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âciheit und Recht!"

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Einladung zum Abonnement.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf die ,Freie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie tag- lich in Leit- und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Ständesitzungen, Afsifen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver­handlungen die politischen uud sozialen Angelegenheiten des In- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten

lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinendeFreieZeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Erpedition (H. W. Ritte r'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies-

baden 1 fl. 45 kr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Jnserationsgebühren: die vierspaltige Pelitzeile 3 kr.

Die Preßverfolgungen in Frankreich.

X Seon Faucher ist ein sehr mittelmäßiger Literat; aber bedeutend over nicht, dennoch verdankt er dem im Jahre 1789 eroberten Rechte der freien Diskussion sein Em­porkommen und seine jetzige Stellung als Minister, wie Louis Bonaparte, der, obgleich ein eben so schlechter Revolutionär, dennoch der Februarrevolution sein fabel­haftes Glück schuldet. Es ist jedoch eine oft sich wiederholende Erscheinung, daß Renegaten ungleich unverschämter und verwegener aufzutreten pflegen, als Männer, welche aus Ueberzeugung einer politischen Fahne folgen. Diese handle» vielleicht im Vorurtheil, doch sie handlen nach einem geistigen Prinzipe und, da sie sich und ihrer als wahr erkannten Sache treu geblieben, so fehlt ihnen die Selbstachtung nicht, welche den Ehrenmann vom Glücksritter unterscheidet, der im Glücke übermüthig, im Unglücke jämmerlich zu sein pflegt. Als Louis Bo­naparte in Ham saß, wie bescheiden bewies er sich; als Leon Faucher noch ein kleiner Journalist war, wie süß floß seine Rede! Beide Männer haben zu viel Verwandtes, als daß sie besondere Sympathien für einander hegen könnten; doch soll der Prätendent früher einmal geäußert haben, was Leon Faucher auch sonster sei zu gebrauchen." Das zeigt sich beson­ders jetzt, wo der zum Minister gewordene Literat eine Schreckensherrschaft gegen die Presse entwickelt, welche ihre Früchte tragen wird. Emil de Girardin schrieb am 29. September einen Artikel über die drakonische Verurtheilung desEvenement"; er bediente sich des in Frankreich gar nicht ungewöhnlichen Bildes. das Blatt seiruhmreich gefallen, von zwei Kugeln durch­bohrt", da zwei seiner Redakteurs auf einen Schlag verurtheilt wurden, während drei andere im Laufe von kaum drei Monaten schon vorher in den Kerker gewan­dert waren. Darüber Beschlagnahme derPresse"!

Es geht in Paris das Gerücht, Faucher rühme sich, er werdedie Juliordonnanzen ohne Ordonnan­zen" machen^ d. h. eine Vernichtung der Presse durch Thatsachen, durch Polizei und solche Geschwornen, die aus den Steten der aus Furcht kindisch Gewordenen mit Sorgfalt ausgewählt werden. Mag es sein, daß das Gerücht wahr ist, oder übertrieben: eins steht fest, alle konservativen Köpfe, welche noch Augen haben zu sehen, sind über diesen Terrorismus entsetzt, und die Volksmassen in den Vorstädten, die bisher kalt bei

allen Maßregeln der Ordnungsfanatiker blieben, fan­gen an zu jähren.

Am 20. September herrschte an der Börse zu Pa­ris ein panischer Schrecken und die Börsenberichte be­merken ausdrücklich, daß der Hauptgrund die Faucher- CarlierschenJuliordonnanzen ohne Ordonnanzen" waren. Louis Bonaparte scheint Unruhen zu wün­schen, wenigstens deutet Alles darauf hin. In diesem Falle würde er die Massen zusammenschießeu, die ge- sammte antielyseeische Presse vernichten, die Montagne proskribiren und jeneBartholomäusnacht," welche die Blätter längst allen noch republikanischen Beam­ten, Richtern, Maires u. s. w. prophezeihen, ausfüh- reu lassen und dann, wenn so die Revisionvorberei­tet" und der Pfad zur Wiedererwahlung geebnit wäre, den unpopulären Mann entlassen, die ausgepreßte Citrone auf die Gasse werfen. Denn Louis Bona­parte liebt Leon Faucher nicht, ergebraucht ihn nur," wofür er gut ist!

