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22^ Wiesbaden Donnerstag, 18. September 1851

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Einladung zum Abonnement.

Mit dem 1. Oktober beginnt ein neues Abonnement auf dieFreie Zeitung". Tendenz und Haltung unserer Zeitung sind bekannt. Die stets zunehmende Erweiterung ihres Leserkreises ist ihr eine Anregung zu fortwährender Steigerung ihrer Kräfte. Wie bisher wird sie täg- Eich in Leit- und Uebersichtsartikeln, in Berichten über die Ständesitzungen, Asstfen und sonstigen in den freien Institutionen begründeten Ver­handlungen die politischen uud sozialen Angelegenheiten des In- und Auslandes erörtern. Daß sie darin von Mitarbeitern und Korrespondenten

lebhaft unterstützt werde, ist Sorge getragen. Auch wird sie ein möglichst reichhaltiges und unterhaltendes Feuilleton bringen.

Bestellungen auf die mit Ausnahme des Sonntags täglich erscheinendeFreieZeitung" wolle man baldigst machen, in Wiesbaden bei der Erpedition (H. W. Ritter'sche Buchhandlung), auswärts bei den zunächst gelegenen Postämtern.^5 er Abonnementspreis ist vierteljährig hier in Wies­baden 1 fl. 45 fr., durch die Post bezogen mit verhältnißmäßtgem Aufschläge. ZnseratioWgebühren: die vierspaltige Petitzeile 3 kr.

Louis Bonaparte.

X Der Blick des Politikers lenkt sich in den letz­ten Stagen wieder mit größerer Spannung nach Frank- reich, wo die Krisis näher und näher rückt. Es gibt Beobachter, welche dem Präsidenten -Prätendenten den durchdachten Plan zuschreiben, daß er durch ewiges Drohen von Ereignissen das eine Ereigniß, welches er unablässig im Auge habe, vorbereiten, die Energie der Geg­ner erschlaffen und dann plötzlich die reife Frucht seiner An- flrenMgen die Kaiserkrone brechen und sich aufs Haupt setzen wolle mit dem Rufe: » Quos/ego! « (Wahret euch!) Wir halten Lonis Bonapart^ für kei­nen so rastlosen Straußenjäger; und wenn er selbst ein solcher wäre, wir halten die französische Nation für keinen Vogel Strauß. Soll der Vergleich aber ein­mal gelten, so sind wir eher darauf gefaßt, daß im entscheidende« Momente eher der Jäger den Kopf in den Busch steckt, als das Wild. Wenigstens hat Louis Bonaparte in Strasburg, wie in Boulogne und bei vielen anbern Gelegenheiten bewiesen, daß er das Ei­sen nicht zMschmieden versteht, wenn es warm ist, wohl aber, daß er sich dabei die Finger zu verbrennen Pflegt.

Dennoch ist es nicht zu verkennen, daß sich endlich der Gang der Dinge beschleunigen zu wèu scheint, ja man fürchtete und hoffte je^nachn Stand­punkte bereits, die GrundsteinlWM der Central- Hallkn in Paris werde zum EinüigeMn die Mutierten benutzt werden. Auf telegraphischkM^^Me aber wissen wir diesen Morgen bereits, daß >'cfeiWaae Montag- gleich so vielen' andern vorübergegangen ist mit viel Geschrei und wenig Wolle. Der Prätendent sprach zwar ziemlich unverblümt davon, daßmit des Him­mels und der guten Bürger Hülfe Frankreich hoffent­lich ein solides' Gesellschafts- (Sozial-) Gebäude erhal­ten werde, ras es schütze gegen Gewaltsamkeiten und die Beweglichkeit der menschlichen Leidenschaften"^ in­deß ne Feier ging um 2 Uhr ohne Sang und Klang vorüber und der Palmsonntag des neuen Welt­heilandes, für den Jesuiten und Legitimisten beten, ist wieder bis auf Weiteres vertagt.

Das Volk null entert an beißen, weder um einen Putsch, noch um eine Krönung zu machen. Doch auf- W'chobe», ist vielleicht nicht abgehoben! Möglich, daß Ader Reffe noch einmal seine hundert Tage hat, gleich Jbem Onkel; doch mehr als wahrscheinlich, dâjener ohne eine Schlacht bei Waterloo von seinen tW^uen

verkassen und dem Fluch aller Usurpatoren anheimge- geben wird.

