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âeihert und Recht!"

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M 211. Wiesbaden Samstag, 6 September 1851.

Strele tischNiit mit Auönatzmr »cd OTontagd, laglich in einem Bogen^ Der ÄbonnemeMSpreiü beträgt vterieljährlutz Vier in WieSdaden l fi. 45 fr., auSwâr-S

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Die kolossale Bescheidenheit der Schutz­zöllner.

W Vom Main, Anfangs September. Man frage unsere Ultraconservativen, ob sie eine Veränderung der Dinge, ob sie Verminderung der Heere und Polizei wünschen? Nein, gewiß nicht! Sie schaudern schon vor dem Gedanken zusammen, daß es je wieder anders werden könnte und verlangen noch immer mehr Schutz für sich, noch immer mehr Polizei und Soldaten, und sollte auch das ganze Kaub dabei zu Grunde gehen. Sie wollen um jeden Preis gesichert sein und stimmen in die Worte des französischen Königs Ludwig XV. ein: ,, Après nous le deluge! (Nach uns die Sündfluth!) Eben so denken und handlen unsere Schutz- zöllner. Anfangs wollten sie nur auf eine gewisse Zeit beschirmt sein, bis die einheimische Industrie so erstarkt sei, daß sie keines Schutzes mehr bedürfe. Aber die Zeit will immer noch nicht kommen! Sehr treffend sagt W. Schmidt in in einer vom Hamburger Frei- Handelsverein gekrönten Preisschrift darüber:Geschützte haben den Schutz noch niemals für überflüssig erklärt, zahlreich sind hingegen die Beispiele, daß immer mehr Schutz oder eine immer strengere Abschließung verlangt wird. Und wenn die Zollsätze nicht unaufhörlich stei­gen, so ist es wahrlich nicht der Genügsamkeit der In­dustriellen zu verdanken. Als der französische Oepu- tirte und Eisenwerkbesitzer 1834 gefragt wurde, wann er glaube, daß der Schutzzoll aufhören könne, da ant­wortete er: ich bin unter dem schirmenden Baume des Zollschußes geboren und ich wünsche in seinem Schatten zu sterben." Neue Industriezweige, sagt man, können in der Regel ohne Begünstigung nicht entstehen; die Schwierigkeiten des Anfangs werden Jedermann abschrecken, wenn nicht ein angemessener Zoll für eine gewisse Zeit eine sichere Einnahme in Aussicht stellt; sind einmal die ersten Ein­richtungen und die ersten Erfahrungen bezahlt, so mag dann der Schutz wieder aufhören. Giebt es aber nicht alljährlich wieder Anfänger, die neue Einrichtun­gen und theuere Erfahrungen machen müssen? Oder nachdem man 10 Jahre lang die Baumwollen-Mann- faktur des Herrn A. durch Zölle geschützt und gewinn­reich gemacht hat, soll man nun diese Zölle aufhören lassen, wenn der Herr B. und später wieder Herr C. eine Baumwollenmanufaktur beginnt? Und wenn man einmal aus dem allgemeinen Vermögen oder aus dem Einkommen aller Bürger Unterstützungen oder Preise für diese oder jene Industriezweige vertheilt, warum gewährt man nicht immer und Allen die gleiche Gunst? Wo ist die Intelligenz, die sich getrauen dürfte, die richtige Auswahl und das rechte Maß der Vertheilung zu treffen?"

Wenn sich ein Unternehmen oder ein Geschäft ren- tirt, dann finden sich auch von selbst Kräfte dazu, welche ihr Glück versuchen, und alle Hindernisse zu

Kulturgeschichi iiches.

XVII.

(Fortsetzung und Schluß.)

Bei dieser Gelegenheit ist denn auch, nach Mr. Punchs scharfsinniger Bemerkung, ermittelt, was das Innere der Erde enthält, nämlich Hühnersteigen. (Man muß die staircases etwas frei übersetzen, damit unge­fähr derselbe Eindruck erreicht wird.) Die Treppen führen zu den GaUerien, welche die Aussicht auf die verschiednen Breitengrade beherrschen. Ich erwähne sie zuerst, weil man sie zuerst betritt und weil ich den einzigen Tadel vorweg nehmen will, den ich gegen die Anlage habe. Da es auf Sinnentäuschung abgesehen ist, so hätte man die Einrichtung bei den Rundgemäl- den des Coloseum's nachahmen, den Zuschauer in einer finstern Lage in die Höhe winden und auf eine Plat- form treten lassen sollen. Abgesehen davon ist die An­lage vortrefflich.

Wie auf dem Kummerschen Globus im Zollverein dessen beide Hälften aber regelmäßig verschoben sind: als ich ihn das letzte Mal sah, erschien das süd­liche Sumatra mit dem nördlichen Borneo zusammen­gewachsen sind die Höhenzüge in Relief dargestellt und die Gewässer blau illnminirt. Die politischen Ein- theilungcn, die Röcke, die sich hier die Völker, da ein- zelne Familien aus der Haut der Mutter Erde geschnit­ten haben, sind nicht markirt, ebensowenig die Städte.

