J^o. 222. Wiesbaden Freitag, 19. September 1831.
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Einladung zum Abonnement.
Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf die „Freie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täglich in Leit- und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Ständesitzungen, Afsifen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Verhandlungen die politischen uud sozialen Angelegenheiten des In- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.
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Iournalstimmen über den preußisch-Hannoverschen Vertrag.
# Es dürfte zur Orientirung nicht ohne Interesse sein, verschiedene Urtheile über den neuen Vertrag zu. sammenzustellen, da sich daraus leicht jeder selbst sein Urtheil bilden kann. — Der „Agsb. Allg. Ztg." wird vom 14. September aus Berlin geschrieben, daß die Nachricht vom Abschlusse namentlich auf Sachseir sehr überraschend gewirkt habe. Das ministerielle „Dresdener Journal" äußert sich, dein ganz entsprechend, in einer so verstimmten Weise, daß unmöglich angenommen werden kann, die sächsische Negierung habe etwas von den Verhandlungen gewußt und sei einverstanden gewesen. Und doch wird der „Agsb. Allg. Ztg." aus Frankfurt versichert, daß die Verhandlungen zwischen Preußen und Hannover bereits während der Dresdener Konferenzen schwebten, die Sache jedoch so geheim be- trieben wurde, daß selbst Oesterreich erst spät Kunde davon erhielt, ohne daß letzteres jedoch mit dem Zustande- kommen unzufrieden sei. Vorerst, versichert die „A.A.Z.", denke man in Wien an nichts anderes als an einen Handelsvertrag, der viele Interessen umschlinge, und es sei der lebhafte Wunsch, daß in den Tarifen des Zollvereins solche Grundsätze Platz fänden, welche die Gränzbewachung Oesterreichs leichter machten. Darum vermuthe man auch, daß Oesterreich allen seinen Einfluß aufbieten werde, damit in der neuen Ordnung, welche die Vereinigung des Zoll und Steuervereins begründen kann, die Industriezölle nicht allzusehr herab- gedrückt oder ganz verlassen würden. Außerdem soll Oesterreich mit der Verbindung zwischen Zoll - und Steucrvercin wohl zufrieden seyn, da einer dereinstigen allgemeinen Verständigung dadurch vorgearbeilet werde, und die Verstärkung des preußischen Einflusses im Nordosten von Deutschland diesem Königreich eine Vertheidigung deutscher Rechte auf einem gefährlichen Punkte zur Pflicht mache. Entgegen der häufig ver- noivmenen und in der süddeutschen Schutzzoll-Litteratur faßenden Stimme, wonach Bayern, Württemberg und Baden nach Vereinigung Preußens mit dem Steuer- verein, die natürlicher Weise einen Nachlaß am Schutz- zollsystem statt der erstrebten Ausdehnung voraussetzt, den Zollverein verlassen und sich Oesterreich anschließen würden, der Bericht der „Agsb. Allg. Ztg." behauptet, daß diese Staaten zwar nicht ohne Widerstreben, aber am Ende dennoch und zwar aus eigenem Interesse und
Franz Raveaux.
Die „Düsseldorfer Zeitung" bringt folgende Lebens- skizze über den Verstorbenen:
„Köln, 14. Sept. „Franz Raveaur ist nicht mehr!" hieß es heute Morgen in allen Häusern, auf allen Straßen, und Jedermann ward bewegt durch die Nachricht von dèm Tode unseres Mitbürgers, der ferne von der Heimath am 13 d. M. in Laeken bei Brüssel verschied. Der Hingeschiedene wurde gegen das Jahr 1811 in Köln geboren, wo sein Vater, der noch in Deutz lebt, am Proviantamte angestellt war. Nachdem er das Gymnasium besucht und als Freiwilliger ein Jahr bei den Dragonern gedient hatte, zog er nach Spanien, um sich mit den Christinos an dem Kampfe gegen die Carlisten zu bethelligen. Als Hauptmann, mit einigen Orten dekorirt, kehrte er an den Rhein zurück, wo er mit jedem Jahre in der Achtung bei seinen Mitbürgern stieg. Auf dem politischen Gebiete machte sich Raveaur besonders erst im Jahre 1816 bemerklich, wo er eine Broschüre über die Augustereignisse schrieb, die darin bestanden, daß die Polizei und das Militär gegen Vie Bürger einschritten, die die Martins- kirmeß zu tumultuarisch begingen. Zwei Monate darnach wurde der Verfasser jener Schrift Staktrath, in welchem er zu den thätigsten Mitgliedern gezählt wurde, und dessen Vertrauen er sich in einem solchen Grade
