versehene Mauer mit Zerbrechung eines Theils dieser Bretterwand gestiegen ist. — Auch hatte der Dieb in den andern Zimmern deS Haufes nachgesucht, aber außerdem fraglichen Geldbeträge nichts mitgenommen. Fn der in der Schlafstube der Ehefrau Engel stehenden Commode fand sich eine Pflugschaar vor und es war alles durcheinander geworfen.
Der Angeklagte leugnet, den Diebstahl begangen zu haben, und gibt über feine Thätigkeit während der Kirche Folgendes an: Er sei um 9 Uhr aus dem Hause seines Dienstherrn Franz Heckenmülter, bei dem er als Knecht dient, zu Johann Grill gegangen, um denselben zu fragen, ob er mit in die Kirche gehe; Grill, bei dem Adam Lang gewesen sei, habe ihm verneinend geantwortet und er sei nachher fort nach der Kirche zu. Am Schlosse angekommen, habe er bemerkt, daß die Kirche so voll gewesen wäre, daß noch Leute außen gestanden hatten, und habe deshalb den nicht weit davon entfernten Schützen eine Weile zugeschaut, sei dann den vorbeimärschirten Preußen nachgelaufen, worauf er sich auf eine Mauer gesetzt habe. Als die Kirche aus gewesen wäre und die Prozession begonnen hätte, habe er sich derselben hinten unter alten Weibern angeschlossen, sei eine Strecke mit fortgewandelt, alsdann abgc- gangen und habe sich auf eine Mauer gelegt, wo er vor Müdigkeit eingeschlafen sei, da er die Nacht vorher bei einem kranken Pferde seines Dienstherrn hätte wachen müssen. Um 12 Uhr sei er wach geworden und habe sich nach Haus verfügt,
Zeuge Ph. Schrodt ist dem Angeklagten um 10 Uhr Morgens auf der Chaussee vor Cronberg begcg-, net und es habe derselbe ihm gesagt, er sei schon in Königstein gewesen und habe sich einige Kreuzer verdient,' auch am vorhergehenden Tage 12 fr. durch Fahren erhalten. — Joseph Stauvacher traf ihn hiernach aus der Straße, wurde von ihm mit in das Wirthshaus des Joh. Heinrich Krieger genommen und mit Aepfelwein regalirt. Dorten sei Joh. Grill, Ad. Lang und Georg Müller gewesen; der Angeklagte habe alsbald Grill gewinkt und diese beiden seien hierauf hinaus und hätten sich heimlich besprochen, was? habe er nicht gehört. Jac. Müller sei schmutzig im Gesicht gewesen'und habe auch dem Wirth eine frühere Schuld von 8 bis 9 kr. bezahlt. — Georg Müller ging mit Adam Lang aus dem Wirthshause, der ihm gesagt habe, den Nachmittag gäbe Jacob Müller (das Schwätzchen, wie er in Cronberg genannt wird) einige Maaß Aepfelwein zum Besten, er habe ein Goldstück. — Den Zeugen Daniel Albert und Johann Albert hat Grill später erzählt, er sei bei Lang gewesen, als der Angeklagte zu ihm gekommen sei. Lang habe diesen aufgefordert, bei Engel Dörrfleisch und Wurst zu holen, worauf er im Fortgehen bemerkt habe, wenn ich Geld kriege, nehm' ichs auch. Er sei bald wiedergekoinmen, habe etwas in der Hand gehabt und sei mit dem Bemerken: „fehl, da hab' ich", bald wieder zur Thüre hinaus. Wüßte Grill, wo das Geld versteckt sei, er hole es auf der Stelle. — Nach der That haben nun noch mehrere Zeugen einen Dukaten und ein holl. Guldenstück bei dem Angeklagten gesehen, wovon er den ersteren gefunden, das andere von seinem notorisch von Almosen lebenden Schwager Matth. Müller erhalten haben will. — Auch wurde für 1 fr. Nägel bei ihm gefunden, die der Angeklagte am fraglichen Morgen bei Kaufmann Christ zum Änheftrn der Zweige am Hause seines Dienst- Herrn gekauft haben will. Die beiden Ladenmädchen des Kaufmanns Christ können sich nicht darauf erinnern. — Aus dem verlesenen Prototoll des wegen Krankheit nicht erschienenen Zeugen Franz Heckenmüller ergibt sich, daß er zwar den Angeklagten mit dem Lei zieren seines Hauses beauftragt habe, dieser aber auch um halb 8 Uhr schon damit fertig gewesen sei; hätte er Nägel gebraucht, so würde ihm Zeuge Geld dafür gegeben haben. Während des Mittagsessens sei der, Gemeinde- rath Ochs und der Feldgerichtsschöffe Weinich gekommen und hätten den Jakob Müller mit zum Bürgermeister
genommen. Zeuge sei darauf in den Stall, habe Müllers Kleider durchsucht und nur darin die Nägel, tu blau Papier gewickelt, gefunden. — Conrad Wink, ebenfalls Knecht bei Heckenmüller, erinnert sich noch, daß Müller die Nacht vom 20. auf den 30. Mai bei ihm geschlafen habe; kann aber nicht mehr sagen, wer sich zuerst gelegt hat, weiß auch von einem kranken Pferde nichts. Des andern Morgens sei der Angeklagte nach 9 Upr fort und vor dem Mittagessen wie- dergekommen. — Bürgermeister Bleichenbach, welcher auch den Ort der That alsbald besichtigte, gibt sowohl dem Angeklagten als auch den mehrerwähnten Johann Grill und Adam Lang ein schlechtes Zeugniß; sie sollen sich sehr durch Felddiebstähle auszeichuen.