überwinden streben. Das Privatinteresse sieht in seiner eignen Sache weiter und urtheilt schärfer, als irgend ein Handels-Ministerium. Zum Beweise dessen, wie wenig mit Schutzzöllen ausgerichtet wird, wo die Na­tur des Bodens oder die Betriebsamkeit der Unterneh­mer nicht das Beste thun, lassen wir zwei Thatsachen folgen, welche W. Schmidlin in seiner vortrefflichen Preisschrift angeführt hat.Zu einer Zeit wurde es auch in der Schweiz Mode, nur von vaterländischer Arbeit zu leben. Man wollte keine Wolle mehr aus Deutschland beziehen. Die Beförderung der Schafzucht wurde daher zum Stichwort, und eine Kantonsregie- rung setzte sogar ziemlich hohe Preise auf die Anschaf­fung von Schafen. Die Wirkung war sogleich sicht­bar. Die Anzahl der Schafe vermehrte sich rasch. Als aber nach einigen Jahren die Ertheilung von Preisen wieder aufhörte, da fiel auch der sich selbst überlassene Erwerbzweig schnell wieder auf seinen alten Stand­punkt zurück, weil eben in der Schweiz die Schafzucht weniger einbringt, als das Rindvieh, und weil Nie- mand das weniger Einträgliche wählt, wenn nicht etwa der Staat die Einbuße ersetzt.

Die zweite Thatsache ist die Lage der deutschen Baumwollen-Industrie. Sie ist seit einer Zeit von Jahren geschützt; die schweizerische hingegen ist ohne Schutz und hat noch den Nachtheil, daß sie von den Bezugsquellen des Rohstoffs weiter entfernt ist und also eine theurere Fracht bezahlen muß, zugleich ist auch der Lohn oder die Lebensweise der Arbeiter in der Schweiz besser als in Dentschland. Dessen ungeachtet können oder wollen die deutschen Spinnereien die Concurrenz der Schweiz nicht aushalten. Schon 1843 mußte der Zoll auf den Centner Baumwollengarn von 2 Thaler auf 3 Thaler erhöht werden. Und diese zweite Stufe der Lehr zeit war nicht glücklicher als die erste. Denn in dem preußischen Bericht an den Zollkongreß in Cas­sel heißt es wörtlich, jene Erhöhung habe die Beschwer­den der Spinnereien nicht beseitigt und die Beschwer­den der Webereien wesentlich gesteigert, und der Absatz von gewissen Baumwollengeweben sei sowohl in Amerika als in Italien durch die zunehmende Concurrenz der Engländer und der Schweizer sehr vermindert, ja bei­nahe ganz aufgehoben worden. Da wird nun wiederum vorgeschlagen, den Eingangszoll von Baumwollengarn von 3 Thalern auf 4 zu erhöhen und zu Gunsten der Webereien Rückzölle eintreten zu lassen. Ebenso soll es mit der Seidenfabrikation geschehen. Der schweize­rischen Concurrenz wegen soll der Centner von seidenen und Strumpfrvaaren oder von ganz- oder halbseidenen Bändern, statt, wie bisher, HO Thaler, künftighin 150 Thaler bezahlen. Wenn also wirklich der Schutz­zoll eine Zeit der Lehre ist, so muß die geschützte deut­sche Industrie ein Lehrbursche sein, der um so we­niger kann, je länger er lernt."

Das Gegenrecht oder die Gegenseitigkeit, nämlich im Verkehr dieselben Maßregeln und Beschränkungen gegen Andere anzuwenden, die Andere gegen uns ge-

Meint etwa Herr Wyld, daß sein Globus länger die­nen soll als die Grenzpfähle? Dagegen sind die ein­zelnen größeren Inseln, Abdachungen und Gebirgs­plateaus mit großem Geschick so illnminirt, daß sie mit Hülfe einer künstlichen Beleuchtung ein charakteri­stisches Bild ihres Klimas, ihrer Bodenbeschaffenheit und Vegetation geben. Nimmt man seinen Platz z. B. auf der Gallerie, die mit der gemäßigten Zone der nördlichen Halbkugel in einer Höhe liegt, etwa der Mainlinke gegenüber, so sieht man unter sich die Wüste Sahara, mattgelb angelegt, von einer Reihe maskirter Gasflammen mit einem brennenden Lichte übergossen, über sich das Nordkap in einem bläulichen eisigen Lichte, dem Tageslicht, bas durch eine verhängte Oeffnung einströmt. In Deutschland fließen die beiden Lichcer zu einer trüben Dämmerung zusammen. Nur auf den Spitzen der Alpen blitzt eine krystallinische Kruste und über den grünen Garten des mittelländischen Meeres fällt ein grelles Streiflicht, halb Sonnen­strahl, halb Schwefelgluth. Umkreisen wir die Galle­rie nach rechts, so gleiten unsere Blicke über die Weich­sel, die Wolga, den Ural, die Kirgisensteppe, den Bai­kalsee immer in derselben Dämmerung, den Gestaden ves stillen MeereS zu. Ueber uns glitzert der große Eiskeller antediluvianischer Geschöpfe. Jetzt taucht die Südspitze Kamschatka's auf hätten wir doch nicht gedacht, daß wir mit der unter einem Breitengrade wohnen dann die Aleutischen Inseln, über die der

