Wien, 15. Sept. Nach einer telegraphischen Depesche ist der Kaiser gestern in Verona im besten Wohlsein eingetroffen.
Der „Offervatore dalmato" bringt die ziemlich überraschende Nachricht, daß der Seriasker Omer Pascha in der Herzogowina die Einfuhr und das Lesen österreichischer Zeitungen verboten hat.
Jtaliev.
Rom, 10. Septbr. Se. Heiligkeit der Papst hat Vorgestern einen neuen Gnadenakt vollzogen, welcher durch den Minister der Rechts- und Gnadensachen heute den zuständigen Behörden durch folgendes Rundschreiben mitgetheilt wurde: „Se. Heiligkeit unser Herr hat auf die Bitte des unterzeichneten Justizministers, wie dès Ministers des Kriegs gnädig zu befehlen geruht, betreffs verschiedener von den Civil- und Militärtribunalen inquirirten Gefangenen nachstehende Bestimmungen auszuführen: 1) Die Criminalprozesse, welche vor dem heutigen Tage anhängig gemacht wurden, und deren Urtel mit Berücksichtigung verschiedener minder gravirenden Umstände auf nicht mehr als sechsmonatliche Haft lauten würde, sind niederzuschlagen. 2) Allen Gefangenen ist ein gauzes Jahr an ihrer Strafzeit geschenkt. 3) Doch soll diese Gnade niemanden zu Theil werden, der wegen argen Betrugs, grober Dieberei, Verfälschungen und Majeftätöverbrechen (I!) gefangen ist. Rom, 8. Sept. 1851. (Gez.) A. Gianzant i."
w Aus Rom schildert der Korrespondent der „Jn- dependancc" die Beziehungen des französischen Oberbefehlshabers^ zu der päpstlichen Kurie als sehr jkalt. Jener hat sehr energische militärische Maßregelns getroffen, worüber die Kardinäle höchst erbittert sind. Das Gerücht, der Papst wolle nach Bologna unter österreichischen Schutz fliehen, wiederholt sich.
* Aus den Appeninen 14. Septbr. wird der „K. 3" die wichtige Mittheilung „aus zuverlässiger Quelle", daß die piemontesische Regierung beschlossen hat, der Anhäufung östereichischer Truppen an der piemontesischen Grenze gegenüber ein Armeekorps von 25 bis 30,000 Mann in und um die Festung Alessandria, Valenzo und Casale zu verlegen.
Republik Frankreich.
$ Paris, 16. Sept. Die gestrige scharfe Ver- urtheilung des „Evenement" hat großes Aufsehen erregt. Fast alle Organe der Pariser Presse tadeln, wenn auch auf sehr vorsichtige Weise, den von dem Assisenhofe erlassenen Nrtheilssprnch. Der Korrespondent der „Köln. Ztg." schreibt darüber: „Sie können nicht glauben, welchen widerwärtigen Eindruck diese neue Verurtheilung überall, und selbst in durchaus konservativen Kreisen hervorgebracht hat. Glücklicherweise sind die Redakteurs und die Administration des „Evenement", Hm. v. Girardin an der Spitze, nicht die Leute, welche sich leicht entmuthigen lassen, und letzterer hatte schon im Voraus alle Anstalten getroffen, um im Falle der Suspension die Lücke zu füllen, zu welchem Zwecke von morgen an für einen Monat auch eine Abendausgabe der „Presse" erscheinen wird. Erlauben Sie mir einige Worte der Anerkennung über die wahrhaft meisterhafte Vertheidigung, die ein besseres Resultat verdient hätte. Hr. Demarest widerlegte in einer glänzenden Rede, der das zahlreiche Auditorium athem- los horchte, alle Elemente der Anklage, und jede gewöhnliche Jury würde darnach unbedingt ein freisprechendes Verdikt gefällt haben. Mit den Pariser Geschwornen in Preßprozeffen ist es aber ein eigenthümliches Verhältniß. Das öffentliche Ministerium richtet sein Haupt-Augenmerk nicht darauf, aufgeklärte Leute von conservativer Gesinnung zusammenzubringen, sondern es bildet seine Liste vorzugsweise aus der kleinen Bourgeoisie, und diese »Epiciers» und »Bouti- quiers« gehen mit ihm durch Dück und Dünn. Aus diesem Umstande allein lassen sich die wiederholten Ver- urtheilungen in Preßprozeffen erklären."
