschlusse hier in Wiesbaden statt finden, so daß wir im nächsten Herbst hier zwei große Versammlungen zu erwarten haben.
* Wiesbaden, 27. Sept. Auf Grund der bei der gestrigen Haussuchung bei Scribent Heinrich Feibel vorgefundenen Papiere, worunter sich eine Korrespondenz mit dem kürzlich zu Hannover aus der Haft entwichenen Schreiner Stechan gefunden haben soll, ist derselbe, welcher Vorstand des Arbeiterveins ist, gestern verhaftet worden. Die „Nass. Allg. Ztg." melket, daß die Mitglieder des Arbeitervereins, von welchem man ein vollständiges Verzeichniß aufgefunden habe, größten- theils auswärtige Handwerksgesellen, morgen auS der Stadt und über die Grenze gebracht werden würden.
Frankfurt, 22. September. (Augsb. Allg. Ztg.) Man hörte, daß die Räumung der PaulSkirche mit dem heutigen Tag in Angriff genommen werde. Ich begab mich in die Kirche, um die Räume, welche durch die letzten Jahre zu gechichtlicher Berühmtheit gelangt sind, noch einmal in ihrem Parlamentsgewande zu sehen. Die Decke, welche unterhalb der zweiten Gal- lerie angebracht wurde, um den ungeheuren innern Raum dep, Kirche zu verkleinern, bleibt. Dadurch erhält dieselbe eine gute Akustik, und somit bleibt eine Beschwerde gehoben, welche so alt ist als die Kirche selbst. ES verbleiben ferner die großartigen Apparate zur Heizung und Beleuchtung der Kirche, welche in den Monaten November und Dezember deS JahrS 1848 um große Summen hergerichtet wurden, und deren Zweckmäßigkeit sich auf das Beste erprobt habe». Abendgottesdienste, welche früher nicht mehr abgehal- teil werden konnten, werden fortan in ihr stattfinden. Die Apparate sowohl, als die Zwischendecke bleiben der Gemeinde unentgeltlich überlassen. Von den Draperien bleiben nur die ebenerdigen weißen, alS zu einer besseren Akustik beitragend. Die schwarz- roth- goldenen über der Gallerie an der Wand der Kirche
Heiurich Eberhard Gottlob Paulus.
(Schwäb. Merk.)
Der Mann, dessen Andenken die nachfolgenden Zeilen bestimmt sind, nimmt unter den Württembergern, welche durch ein geschichtlich bedeutendes Wirken und durch eine tüchtige Persönlichkeit ihrem engeren, wie ihrem weitern Vaterlande Ehre gemacht haben, keine der letzten Stellen ein. Wiewohl daher in diesen Blättern seiner Lebensverhältnisse schon früher, zugleich mit der Nachricht von seinem Tode, kurz erwähnt wurde, so werden uns die Leser derselben doch Dank wissen, wenn wir ihnen die Hauptzüge aus der Geschichte eines Gelehrten noch etwas ausführlicher darstellen, welcher in die Blüthezeit ter deutschen Wissenschaft und Literatur nicht bloö als Zuschauer verflochten, während eines ungewöhnlich langen Lebens seinen wissenschaftlichen und persönlichen Charakter mit seltener Klarheit und Festigkeit behauptet und der ihm beschierenen Geistesarbeit mit Treue, Redlichkeit und Geschick bis in seine spätesten Jahre sich gewidmet hat. Unser Paulus wurde den 1. Sept. 17G1 zu Leonberg geboren, wo sein Vater die Stelle eines Diakonus bekleidete. Wie so manche von den Häuptern deS deutschen Rationalismus, war auch Paulus ein Zögling deS Pietismus. Der frühe Tod der Mutter hatte seinen Vater in eine so gesteigerteGemüthsstimmung verst tzt, daß er häufige Erscheinungen der velstorbenen Gattin und anderer Boten aus der Ge Urwelt zu haben glaubte, und im Zusammenhang damit hatte er sich einer pietistischen Fromnugteit in die Ariue>jgeworfen, deren schwache S».
