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Wtesbaden. Donnerstag, 28. August

M 203

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Freiherr und Recht!"

1851

Delamarre's Projekt.

X Delamarrcs Kriegsplan zinn Sturze der Repu- Mf oder, was im Grunde dasselbe, zum Ausschluß der Republikaner aus der neuen Nationalversammlung und zur Wiedererwählung Louis Bonapartes, beides durch Verfassungsbruch auf hinterlistige oder gewalt­same Weise je nach den Verhältnissen macht unge­wöhnliches Aufsehen, da es bereits offenkundig ist, daß Louis Bonaparte mit dem Unterzeichner des Mani­festes unter einer Decke spielt. Der Präsident der Repu­blik Frankreich hat sogar die Unbesonnenheit oder Unver­schämtheit gehabt, vorgestern Mittag Herrn Delamarre beglückwünscheu und ihm sagen zu lassen, daß die von ihm angeregte Idee die größte Berücksichtigung verdiene. Die Perhorrescirung des freilich im Re­gierungsblatt erschienenen Artikels durch ein anderes, dasBulletin de Paris", war also nur Spiegelfech­terei der Hölle. Auch soll bereits eine Anzahl bona- partistischer Abgeordneter gewonnen sein, um Delamarrcs Kuckucksei der Nat.-Vers. zum Ausbeuten unterzulegen. Daß die bei dem Elysee in Dienst getretenen Legitimisten diesem sauberen Plane ihre Hülfe zukommen lassen, ist schwer zu glauben, jedoch nicht unmöglich mehr, seit das Hauptziel der gejammten Contrerevolutionsparteien des europäischen Kontinentes dahin geht, per fas et nefas die Demokratie zu verhindern, daß sie in der Rational-Versammlung die Macht erhält, die ihr, wie niemand mehr zweifelt, zusteht und zufallen wird, sobald die Verfassung respektirt und die Nation in Kundgebung ihres Willens unbehindert gelassen wird. Uebrigèns soll der schlaue Carlier dem Elysee abgerathen haben, zu dieser gefährlichen Kriegsmaschine ihre Zuflucht zu nehmen,da das iMnmchrkien gefährlicher werden könnte, als die Regierung vermeine." Auch Leon Faucher hat Be­denken, doch zweiflen wir nicht daran, daß er diesel­ben bei Seite schieben wird, sobald sein Portefeuille in Gefahr kommt. Denn Stelleujägerei ist das Hauptmerkmal dieser ganzen bonapartistischcn Sipp­schaft vom Abenteurer von Boulogne an bis zum letz­ten Bedienten des Kaiserthumsschwindels. Um das dumme Volk" einzuschüchtern, soll das Elysee auch schon wieder eine Verschwörung am Schnürchen ha­ben, doch meint derNational," Herr Carlier sei viel zu klug, als daß er jetzt schon eine solche serviren werde; Gerüchte dieser Art seien erst kurz vor Wie­dereröffnung der Nationalversammlung zu erwarten, da die Ankündigung einer Verschwörung mit zu den Formalitäten gehöre, womit das Aufziehen des Vor­hangs bei allen gesetzgebenden Versammlungen begleitet zu werden pflege.

N. S. Die neuesten Pariser Blätter bestätigen, daß Lonis Bonaparte Delamarre's Plan zu dein seini- gen machen zn wollen scheint. DasselbeBulletin de Paris", welches gestern gegen den Plan sprach, bringt

in seiner Nummer vom 24. August eine Note, welche augenscheinlich direkt aus dem Elysee stammt, und wor­in die vollkommenste Zustimmung enthalten ist. Zu­gleich wird versichert, daß man die Majorität für Be­schleunigung der Wahlen zur Nationalversammlung zu haben glaube und sogleich nach den Ferien mit einem Anträge dieser Art hervortreten werde. Die Krisis wurde dadurch beschleunigt und der Würfel über Eu­ropas nächste Zukunft schon im December 1851 ge­worfen werden.

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!

X Was würde Radetzky wohl gethan haben, wenn in Mailand oder Brescia die italienischen Patrioten zusammen gekommen wären und einen republikanischen Vertheidigungsverein gegründet hätten, um den Ge­setzen Trotz zu bieten?

Oder was hätte Papst Pius IX. verfügt, wenn in Rom oder Bologna durch eine Volksversammlung die Bildung einer protestantischen Schutz- und Trutzver­bindung geschloffen und fulmineute Reden dabei gegen das geistliche Regiment gehalten worden wären? Die Kerker faßten die Menge der Gotteslästerer nicht! Und doch heißt Pio nono Vater der Christenheit und ein Mann von Milden Sitten.

Oder was hätte Herr v. Mannteuffel beschlossen, wenn die Demokraten in Berlin oder Köln eine Mon­streversammlung gehalten, gegen denglaubenswüthi- gen und tyrannischen Premierminister" gedonnert und es für Gewissenspflicht erklärt hätten, ungerechten Gesetzen nicht zu gehorchen?" Die Regierung, welche denAtheismus" der Kinder von 3 bis 6 Jah­ren fürchtet und deshalb dec Fröbelschen Kindergärten verbot, würde sich alsstarke Regierung" bethätigen und was das zu bedeuten hat, ist weltbekannt.

