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jg 223» Wiesbaden Samstag, 20. September 1851.

ELnladlmg zum Abonuement.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf dieFreie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täg- -lich in Leit- und Uebersichtsartikeln,' in Berichten über die Ständesitzungen, Assisen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver­handlungen die politischen und sozialen Angelegenheiten des In- lmo Auslandes erörtern. Daß sie barm von Mitarbeitern und Korrespondenten lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinendeFreie Zeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Expedition (A W. Ritter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern. Der Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies­baden 1 fl. 45 kr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Zuserationsgebühren: die vierspaltige Pelitzeile 3 kr.

Journalstimmen über den preußisch-Han­noverschen Vertrag.

** Was sagen die Bewohner des Steuervereins zu dem neuen Vertrage? Die Stimmen, welche wir in ; den letzten Tagen aus verschiedenen Theilen Hannovers vernehmen, lauten im Ganzen günstig. Dies konnte auffallend erscheinen, wenn man aus den^Tarifen des Zollvereins und des Steuervereins die Summen ju» sammeustellt, um welche im Jahre 1853 die Besteuerung , der Bevölkerung Hannovers und Oldenburgs steigen wird. Indessen bemerkt dieWes.-Ztg.", daß man in Hannover ohnehin und ganz abgesehen von der Zoll- einigung auf eine Abgabensteigerung von circa 600,000 Thalern gefaßt war. Die vom Lande dringend ge­wünschten neuen Organisationen erforderten einen Ko­stenaufwand, welcher schon im Jahre 1850 zu einem Regierungsantrage auf eine Zollerhöhung für die vor­nehmsten Verbrauchsartikel Anlaß gab. Nur die Op­position des Oldenburger Landtages verhinderte damals ; diese Maßregel, und ohne die ein,getretene Zolleinigung hatte Hannover sich genöthigt gesehen, seine gesteigerten Ausgaben durch Erhöhung der direkten Steuern zu decken. Dies ist jetzt nicht allein unnöthig geworden, sondern man erwartet sogar von der Bewilligung des - Präcipuums einen Mehrertrag von 900,000 Thalern, also einen Vortheil von 300,000 Thalern. Der Volks­wirth freilich macht seine Rechnung ganz anders, als der yüianjinüuftcr. Den Ueberschuß der Einnahmen, welchen der letztere als Ergebniß findet, führt der er­stere auf einen baaren Verlust des VolkSvermögens zu­rück. Aber in Deutschland ist das Publikum noch zu wenig gewohnt, derartigen Rechnungen zu folgen, und es hält' sich an die auf der Oberfläche liegenden That­sachen. Indessen werden auch in dieser Richtung be­reits einzelne Stimmen laut, welche die Einbußen nach­rechnen, die dem Steuerverein indirekt durch seinen Anschluß erwachsen. DieZeitung für Rordd." klagt:Die schlimmste unserer Voraussetzungen ist eingetroffen: das verderbliche Schutzzollsystem wild sich auch über Hannover lagern: dadurch wird die Ein­heit im Vaterlande nicht größer, sondern nur, das Elend ausgedehnter , das Elend, welches seinen wesentlichsten Grund in dem unseligsten System der Volkswirthschaft findet und die politische Unzufrieden­heit und den Kampf unversöhnlicher Parteien in sei­nem Gefolge hat." DieWeser Ztg." entgegnet hierauf:Wir sind weit entfernt, zu bestreiten, daß diesen Besorgnissen eine richtige Anschauung zu Grunde liegt, aber wir glauben, daß dieselben zu grell und schwarz hingestellt werden. So unumstößlich auch die Wahrheit, daß mit jeder Erschwerung des freien Aus­tausches ein Stück Nationalwohlstand verkümmert wird, so gewiß ist es auch, daß tüchtige Nationen an derartigen Uebeln , sobald Neielben nur nicht alles Maß Übersteigen, nicht auf der Stelle sterben. Wir haben das glanzende und tröstliche Beispiel Großbri­tanniens vor Augen, wie viel falsche Handelspolitik und verkehrte Gewerbegesetze ein Volk aushalten kann, ohne die Chancen des Fortschritts und deS Heils zu verlieren, wenn ihre Erwerbszweige nur im Boden und in der Natur des Landes wurzeln und bestücktet werden von Fleiß, Unternehmungsgeist, Einsicht und Bildung. Ein rühriges und strebsames jUoU sucht allemal, sobalv seinem Erwerbe eine neue Fessel ange- leat wird, den Nachtheil derselben durch Ersinnen neuer HMfsmitiel auszugleichen, und auf diese Weise ist z. B. England dahin gelangt, die Hemmnisse, welche falsche Gesetzgebung und dadurch verthenerte Betriebs­kosten seiner Industrie in den Weg legten, durch ein rastloses Naffiniren und Reformiren der Produktions­mittel zu nentralisiren und an Wohlfeilheit seiner Fa­brikate fast alle Nationen zu überflügeln. Die falsche Gesetzgebung ist daher ohne Frage ein Nebel, aber^es hangt von der Nation selbst ab, die Wirkungen dessel­ben um ein gut Theil zu mmtcahfiren. Der hanno­versche Landmann und Viehzüchter wird allerdings

