„Freiheit und Recht!"
E^AMM^L''!'» Lg»»*Wl I ,.ni,^«,,.iâ^,.»E»,,r.M,,,»,d, 1 ■' i.izi,,^„,,i!ii«,,, * «™— — »n^i... i, >■-.,. — , ■,aßm^HU^iau^^M ilW.—* 1 w— »w —^.■.■b.w.-^^ »jy■ ■■ 1 ■■ .muh^w ■—■!■■■■ ', - inj i^.h 1 ■■ ^^.ww „umiiw â 206 Wiesbaden Lo^ntaa, 31. Augist L8ZL.
I^MB*’1 >'i »'•*«■»■■' .».nr~a~iTT-i -..-»•ram --firr. ■ r iTninu' r ' —— , , —»iacgsai^-~.i<rTr u', ■ -,—■ iar. art inTT' T-ra» — ■—..r-,-i j usssso
Die »Freie Zkilung'- p.uvant, mn «ü«». -mr deS MontagH täglich in einem Bogen. — Der AbonnementSpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden 1 ff. 45 kr., auswärts durch die Poff bezogen mit ver-älin>ßmäüigcw Aufschl^.e. — Inserat« werden bereitwillig anfgenonmen und find bei der großen Beibretiung der „Freien Zeitung" stets von wirksamem 4t» svlge. — Die Jnserationögebühren betragen für die vuckpaltige Petitzeile 3 ft.
W o stehen wir?
»Pour moi, ce que je regrette, je l’avoue fran- chement, c'est qu’on n oit pas brulè Jean Hus plus tot, et qu’on n’ait pas ègalèment brule Luther-, c’est qu’il ne se soit pas trouvé quel- que prince assez pieux et assez pohtigue pour mouvoir wie croisade contre les protestants.« Neuillot im „Niuoers".
X Mache sich jeder darauf gefaßt, daß es in Europa noch einmal zu einem furchtbaren Religionskriege komme! Wir wollen nicht erschrecken, wir halten es aber für die Pflicht des Publizisten, des ZeithistorikerS, auf die Zeichen der Zeit hinzudenten. Wenn es bei bloßen Maßregelten nvd Verboten gegen die akatholi- sche Menschheit bleibt, wenn England nicht mit Irland in neuen Kampf geräth, wenn Frankreich keine neue Bartholomäusnacht erlebt, wenn die Schrecken des dreißigjährigen Krieges nicht noch einmal Deutschland durchtoben und die Gräuel, welche TillyS Schaaren über Magdeburg brachten, sich nicht wiederholen — fürwahr, die Schuld des Ultramontanismus ist es nicht! Das „Univers", das in Paris herausgegeben wird, das Hauptorgan des Jesuitenordens in Europa, hat einen Hauptredakteur, Veuillot, dem vorgeworfen ward, er habe erklärt, er bekenne offen sein Bedauern, daß Huß nicht früher und Luther nicht dazu verbrannt sei! Auf diese Aeußerung kommt in dem genannten BlatteVeuillot in seiner Nummer vom 26. Aug. zurück, nicht jedoch, um sich zu mildern, sondern um noch fanatischer zu einem Kreuzzuge gegen Alles, was nicht römisch-katholisch im Sinne des Jesuitismus ist, aufzufordern.
„Befragt und überführt durch die Kirche, wurde der Ketzer" — so heißt es im „Univers" wörtlich, „dem weltlichen Arm überantwortet und mit dem Tode bestraft. Nichts erschien mir je natürlicher und nothwendiger. Mehr als 100,000 Menschen kamen in Folge der Wiclef- schen Ketzerei um; die Ketzerei des Johann Huß hatte den Tod von noch weit mehr zur Folge; das Blut, welches Luthers Ketzerei gekostet hat, ist nicht zu messen un6 es ist noch nicht damit zu Ende: nach drei Jahrhunderten stehen wir wieder am Vorabend des Anfanges. Die rasche Unterdrückung der Anhänger Luthers und ein Kreuzzug gegen den Protestantismus hätten E » r op a drei Jahrhunderte der Zwietracht und der Katastrophen, in denen Frankreich und die Eivilisation uu^erge- hen können, erspart. Dies ist der Gedanken- gang, in welchem ich den Satz niederschrieb, der den tugendhaften Zorn der rothen Journale erregt. Der Satz lautet, so wie sie ihn abdrucken: „„Was mich anbetrifft, so bebau re ich, und bekenne eS unverhohlen, daß man Johann Huß nicht eher ver. brannt hat und daß man nicht desgleichen Siu«
€ Bilder aus der Wiesbader Kunstausstellung.