Der Angeklagte war schon zweimal wegen des fraglichen Diebstahls in Untersuchung; diese mußte aber stets wegen mangelnden Berdachtsgrmiden niedergeschlagen werden. — Da sich aber mittlerweile mehr Judicien haben ermitteln lassen, welche einen künstlichen Beweis vollständig erbringen, so wurde die Untersuchung wieder ausgenommen. Der Untersuchungsrichter fand durch Zufall den Dukaten in den Hosen deS Angeklagten, wo er ihn in einem verborgenen Loche versteckt hatte. Vom anderen Gelde wurde bis setzt nichts gefunden.
Die Aufrechthaltuug der Anklage kann klar und gelungen bezeichnet werden. — Die Vertheidigung schützt vor, die Zeugen wüßten alles nur aus Aeußerungen des höchst verdächtigen Johann Grill; ein Beweis liege nicht vor; der künstliche durch Schlußfolgerungen könne nicht genügen und darauf könne kein Urtheil gegründet werden. — Der Angeklagte wurde schuldig erkannt und in Berücksichtigung seiner Jugend (er ist erst 19 Jahre alt) zu einer CorrektionShauSstrafe von 3 Jahren verurtheilt.
D e n t s eh l a n d.
# Wiesbaden, 5. September. Die ofsiziellen Berichte der österreichischen Regierung haben es kein Hehl mehr, daß die Ischl èr Konferenzen politische Zwecke verfolgen. Daß der Kaiser wie der König von Preußen durch ihre Ministerpräsidenten begleitet werden, ist eine weitere Bestätigung für diese Annahme. Nach den Jschler Konferenzen geht der Kaiser nach Verona zu den Manövers und sogleich von dort an die polnisch-schlesische Grenze, wo laut einem offiziösen Schreiben des „C. Bl." aus Böhmen eine Zusammenkunft zwischen dem Czar, dem Kaiser und dem König von Preußen stattsinden soll. Sodann wird ein Lager auf dem Marchfelde im großartigsten Style abgehalten, in welchem der Czar erwartet wird. Während des Besuches des Kaisers in Verona wird dort auch der Papst erwartet. Was dadurch bezweckt wird, wollen wir mit den Worten des „Const. Bl. aus Böhmen" auführen: „Durch diese Mise würde alsdann die Frage der französischen Garnison in Rom faktisch gelöst. Denn, widersetzt sich General Gemeau der Reise des Papstes, so liegt es offenbar am Tage, daß dieFranzo^n nicht zum Schutze desselben, sondern zu dessen Bewachung in Rom sind. Wenn hingegen der Papst nach Verona kommt, so dürfte er nicht mehr nach Nom zurückkehren, sondern in Bologna bleiben, und unter dem Schutze Oesterreichs seinen Willen unumwunden kund geben. Nicht minder kann er dann die Räumung seines Landes von den Franzosen begehren." — Daß Louis Bonaparte im jetzigen Momente ungemein zärtlich von der Reaktion behandelt wird, ist bekannt: wird er die Besatzung aus Rom zuiückberu- fen? Wir glauben nicht, daß er eS wagen darf, so sehr wir ihm das Gelüst zutrauen. — Gleichzeitig mit diesen Vorbereitungen zur Beschleunigung ver Krisis in Italien dauern die Intriguen in Turin fort. Schon sprach man von einem schwarzgelben Kabinet in Turin, dem Azeglio weichen werde; schon hieß es, letzterer werde als Gesandter nach Paris gehen. Die
neuesten Briefe widersprechen diesem Gerüchte zwar, doch geben sie zu, daß etwas vorgehe. Nicht minder beach- tenswerth sind die neuen Rüstungen in Baiern, Würtem- berg u. s. w., so wenig man auch den Schein davon haben will; dazu die Reibereien mit der Schweiz- dazu die immer innigere Verschmelzung der preußischen mit der österreichischen Politik, beider mit der päpstlichen und neapolitanischen und dieser aller mit dein russischen Czarenthum und Jesuitenorden, diesen beiden Pole, um welche sich jetzt die europäische Contrerevo- lutiön dreht.