I ohne alle Frage, wenn er nach wie vor ebenso gut essen und trinken, sich ebenso gut kleiden, sich mit den­selben guten Gerathschaften umgeben will, wie früher, alljährlich dem Staate eine ganz erhebliche Summe mehr bezahlen müssen, eine Summe, die er sonst in der Tasche behalten haben würde und mit wel­cher er sein und seines Landes Capital vermehrt hätte, er wird aber auch, falls er nicht gleich resignirt auf die schon lange gewohnten Lebensgenüsse verzichtet, falls er nicht auf der Stelle sich bescheidet, dünneren Kaffee und weniger Wein, schlechteren Thee und gröberen Zucker zu konsumiren, Frau und Kinder in ordinärere Kattune zu kleiden, das Eisen in seiner Wirthschaft zu sparen, er wird zuerst sich umsehen, ob es ihm nicht möglich sein wird, die höhere Ausgabe durch eine Höhere Einnahme zu ersetzen, und seinen Blick auf das weite Feld möglicher und noch unaus­gebeuteter Verbesserungen in seiner Produktion lenken. Darauf, auf Vermehrung und Verbesserung der Pro­duktion in Landwirthschaft und Viehzucht, sollte vor­nehmlich sein Augenmerk lenken, wer es mit dem Volke wohl meint. Dec Hannoversche und oldenburgische Volksstamm ist von Haus aus indolent und wenig ge­neigt, vom hergebrachten Schlendrian adzuweichen. Hat er dasjenige, was ihm nach alter Gewohnheit zum leidlichen Leben erforderlich scheint, so legt er gern die Hände in den Schoß, und die Reformen, durch welche er sein Land verbessern, sein Vieh veredeln, sein Ein­kommen vermehren könnte, betrachtet er mit Mißtrauen und Scheu. Daß er gleichwohl, unter der rechten Lei- tung und AnreZâUlg, für den Fortschritt nicht unem- pfängltch ist, das beweist u. A. der hohe Grad von Ausbildung, den die Pferdezucht in Hannover gewonnen hat. Es ist möglich und zu hoffen, daß das liebel der höheren Besteuerung, obwohl es die disponiblen Kapi­talien in etwas vermindern wird, als ein Sporn auf die Betriebsamkeit der Bevölkerung im Steuerverein einwirkt. Wenn wir den neuen Zollverein bewillkomm- ten, so geschah es natürlich nicht aus Erwägungen, wie die eben angedeuteten. Es wäre eine eigenthüm­liche Beglückungstheoeie, die darauf hinausliefe, jeman­den ärmer zu machen, um ihn zu erhöhter Arbeitsam­keit anzuspornen. Da aber einmal für den Steuer- verein die höhere Besteuerung eine vollendete Thatsache ist, so gilt es, dem Uebel seine guten Seiten abzu,ge­winnen. Wenn wir ras Ereigmß begrüßen, so ge­schieht es weit mehr des Zollvereins, als des Steuer­vereins wegen. Freilich ist eS hart für den letzteren, daß er die Kosten für die Vortheile eines Dritten be­zahlen soll. Wenn er darüber verdrießlich ist, so be­findet er sich vollkommen in seinem Rechte. Aoer eben so wenig wird der Bewohner des Steuervereins es uns verübeln, wenn wir die Vortheile, die 20 Millio­nen Deutschen gewinnen, höher anschlage», als die ent­sprechenden Einbußen, welche 2 Millionen Deutsche er- leiden. Diesen 20 Millionen werden 6 der wichtigsten Verbrauchsartikel wohlfeiler gemacht, und im Zollver­ein selbst wird die freisinnige Partei einen starken Zu­wachs gewinnen. DieHannov. Ztg." hat vorige Woche zugleich mit dem Terte des Vertrages eine halb­monatliche Denkschrift über denselben veröffentlicht, welche, an sich ohne erhebliches Interesse doch in dem eben berührten Punkte unsere Hoffnungen und Voraus­setzungen vollkommen bestätigt. Es heißt in diesem Aktenstücke :In den Tariffragen werden die Steuer­vereinsstaaten voraussichtlich, wie dies ihre Lage und Nachbarschaft gebieten, stets einer freisinnigen Richtung folgen. Wer also übermäßige Schutzzölle begehrt oder vertheidigt, mag mit Recht in dem Beitritte dieser Staaten eine Verstärkung seiner Gegner ( erblicken. Kümpfe auf diesem Gebiete werden nicht auöbleiben, wir wünschen ihnen einen Ausgang, welcher, billiger gegenseitiger Schonung bestehender Zustände unbeschadet, allmälig den Vereinstarif von manchen unseres Erach­tens gemeinschädlichen Uebertreibungen reinigt. Auch verzweifeln wir nicht daran, daß eine befriedigende Verständigung über diese Dinge möglich sei. Hat man sich doch glücklicherweise nicht über Theorien, sondern,