# Paris, 17. September. Die Gerüchte, daß Lamartine an Leon Fanchers Stelle treten werde, erweisen sich als vollkommen grundlos. Die Sache ist folgende: das „Pays" steht bekanntlich in Lamartines Einflüsse und der Hauptredakteur desselben, Lagueron- niere, bringt häufig Artikel, welche für Arbeiten oder Eingebungen des ersteren gelten. Vor einigen Tagen erschien ein Artikel, welcher den Neffen desOheims außerordentlich günstig beurtheilte. Daher die Vermuthungen von Lamartines Absichten. Heute jedoch steht im „Pays" ein Brief des letzteren an den Redakteur, worin Lamartine jenen Artikel Lagueronnieres vollständig dcs- avouirt und den Präsidenten ziemlich scharf mitnimmt. Darüber sind die bonapartistischen Abendblätter nun Jo erbittert, daß der Mann, der gestern auf der Schwelle des Kabincts zu stehen schien, "heute entfernter als je davon ist. — Die Ersetzung Randons durch Schramm im Kriegsministerium ist täglich zu erwarten. Ran- dou wird alsdann wahrscheinlich als Kommandirender wieder nach Algerien zurückkehren.
Die halboffiziellen Abendblätter melden, daß die offizielle Nachricht auf telegraphischem Wege eingetrof« sei: sei, daß Lopez mit seinen sämmtlichen Genossen geschlagen und erschlagen sei; sie seien jedoch nicht standrechtlich erschossen-, sondern auf dem Schlachtfelde niedergehauen worden. Da diese Depesche wahrscheinlich von der spanischen Regierung herrührt, so ist ihre Glaubwürdigkeit immerhin noch fraglich. Der „Constitutionnel" versichert, die fran
zösische Regierung wolle an die Vereinigten Staaten wegen der Cnbafrage eine Note richten; auch habe sie bereits die Mittheilung, daß das englische Kabinet eine ähnliche Note nach Washington schicken werde.
Börse: 3 pCt. 55,90; 5 pEt. 91,50 (beide um 20 C. gefallen).
Amtliche^rachrichten.
Lehrer Müller zu Dreifelden ist zum zweiten Lehrer in Eschborn, Lehrer Kunz von Lützendorf zum Lehrer in Dreifelden, Lehrvicar Reichel von Weiperfelden zum Lehrer in Lützencorf undLehrgehülfe Kolb von Eschborn zum Lehrvicar in Weiperfelden ernannt worden.
Lehrer Mager zu Nordenstadt ist zum Lehrer in Esch, Lehrer Ernst von da zum Lehrer in Niederseelbach und Lehrer Hecker von da zum Lehrern» Nordenstadt ernannt worden.
Entgegnung
auf Herrn Dr. Kissels Antwort in Nr. 214 dieser Zeitung, die Kriterien einer wahren
Heilkunst betreffend.
Als Herr Dr. Kissel vor einiger Zeit seinen Aufsatz über die Kriterien einer wahren Heilknnst dem Lesepublikum des „Wanderes" vorlegte, trat ich demselben in einem größeren Artikel, aus zwei Gründen, entgegen.
Erstens und hauptsächlich, weil ich in einer so gehaltenen Publikation keine wissenschaftliche Bestrebung, sondern nur eine Art ärztlicher Industrie erblicken konnte; zweitens, weil die Behauptungen, die er der Sache zu Grunde legte, »»erwiesen waren, den Lesern des „Wanderers" aber, die zu ihrer Beurtheilung nicht befähigt und berufen erschienen, als erwiesen vorgetragen wurden. Die Redaktion der Mass. Allg. Ztg." gönnte jedoch nur einer kurzen Erwiderung Raum; es wurde deshalb hier und da gestrichen, und so fiel zufällig auch der die Krankheitsdauer betreffende Passus weg. Genug hiervon! Herrn Dr. Kissels Antwort zwingt mich zu einer nochmaligen Erwiederung.
Zur Publikation wissenschaftlicher Arbeiten dienen, aus guten Gründen, nicht Zeitungen und deren Beiblätter, sondern andere Organe, und es fehlt wahrlich nicht an solchen, um einem literärischen Drange adzu- helfen. Daß es passend, der Wissenschaft entsprechend und ohne persönliches Interesse gehandelt sei, wenn man sich eines ^faft nur von Laien gelesenen Blattes zu solchen Veröffentlichungen bedient, wird Herr Dr. Kissel ebensowenig varthun, wie er beweisen wird, daß es der Würde des ärztlichen Standes entspricht und nur im Interesse der leidenden Menschheit gehandelt sei, wenn ein Arzt ein Kirchweih- oder ähnliches Publikum für ein geeignetes Auditorium Halt,, um demselben Oie Vorzüge seiner Person und seiner Ansichfrn und die MUztat aller Andersdenkenden in marktschreierischer Weise darzuthnn. Will man wirklich einer Sache nützen, so läßt man seine Person zurück-, nicht überall in den Vordergrund treten.
