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„âeèheit und Recht!"
Wiesbaden. Freitag, 29. August
1851.
Die »8"i^Z »> > u»g" vnivaut, mit Ausnahme deS Ävvta^, laglich in einem Bogen. — Der AboniiementSpretS betrag! vierteltährlich hier in WieSdade» I fL 45 kr., ansn'âriS t>,ir<6 bte Poft brzogen mit verhâltmftmäßigem Aufschläge. — Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Be hretimig der „greien Zeitung" st.tö von wirksamen, 4v jvlge. — Die JnsiraUonggebüdren betragen für die vierspaltige Petitzetle 3 fr.
„Des Pudels Kern".
^ Die Wiener Blätter und Berichte haben es jetzt kein Hehl mehr, daß es sich um Beseitigung der französischen „Gewaltherrschaft" (wie die „Ober- postamtszeitung" die Besetzung Roins nennt) in Italien auf gutein oder schlimmem Wege handelt. Man betreibt einen Bund der italienischen Fürsten unter Oesterreichs Protektorate, wie die Hegemonie Oesterreichs in Deutschland bereits so gut wie satt accompli ist. Aber was werden die nächsten Folgen von dieser Doppelgewalt Oesterreichs sein? Ein Römerzug der deutschen Bundestruppen! Vor einigen Tagen noch hielt die „Nat.-Ztg." einen solchen für unmöglich; seitdem ist die Entwickelung um so viel weiter gediehen, daß dasselbe Blatt aus Berlin schreibt: „Alle Restauration hat einen militärischen Anfang. Den rettenden Thaten im November 1848 ging die militärische Umlagernng von Berlin vorauf. Die Ausstellungen von Tiuppenkorps in Kreuznach und Wetzlar bildeten die Einleitung zum Reichsverfassungskampf im Jahre 1849. Die Aufstellung der beiden österreichischen Korps in Böhmen und in Vorarlberg wurde der Ausgangspunkt für die Restauration in Hessen und in Holstein. Die Bundesversammlung, — das Wort — jene beiden Korps — die Kraft und die That, Herr Hassenpflug der Mann. Ein großes unter Bundesbe- sehl, zur Verfügung der Bundesversammlung, dicht bei Frankfurt stehendes Truvpenkorps wäre allerdings etwas sehr Elastisches. Das österreichische Kabinet, nicht zufrieden, wieder an die Spitze des Bundes der deutschen Regierungen gekommen zu sein, über die es einen Einfluß übt, der allerdings nicht blos nach den zum sogenannten deutschen Bunde gehörigen Provinzen, sondern nach dem Gewicht der Gesammtkraft von Ge- lammtMesterrrich bestimmt wird, will al ch eine gleiche Führerschaft in Italien erreichen. Von der Akkreditiv rung eines neapolitanischen Gesandten beim Bundestage ist bereits die Rede. Mit Aufstellung eines Bundeskorps träte zur diplomatischen auch die militärische Einleitung zu dem beabsichtigten Römerzuge. Darauf, wie stark das deutsche Korps ist, das vorläufig sogleich nach Italien hineingeworfen werden könnte, käme es weniger an. Die Franzosen haben nur 10,000 Mann in Rom; sie sind aber dadurch in Rom und in Bezug auf die Wendung der italienischen Angelegenheiten überhaupt, wie man es nennt, engagirt. Ebenso wären die im deutsäen Bunde vereinigten Regierungen darin engagirt, sobald nur erst ein, wenn auch mäßiges, aus den Truppen verschiedener Bundesstaaten zusammengesetztes Korps, zu dem auch preußische Truppen gehörten, sich auf italienischem Boden
befände. Die deutschen Bundesstaaten, Preußen vor allem, wären dadurch in Italien für das österreichische Kabinet, gegen Italien, gegen das Kano und gegen das Volk, und zugleich gegen Frankreich engagirt. Denn der nächste Zweck der österreichischen Regierung ist die Franzosen aus Rom hinauszuwerfen, und die unverbesserliche Regierung des Kardinal Antonelli unter eine absolut konservative Schutzmacht zu stellen. Der jesuitische Sonderbundsstaatsmann Siegwarl Müller und der jesuitische Sondertmndsgcneral Salis So- glio zeigten die freudestrahlendsten Gesichter, als sie im Herbst v. I. in München den Musterungen und Paraden zuschauten, welche dem Abschluß des Bregenzer Bündnisses auf dem Fuße folgten und dem Beginne der Campagne für die Suprematie des Fürsten Schwarzenberg und gegen die hessische Verfassung unmittelbar voraufgingen. Die Gesichter der Jesuitenfreunde würden nicht weniger Hellen Sonnenschein zeigen, wenn über das deutsche Bundeskorps im Beisein des beim Bunde beglaubigten neapolitanischen Gesandten die erste Musternug abgehalten würde. Preußen und Deutschland haben bei der vorjährigen Campagne nichts gewonnen, als die Conservation des Herrn Hassenpflug, die Wiederherstellung des Bundestags, das dänische Grußcbikt gegen die deutschen Schleswig ger und die Wiederbelebung der ständischen Gliederung. Der Ultramontanismus sucht die Länder mit Jesuiten- nuffionen heim und hat mit immer größerer Kühnheit sein Haupt erhoben. Er ist darauf und daran, in Frankreich wie in Oesterreich sich der Schule und des Unterrichtswesens zu b. mächtigen Er hat beim Bundestage Verwahrungen eingelegt gegen die Verluste, welche die Kirche in diesem Jahrhundert in Deutschland an äußern Gütern erlitten, und er fordert die bei Einziehung der Kirchengüter verheißenen Entschädigungen. Mit jedem Schritt, t.n die Restauration vorwärts thut, treten neue ÄiMrüche auf Entschädigung und Wiedereinsetzung tu den vorigen Stand auf — von Seiten der Mediatisirten wie von Seiten der Ultramontanen, wie von Seiten der steuerfreien, aber frohn- und jagdberechtigten Ritterschaften. Diese Ansprüche sind das Ziel aller Rüstungen, aller der römischen Erpeditionen im Innern und nach Außen/'
Affksenverhandlungen zu Wiesbaden.