^* Aus dem Rheingau, *4. September. Die bis jetzt nur noch sehr mittelmäßig gesteigerte Hoffnung, auf den Gewinn eines guten Herbstes, ist durch die eingetreteue naßkalte Witterung wieder um vieles verringert worden. Die AsmannShâuser Nothtrauben sind wirklich so weit gezeitigt, daß bei längerem günstigen Wetter eine gute Crescenz zu erwarten stand. Das zu voreilige Frohlocken anderer Nachrichten über den herrlichen Traubenstand hatte unseren Winzern nur geringen Beifall abgewonnen: denn so lange die Netzen, wie dermalen, jetzt noch nicht zeitig geworden sind, läßt sich bei uns auf einen guten Herbst noch nicht spekuliren. — Statt des uns werthgeworvenen „Rheingauer Volksboten" haben wir heute den „Rhein- gauer Anzeiger" aus der I. Etienne'schen Buchdrucke- rei in Winkel erhalten. Das liebereiche und harmlose mH- Journal hat nicht die Gelegenheit vorübergehen lassen können, noch einmal des verdrängten „Volksboten" in der ja ihm zur Gewohnheitssünde gewordenen Denunziationssprache zu erwähnen.
Stuttgart, 3. September. Mittags. „Wie wir vernehmen (meldet der Beob.) ist die Fahnenweihe so eben zu Ende gegangen. Das „Publikum" war, wie man uns erzählt, durch einen weitgezogenen Cordon von der Handlung abgesperrt, so daß es weder dem Militär sich nähern, noch von der Eidesformel etwas hören konnte." (Nach dem „Schw. M." konnten die trotz des schlechten Wetters sehr zahlreichen Zuschauer nichts hören, als Etliches aus der Anrede des Generals von Miller, welcher mit lauter, kräftiger Stimme sprach, und wovon der Schluß die Anf- forderung enthielt, „daß der Soldat dem Könige, der selbst mit der Fahne in der Hand den Weg gezeigt habe, folgen solle.")
Stuttgart, 3. Sept. (Würt. Z.) Gestern ist ein königlicher Befehl erschienen, durch welchen alle Militärpersonen, mit Ausnahme des Kriegsministers, von dem Eid auf die Verfassung entbunden werden. Demgemäß war auch in den neuen Fahneneid, den das württembergische Militär heute geschworen hat, die Verpflichtung auf die Landesverfassung nicht ausgenommen.
Aus der Pfalz, 3. Sept. (O.-P.-A.-Z.) Daß in Folge der Elementarereigniss? dennoch eine eigentliche Theuerung nicht eintreten könne, ist schon mehrfach erwähnt worden, wohl aber befürchtet man, durch die Erfahrungen früherer Jahre belehrt, eine künstliche Steigerung der Getraibe- und sonstigen Lebensmittel- preise. Unsere Regierung wird jedoch auf das etwa auftauchende wucherische Treiben ein scharfes Auge haben. Schon hat sie in dieser Beziehung eine ernste Warnung ergehen lassen und auf die Artikel 419 und 420 des Strafgesetzbuchs hingewiesen. — Die Traube uk ran khefit soll nun auch am IHardtgebirge sich zeigen.
Aus Thüringen, 2. Sept. (O.-P.-A.-Z.) Wie wir vernehmen, wird Fröbel bei seinen Bemühungen um Rücknahme des bekannten Erlasses der königlich preußischen Regierung von sehr einflußreichen, ihm befreundeten Personen am Berliner Hof unterstützt, deren Fürsprache sogar beim König selbst nach dessen Rückkunft ein treten wird. Zu Ende dieses Monats ist auf dem, dem Professor Fröbel vom Herzog von Meiningen eingeräumten, Wohnsitz Marienthal bei dem Bade Lie- benstein eine Versammlung der Freunde und Beför-
Nordamerika, das in heitern Farben angelegt ist, langen wir wieder auf unserer grünen Insel an. Eine Treppe tiefer machen wir die Reise um den Aequator, noch tiefer um den Wendekreis des Steinbocks.