(Schluß.)
10) Huß vor dem Scheiterhaufen, Origi- ■ nalskizze von C. ^. Lcssiug in Düsseldorf.
Mit landschaftlichen Darstellungen aller Art ist unsere Ausstellung überreich gesegnet — unter den 237 Kunstgegenständen derselben gehören wenigstens 120 dem Fach der engeren Laudschaftsmalerei an —; an an- j ziehenden Genrebildern besitzt die Ausstellung Vortreff- j liches, aber in ziemlich geringer Zahl; ganz arm ist sie . ölt historischen Bildern. Das ist eine ziemlich allge- meine Klage auch anderwärts; die Zeit ist den Künstlern eben mächtig vorausgeichrilten in der Entwieke- nng und Writerverbreitnug des Sinnes für Geschichtliches, vor Allem Rationales, und so wird es beim woyl noch eine längere oder kürzere Weile dauern, bis zwischen den Bedürfnissen der Gegenwart und der Befriedigung derselben auf künstlerischem Gebiete ein gewisses Gleichgewicht eingetreten sein wird Auch diesen klebergangszustaud werden wu daher ruhig dureh- z,leben haben uno in Beziehung aus die hiesige Aus- ft llung muß uns beim das gedachte eine Bild von ■ Lessing Ersatz bieten für alle übrigen, die wir ver- j mffen. Es ist zwar nur ein Bild; es ist noch nicht einmal ein angeführtes Bild, sondern nur ein kleiner 1
ther verbrannt hat; und daß sich nicht ein Fürst fand, der fromm und staats,lug genug war, um einen Kreuzzug gegen den Protestantismus zu erheben "" — Buchstäblich könnte Visser Ausspruch milder gedeutet werden; doch da ich so glücklich bin, nicht derer einer zu sein, welche an kr Fassung ihrer Sätze kleben, so leugne ich sie keineswegs. Ich halte sie fest, da man sie mir vorwirft, md bin nicht fühlloö für das Vergnügen, mich mm n meinen Ueberzeugungen zu zeigen. Was ich 1838 sa rieb, ich denke es noch." — Schließlich macht Veuilet sich über „die rothen Philanthropen" (les philanhropes rouges) luftig, welche sich über solche Grundsätze entsetzten.
Sollten es aber blos sie „Rothen" sein, welche Menschlichkeit genug hätten, vor solchen Blutpredigten zu schaudern? Hört es, Hp Protestanten, wie man euch beschuldigt , drei Jahrhunderte lang Europas Frieden und Civilisation gekört zu haben; wie man einen Fürsten sucht, der „fromm und staatsklng genug, um einen Kreuzzug gegen die Protestanten zu er. heben!" Hört es, wie man erklärt, man sei wieder am Vorabend des Anfangs, um mit Luthers Anyän- gern abzurechnen!