Vielleicht bringt der Oktober, was der September versagte, denn es heißt, die Regierung glaube angesichts der jetzigen Sachlage das Ende der Parlamentsferien nicht abwarten zu dürfen, sondern wolle statt des 3. November schon auf den 1tt. Oktober die Nationalver­sammlung wieder einberufen. Ob die aus den Pro­vinzen zurückkehrenden Repräsentanten alsdann williger sein werden zur Revision ohne Art. 45 unb 111, steht seh^M bezweifle». Indeß bietet der Prätendent ihnen in WMinen Hand den Schrecken vor derAnarchie", in deMlndern das Linsengericht der Wiederherstellung des allgemeinen Stimmrechts. Zu dem Zwecke ist das allerdings sehr unruhige Ardechedepartement in Bela­gerungszustand erklärt und die Permanenzkommission, aus Ordnungsmitgliedern bestehend, hat sich beeilt, ihre Zustimmung zu ertheilen. Aehnliche Maßregeln stehen in Aussicht. Dazu will Carlier durchaus mehr Mitglieder der Montagne des SchneLerkomplottS hal­ber in Anklagezustand ^iMt wissen uM^ w u. f. w.; aber wenn Frankreich, sânnterwüblt ist, wie Carlier behauptet, welchen S^WAat dann die Aufhebung desselben Gesetzes voiEM-M^ai, das ja gerade so vielen Millionen ba^^ste Amrgerrecht entzog, weiles zu gefährlich hieß^Ws zerwuillten Massen bei den Er- nennung der Vol^srtretrr und des ersten Beamten, des Präsidenten zu beHeiligev ?! âue das aljgKM'ne Stimm­recht, das fühlt fMjs BMapWe, wirLxrmsâwiederas^ wählt, wenn, c^M^^^dergtwMs^i^ ; durch Wiederherstellung Neses»IKhtes ver- urtheilt sich die Ordnungspartei selbst. Leon Fancher ist feiner Kopf genug, um dies zu wissen, und er wird deshalb mit dem 31. Mai stehen unT fallen. Alles daher wohl bedacht, ist die ganze Mider Politik nicht die Taktik einks Matlnes, der freies Spiel und offenen Weg hat, sondern das Umbertappen eines Schwindlers, der in der Sackgasse sitzt, nicht weiß wo aus noch ein, und deshalb überall anklopft, um eine Hinterthür zu finden, wie er aus der Verlegenheit komme und den Abstand zwi­schen Wollkl^und Können fülle. Um diese Kluft zu über­springen, da^Uehöri Riesenschwungkraft: hat der Präten­dent diese nicht/ so fällt er in den Abgrund. Wer ober traut ihm diese $u? Die Nation ? Würde sie seinem Gebühren dann so ruhig zu sehen? Oder die Reak­tion? Würde das Froschkorfer Höfchen sich dann mit ihm verbündet haben, würde Montalembert für ihn beten, Berryer für ihn reden und Guizot für ihn in-

triguiren? Nein, niemand traut seinem Glücke Be­stand zu, niemand, weder Freund noch Feind. Ein Zwischen präside nt, und im glücklichsten Falle ein Zwischenkaiser das ist der Stempel, wel­chen das Schicksal diesem großen Zwerge auf die Stirn drückte. Brauchte Frankreich, Europa eines solchen Interregnums,Evamit die Demokratie sich kläre und die alte Weltordnung sich in ihrer ganzen Unfruchtbarkeit und Bodenlosigkeit zeige, so war allerdings niemand geeignet die schicksalsvolle Rolle zu spielen, als die­ser Mann mit dem großen Namen, dem kleinen Hirne und dem engen Herzen, dieser Napoleon der Däumling nach Napoleon dem Riesen.^

As^senv-rhandlungen zu Miesbaden.

Anklage gegen Peter Eulberg von Ems, wegen Verausgabung falscher Staats'

Papiere.

Z^ Wiesbaden, 16. Sept. Präsident: Hofgerichts« rath Trepka; Substitut Moriz Vertheidiger: Prok. L a ii g.

Eulberg ist angeklagt, im FrühMre 1851 eine An­zahl nachgeinachter Königl. Preuß. Fünftssaler-DarlehenS- kassenscheine und Fürstlich Schwa-PiM-Rudolstävtische Einthalerkaffenbillets, wissend, daß sMfalsch seien, ein­genommen kMH'olche als ächt ausgegeben; oder die­selben Glauben an iMmEachk und nach Kokannter^TKuschungDmEAndere M tkUerfâlscht abge­geben zu haben.

Aus den Zeugenaussagen lassen wir hier daS Wich­tigste folgen:

Am 21. Februar b. I. nahm Müller Valentin Kurten acker oder dessen Ehefrau zu Ems einen Füiifthalerschein ein, den er an Maurermeister Jacob Weber daselbst weiter verausgabte. Dieser zahlte am 23. Februar dem Hürtenverwalter Bernhard Frorath eine Rechnung aus. Unter dem Gelde befand sich je­ner Schein. Frorath strich in E-le, weil er nach Fach­bach mußte, den Betrag ein. Von einer des andern Tages angetretenen Reise zurückgekehrt, fand er beim Stürzen der Casse den fraglichen Schein vor und schickte ign sofort dem ic. Weber mit dem Bemerken, er sei falsch, unb mit der Bitte zurück, ihin anderes Geld zu­kommen zu lassen, dem auch Folge geleistet wurde. Weber gab alsdann auch den Schein an Kurtenacker gegen Er­satz des angerechneten Werths zurück, und dieser hob

^ a r t f e t Zustande.