Aber freilich, Mazzinisten, Protestanten oder Demokraten wer kann sic schonen? Wenn es fromme Piusiten wären 1 Freilich, sie verdienen Ver­trauen, denn sie sind so königisch gesinnt, daß sie selbst für protestantische Könige beten !

In England steht ein Whigkabinet am Ruder, das im Laufe der Session manche Schlappe erlitt, be­sonders durch die Umtriebe der katholischen Klerikal- partei, und welches nur mit Fallen und Aufstehen ein Gesetz durchbrachte, das vielen Protestanten zu mild, den Ultramontanen dagegen viel zu scharf war. Den­noch ging die Titelbill gegen die Papalaggression durch beide Häuser und die Königin sanktionirte das Gesetz, um dagegen aufzutreten, daß das protestantische Eng­land ungefragt in katholische Besitzthümer vertheill und die bestehende Gesetzgebung verhöynt werde. Und was geschah? In Dublin ward gegen dieses soeben erst sanktionirte Gesetz eine Riesenvolksversammlung ausgeschrieben; und die Regierung schritt nicht ein? -In dem Einladungsschreiben bediente man sich der

hart verpönten Titel; und die Regierung schritt nicht ein? Man organisirte Trupps von Landvolk aus den bigottesten Distrikten,um ihren Klerus zu schützen;" und die Regierung schritt nicht ein? Nein, sie läßt der Sache ihren Lauf, weil kein Gesetz besteht, das das Vereinsrecht beeinträchtigt, grade wie sie Mazzini und Ledru-Rollin und Kinkel u. s. w. das Asyl nicht verkümmert, trotz russischer, österreichischer u. s. w. Noten.

Die Dubliner Versammlung fand statt. Welche Thorien wurden hier entwickelt? Wurde das Mee­ting mit einein Gebete für die Königin und ihre Rathgeber eröffnet und zu Gehorsam gegen Gesetz- und Obrigkeit ermahnt? Dr. Cullen, Pseudobischof von Armagh, führte den Vorsitz, um zu seufzen, es sei ewig bevauerswerth, daß die Staatenlenker diesen Au­genblick gewählt hätten, (sie hätten ihn gewählt, sie, die den Angriff nur parirten?!) um Irland mit neuer Trübsal heimzusuchen; es sei kaum nöthig zu sagen, daß er den Brief an den Bischof von Durham meine. (Grunzen der Versammlung!) Dieser Brief (?) habe die Asche der Zwietracht aufgewühlt und herausgekehrt, was niedrig und schmutzig sei in den Tiefen der Un­duldsamkeit. Doch Einigkeit mache stark und die Ca- tholic Defence Association sei ein Mittel zur Einig­keit. Das nächste Ziel sei, alle Katholiken des Reichs in einen mächtigen Körper zu vereinigen. Sodann eiferte der Mann Gottes gegen das furchtbare Unheil, daß gemeinschaftliche Schulen eingerichtet worden seien! Es ist bekannt, daß die katholischen Iren weit hinter den protestantischen Briten zurück sind: gemeinschaftliche Schulen heißt also gemeinschaftlicher Fortschritt; die Iren klagten stets über Zurücksetzung und nun die Regierung allen Kindern gleiche Bahnen bereitetverordnet sieDinge ewigen Bedauerns"!?!

Schon vorgestern haben wir gemeldet, daß die Versamm­lung den Beschluß auf Wisemans Vorschlag faßte,die sogenannte Titelbill für eine Verletzung des Kompro­misses der Catholic Relief Act von 1829 und für unverträglich mit dem Prinzip der Religionsfreiheit zu erklären." Wir finden es ganz in der Ordnung, daß die englische Whigregierung das Associationsrecht in weitester Fassung unangetastet läßt; aber wir halten es für nöthig, ihr Verfahren als Muster hinzustellen und zu rühmen. Was thaten die irischen Ultramon- tancn? Dr. M'Hale beantragte,daß die gegenwär­tigen Minister die Sache der bürgerlichen (!) und religiösen Freiheit betrogen und das Vertrauen der Katholiken verwirkt haben!" Dr. Ullatherne, Pseudo­bischof von Birmingham, klagte gar sehr über die Preßfreiheit, diese unbequeme Stimme, welche alle Schliche aufdeckt! Der fromme Mann erklärte, es sei gar nicht die Absicht gewesen, den apostolischen Brief amtlich zu publiziren. Durch einen bis jetzt noch nicht aufgeklärten Zufall sei eine Abschrift des Dokumentes in die französische Presse gerathen und so der Welt bekannt geworden, noch ehe das Original nach Eng-

C Bilder auS der WicSbader Kunst- ausstellung.