Wev unsere Ansicht von der Sache für übertrieben hält, der habe die Güte, das erste beste konserva­tive französische oder deutsche Blatt in die Hand zu nehmen: wenn es kein blindlings im Dienste des Elyge ober der norbischeu Propaganda stehendes Blatt ist, so wird er Befürchtungen finden, die vielleicht verblüm- ter, als unsere unumwundene Darstellung, doch die eine Bestätigung derselben sein werden. Die verschie­denen Korrespondenten derJndepenoance" z. B. stimmen hierin vollkommen überein und die Redaktion dieses Blattes bemerkt dazu:Mit tiefem Schmerze sieht man diesen Vernichtungskrieg, den die Gewalt den Jour­nalen erklärt hat, und die öffentliche Meinung billigt diese bis zur äußersten Grenze der Unterdrückung ge- triebenen Maßregeln so wenig, daß sogar die Börse in Bestürzung geräth. Eine namhafte Baisse war die Antwort auf die Verfolgungen gegen Journale, die zwar keineswegs die Besonnenheit zeigen, welche die Presse nie hintenan setzen sollte, aber denen man Sym­pathien selbst unter ihren politischen Gegnern erzeugt, indem man sie zur Zielschiebe einer wirklichen Verfol­gung ^macht."

Jene Rathgeber, welche das Elyseeregiment zu sol­chen Maßregeln treiben, kennen weder Frankreich, noch die französische Geschichte. Jedes Volk, das auf's Aeußerste getrieben wird, ist gefährlich, das französische aber pflegte sich Jahre, Jahrzehnte, ja Jahrhunderte lang das Unerträglichste gefallen lassen, nur nie, daß man ihm den Mund zuhalte und verbiete, über seine

Bürde zu klagen. Die Preßfreiheit ist das Sicherheits­ventil für alle modernen Staaten; doch bei dem fran­zösischen darf man zehn gegen eins verwetten, daß der Kessel bald springen wird, sobald die Presse unterdrückt wirb. Napoleon, Karl X. und Louis Philippe haben sieb vorzugsweise durch ihre Prcßmaßregeln die Herzen entfremdet. Wer nicht mehr vertragen kann, baß über ihn raisonnirt und debattirt wird, wer bas öffentliche Urtheil scheut, der ist verurtheilt; wer die Presse fürch­tet, vor dem hat das Volk balv sich zu fürchten auf­gehört: das ist die große Lehre, welche in allen Schluß­kapiteln der französischen Regimes in Flammenschrift zu lesen steht.

Deutschland.

Wiesbaden, 22. September. Die nächste Ver­sammlung der deutschen Naturforscher wird in un­serer Stadt gehalten werden, die durch ihre treff­lichen Sammlungen und durch ihre Umgegend sowohl ihrer Schönheit wie wissenschaftlichen Merkwürdigkeit wegen trefflich empfohlen war.

/ Weilburg, 21. Sept. Die bekannteNass. Allg. Ztg." enthält in No. 222 von Weilburg aus einen Artikel, bei dessen Durchlesung man sehr im Zweifel bleibt, ob man die Geistesgröße des Verfassers oder die Länge des Artikels selbst bewundern soll. Der Artikel beschäftigt sich mit der unlängst in diesen Blät­tern angekündigtenHechel". Folgen wir dem Gedan­kengange des Verfassers beredter Correspondenz! Vor Allem wird darin die Preßfreiheit des Jahres 1848, in der man auch in Weilburg denStein der Weisen" zu staben gesucht habe, heruntergezoge». DerLahn­bote" und dasWochenblatt" werden unbarmherzig vom Anti-Hechler und doch Hechel -Colleg durchgehe- chelt. Nur dieLahnbötin" findet Gnade, dieLahn- bötin", ein Blatt, das ein St. Georg redigirte, der freilich noch keinen Lindwurm getövtet haben soll, wie man allgemein im Volke spricht. Der geehrte und sich selbst ehrende Hr. Correspondenz bemerkt weiter, daßalle diese Blätter" nur von kurzer Dauer gewe­sen seien; wir bedauern, dem entgegnen zu muffen, und zwar, weil dasWochenblatt" bis heute, wenn auch unter dem neuen TitelKreisblatt" wöchentlich zweimal erscheint. Corresponvent sagt weiter: das Loos, welches erwähnte Blätter betroffen, habe trotzdem n cht so absch eckend gewirkt, um von der Herausgabe emes

Die londoner Polizei.

(Kölner Zeitung.)