Anklage gegen die Ehefrau des Adam Naumann von Oberauroff wegen Meineids.
^W Wiesbaden, 27. August. Präsident: Hofgerichts- rath Trepka. Staatsanwalt: Substitut Moriz. Vertheidiger: Prokurator Dr. Großmann.
Jm Herbste 1843 soll Peter Born von Oberseel, bach, bei dem die Angeklagte im Dienste stand, in Gegenwart dieser, sowie seines Taglöhners Adam Heiler, auf einem seiner Aeckcr, woselbst die beiden tym Frucht geschnitten haben, seinem Nachbar Jakob Maurer einige Glöcken Korn entwendet haben. — Im Anfänge des Jahres 1849, zur Zeit der Bürgermeisterwahl, wurde dies erst bekannt und es ging als Gerücht durch das ganze Dorf. Eines Abends, als bereits die erwähnte Wahl stattgefunde» hatte, fassen die Zeugen Adam Georg, Johann Georg, der frühere Gemeinderrchner Fischer und der ehemalige Schultheiß Koch in Gesellschaft, als ebenfalls die Rede auf jenen Felddiebstahl des Peter Born, der dem letzteren nicht seine Stimme bei der fragt. Wahl gegeben hatte, kam. Man ließ die im anstoßenden Hause wohnende Angeklagte rufen und fragte sie nach der Richtigkeit jenes Gerücht, welche dieselbe bestätigte und vom Schultheißen Koch bedeutet wurde, nur die Wahrheit zu sagen, wenn sie später Zeugniß ab legen müsse. — Es wurde hierauf auf An. zeige des Gemeinderaths Phil. Schneider gegen Peter- Born vom Jnstizamte zu Idstein eine Untersuchung wegen Felddiebstahls eingeleitet, in deren Folge Adam Heiler und Margarethe Heinz, nun verehelichte Naumann, die Angeklagte, am 4. Mai 1849 als Zeugen vernommen wurden. Jener sagte, daß er gesehen habe, wie Born seinem Nachbar 5—6 Büschel Korn weg- genommen habe, als Entschädigung dafür, daß letzterer beim Abmähen seiner Frucht übergeschnitten habe. Die Angeklagte dagegen sagt eidlich aus, daß sie den bezeichneten Diebstahl nicht bemerkt habe. Des andern Morgens jedoch begab sie sich wieder an das Justiz- amt zu Idstein und wiverief ihre Tags vorher gemachte Aussage, zu der sie durch Drohungen gezwungen worden sein will. Die Folge davon war, daß die Angeklagte a.'Sbald in Untersuchung wegen Meineids gezogen wurde Justizamts. Accessist Thomä, welcher am 4. Mai 18-19 ihr Zeugniß zu Protokoll nahm, glaubte des andern Tags, daß die eidliche Aussage wahr, der gemachte Widerruf aber falsch sei. Er hält die Angeklagte für sehr beschränkten Geistes; ebenso JnstizamtS- sekretär Habel, welcher den beiden Verhören beiwohnte. — Medizinalrath Dr. Stutz gibt sein Gutachten über den Seelenzustand derselben dahin ab, daß dieselbe gänzlich unzurechnungsfähig sei.
Die Angeschuldigte gesteht die eidliche Aussage ein und gibt zur Entschuldigung an, daß sie dazu durch Drohungen von Seiten eines gewissen Ruppert von Oberseelbach verleitet worden sein. Auch will sie die Bedeutung eines EideS nicht wissen. — Von der Brr- theidigmig wird vorgebracht, daß es trotz des Ginge- ständnisses der Angeklagten noch lange nicht klar gestellt sei, ob der geleistete Eid falsch wäre; da die zur-
H Bilder aus der Wiesbader Kunstausstellung.
(Fortsetzung.)