(Fortsetzung.)

7) Die vier Jahreszeiten, von Th Fischer, in Schwerin.

Ein allegorisches Bild oder vielmehr eine Gruppe von vier allerliebsten Bildchen, die uns den Wechsel der Jahreszeiten auf eine gar ansprechende Art ver­sinnlichen. Vier Bildchen, eines oben, eines unten, die beiden andern rechts und links, jedes von kreisförmi­ger Rundung, bilden nach Außen eine schöne Kreis­figur und stoßen nach innen so zusammen, daß eine Lücke dazwischen bleibt, welche mit Blumensträußen und Blätterranken dergestalt vollkommen ausgefüllt ist, daß von diesem mittleren Blumen - und Blätterwerk aus um alle 4 kleineren Kreisbildchen, gleichsam zur Ein­rahmung jedes einzelnen, Blättergewinde sich herum- schlingen, die in der Auswahl und Färbung der ein­zelnen Blüthen und Blätter auf die von ihnen ein ge­schlossene ZahreSgruppe eine engere Beziehung haben. Jedes einzelne Bildchen hebt sich auf einem dunkelblauen Hintergründe, dessen "Bläue nur hin und wieder etwas gar zu grell in die Augen fällt, recht gefällig ab und cs wird eben durch die Gleichfarbigkeit des Hinter­grundes wie durch die viermalige Wiederholung des­selben allegorischen Figurenpaares die Zusammengchöng-

keit aller einzelnen Bildchen als verschiedene Theile einer und derselben Einheit schon auf den ersten Blick versinnlicht.

Der Gegenstand selbst ist folgender: Ein Paar nackte Kinder, ein brauner Knabe und ein blondgelock­tes kleines Mädchen, sind viermal in verschiedenen Gruppirungen vereinigt, in einer Weise, wie die be­treffende Jahreszeit es erfordert. Das oberste Bild­chen ist der fröhliche Lenz. Das Mädchen kniet auf dem grünen Teppich der Natur, mit den beiden Armen auf den Boden gestützt und schaut mit seliger Kinder­wonne dem Geführten ins Angesicht, der ebenfalls halb vor ihr knieend mit der Linken ihr leise das Kinn be­rührt, als wolle er das Engelsköpfchen etwas mehr aufrichten, während die Rechte ihr einen frischen, grü­nen Kranz von Vergißmeinnicht auf die hellblonden Locken drückt. Ein blühender Hollunderbusch umfaßt das Bildchen. In dem Bildchen links abwärts schlummert das Mädchen, in der Schwüle deö Tages unter Blumen eingeschlafeu; dicht hinter ihr sitzt dec treue Gefährte und hält mit der Linken ihr einen grü­nen Zweig zur Abwehr der Sonnenstrahlen über das schöne Gesichtchen; eine röthliche Beere an dem schir­menden Zweig deutet auf die heiße Sommerzeit, die zur Lust der frohen Kinderwelt Die süßen Kirschen reifen läßt. Gelbe Aehren in Garbeubündeln bilden hier die entsprechende Einfassung. Rechts gegenüber treiben die beiden Unzertrennlichen eine kindliche Necke­rei. Beide sitzen am Boden; das Mädchen stemmt sich

halb nach hinten auf die Arme, während der kräftigere Knabe sie mit dem linken Arme jo am Kopfe umfaßt, i daß er mit der Hand ihr die Augen zuhält, während ' er mit der Rechten ihr eine reife saftige Weinb. ere . vor Mund und Nase hält, als sollte sie, ohne zu seyen, errathen, was er ihr gebracht habe. Die Trauoen- blätter, welche das Bildchen umranken, machen seine Beziehung auf den früchtegesegneten Herbst unverkenn­bar. Das letzte Bildchen, unten, verräth schon durch die Bräune des umgebenden verdorrten Blätlertrai zes von Eichenlaub, daß wir Die trübe, licht- und freuden­leere Natur der Winterzeit vor uns haben. Die armen Kinder, in allen früheren Gruppen narfc, haben sich in erwärmende Pelze gehüllt und kauern, eins hin­ter Dem andern, vor dem Feuerchen, das sie aus ver­dorrtem Gras und Reisig auf Dem festgefrornen Boden sich angefacht haben und das doch nur dürftigen Schutz gegen die frostige Luft und die Stürme Der Jahreszeit zu gewähren vermag. Die silberne Mondsichel an» Him­mel deutet auf die tauge Winternacht.

So hat eine finnige Künstlerhand die Dur Jahres­zeiten zu einem Bilderkrauze vereinigt, Der, wenn auch die Zeichnung im Einzelnen nicht allen Ansprüchen an Schärfe Der Konturen entsprechen sollte, doch Durd) Die geschmackvolle Combination nicht leicht ein unver­dorbenes Gemüth unbefriedigt lassen nurD. Möchte eS ein wahrer Freund der vier Jahreszeiten für sich zu gewinnen und hier zu behalten suchen.

(Fortsetzung folgt.)