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â 207. Wiesbadsn. Dienstag, 2. September ISSi.

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Die kaiserlichen Handbilleès vom 20. Aug

P- Der große Karneval der Contrerevolution naht sich seinem Ende: eine Maske nach der andern wird abgeworfen. Nnr Masken waren diese sogenannten Bewilligungen der Jahre 1848 und 1849, Masken selbst dle Octroyirungen. Was unter den Bourbonen gesagt ward, es^ gilt von allen Restaurationen: sie lernen nichts und vergessen uichis. Doch wer wird sich noch darüber wundern, wenn er liest: der Bun­destag hat die Grundrechte für null und nichtig erklärt, (S. Frankfurt!) oder: der seit dem März 1848 nicht mehr in Thätigkeit gewesene Staatsrath wird vom preußischen Ministerium wieder einberufen werden (S. Berlin); oder: mit der Kremsierer Reichsverfas­sung vom 4. März 1849 ist am 20. August durch vier kaiserliche Handbillets gebrochen worden! Brechen, bre­chen, brechen zerbrechen, was sich nicht biegen will, das war ja seit Jahr und Lag die Parole. Die demokra­tische Partei in Europa muß das Alles ganz in der Ordnung finden; nicht so die konstitutionelle, welche immer noch an Zeichen und Wunder glaubte. Die,, Nat.-Ztg." äußert in dieser Beziehung als demokratisches Organ sehr richtig: Von einer Ausführung der Verfassung konnte kaum die Rede sein, da sie in nichts weiter bestand, als daß der Belagerungszustand, welcher der Vorläufer und im März 1849 der Ermöglichn dieser Konstitution war, hie und da auf Grund der Verfassung verhängt wurde, und daß bei den der Reihe nach ergangenen Oktroyirungen auf den Paragraph der Kremsierer Kon­stitution, welcher vom Oktroyiren handelt, Bezug ge­nommen wurde. Von dem Schlußstein und der Essenz der Konstitution, dem Reichstag, hat nur der inzwischen in Gnaden entlassene Handelsminister von Bruck ein paarmal zu sprechen Gelegenheit genommen. Der Reichstag sollte auS den Landtagen der einzelnen Kron­länder hervorgehen. Im vergangenen Jahre unter­hielten die ministeriellen Wiener Blätter in bestimmten Pausen das Publikum mit angeblichen Vorbereitungen zur Einberufung von Kronlandtagen; ungefähr so wie in diesem Jahr' mit den seit Monaten angeblich täglich zu erwartenden entscheidenden Maßregeln zur Besserung der Bank und der Valutenverhältnisse. Sicherlich aber wird die Wiener Regierung eher zum Abschluß einer neuen Anleihe, als zur Einberufung auch nur Eines Kronlandtags kommen! Es hat sich Niemand darüber getäuscht, daß die Kremsierer Verfassung jemals ans den gestaltlosen Umrissen einerschönen Idee" heraus­treten würde. Und es bedurfte nicht der in Waldheim- Nadowitz'sNeuen Gesprächen" wie beiläufig einge- streuten Bemerkung, daß schon längst in Peters­burg die blindknsten Zusicherungen gegeben seien, daß aus der Kremsierer Rechsverfassung niemals auch nur soviel werden solle, als aus der Drei- Königsbundes-Verfassung vom 28. Mai geworden." Dagegen ist eher darauf aufmerksam zu machen, daß