8. Balgerei am Strande von Helgoland, von Henry Ritter, in Düsseldorf.
Der als Genremaler durch die Genialität seiner Kompositionen so vorteilhaft bekannte Künstler hat in diesem Bilde ein Meisterstück origineller Auffassung in einer Fischerscene am Strande von Helgoland entworfen, die zu dem weitaus Besten gehört, was die Ausstellung enthält. Die Zuschauer nehmen an der Handlung der Hauptgruppe einen so lebhaften Antheil und beeinträchtigeu doch die einheitliche Wirkung der Hauptgruppe so wenig, daß man diesem schönen Zusammenwirken der Theilnehmenden zu einer schlagenden Gesammtwirkung nur die vollste Anerkennung zollen kann.
Am ebbetrockenen Strande, den die steilen Felsen- ränder der kleinen Insel abgrenzen, sind einige Fischerfamilien bei einander. Die verlassenen Barken mit ein- gerefften Segeln am Strande und die offenstehenden Körbe mit allerlei Seefischen, die eckigen Butten am Boden u. a. zeigen, daß sie eben erst vom Fange zurückgekehrt sind. Zwei hoffnungsvolle Jünglinge darunter, .chte Seebengel von 18 Jahren etwa, sind bei dieser Gelegenheit — Gott weiß worüber — in einen Streit gerathen, der bereits sich soweit fortgesponnen hat, daß beide, nach tüchtigen gegenseitigen Puffen auseinander
gerissen, nur noch am Boden sitzend mit den Beinen auf einander loS arbeiten können. Der größere, mit beinlangen Seemannsstiefeln, in grüner Jacke, tritt mit seinem Stiefel dem Gegner wider den Leib. Er kann nicht sehen, wohin er tritt; denn bereits muß er nach einer andern Seite hin sich seiner Haut tveoren, indem ein handfestes Fischerweib, vermuthlich die Frau Mama seines etwas schwächer» Gegners, sich von hinten daran macht, mit einem langen Seefisch, den sie bei den Ohren gefaßt hat und hoch wie eine Knallpeitsche in der Luft schwingt, dem Langgestikfellen so kräftig über Kvpf und Ohren überzuziehen, daß der mit beiden über dem Kopf gekreuzten Armen und in gebückter Haltung zu wehren hat, daß die wohlgezielten Fisch-Ohrfeigen ihin nicht die Besinnung rauben. Ein Abkühlungsmittel anderer Art ist aber gleichzeitig bei seinem mit nackten Füßen am Boden ausfeuernden Gegner in Anwendung gekommen. Ein alter Fischer mit einer äußerst kaltblütig. schmunzelnden Schalksmiene, die bekannte thran- schmierige Lederkappe auf dem Kopf, hat ihm von hinten einen leeren, weibengeflochtenen Fischkorb über Kopf und Schultern gestülpt, hinter dessen Gittergeflecht der grimmige Bengel mit fletschenden Zähnen nnd zum Schreien anfgesperrtcm Mund wie ein wildes Thier in seinem Käfig gar komisch hervorschaut, indem er sich den Fußtritte» des Langstiefeligen mit gegen den Boden gestemmten Armen rückwärts zu entziehen sucht. Der kaltblütige Beschwichtiger in seiner schmierigen Fischer- kleidung ist vortrefflich aufgefaßt; zum Tobtlache» ist ein anderer alter Fischer, der zur Linken ein Paar Schritte davon mit wahrem Seelenvergnügen in seinem lachenden Gesicht den beiden Kampfhähnen und ihren
beiderseitigen Helfershelfern zuschaut, die Rechte in die Seite gestemmt, während er mit der Linken, den Bauch halten muß. Rechts davon, etwas hinter dem Geohr- feigten, steht mit in einander gesteckten Armen, d.rS Pfeifchen im Munde, die roth-weiß-blau gewirkte Woll- mütze auf dem Kopf, eine echte Seemannsgestalt, von Wmd und Wetter gebräunt und gehärtet, mit den st engen, kalten Zügen des Matrosen; auch e schaut dem komischen Abzappeln der beiden Kanipfpahne am Boden mit Wohlbehagen zu; aber keine Beivegung verräth, daß er irgend sich zu einer leidenschaftlichen Erregung hinreißen lasse; nur seine Mienen und sein blinzelndes Auge verrathen eine innere Behaglichkeit, sonst alles ruhig, gemessen, wie aus Erz gegossen. — Was der Maler sonst noch von Figuren hinzugefügt, besonders ein böser Bube, der einen Hund gegen die Kämpfer so loszuhetzen weiß, daß er bereits dem Grünjackigen in die dicken Stiefelsohlcn sich eingebissen hat, sowie andere Zuschauer in der Nähe, die Küsten- Staffage, die Luft, die Landschaft, Alles bis ins Kleinste hinein, ist so wahr, so geschickt zusammengestellt, daß man nicht müde wird, jede einzelne Person immer wieder von Neuem ins Auge zu fassen und dabei jedesmal wieder neue Seiten der Betrachtung daran entdeckt. Wir wiederholen, daß das Bild'in Idee uno Ausführung dem Besten, was die diesjährige Ausstel. lung enthalt, wohl unbestritten den Rang streitig macht.
(Fortsetzung folgt.)