Wie die Erde so vor uns liegt, ohne Schlagbäume und Landesfarben, nicht als eine Mosaik von Erbgütern, Erercierplätzen und Kirchspielen, sondern als Wohnplatz des Menschengeschlechts, erinnert sie uns mächtig an alle die Ausgeburten, die der sündige Zweifel gezeugt hat: daß die Erde Millionen Jahre alt sei, obwohl man doch aus der Bibel nachrechnen kann, daß sie nur etwa 6000 Jahre zählt; daß die Sünb- fluth ganz von gestern sei, daß vorher Zeiten gewesen , wo Jnfusionsthierchen in einem Monat 800 Millionen Nachkommen gezeugt, und andere, wo Farren- kräuter, höher als die höchsten Masten, den Boden bedeckt, und noch andere, wo Eisberge nicht zu russischen Rutschpartien gedient, sondern gespickt mit Gra- nitblöcken, wie ein Napfkuchen mit Rosinen, selbst in der Welt umhergerutscht. Weshalb sind wir auch aus Deutschland, wo alle diese Gräuel zu Hause sind! Das englische Volk ist besser erzogen. Erzähle Jemand einem durchschnittlichen John Bull, der nicht auf dem Kontinent verdorben ist, daß seine Kreidefelsen die Schädelstätte einer Thierwelt seien, die vor Millionen Jahren begraben ist — er wird abrücken und sich die Taschen zuhalten; denn der Herr Pfarrer hat ihm gesagt, daß Leute, die daö glauben, schlimmer als Ta
schendiebe und Straßenräuber sind, und der Bischof von London hat es von der Kanzel verkündigt, daß der Brief von der flaminiichen Pforte nicht halb so gefährlich sei, als die deutsche Wissenschaft.
Aber die Versuchung ist mächtig. Haben wir den Schauplatz des Meuschheitlebens umgekrämpt und alle Linien verwischt, die der Vertrag von Verdun und der westphälische Friede, der Wiener Kongreß und die Konvention von Krakau für ewige Zeiten darauf getuscht haben, so können wir es nicht lassen, auch das Stück umzukrämpen, das auf dem Schauplatz spielt, die Hauptaktenre, Fürsten und Päpste, Diplomaten und Kriegshelden, aus der Geschichte zu streichen und einmal den Chor auf die Bühne zu setzen, der von Rechtswegen nur dazu da ist, Ja zu sagen, Schläge zu bekommen und Geld zu geben; — uns zu fragen, was denn alle die Hauptakteure eigentlich ausgerichtet haben zum Besten des Menschengeschlechts; weshalb eigentlich alle die Leben dem Schwert und dem Feuer geopfert sind, von Tamerlan'S Schädelpyramide bis zu dem Scheiterhaufen von Smithfield und den Ruinen von Brescia; wem es eigentlich zu danken ist, daß der Menschengeist von Jahrhundert zu Jahrhundert reicher, seine Herrschaft über die Natur vollständiger wird; — ob das Menschengeschlecht, wie der spanische Marquis und nach ihm so viele andere fromme und eifrige Leute meinen, sich wirklich schon überlebt hat und Nichts mehr zu thun weiß, als Unfug, bis eine
Sündfluth von Blut ihn wiedergeboren hat?! Wir fallen auf arge Ketzereien. Es will uns bedünken, als ob bis zur Reformation die Haupt- und Staatsaktionen wenig bedeuten für die Kulturgeschichte; als ob Cad- mus, Faust, Watt, Luther, Kolumbus, Jenner, Volta, Jacquard, Newton, Daguerre und Adam Smith, die alle nicht einmal courfähig und zum Theil ganz mißliebig waren, jeder einzeln mehr gethan haben, als sämmtliche Majestäten der Vergangenheit zusammengenommen; als ob die Mächtigen, Weisen und Wohlgesinnten sich stets gegen das Bessere gesträubt haben, das Christenthum und die Reformation, gegen die Abschaffung der Herenprozesse und der Sklaverei, gegen Gaslicht und Eisenbahnen; als ob seit der französischen Revolution nur noch die Massen fortschreiten, als ob alle Erfolge durch die unscheinbare, aber in ihrer Gleichzeitigkeit und Kombination unwiderstehliche Arbeit der Massen gewonnen werden, in der Ideen- wie in der Körperwelt, und keine Macht t'm Stande ist, einen Gedanken zur Entwickelung, ein Unternehmen zu etwas mehr als einer Karrikatur zu bringen, die nicht von selbst aus diesem breiten Boden sprossen. Trotz der Bußpsalmen und Prophezeiungen der papiernen Geißelbrüder möchten wir sagen, daß es besser geworden ist in der Welt, daß die durchschnittliche Lebensdauer länger ist, daß nicht alle 50 Jahr eine Hungerpest die großen Städte entvölkert, daß Kenntniß den Massen zugänglicher geworden ist, und mehr von ihnen ge-