die vier kaiserlichen Handschreiben und der dazu in derWiener Zeitung" gegebene Kommentar gerade jetzt erschienen sind, wo an dem vom österreichischen Kabinet Kraft seiner Präfidialbefugniß wieder ins Leben geru­fenen Bundestag die Frage über das Verhalten der Bundesversammlung zu den Verfassungen der Einzel­staaten schwebend ist. In welcher Weise der Bundes­tag, ganz im Sinne der Vergangenheit, im Sinne nicht allein der Wiener Schlußakte, sondern der Karls­bader und der Wiener Konferenzbeschlüsse, die Wah­rung des monarchischen Prinzips in Deutschland auf­faßt, davon haben wir an dem bundesmäßigen Ein­schreiten in Hessen und Holstein Proben gehabt. Das Wiener Kabinet bezeichnet es als die Aufgabe Oester­reichs, eine Säule der Ordnung, der Erhaltung und der Disciplin gegenüber den ungesicherten öffentlichen Zuständen von Europa zu bildeu, eine Säule, auf welche die Augen der ehrenwerthen Bürger, der An­hänger der Ordnung, des Rechts und der Gesittung aller Länder mit Theilname und Hoffnung gerichtet sind." In einer Korrespondenz derNat.-Ztg." von der preu- ßisch-österreichen Grenze wird geschrieben:Die preu­ßische Reaktion ist dielmal von der österreichischen ge­waltig überholt worden. Während man in Preußen noch über ständische Wahlgesetze grübelt, erklärt ein zwanzigjähriger Kaiser, daß von dem ganzen Spack in Zukunft gar nicht mehr gesprochen werden soll. Sein Handschreiben ist weder spitzfindig, noch zwei­deutig; und daß das Publikum in Wien es verstanden hat, geht aus dem Schweigen oder von der Angst dik- tirten Aeußerungen der dortigen Presse ebenso hervor, wie aus den zahlreichen Privatbriefen, welche die Stim­mung der Hauptstadt in den düstersten Farben^ schil­dern.Noch am 18. d. M., heißt es in einem Schrei­ben, das vor mir liegt, als an seinem Geburts­tage fuhr der Kaiser durch die erleuchteten Stra­ßen und empfing den Zuruf des Publikuins. Zwei Tage später zeichnet er ein Manifest, das den Rechtszustand des Landes problematisch macht, die Gül­tigkeit aller auf Grund der Verfassung oktroyirten Ge­setze angreift und die ohnehin bedenkliche Stimmung des Landes bis zur Unversöhnlichkeit reizt. Denn so gereizt müssen Alle sein, die nicht von Hause aus Pessimisten sind und die Beschleunigung der Katastro­phe wünschen oder in der Stellung als ungleiche Magnaten den Reichstag und als seine Folge den Verlust ihrer feudalen Rechte fürchten. Daher denn auch das Handschreiben zurückgehalten wurde, bis die Nationalgarde in der ganzen Monarchie be­seitigt war, zu welchem Akt d. d 24. A ignst noch die Gegenzeichnung der Minister benutzt wurde, die schon nach dem Handschreiben vom 20. August nicht mehr verantwortliche Räthe der Krone, sondern nur die ersten Beamten ihrer Ressorts sind. Kein Mensch dachte mehr an den Reichstag, aber die rück­sichtslose Art, mit der jetzt jede Verantwortlichkeit der Regierung ausgeschlossen ist, und d.ö in einem Moment

wo sie ein Anlehen machen will, erregte eine Art von panischem Schrecken in allen Kreisen, die nicht blos um eine Täuschung ärmer sind das wäre ja Ge­winn sondern auch ohne alle Entschädigung für die ausgesprochene Vernichtung des Staatsbürgerthums, ohne irgend einen Begriff von der Gestaltung ihrer freudlosen Zukunft bleiben. Daß Fürst Schwarzenberg, Bach und Kraus diesen Akt herbeigefuhrt haben, der sie selbst tief unter ihre eigene bisherige Stellung herab­setzt, ist nicht anzunehmen; es ist schon genug,' daß sie überhaupt eingewilligt haben, dies neue Schauspiel zu ertragen, und hinlängliches Staunen erregt es, daß keiner von ihnen, welche die Märzcharte dem Monar­chen vorgelegt haben, zurückzutreten Miene ^ macht. Alle Welt ist erschreckt, rathlos, desperat und schweigt. Die Börse schweigt anfangs, denn auch sie befindet sich unter Belagerungszustand und Niemand wagt zu verkaufen. Aber die Rückwirkung wird nicht ausbleiben , das Ausland wird sich nicht geniren. Wo Kraus seine 70 Millionen auftreiben wird, bleibt ein Räthsel, es müßte denn Banquiers geben, diezwi­schen dem Kredit des regierenden Hauses und dem der unkonstitutionellen Monarchie unterscheiden wol­len. Im Laufe der nächsten Monate wird das Sil­ber sicherlich um mehrere Prozente steigen "

Doch was sagen jene Blätter dazu, welche bisher Oesterreich über Alles" auf ihrer Fahne trugen? Wir lassen als Hauptorgan des Konservatismus dieAgsb. Allg. Ztg." reden. Sie klagt:Wir versagen es uns für diesen Augenblick, wo die Zeit drängt, das Blatt in die Presse zu geben, weitere Briefe aus Wien mitzutheilen. Mehrere liegen uns vor, die alle im ersten Eindruck schmerzlicher Ueberraschung geschrieben sind, während die Wiener Blätter noch kein Urtheil über das folgenschwere Ereignis? des Tags enthalten. Ein baldiges Zusammentreten von Reichsständen hat­ten im ganzen Kaiserstaat wohl nnr wenige für mög­lich gehalten. Aber die Aufrechthaltung der Grund­lagen alles konstitutionellen Lebens, das ist's, was von Oesterreich am meisten die hofften und ersehnten, die in ihm der stärksten Macht Deutschlands den Hort der deutschen Nation und ihrer unabweislichen Bedürfnisse, den Schirm gegen jede Willkür, jede Ver­gewaltigung und jede Anarchie von außen, den Anker unserer Zukunft Mitteleuropa's erstehen zu sehen sich schmeichelten. Noch ist das letzte Wort nicht gespro­chen wir erwarten es von den vereinigten Anträ­gen des Reichsraths und des Minksternms. Nie, seit dem Bestehen des Hauses Habsburg-Lothringen, ist den Männern, die sein Vertrauen gemäßen, eine tiefer greifende Frage in die Hand, in das Gewissen gege­ben worden. So urtheilen Oesterreichs wärmste Freunde!" Was dieÄgsb. Allg. Zcg " übrigens erwartet, lehrt ein augenscheinlich von der Redaktion herrührendes Suminartum der vier HanoblUets, welches lautet: Das erste Eabinetsschreiben hebt die Ministerial- verantwortlichkeit auf. Aus den Ministern,

Kult«rstesckrchLliches. ' XVI.

