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^ 225» Wiesbaden. Dienstag, 23. September 1831.
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Ginladung zum Abonnement. .
Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf die „Freie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täglich in Leit- und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Ständesitzungen, Assifeu und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Verhandlungen die politischen und sozialen Angelegenheiten des In- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten
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Der Orient.
X „Vom Osten das Heil!" So sprachen einst die Völker; jetzt spricht also die Reaktion. Im Nordosten liegt der Schwerpunkt der jetzigen „Ordnung" der Dinge: darüber sind längst alle Parteien einig. Nicht in der Majorität fußt die Contrerevolution; aber ihre Minorität ist so entschlossen, weil sie auf alle Fälle sich auf Rußlands Hülfe verlassen zu können vermeint. Wie aber, wenn an einem schönen Morgen die Kunde durch die Welt ginge, dieses Rußland habe in Asien so alle Hände voll zu thun bekommen, daß es auf Jahre, vielleicht auf Jahrzehnte froh sein müsse, wenn es die Existenz rette? Wie, wenn dieses Rußland, bas der Freiheit des Westens den Untergang droht, durch eine seltsame Ironie des Schicksals gezwungen würde, aus Pflicht der Selbsterhaltnüg sich hinzustellen als Vormauer für die europäische Civilisation gegen das Anströmen der asiatischen Barbarenhorden? Und diese Wendung der Dinge ist keineswegs so undenkbar und so fernliegend.
In Binnenasien bereiten sich Ereignisse vor, welche Beachtung verdienen. Dort kreuzen sich bekanntlich seit Jahrzehnten schon die russischen und britischen Jnteres- I sen. Daß es bisher noch zu keinen offenen Kämpfen * kam — die diplomatischen Reibungen und Ränke beiderseits haben nie aufgehört, — daran ist blos das eigenthümliche Glück Persiens Schuld, das bisher durch die kaukasischen Völker gegen Rußland, wie durch die I SetyitHW-gf'T^ gedeckt wurde, wühreew cé selbst eine Ruine ist, welche deS neuen Bauherrn harrt. Der persische Hof hat daher stets zwischen tÄsfischM und britischem Einflüsse geschwankt. Seit Kurzem hat sich die Sache etwas geändert: Rußland droht stärker als je, andererseits bietet es seine — freilich sehr bedenk- hd)c Hülfe zur Gewinnung Herats, dessen bisheriger Regent, Aar Mohammed Khan, gestorben ist, derselbe Mann, welcher im Jahre 1838 Herat, das nominell zu Afghanistan gehört, gegen die russisch-pei sische Armee vertheidigte, deren Bewegungen ihrer Zeit den unglücklichen Zug der Engländer unter Lord Auckland gegen die Afghanen veranlaßten. 4)ar Mohammeds Tod hat Herat gewissermaßen herrenlos gemacht. Doch Mohammed, Khan von Kandahar und Balky, und sein Halbbruder Kotundil Khan streiten um die Erbschaft und lassen schon marschiren. Außer diesen zwei Prätendenten tritt Persien mit seinen alten Ansprüchen auf, zu deren Durchsetzung es bereits einmal mit den Russen ver-
bändet war und sich vielleicht wieder verbündet. England hat natürlich ein Interesse, diesen Bund zu hintertreiben. Darüber ist das schlaue Peissen wohl im Klaren und fragt sich, ob es nicht dieselben Ziele um einen wohlfeiler» Preis mit englischer Hülfe erlangen könnte. Der russische Preis ist eine kleine, aber durch- ihre Lage wichtige Insel im kaspischen Meer, an der Küste von Mazenkeran, nicht weit von Asterabad. Die Russen haben d rauf ein Depot errichtet, angeblich zur Station für ihre den Handel beschützenden und, wie dieselben dem bibelfrommen England sagen, den turkomanischen Sklavenhandel bekämpfenden Schiffe. Persien hat mehrmals vergeblich gegen das Depot protestirt, die Turkomanen thaten mehr: sie sandten eine Bande muthiger Bursche, die vom festen Land aus hinüberwateten und das russische Depot zerstörten. Persien freute sich darüber und büßte dafür. Rußland verlangte von ihm Genugthuung dafür, daß eS den Durchzug der Turkomauen durch persisches Gebiet nicht gehindert, und forderte die Versetzung des persischen Gouverneurs von Mazenderan. Nach einigem Sträuben gab die persische Regierung nach. Kaiser Nikolaus hat aber außerdem jetzt 5000 Mann gesandt, um die Turkomanen zu züchtigen. Diese Streitmacht besetzte Asterabad mit Gewalt und operirt jetzt gegen Mubhid und Heratzu. Bisher waren diese Gaste den Persern sehr ungelegen, jetzt aber fragt es sich, ob seit Aar Mohammeds Tod der Sache nicht eine andere Seite abzugewinnen ist?. Ein persischer Gesandter, Skcfia Khan, ist in London kingetroffen, um mit Palmerston zu unterhandle». Vom Gange dieser Verhandlungen wird eS, daS liegt auf der Hand, abhängcn, ob Persien sich den Russen in die Arme wirft oder Front gegen dieselben macht. England hat das dringendste Bedürfniß, dem Bordi in- geii der Russen Schach zu bieten, es steht daher zu erwarten, daß wir bald von Ereigmssrn hören werden, welche des.Petersburger Kabinets Thätigkeit mehr in Anspruch nehmen dürften, als die Kaiserfabrikation inParis.