Bezüglich des Inhalts der Kisselschen Artikel das Folgende:
Herr Dr. Kissel suchte in seinem ersten Aufsatze den Beweis wirklicher Kunstheilmigep dadurch zu "führen, daß er seine Resultate denen entgegenstellte, welche Dietl im Wiener Krankenhause bei einer Anzahl sich selbst überlassener, an Lungenentzündungen leidende», Kranken erhielt. Ich erwiederte ihm hierauf, daß dies nicht maßgebend sein könne, weil die Sterblichkeit, und ich füge jetzt zu, was sich übrigens von selbst supplirte, auch die Dauer der fraglichen Krankheit je nach Zeit und Ort eine wesentlich verschiedene sei. Jetzt in seiner Antwort verläßt er diesen vergleichenden Beweis und sagt: Nicht das Sterblichkeitsverhält- riiß, fonOem Abkürzung und Milderung des Krank« Heitsverlaufs sind die Kriterien der Heilung, und ich habe zuerst eine Abkürzung der fraglichen Krankheit auf 6—7 Tage erreicht.
Ich will Herrn Dr. Kissel nicht nochmals und nochmals, sondern einmal für allemal bemerken, daß eine Sache, weil sie Herr Dr. Kissel behauptet, deshalb noch lange nicht wahr ist. So verhält es sich mit seinen Ansichten über Kunstheilung. Die Milderung des Verlaufs ist vorerst ein so vager Begriff und so unbestimmbarer in ihren Erscheinungen, daß sie fast gar nicht in Betracht kommt, wenigstens bei denen nicht, die sich der Gabe des Gestaltensehens in Medizin nicht erfreuen. Die Dauer der Krankheit kommt in Betracht, jedoch nur in Verbindung mit dem Sterblichkeitsverhältniß , ohne dies ist auch sie kein Kriterium. Erstickten zwei Behandlungsarten, von denen die eine kürzere Dauer aber größere Sterblichkeit, die andere längere Dauer bei geringer Sterblichkeit verbürgte, ich glaube, es würde Niemand im Zweifel sein, der letzteren die Ehre des NamenS einer Kunstheilnng zuzutheilen. Der Zweck des Heilens ist eben nicht sterben lassen, also kann streng genommen, auch nur dies, daß erreichte Ziel, maßgebend sein, nicht die begleitenden Umstände.
In Betreff der Behauptung, daß er der Erste gewesen, der durch seine Methode die Dauer der Krankheit auf 6 —7 Tage rcduzirt, muß ich ihm bemerken, daß dies nicht bewiesen ist und nicht bewiesen werden kann. Hierzu gehörte Kenntniß aller bis jetzt erlangten Re
sultate. Die nicht besonders zahlreichen bis jetzt veröffentlichten statistischen Nachweise enthalten alle Falle von der obigen und noch geringerer Dauer. Dies sind nach Dr. Kissels Ansicht Naturheilungen. Es ist also Aar, daß auch ohne ärztlichen künstlerischen (Rademacherschen) Eingriff dasselbe Resultat wiederholt erzielt wurde. Und wenn dies der Fall ist, was steht der Annahme entgegen, daß unter günstigen Umständen dies auch in einer Reihe von 100 Fallen Vorkommen kann? Wollte Herr Dr. Kissel diesem Vorwurfe entgehen, so mußte er neben seinen Kunstheilungsversuchen gleichzeitig dieselbe Krankenzahl der Naturheilung überlassen", um darzuthun, daß diese ungünstigere Resultate lieferte. Ich gönnte Herrn Dr. Kiff el noch zufügen, daß eine 6—7tägige Dauer der Lungenentzündungen in hiesiger Gegend in den letzten Jahren die Regel bildete, selbst bei den Aerzten, die nach seiner Ansicht ihre Kranken ohne Heilmittel behandeln. Ich will jedoch hierauf wie überhaupt auf Beobachtungen von meiner Seite verzichten. Ich hoffe, daß mein Gegner die oben vor- gebrachteii Vernunftgründe würdigen und einsehen wird. Denn es gibt zwar eine Rademachersche Manier, Kranke zu behandeln, aber von besondern Rademacherschen Denkregeln habe ich noch nichts vernommen.