Die Verwegenheit des Jesuitismus — um kein stärkeres Wort zu gebrauchen, ist bereits so weit gediehen, daß ein Pariser Korrespondent der konservativen und in Kirchensachen wahrlich gut katholischen belgischen „Jnbependance", entsetzt ausruft: „Die Ketzerei war eine Ursache des Bürgerkrieges und der Schwächung der Nationen, sagt Herr Veuillot, uno folglich soll man sie mit dem Tode bestrafen; aber es will mir scheinen, daß unter einer Republik der Royalismus, der Imperialismus, und der Klerikalabsolutismus gleichfalls Ursachen zum Zwirspale, zu Unruhen, zur Schwächung des Landes sein können: was würde aber Herr Veuillot dazu sagen, »tun tuiu*. M4_;’.-f»<M«L,4t; .»fSä VV.. c < . .Q. ... v... sH^rPt dadurch antwortete, daß man seine ©iniiiTjn^-trr unserem politischen Gesetzbuche in Kraft tieten ließe? Und als ob H^rr Veuillot Marat und Robespierre noch nicht genug gerechtfertigt hätte durch einen Aufruf zu denselben Maximen, die das Andenken dieser Männer fluchwürdig machen, entlehnt der Direktor des „Univers retigieur" ihnen ihre Lieblingsargnmente, um den Beweis zu fuhren, daß die blutige Vernichtung eines ansbrrchenden Schisma eine Wohlthat sei, dieweil dieselbe alles Unheil und alle M- tzeleien erchare, die die Verbreitung einer Pest Hervorrufen könne! Also waren es nach diesen Grundsätzen blos Gründe der Menschlichkeit, in deren Folge 10 000 Köpfe während der französischen Rrvolut on sielen! Wenn man dergleichen lieSt, läßt man die Feder aus der Hand fallen, um sich den Puls zu iüh- len und zu fragen, ob man träume oder wache. Urb- rigens erregt dieses scheußliche System einen so allgemeinen Schrei des Unwillens, daß nimmermehr Die Verwirklichung desselben in einer civilisirten Gesellschaft
Entwurf dazu, aber es ist rin Leasing. Das größere ausgeführte Gemälde deö Meisters ist brtaniu.ich vor zwei Jah en nach Amerika gewandert, weil im großen deutschen Vaterlande kein Käufer dafür zu sinken war; da die vorliegende Skizze unseres W ssens die einzige ist, welche überhaupt davon besteht, so hat dieselbe für die kunstgeschichtliche Betrachtung noch einen erhöheten Werth. Wir wollen nicht das überflüssige Unternehmen beginnen, über die charakteristische Zeichnung der Figuren, über die unvergleichliche Stimmung der Farben , sowie über andere mehr technische Vorzüge des BilkeS Worte zu machen; wer Lessings Talent kennt, weiß das Alles bester, und wer seine Werke noch nicht gesehen und genossen hat, dem würbe auch unsere Dar- stelluiig nicht dienen. Wir halten uns dafür an den Gedankengang der Komposition, um in einer kurzen Darstellung zu versuchen, wie Lessing seinen Lieblingshelden auf dem letzten Gange bargrstellt hat.
Von dem Concil zu Kostnitz zum Feuertobe verurteilt, befindet sich Io haunes Huß, von einem langen Zuge von Reisigen begleitet, auf dem Weg zur Richt- stätte. ES war am 6. Juli des Jahres 1415, wo der Leib des argen Ketzers zu Asche verbrannt werden sollte, der die päpstliche Oberherrschaft über die Knche, die Sünbenvergrbung durch Priester, den Ablaß, den Glaubenszwang verworfen und die Kirche so schwer gekränkt hatte. Der Maler hat einen Moment vordem eigentlichen Feuerakte gewählt, wo Huß, im An
zu denken ist, Solche Artikel sind nur bedenklich für das Etysee, welches, ohne zu bedenken, daß solche Alliancen stets die Gewalten stürzten, die sich auf dieselben stützten, auf einen Bund mit der Partei, die das „Uni- vers" repräsentirt, einzugehen scheint."