1 was meistens viel eher gelingt, über Resultate zu ver­gleichen^ Bei manchen Jnvustrieerzeugnissen dürfte in angemestener Abstufung der Zollsätze für Waaren ver­schiedenen Werthes ein Ausgleichungsmittel liegen. Gewiß aber ist das neu gewonnene Absatzgebiet den dermalen vorzüglich nach Schutz ringenden Industrie­zweigen von weit größerer Wichtigkeit, als die Hoff­nungen, welche sie, so lange der Zollverein auf freien Verträgen beruhen wird, auf dauernde Verwirklichung überspannter Gewerbsprotection auch ohne den Bei­tritt der Nordseestaaten mit Grunde hegen könnten."" Ueber das Verhältniß Bremens zu dem neuen Zoll­vereine schreibt dieWesr.-Ztg.":Wir haben schon vor acht Tagen unsere Ueberzeugung ausgesprochen, daß die handelspolitische Selbständigkeit unserer Stadt hinfort nicht länger haltbar sein wird, und daß man am besten thut, je eher je lieber sich mit dem Gedan­ken an das Unvermeidliche vertraut zu machen. Der vollendeten Thatsache gegenüber müssen alle Illusionen aufhören, und man hat sie nicht mehr zu fragen, ob der Anschluß für uns vortheilhaft sein wird oder nicht, sondern zu untersuchen, unter welcher Form er unsere Interessen am Wenigsten beeinträchtigen wird. In irgend ein Verhältniß zum Zollvereine werden wir jedenfalls treten müssen, für uns siiMes daher nicht die Tanffragen, auf die es zunächst ankommt, auch vorläufig noch nicht die Erörterung unseres Anrechts auf ein Präcipuum, sondern vor allen Dingen die Prüfung und Herstellung solcher Anstalten, durch welche das unschätzbare Kleinod der freien Waarenbewegung möglichst gewahrt werden kann. Alle die Fragen, welche brsher ein mehr theoretisches Interesse für uns hatten, Freihafensystem, Entrep^tsystem, Zollcreditsyste«, Art und Weise der Zoilkonirole u. s. w. haben mit einem Male den Charakter der größten praktischen Wichtigkeit und Dringlichkeit gewonnen. Es ist nun­mehr eine Ehrenpflicht sachkundiger Bürger, mit ihren Ansichten über dies technischen Fragen öffentlich auf» zutreten und eine Erörterung derselben vor dem aufs Tiefste beteiligten Publikum zu veranlassen, damit.ver entscheidende Augenblick uns nicht unvorbereitet finde."

Deutschland.

Kastel, 16. September. (Mzr. VolkSztg.) Ge­stern machten die von dem ersten Maschinenmeister der Taunusbahn, Herrn Heusinger von Waldegg zu Castel, konstruirte und auf dessen Rechnung ausgeführic kleine LokomotiveGlück auf" die ersten Probefahi- teu auf der Taunuseisenbahn und soll sich al^ehr zweckmäßig, sorgfältig und in richtigen VechZä^r ausgeführt erwiesen haben. Bei dieser höchst sinnrei­chen Construktion ist der sonst übliche besondere Ten­der ganz beseitigt, indem das Wasserreservoir unter dem Kessel der Maschine sich befindet unb der Kohlen­behälter unmittelbar hinter dem Standort des Ma­schinisten , sowie die Bremse zur Seite desselben an den Triebrädern angebracht sind. Dadurch ist die Maschine wesentlich vereinfacht und erlangt durch den tiefer liegenden Schwerpunkt einen bei weitem ruhi­gern und sichern Ga; alsdann wird auch die bis­herige todte Last des Tenders , die gezogen werden mußte und die Zugkraft von ein Paar Wagen in Anspruch nahm, zur Nutzlast, indem sie zur Belastung der Triebräder d^ent.

Mit dieser Maschine ist es auch möglich, die schärf­sten auf Eisenbahnen vorkommenden Krümmungen mit Leichtigkeit zu befahren, indem sie nur die Radst.llung von den gewöhnlichen èähpgen Eisenbahnwagen hat unb selbst nur auf 4 Rädern ruht, in der Mitte aber noch ein drittes Raserpaar frei von den Schienen aufgehängt ist, das erst in Wirksamkeit tritt, sobald ein Unfall an einem der anderen Räder und Achsen vorkommen sollte, so daß die Maschine dieselbe Sicher­heit ivie eine sechsrayglge Maschine bietet, jedoch nicht die Nachtheile derselben beim Befahren von Curven zeigt und das zu diesem Zwecke sonst angewandte, aber unsichere bewegliche Vordergestell, der ameulanifteu