Obgleich das Aeußere der englischen Constabler in keiner Weise an die Polizisten des Continents erin­nert, und der Fremde daher vielleicht oft nicht weiß, was er aus den jungen Leuten machen soll, welche im dunkelblauen Frack mit weißen Knöpfen, einem Buch­staben (jede Division führt einen solchen) und einer Nummer am Stehkragen, mit schwarzem Hut und ge­wöhnlich mit weißen Handschuhen langsam durch die Straßen gehen Niemand wird den englischen Po­lizisten für einen Soldaten halten. Die Abwesenheit einer jede» Art von Waffe (der ungefähr einen Fuß lange Stab, staf-mind, wird in der Rocktasche getra­gen und kommt nur im Falle der Noth zum Vor- zchein) und die ungezwungene Haltung der Leute läßt den, im Frieden störenden Gedanke» an die bewaffnete Macht nicht auskommen. Zu kein hat der Constabler fast immer auf eigene Hand zu handeln und dem plötz­lichen Falle die augenblickliche Hülse anzupaffen, und dies gibt ihm sehr bald auch im Aeußere» eine gewisse Selbstständigkeit, die sich im Stande des blinden Ge. horsams nicht vo, findet. Wir haben uns oft darüber gewundert, und namentlich deshalb, weil eine nicht unbeträchtliche Anzahl der Coustabler früher alö Sol­daten gedient haben.

Dies bringt uns auf die Annahme und Ausbildung derselben einen Gegenstand, der um so wichtiger ist, als mit Ausnahme der Commisstoners (beide sind, wie die Namen schon gezeigt, frühere Offiziere) alle Va- cauzen durch Aufrücken aus den untern Grave» aus- gefüllt werden. Wie Sam Weller in den Pickwickeru die Frage aufwirft, wo endlich die Postgänger abbler« den, so ist es fast unmöglich, zu sagen, woher Die Con­sta bl er kommen. Handwerker, Fabrikarbeiter, Tage­löhner alle Classen sind vertreten; die Armee viel­leicht am zahlreichsten. Wie in ihr, bilden die Irlän­der ebenfalls in der Police Force beinahe die Majorität. Wer in die Polizei einzutrele» wünscht, hat Attestate über sein gutes Betragen, über Größe, Alter ( nicht über dreißig Jahre), daß er lesen und schreibe» kann, an die Commissioners einzuschicken. Diese fordern ihn dann auf, sich in London vom Oberarzt über feinen körperlichen Zustand, sowie seine geistigen Fähigkeiten prüfen zu lassen. Fällt die Untersuchung günstig aus, so wird der Aspirant auf die Candivateuliste geätzt und, so wie mehr Coustabler nöthig werden (ihre Zahl wechselt täglich) einberufe», um in die Vor­schule einzutreten. Diese Vorschule ist mit der West- minster-Divifion verbunte» und wird von einem In­spektor geleitet. Der Unterricht erstreckt sich auf alles, was das Amt in Betragen, Pflichten und Rechten mit sich bringt, und gibt zugleich dem Jmp.ctiug Super­intendent Gelegenheit, sich mit Den Anlagen per Neu­

linge bekannt zu mache». Nach 8 14 .Tagen wird i der Coustabler alsdann einer Division zugelheilt, da j mau zur Reserve, .welche ebenfalls der X-Divisiou an­gehört und aus sechs Compagnien besteht, meist ältere Leute nimmt.

Eine der Bedingungen, welche sich der Coustabler ge­fallen lassen muß, ist die Bedingung, da seine Behausung zu nkhnteil, wo seine Vorgesetzten es verlange». Dieunver- heiratbeten wohnen zusammen in kleine» Haufern in Der Nähe der Polizei-Stationen. Für LogiS wird dann nur 1 Schilling wöchentlich von der Löhnung abge­zogen.

Kein Coustabler darf nebenbei ein bürgerliches Ge­schäft treiben; auch darf die Frau eines ConstablerS keinen Laden halten. Sie verheirateten Coustabler erhalten außer der Kleidung, wie die unverheirateten, eine gewisse Quantität Kohlen zur Feuerung. Ein Pensionsfonds ist errichtet für solche, welche nach füm- zehnjähriger Dienstzeit oder wegen uu Dienste erhal­tener Beschädigungen die Police Force verlassen.

Den täglichen Dienst anlangeno sind die 24 Stun­den so eingeteilt, deß während der Flacht 9 Stund.» lang zwei Drittel der galten Force tätig sind. Der Dienst während der Tagesstunden wird von dem letzten Sntteii besorgt, jedoch so, daß kein Coustabler mehr als 10 Stunden im Dienste ig. Im Falle der Noth muß aber jeder zu allen Stunden bereit sein.