Aber ist es blos das Elysee, das in ein Bündniß mit der Partei des „Univers" eingehen zu wollen scheint? Wir würden uns scheuen, es auszusprechen, daß diese Partei die „Vormacht des Protestantismus" ausersehen zu haben kein Hehl hat, wenn sie es nicht seit Wochen in ihren Organen predigte! Wir wollen nur erinnern an die jüngsten Artikel der in Köln erscheinenden „D. Volks-Halle", und zum Schluß folgende Korrespondenz der „Oberpostaintszeitung " vom 29. August vorlegen, welche lautet:
„Berlin, 33. Aug. D ie Katholiken Preussens hoffen, daß schon im Herbste d. I. eine päpstliche Nunciatur in der Hauptstadt errichtet werde. Möglich, daß diese Hoffnung etwas sanguinisch ist, an ihrer Verwirklichung aber, früher oder später, ist nicht zu zweifeln, tote stützt sich auf Thatsachen: bas freundliche Verhâlt- niß des Papstes mit Preußen, die Vcrleihung des Pinsor.dens an Hrn. v. Manteuffel, die Unterstützung, welche die Regierung dem Bau von katholischen Kirchen angedeihen, läßt, die Fürsorge für die katholischen Soldaten durch Anstellung von katholischen Militärgeistlichen, alles dies sind Umstände, welche auf Der einen Seite Hoffnungen, auf der andern Befürchtungen hervorrufen. Namentlich in den Provinzen nimmt die unbestimmte Furcht vor dem Katholicismus mehr und mehr zu. Und in der That, wenn man die Thätigkeit und den Eifer der katholischen Geistlichkeit ins Auge faßt, so erscheint die Furcht nicht so unbegründet, wie sie auf den ersten Blick aussieht. Die Jesuiten haben bereits am R^ein, in i» in Schlesien une-» unae- heurem Zulaus gepredigrP~arnv ^»^'^^-wuch der Prinz von Preußen auf seiner vorletzten Durchreise durch Bonn geäußert, auch sein Sohn, der bekanntlich in Bonn studirt, hätte diese krä fti g e n P r ed ig ten mit g r o ß e r Theil- nahme gehört. In der protestantischen Mark Bianoeiiburg erhebt sich eine katholische Kirche nach der andern, deren Bau von der Regierung Uiiterstützt wird; und die St. Michaelsk-rche, deren Grundstein vor einigen Wochen hier auf dein Köp-> nicker Felde gelegt wurde, ist speciell für den katholischen Militärgottesoienst bestimmt. Man erinnert sich ferner der Huld, welche der König auf seiner letzten R et s e überall der hohen und niedern katholischen Geistlichkeit angedeihen ließ, so wie auch an die enge Verbindung, in welcher die jetzt allmächtige Partei des Herren Stahl, Gerlach, Kleist-Retzow mit den Streng katholischen st:ht. Die immer
gesichte des in geringer Entfernung auf etwas erhöhe- tem Boden errichteten Scheiterhaufens, niederkniet, um durch ein kurzes Gebet sich zum Tode des Märtyrers vorznoereiten. Es ist dieselbe abgehagerte Gestalt, derselbe Huß, wie auf dem berühmten Bilde in Frankfurt, in schwarzer priesterartiger Kleidung, dem die si beninonatlichen Kerkerleiben Stirne uno Wangen durchfurcht haben; aber aus dem Feuer des Auges blitzt die innere Gluth der heiligen UeberzeugnngStreue und vertrauensvoll ist sein Blick dem Huninel zugewendet, als sähe er das Angesicht Der Seligen, denen er kommt sich anzureiyen. Hinter ihm steht mit seinen Gehülfen der Staotprofoß von Konstanz von oben bis unten, gerade mitten durch, halb weiß halb roth gekleidet, und ist eben im Begriffe dem Knieenden eine mit Tenfelsfratze» bemalte Papiermütze anfs Haupt zu setzen, als spräche er dazu, wie die Bischöfe bei der llrtheils- verlesniig: „Nun übergeben wir deine Seele dem Teu- fel!" Ein großer Zug von Reisigen, Priestern und Volk ist zum Theil schon an der Rnhest»ättt angekommen, zum Theil nach von der rechten Seite her, wo eie aufwirbelnden Staubwolken die Menge des in der Mittag- sonne daher stheeitenven und reitenden Kriegsvolks in t seinen Lanzen und Fähnlein hinlänglich errathen lassen, im Anzüge begaffen. Einzelne Thürme von Konstanz im Hintergründe bezeichnen uns die Stelle als zwischen Den Garten und Feldern Der Vorstadt gelegen. Dein Märtyrer zur Linken iure vor ihm am Hügelrain l».