Doch während sich in Binnenasien erst Ereignisse vorbereiten, vielleicht erst sehr langsam und für den europäische» Westen erst späterhin fühlbar, ist in Hinterassen bereits die Krisis ausgebrochen und zu einer drohenden Höhe angewachscn: wir meinen die Revo- lution in China. Durch die Berührungen mit Engländern und Nordamerikanern hat fid) der chinesische Geist plötzlich zu neuem Leben aufgerafft; die jahrtau- sendaltrige Erstarrung schwand und schon ist die Mand- schudynastie in Peking äußerst bedroht. Möglich, daß
die große Rebellion noch einmal mit Hülfe der ins Land gerufene» Tartarenhorden unterdrückt wird; wahrscheinlicher jedoch, daß die Mandschudynastie im besten Falle nur den Norden des Reichs für sich rettet, wenn sie nicht ganz vertrieben wird. Wie dem aber auch werde, ob daS ungeheure chinesische Reich in zwei Reiche zerfalle, ob die Rebellion halb oder ganz siege, und selbst wenn sie erliegen sollte: das steht fest, daß'in jenen Gegenden, die schon mehr als einmal aus Jahrtausende langem Schlummer plötzlich tief erschütternd auf den Schauplatz der Geschichte einwirkten, eine neue Bewegung im Zunehmeil ist. Sei es, daß dieselbe zunächst blos auf China einwirke, sei es, daß sie auf Borberasieir sich herüber wälze — in jedem Falle wird Rußland ganz anders als bisher auf seiner Hut sein müssen; es wird seine Streitkräfte nach dem Osten wenden, wenn es nicht blmdlings in die Gefahr rennen will, zwischen Amboß und Hammer zermalmt, zwischen den Barbaren des Ostens und den Völkern des Westens aufgetrieben zu werden.
D e n t s eh l a N d
|~] Wiesbaden, 21. Sept. Das bereits in dickem Blatt mitgetheilte Erkenntniß des Criminals »ats des Herzoglichen Hof- und Appellationsgerichts, in der Wimpf-Keieger'schen Angelegenheit, ist in allen Theilen von dein Herzogl. OberappcUations- Gericht bestätige worden.
A Wiesbaden, 22. Sept. Wegen eines Artikels über Den Jesuitismus in No. 1 des „Freien Wortes" stand heute der Redakteur des Blattes, Joseph Rühl von Kamberg, vor dem hiesigen Criminalgerichte.
*§* Geisenheim, 21. Sept., Abends 10 Uhr. Eine heftige Feuersbrunst ist in Gaulsheim, unserem Orte gegenüber, vor ungefähr einer Stunde ausgebrochen. Das halbe Dorf scheint in Flamme zu
so sehr weit ausgedehnt ist das Feuer, welches den ganzen Horizont röthet. Gaulsheim selbst besitzt feine Feuerspritze; alle diese Ursachen tragen dazu bei, des Feuers Wucht zu erhöhen. Wir besitzen kein Fahrzeug, auf dem man eine Feuerspritze hinübexschiffeu sonnte, und ist überdies das hohe Wa^er zur Nachtzeit zu gefahrbringend, um die Löschmannschaft übersetzen zu können.
** Mainz, 21 Sept. Gestern stand Dr. Eduard Dull er vor Dem hiesigen Kreisgerichte, Wege: emec in Ingelheim gehaltenen Grabrede, angeklagt," „in Zu- wideiha,idlung gegen den §. 15 der Verordnung vom 1 25 Februar 1850 geistliche Funktionen vorgenomme«
Die Ophir - Diggings.