brauchen, das heißt, sagt Schmidlin sehr schlagend, ge­rade so viel, als:Weil wir nicht theuer ver­kaufen können, so wollen wir auch nicht mehr wo hl feil einkaufen." Over er erklärt es auch noch durch folgendes Beispiel:Wenn für 2 Männer eine gemeinschaftliche Mahlzeit bereitet ist, und der Eine aus Ungeschicklichkeit ober aus bösem Willen einen Theil der Speisen verdirbt, und der Andere des­wegen den Ueberrest zum Fenster hinauSwirft, so mag volles Gegenrecht stattgefunden haben, aber es ist ein Gegenrecht, mit welchem man hungrig am leeren Tische sitzt. Das Gegen recht ist nur der verführerische Vor­wand, unter dem die Völkerplage der Absperrung noch vermehrt und verlängert wird." Die Aufgabe des Staates beschränkt der Verfasser auf folgende Thätig­keit:im Gebiete der Justiz das Recht schnell und wohlfeil zur Anerkennung bringen, im Gebiete der Fi­nanzen auf gerechte und einfache Weise Die Staats­mittel verschaffen und mit gewissenhafter Treue und Sparsamkeit verwenden, im Gebiete der Verwaltung die Hindernisse der freien Bewegung des Einzelnen beseitigen und die tiefe Bewegung fördernden Einrichtungen Herstellen!" Wir stimmen dem geistreichen Verfasser hierin vollkommen bei.

Asslseirverhandlunsten zu Wiesbaden.

Anklage gegen I a c. Müller von Cronberg, wegen ausgezeichneten Diebstahls.

^: Wiesbaden, 4. September. Präsident: Hof­gerichtsrath Trepka; Staatsanwalt: Substitut Flach; Vertheidiger: Prokurator Dr. Leisler jun.

Die Anklage geht dahin , daß Jacob Müller am Vormittage des 30. Mai 1850 die in das bewohnte Gebäude des Nagel chmieds Ignaz Engel zu Cronberg führende hintere Thüre und alsdann auch das in der Wohnstube hängende Wandschränkchen gewaltsam er­brochen und sich daraus an baarem Gelde die Summe von 115 fl. 45 kr. widerrechtlich ungeeignet habe. Die Engclsche Familie hatte sich am Morgen jenes Tages (Froynleichnamstag) bereits vor 9 Uhr in die Kirche begeben und der Prozession beigewohnt. Als die Ehefrau Engel zuerst das Haus um halb 12 Uhr betrat, fand sie alsbald die aus der Küche in teil Hof gehende Thüre und das erwähnte Schränkchen erbro­chen, den jedenfalls dazu gebrauchten Meisel in der Stube liegen, und die Schublade, in der das Geld sich befand, auf dem Ofen stehen. Der äußere Einbruch der Thüre ist wahrscheinlich durch eine in dein Hofe gestandene alte Art, die sehr wohl in die angebrachten Verletzungen paßte, verübt und dadurch möglich ge­worden, daß der Dieb vom Schlosse aus durch eine Anzahl terassenförmiger Gärten in den Hof der Nach- banu Anne Marie Rudolph gelangt und von da über die 4 Fuß hohe und oben noch mit einer Bretterwand

Ahnherr der Mormonen aus der Arche Noäh seinen Weg nach Amerika nahm. Unter uns liegt der stille Ozean, so unermeßlich, tiefblau und regungslos, wie vor dein spanischen Abenteurer, der ihn taufte. Beli- gen wir uns über die Brustwehr, so sehen wir die Inselwelt wie eine Handvoll Perlen ausgestreut. Rechts schaut Kalifornien hervor, wo vas große Mysterium, wie ein Staat entsteht, vor aller Welt Augen in Scene gesetzt wird, eine Kupfertafel zu Hugo Grotius und Rousseau. Tiefer unten erkennen wir Nukahiva, tast unter dem Aeqnator, wo die Sonne scheitelrecht fällt, verloren in der ungeheuren Wasserwüste, nach beiden Seiten hin 16,01)0 Meilen bis zu dem schönen Frank­reich. Man begreift, weshalb der untadlige Bonaparte, der heilige Moii'alembert, der gottbegnadete Berryer und ver treue Thiers dahin die Republikaner schicken wollen, w.Shalb die Rechte wie eine Meute wilder Be­stien, denen der Fraß entrissen ist, stampfte, geulte und zähneknirschte, als st h in den Gentren eine Anzahl Manner faiiden, die aus juristischen Skrupeln dem Deportationsgesetz keine rück wirkende Kraft geben woll­ten Man muß sich schlecht dort befinden, wahrschein­lich noch schlechter als terunglückliche" Gardehaupt« mann Somerset, dem diePreußische Zeitung" eine Zähre des Mitleids weihte, daß er es im Zuchthaus büßen mußte, einen Constabel gepeitscht zu haben; es muß schinerckt'ch sein, seine Angehörigen da zu wissen. Aber die Deportirten sind ja nur Demokraten, lieber