Herr Dr. Kissel hoffte, sein Aufsatz würde mehrere Erwiederungen hervorrufen; gleich nachher sagt er, seine Gegner möchten schweigen, bis sie sich von der Wahrheit seiner Ansichten überzeugt hätten. Das ist sehr wissenschaftlich! Er hat auf sogenannte Persönlichkeiten geantwortet; ich antworte nicht darauf, weil es mir weder um meine noch um seine gewichtige Person, sondern um die Sache zu thun ist.
Limburg, den 13. September 1851.
Dr. Panthcl.
Vermischtes.
sSchweidn itz als polnische Stadt.) Wir theilten, wie sich unsere Sejer erinnern werden, neulich aus der „N. Oder-Z." mit, daß man in Schweidnitz bei Abtragung eines Klosters vier weibliche Skelette kingemauert gefunden. habe. Letzt bringen mehrere Wiener Blätter, unter ändern auch die ZOstdtsch. Post", folgende Nachricht: „In Swtdnica (Polen) hat man vor einigen Wochen eine Kirche, die zum Kloster der Minoriten gehörte, abgetragen, unran deren Stelle ein Gymnasium zu bauen. Während der Abtragung wurden am 19. August in einer Seitenmaner der Kirche vier weibliche Skelette eingemauert gefunden, von welchem zwei mehrere in den Köpf eingeschlagene Nägel hatten. Nach dem Gutachten des Kreis-Medicinal- rathes sind es Frauen von 18—20 Jahren gewesen, als man sie ein mauerte. Unter den Köpfen und Armen wären sie durch Holzblöcke unterstützt." ' Man sicht, es ist wörtlich.dieselbe Nachricht, nur daß aus Schweidnitz ein polnisches, wahrscheinlich nirgends eristirendes «u io n i c a geworden ist. So werden Zeitungen gemacht.
In der Académie des Sciences wurde auf die Nahrungsweise der belgischen Bergleute aufmerksam gemacht, welche das Problem gelöst zu haben schienen, kräftig und gesund zu bleiben bei einet1 Kost, welche halb so arm an Nahrungsstoff sei, als Sie der meisten Europäer. Man suchte die Ursache in dein Genusse des Kaffe, welcher zwar nicht eigentlich nähre, aber die Individuen hindere, herabzukommen, indem er durch seinen Stickstoff Reichthum den Verlust ßickstoff- haltiger Körper-Bestandtheile aufhalte. Die große Mäßigkeit und Ausdauer der Kasse trinkenden Völker (Araber u. s. w.) ist bekannt. Auch bei der algierischen Armee hat sich der Kaffee als das beste Mittel bewährt, um die Truppen zur Ertragung von Strapazen zu befähigen, und dieselbe Erfahrung ist in weitem Maße bei der schleswig-holsteinischen Armee wiederholt.
Das Töchterchen der Herzogin von Montpensier hat folgende Namen in der Taufe beigelegt erhalten: „Maria, Amalia, Luisa, Enriqueta, Felipa, Antonia, Fernanda, Christina, Isabella, Adelaida, Jesusa (siel), Josefa, Joaguina, Anna, Francisca de Aris, Justa, Rusina, Francisca de Paula, Ramona, Elena, Carolina, Bibiana, Polonia, Gaspara, Melchöra, Baltasara, Augustina, Savina." Der Londoner „Punch" meint: „einfacher wär es gewesen, die kleine Infantin „Cale ndara" zu taufen."
Fünf Minuten in einem Fröbel'schen Kindergarten.
Die Lehrerin. Liebes Rickchen, was hast Du Dir aus dem Struwwelpeter behalten?"
Rieckchen. „Da kam der große Nikolas mit seinem großen Ducke nsaß."
Lehrerin. Gnt! Was hast Du, Miekchen, auS Deinem Lesebuche behalten?
Miekchen. „Möritz war merechtjlssrieoen, waS ihm wurde auch beschieden."
Lehrerin. Gut, und Du Pinchen?
^Machen. „Der Fuchs, der ist ein Bösewicht, er wagt sich nicht au's Tageslicht."
Lehrerin. Tinchen, hast Du noch daS lustige Liedchen b halten, das wir gestern gesungen?
Tinchen. „Wie machen's denn die Schneider? So machen, sse's: Hier ein Läppchen, da eju Läppchen, Machen d'raus ein Kinderjäckchen. So machen sie's."