(Fortsetzung.)

Wie hängen nun diese Verhältnisse der Produk­tion mit dem Charakter der französischen Ausstellung zusammen, als welcher uns, im Gegensatz zu der eng= lstchen, das Ornamental, das Schmuckvolle, erschie­nen ist?

Erinnern wir uns des bei Gelegenheit Amerika's citirten Satzes von Montesquieu, daß der Handel und wir setzen hinzu die Industrie unter der Re­gierung eines Einzelnen in der Regel auf dem Luxus bgsirt, unter der Regierung Mehrerer wirthschaft- tlch sei.

Die französische Industrie ist noch die J-dustrie der Monarchie. Die R publik ist noch zu jung und zu mißhandelt, um eine eigene Industrie zu haben, und die alte monarchische Industrie ist eine Hauptfein- din der jungen Republik. Die Monarchie beruht auf einer ungleichen Vertheilung der Güter und ist immer bestrebt, diese Ungleichheit zu konserviren. Ein reiche r Bauer, ein proletarischer Adel sind der Monarchie un­bequem, sie ist bewußt oder unbewußt immer darauf aus, das Verhältniß umzukehrcn. Aus der ungleichen Vertheilung der Güter aber entspringt der Lurus; denn Luxus ist eben das, was Einzelne über das Ge­

wöhnliche, Durchschnittliche gebrauchen. Wenn ein ganzes Volk auf Eidei bauneu schlaft, aus gükm n Bechern trinkt, wenn Jeder mit der Vorstellung auf­wächst, daß das zum Leben gehört, so mag man das Volk im Verhältniß zu andern ein luxuriöses neunen, in­nerhalb desselben kann man aber nicht ganz von Luxus sprechen.

Glasscheiben und Gaslicht haben, fünf Meilen in der Stunde reisen, für fünf Peuce erfahren, was auf der ganzen Erde vorgeht, und tausend andere Dinge, in deren Besitz man heute noch sehr mm sein kann, würden den lleppigsteu der fingeren Geschlechter als unermeßlicher Luxus erscheinen.

Wenn die Monarchie an sich den Lurus begün­stigt, so mußte dieser Erfolg in Fiank- eich, bet der Geschichte und dem Charakter des Volkes, in erhöh­tem Grade ei treten, seit Ludwig VIX., vielleicht schon seit Ludwig XL hat sich, abgesehen von der Zeit der ersten Revolution, die Geschichte Frankreichs im- mer in der Person des Fürsten coueentrirt. Es ist das auch eine Art von Centralisation.

Herr Louis Bonaparte behauptet, die Franzosen verlangten einmal eine glänzende Hofhaliung, macht deshalb Schulden, um deren Bezahlung er bei den Volksvertretern betteln muß, stellt Wechseln aus, die der Prinz von Joinville aufkauft, und traktirt, da keine füistlichen Gäste an seine Tafel kommen wollen, die Unteroffiziere mit Bratwurst und Cigarren. Aber

er irrt sich, er nimmt das Geschrei der Pariser Mo­disten für die Stimme des Volkes und baut auf die von Tage zu Tage mehr erblassenden Erinnerungen der in Frankreich abgenutzten Monarchie, anstatt auf den kräftig aufwachsenden republikanischen Geist. Es wird den Franzosen noch eine harte Arbeit kosten, die alte Gewöhnung abzustreifin, aber daß sie auf dun besten Wege sind, beweist das immer dringendere Ve - langen nach Selbstregierung. Mit der Selbsiregierung findet sich auch die Oecononiie. Die Civillifte ter Königin von England beträgt nicht den hundertsten Theil der Staatseinnahmen, und als voriges Jahrs einige Tausend zu Ställen und Remisen für den Priii- zeu von Wales verlangt wurden, gab es im Parla­ment, in der Presse und in Volksversammlungen einen gewaltigen Lärm. Ich sehe noch den alten Hume, wie er in einer Versammlung des Reformvereins die schreckliche Geschichte von den stables and coachhou- 808 for that little boy erzählte und die Versamin- 1 iiiig durch groans und hisses ihren Abscheu zu er­kennen gab.

Indessen ist diesmal, wie gesagt, die französische Außstellung noch gmi^ monarchischer Natur, ein Ge­schöpf Napoleon'S, der wie die römischen Triumpha­toren den Raub der ganzen Welt zusammeiischleppte, und Louis Philipps, der sich, wenn er Fonds kaufen wollte, zu Bette legte, um die Kourse zu diücken keinen Handwerker vor einem Jahre bezahlte und von