II.

Paris, 8. Septbr. (Mr.-Z.) Als ob alles Lüge sein müßte in dem Carneval Frankreichs mit seinen republikanischen Masken und royalistischen Intriguen! selbst die Natur läßt sich vom Burggrafenthume ver­fuhren und lügt uns einen Sommer vor, der nie aufgehört hat, Winter zu sein, und bereits beginnt Herbst zu sein. Einige lichte Sonnenmomente ausgenommen, befanden wir uns fortwährend in einer hermaphrodischen Jahres­zeit, welche eine passende Temperatur für das politische Bastardthum abgiebt, die das offizielle Frankreich vom December l 848 bezeichnet. Alles ist traurig und krank, die Erdapfel, die Wein trauten, die Legitimität, der OrleanismuS; die Fusion ist todtkrank und der Bona« Partismus liegt in den letzien Zügen, obgleich man es ihm nicht ansieht. Der Himmel ist aschgrau, ein melancholischer Herbstwind weht durch die Baume und , die Blätter rasest frühzeitig zur Erde herab, als ob die Natur selber ungeduldig dem neuen verhängniß­vollen Jahre 1852 quellen wollte. Wer in dem er­hitzenden Jagdvergnügen feinen Trost für die Kälte Phöbus-ApoUo'8 findet, wen rie^hnmâchtige Jagd der ' Präfecte und ihrer municipalen Satelliten auf die Con­stitution nicht internstes, wer nicht in den Bädern den Pariser Staub oder im freundlichen Landaufent­

halte das lärmende Getümmel der Hauptstadt vergessen darf, der ist hier, ein Kind der Verzweiflung, von Trauer und Langeweile verfolgt, des Schrecklichsten fähig. Ich mußte diesen flüchtigen Blick auf den Schau­platz der Begebenheiten werfen, um mir beim Leser Glauben zu verschaffen, wenn ich ihm sage, daß ich mich verleiten ließ, ins Odeontheater zu gehen. Das zweite Thèatre franyais von Paris ist daS Nuukahiva der Langeweile, die dahin deportirt-wird aus allen zwanzig Tveatern in Paris und nicht mehr herauszu­zubringen ist trotz der Subvention der Regierung und trotz der Anstrengung sämmtlicher Theaterdirectoren, die ihren Hnmor und ihr Geld an diesem literarischen Dome des Invalides wagen. Ich benutzte die Wieder­eröffnung, um im Kreise der fröhlichen Studentenwelt und ihrer lateinischen Grisetten zu lernen, daß bie wahre Heiterkeit, die gesunde Lebenslust selbst d-n Atten­taten des Odeons widerstehe. Ich habe mich getäuscht die studierende Jugend hat ihrem Theater den Rücken gewandt, es scheint eine völlige Scheidung ftaltgesun- den zu haben. Das Odeon seiners^ hat den lärmen­den Zwischenacteu mit der obligaten Marseillaise ent­sagt, um sich in die Arme der Bourgeoisie zu werfen. Es hat die Grisetten aus dem Orchester verbannt, und auf die Gallerten erilirt - ein Staatsstreich, den sich der étudiant de Paris nicht ohne Protestation gefallen lassen kann. Wenn ein Professor irgend einer deutschen Universität den Burschen verboten hatte, mit

ihren Hunden, langen Pfeifen und Kanonen in's Col­legium zu kommen, würee das keine so eigenmächtige und unpopuläre Ordonnanz sein, als das neue S-p- trmbergksctz des Odeons. Die Rache wird nicht lange auf sich warten lassen und zum Theil hat sich das unvermeidliche Geschick des Odeons bereits erfüllt. Bisher hat es blos das Publikum gelangweilt, nun wird es sich selber langweilen in seiner Verlassenheit und Einsamkeit. Herr Albaroche wollte sich der Sub­vention der Regierung würdig zeigen und kehrte in den alleinseligmachenden Schoß des PpilistertpumS zu­rück. Es begann mit einem demokratischen Rührdram i in fünf Akten und fünfzepnhuabert Aleranbrinern.Die Familien" sollten den gottlosen Parisern zu Herzen reden und ihnen die Nothwendigkeit, Heiligkeit und Göttlichkeit der E,)e und Familie darthun. Leider ge­lang es den fünf Akren blos, bie Langweiligkeit des Familiendramas zu zeigen und wenn die Alerandriner nicht wären, suchten wir vergebens nach etwas Ge­reimtem. Ich werde dem Leser die Fabel des S ückS erlassen, ich spreche auch nicht des Dramas willen vom Odeontheater, ich will inich ein wenig über die Tendenz auslassen, die sich, von der reaetionären Strömung gewisser Kreise getragen, in neuerer Zeit geltend zu machen versucht. Es ist TaMk der unter der Zucht- ruthe des Psaffeiithums stehenden Legitimisten und so­mit der sogenannten guten Gesellschaft, sich empört zu stellen über oie Jefen Famllienbande oer modernen Ge-