ten von dem klarblickendenden Söhne schon in jungen Jahren theilwerse bemerkt wurden. Doch hinderte ihn kies nicht, seinen Sohn in den alten Sprachen und in der Mathematik nach einer verständigen Methode zu unterrichten, welche die Neigung des Knaben zu selbstständigem Prüfen und Denken zu erwecken geeignet war. Dagegen hatte jene Eigenthümlichkeit die drückende Folge für ihn, daß er wegen seiner Visionen von seinem Amte ohne Pension entlassen und dadurch in eine sehr beengte äußere Lage versetzt wurde. Die vaterländischen Seminarien machten dem jungen Paulus das Studium der Theologie möglich; er bezog im Jahr 1775 das Kloster zu Blaubeuren, von wo er nach zwei Jahren in die entsprechende Anstalt in Bebenhausen überging, Von den Lehrern, deren Unterricht er an diesen Anstalten genoß, scheint nur der nachmalige Maulbronner Prälat Schelling (der Vater des Philosophen), damals Professor in Bebenhausen, eine bedeutendere Anziehungskraft für ihn gehabt zu haben; dagegen begann sich schon in Bebenhausen durch eigenes Studium der Sinn für historische und kritische Untersuchungen bei ihm auszubilden, der sich später so kräftig entwickelt hat. Eine Periode, in welcher der angehende Jüngling in frommer Begeisterung den Gedanken faßte, sich dereinst dem Berufe eines Missionärs zu widmen, kann den Ernst seiner Beschäftigung mit religiösen Gegenständen beweisen. Im Jahr 1779 nach Tübingen vers tzt, widmete sich Paulus zunächst unter der Leitung von Ploucguet, Rösler und Schnurrer den philosophische», historischen und philologischen Studien ; daneben trieb er aber an eh fif^ oie Mathematik, und er selbst rühmt noch in om Skizzen aus
seiner Lebens- und Bildungsgeschichte, die er lange nachher, aus Anlaß seines fünfzigjährigen Amt jubi« läums, herausgab, een Nutzen, welchen ihm die es Studium durch die Gewöhnung an Strenge und Grüa:- ltchkeit deS Denkens gewährt habe. In der Theologie war Storr weit der bedeutendste unter den vama igen Tübinger Lehrern; so rühmend aber auch Paulus die wissenschaftliche Tüchtigkeit und den trefflichen Charakter dieses Mannes anerkannte, nnd so willig er für eine philosophisch genaue Schrifterklärung von ihm lernte, so wenig vermochte ihn die Anklorität seiner Lehrer von den Schriften und Ansichten der theologischen Neuerer zurückzuhalten, in deren Bekämpfung die dama ig Tübinger Schule ihre Hauptaufgabe sah. Als er im Jahr 1784 die Universität verließ, hatte er den Standpunkt, welchen er sein langes Leben hindurch unverrückt behaupte: hat, in der Hauptsache schon errungen, es stand lhln schon damals fest, daß die Ueberzeugungsrreue und das pflichtmäßige Handeln daS Einzige seien, worauf es für daS Verhältniß deS Menschen zu Gott in letzter Beziehung ankomme, er zweifelte nicht, daß eben dieses auch die wahre Lehre des Neuen Testainents ,e.; und er begründete diesen Satz schon damals mit denselben Beweisen, die wir nach noch sechzig Jahre später von ihm gehört haben, er glaubte schon damals zu bemerken, daß die kirchliche Dogmatik von der reinen Lehre deS Neuen Testamentes sich weit entfernt habe, und wenn er die Semlerfche AkkomooationStheorie gleichfalls schon damals, wie spater, verwarf, so wollte er doch barmn durchaus nicht auf ein natürlich geschichtliches Verständniß der biblischen Erzählungen verzichte». Zu ihrer Reife konnten kiese Keime natürlich erst später getan-