auf Betreiben Oesterreichs (!) bei dem Zollverein verbleiben werden. Die Gründe für diese Ansicht bestehen darin, daß eine Vereinigung mit Oesterreich den süddeutschen Staaten den finanziellen Vortheil unmöglich gewähren könne, den sie aus der Zollgemeinschaft gezogen haben, und daß, wenn Oesterreich auch der politischen Rücksicht Opfer zu bringen geneigt und daher bewogen wäre, die Verluste, welche der Wechsel jenen Staaten zufügen würde, aus seinen Kassen zu vergüten, die gegenwärtige Finanzlage des Kaiserstaats doch einen solchen Gedanken nicht aufkommen laffe. Dagegen seien jene Staaten ganz außer Stande, die aus dem Zollverein erfloffenen Einnahmen zu entbehren oder auf andere Weise zu ersetzen, und da die vermuthlich eintretende Ermäßigung der Finauzzölle die Einnahmen direkt zu erhöhen und die Gränzbewachungskosten zu mindern verspreche, die durch die Vorschiebung bis zum Meere der Natur der Sache nach geringfügiger werden müßten, und da andererseits durch die Gewinnung der Meeresküsten der Industrie für die vereitelte Hoffnung größeren Schutzes doch einiger Ersatz geboten sei: so werde eine Spaltung im Zollverein, so wahrscheinlich sie gewesen, dennoch nicht eintreten, vielmehr derselbe ganz Deutschland außer Oesterreich umfassen und mit dem Kaiser- staat einen für beide Theile befriedigenden Handelsvertrag schließen können.
Wie der liberalere Theil der österreichischen Bevölkerung über die Sache denkt, schließ.'» wir aus folgenden Andeutungen, die der „Wanderer" gibt: „Dee- Vertrag zwischen Preußen und Hannover ist, so wie die Dinge jetzt stehen, der Beginn der Ausdehnung des preußischen Zollvereines über ganz Deutschland. «Schon die gegenwärtig bekannt gewordenen Angaben zeigen hinlänglich, daß Preußen keineswegs die domini- renbe, leitende Rolle aufgegeben hat, vielmehr ,oll dieselbe erst jetzt ihrer größeren Entfaltung entgegengehen. Die Grundsätze des Zollvereins werden die herrschenden sein, der Steuerverein ist bestimmt, im Zollvereine aufzugehen. Der Vertrag zwischen Hannover und Preußen ist der Grundstein zur Herrschaft eines abgeschlossenen Norvdeutschlanos über den deutschen Süden, und Preußen wird sich sicher für die Konkurrenz, welche seine siechenden Ostseehäfen durch jene der Nordsee erleiden sollten, vielfach kompensirt finden." — „Es läge sehr nahe" — heißt es ferner — „die Frage zu erörtern, in welchem Verhältnisse dieser ausgedehnte preußisch-deutsche Zollverein zu den Verhei
erwarb, daß er in jene Deputation gewählt wurde, die im März des Jahres 1848 zur Hauptstadt des Reichs gesandt wurde, den König mit der Stimmung am Rheine bekannt zu machen. Jetzt enstand das Vorparlament, dann das Parlament, und Köln war in beiden durch Raveaur vertreten und zwar im linken Centrum, wo er sich durch mehrere Anträge und einige Reden von Bedeutung so vortheilhaft auSzeichnete, daß das Parlament ihn würdig fand, zu der Deputation zu wählen, der es vorbehalten war, dem Erzherzog Johann seine Erkennung zum Reichsverweser zu verkünden, und ihn nach Frankfurt zu entbieten. Kaum war er, im Gefolge des Reichsverwesers, ins Parlament zurückgekehrt, als man ihn in die Schweiz als Reichsgesandten entließ. Später finden wir ihn zu Frankfurt auf der äußersten Linken wieder, mit der er sich 1849 nach Stuttgart begab. Hier wurde er Reichs- regent. Als das sogenannte Rumpfparlament gesprengt wurde, reiste er nach Baden, dann floh er in die Schweiz. Da man die am meisten Compromiltirten hier auswies, setzte Raveaur seinen Stab nach Strasburg, sah sich aber bald genöthigt, weiter zu wandern nach Nancy und Brüssel. In diese Zeit fällt der Hoch- verrathsprozeß, in dem er zum Tode verurtheilt wurde. Vielleicht konnte der Tod nur eine weitere Flüchtlingsreise vereiteln. Von hier aus war man so viel wie möglich bestrebt, sein mühevolles Flüchtlingsleben durch ' reiche Unterstützungen zu erleichtern, — er konnte sicher