Wenn man auf die Karte von Neuholland blickt, so findet man einen Kontinent, dessen Inneres ganz leer und weiß gelassen ist; nur die Küstenliuie ist bezeichnet. Hm und wieder erstrecken sich dunklere Flecke mit Gebirgen, Flüssen und Ortsnamen etwas tiefer ins Land hinein: das sind die Stellen, wo die Engländer ihre Pflanzstätten begründet haben. Namentlich an der Ostküste, zwischen dem 320 und 350 s. Br., findet man einen solchen Fleck, der zu erkennen gibt, r.ß Europäer ihn bewohnen; es ist die Kolonie Neu- Sue-Wales, in der ganzen Welt bekannt durch den berühmten Namen Botany - Vai. Im Innern dieser Colonie, in einem gebirgigen Landstriche liegt Bathurst, der Mittelpunkt einer anfblühenden, ackerbauenden Ansiedelung. Weiter hinauf im Innern werden die Gebirge wilder; der Boden ist steinig und hart; kein Grashalm sprießt weit umher; selten zeigt sich ein Baum in den von reißenden Gebirgowaffern aufgrspeengten Schluchteir Der praktische Ansiedler fühlte sich nicht gelockt, in diese felsige Einöde emzndringeu; nur hin und wieder streifte ein Liebhaber der G ologie durch die traurige Gegend. Ein solcher war E. H Hargraves, der im Jahre 1835 die Berge westlich von Ba'huift beslichtc uno einen tiefen Eindruck von der eigenll-um- lichen Gestaltung des Bezirks mit sich nahm. Vor
einiger Zeit ging Herr Hargraves nach Kalifornien, und es überraschte ihn aufs höchste, eine auffallende Ähnlichkeit zwischen den geologiiche» Eigenthümlichfeite» des Sakrame»tothales und der australischen , Wildniß zu finden. Unwiderstehlich bemächtigt fich seiner der Gedanke, daß auch in letzterer Gold zu finden sein müsse. Eilig schiffte er sich nach Sidney ein, 1 ging in das Innere und entdeckte, wie er sagt, Die sicheren Spuren „grenz e n lose n R e ichch u m S." : Zuerst theilte er seinen Fund Männern von geologi- ; scheu Kenntnissen mit. Ein Herr Clark, ein Geologe ; zu Sydney, bestätigte die Ansicht des Herrn Hargra- ■ ves und sprach seine Anfichc aus „Day eie gejammte I Bergkettej, die den auftcaliid;en Contimmt umgürt.t, ' goldhaltig sei." Plötzlich erinnerte man sich, daß vor Jahren ein Schäfer, M'Gregor, Gold zum Verkauf ; nach Sydney zu bringen pflegte und die Quelle, aus ‘ der er es erhielt, in strenges Geheimniß hüllte. Am war das Räthsel gelöst; der Schafer war auf empirischem Wege zu demselben Re>ultgte gelangt, wie Herr- Hargraves auf wissenschaftlichem. Letzterer hat das Goldland in einer Ausdehnung von 3ü0 englischen Meilen untersucht, und den Punkt, wo er das Gold zu Tage liegend fand, die „Ophir DiggingS" getauft. Wie es in Kallforiiie» geschah, so verbreitete sich auch .' in Lèeu-Siidwales die Kunde voll Der E toecknng eines ■ Goldlantus wie ein Lauffeuer. Die Einwohner von ; Bathurst, welche nur ft-ben geographische Meilen süd- ]
lich von Ophir liegt, strömten sogleich schaarenweise nach den DiggingS, und es wiederholten sich dort im Kleinen alle die Erscheinungen, die von Kaliformeu her bekannt sind. Alles, was rüstige Gliedmaßen hatte, wollte Gold graben; Die Pflüge , die Werkstätten, die Laden wurde» verlassen; Arbeitslöhne u >d Waaren- preise stiegen auf eine fabelhafte Höhe, uno d e Einöde des Berglandes war in kurzer Zeit von Tausenden rühriger Menschen bevölkert, gelte erhoben sich, Waaren zilge kamen von Der Küste herauf, und Die Straßen bedeckten sich mit den Wagen neuer Ankömmlinge. Aber auch die kalifornischen Enttäuschungen bliebt ii nicht aus. Der verhängnißvolle Irrthum, als ob Golo und Reichthum gleichbedeutend sei, fing sehr bald an, sich an den Bethörten zu rächen, uno Die in den australischen Zeitungen veröffentlichten Briefe von Goldgräber» wiederholen so ziemlich dieselben Klagen, von Denen so oft die Ufer des San Sarramento wi- derhallten. In einem Sydney-Blatte vom 2. Juni („the Empire") finden wir z. B. folgendes Schreiben eines anscheinend sehr verständigen Mannes:
„Bathurst, Den 29. Mai 1851. Lieber Bruder,— ich bin erst eben aus den Diggmgs heimgekehrc, uno konnte daher Deinen Brief nicht eher beantworten. Du icheiiist so ge paunt auf Nachrichten über die Goll?- manie, daß ich entschlossen bin Der einen getreu n Bericht zu geben. Ich war eine Woche Da und gewann zwei Unzen, an Werth 6 Pfund Sterling nnd