ßungen der Bundesakte über die Bildung eines einheitlichen deutschen Zollgebietes stünde. Die Initiative dieser Betrachtungen steht dem Bundestage zu. Wird in Frankfurt am Main diese höchst bedeutende Sachlage nicht angeregt, oder hält man diesen neuen Aufschwung Preußens für förderlich und entchrecheud der gegenwärtigen Lage Deutschlands, dann erübrigt für uns nur eine baldigst einzuleitende Verhandlung über die Stellung Oesterreichs zu diesem neuen deutschen Handels- und Zollvereine zu befürworten. Oesterreich dürfte vielleicht jetzt noch einen geeigneten Augenblick finden, an den Vertragsabschluß zwischen Hannover und Preußen einen ähnlichen zu knüpfen, welcher wenigstens das erste Stadium der einst noch von Hrn. v. Bruck diesfalls gemachten Vorschläge zu verwirklichen geeignet wäre. Ist einmal das all- fettige Verhältniß zwischen Zoll- und Steuerverein erfolgt, haben die Staaten des Zoll- und SteuervereineS unter Preußens Leitung und Anregung sich geeinigt, dann dürften nicht nur die diesfälligen Unterhandlungen unfruchtbarer sein, sondern vielleicht auch weitere politische Konsequenzen dieses Ereignisses die Aufmerksamkeit der österr. Regierung schon auf einem anderen Felde wach gerufen haben."
Der bekannte hannöversche Korrespondent der „Dtsch. A.Z." urtheilt folgendermaßen über den Bertraqa . „Sind nicht von ^iten Preußens geheime Versprechungen oder gar Zugeständnisse in Betreff des Tarif- gemacht, was wir als ziemlich sicher bezeichnen können, f» wäre unsere Regierung cheiAiesem Vertrage auf eine arge Weise beeinträchtigt; denn was nützt eS, wenn auch die Regierung durch das Präcipuum sich mit ihrer ZoUeinnahme sicher gestellt hat; der Wohlstand der Bevölkerung, des Handels und Verkehrs sind bedeutend beeinträchtigt, Hannover ist als das stärkste 'Glied des deutschen Freihandels mit seinem Einfluß auf den Nordwesten verloren und statt seiner Finau;;ölle wird es jetzt Schutzzölle erhalten."
Affisenverhaudtungen zu Wiesbaden.
Anklage gegen Joh. Nauheimer von Höchst, wegen Schriftfälschung und Betrugs.
Wiesbaden, 18. Sept. Präsident: Hofaen'chts- Direktor Flach; Staatsanwalt: Substitut Moriz; Vertheidiger : Prok. v. S ch ü tz.
darauf rechnen, daß ihm von Freunden in jedem Monate dieselbe Summe, die ihn vor dem Mangel schützte, übersandt wurde. Im Anfänge des August 1849, als er die Stadt bei einem mehrwöchentlichen Urlaub zum ersten Male von Frankfurt aus betrat, wurde ihm bekanntlich ein solenner Fackelzug gebracht."
Der Untergang des „Apollo "
□ Rotterdam, 13. Septbr. Nachstehenden Brief übersetze ich Ihnen aus dem Notterdamschen „Courant", welches Blatt dazu bemerkt, daß es denselben von einem Passagier des so unglücklich verloren gegangenen Schrau- benvampfers „Apollo" erhielt:
„London, 8. Sept. 1851. Da das Antreiben von Geräthschaften und die Ansicht der Wrackes durch vorüberfahrende Schiffe leicht die Vermuthung aufkom- men lassen könnte, daß auch die Passagiere und Equipagen des „Apollo" umgekommen sein möchten, so schrieb ich Ihnen gestern gleich nachZunserer Ankunft in Dover; durch all das ausgestandene Leid war ich aber vollkommen noch nicht im Stande, richtig zu denken, und gebe Ihnen darum noch den heutigen Bericht, um mögliche Irrungen zu ergänzen. Am Samstag den 6. d. M, Morgens 11 Uhr, verließen wir Rotterdam mit ungefähr 47 Passagieren, worunter 3 Damen und 5 Knechte zur Bewachung des Viehs, was in sehr