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âeèheit und Neehl!"

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M 2OO Wiesbaden Sonntag, 24. August 1851.

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Diegr<i< Fettung" erscheint, mit Ausnahme des Montags, läglich in einem Bogen. Der AbonnementSpretS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I st. 45 fr., auSwaris bur# die Post bezogen mit verhältnißmäHigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und sind bei der großen Lerbrettuog derFreien Zeitung" stets von wirksamem li.» folg». Die Jnserationâgrbühren betragen für die vterspaltige Peiiizetle 3 ft.

Briefe aus dem Gebirge.

XXVI.

(Fortsetzung.)

Vor der Freiheit sei fein Frieden!"

G. H erwegh.

£ Ich komme nun auf einen Punkt, dessen Erörte­rung Sie vielleicht für höchst unpraktisch halten mögen, der aber deshalb doch bei sehr Vielen für ein Haupt­punkt gelten wird.

Ich behaupte geradezu, daß Ihr Verein, angenom­men er hätte die beste Verfassung, während er in mei­nen Augen eine sehr schlechte hat, angenommen er hätte über viele Geldmittel und Arbeitskräfte zu gebieten, während er an beiden Mangel hat, doch Heuer, in dem Zeitalter der Reaktion, bei dem besten Wil­len für vaterländische Arbeit und Volksbildung, soviel wie gar nichts wirken könnte.

Sehen Sie, mein Herr! ohne Freiheit ist alles Wirken für Wohlstand und Bildung des Volks eitel Narrethei. Das ist so, war stets so, und wird stets so bleiben.

Werfen Sie, mein Herr! nur einen Blick, ich bitte Sie, auf unser armes Deutschland! Es ist dieß, wie seine südlichen und östlichen Nachbarn, ein großes Reich von Unfreien, d. h. Sklaven.

Sie selbst, mein Herr, und die übrigen Volksfestler werden mit der Kette der Unterjochung, geschmiedet durch die drei Großstaaten des Ostens, mit dem Brand­mal der Schmach, welche stets der Knechtschaft auf dem Fuße nachfolgt, auf Ihrem Feste erscheinen; Sie oder Ihre Genossen werden vielleicht Reden halten, allein diese werden wie gezähmte Bären Niemand verwunden und kein gebeugtes und beladenes Gemüth in Hoffnung und mit Erquickung aufrichten.

Die Gewitterwolke der heiligen Triarchie, die fort­während den deutschen Himmel verfinstert, wird auch aPSirWBMMÄ

Hören Sie mich an! ,

Die Bildung ist an den meisten Orten von Jesm- ten getrübt, der Glaube vielfach bedrängt, die Gewis­sen in vielen Landen beängstigt, die Presse durch hurte Strafandrohungen mehr belastet, als unter der frühe­ren Censur, die Wissenschaft gefistelt, der Unterricht vergiftet: Alles nach Wunsch der auf eine Million Ba­jonette sich trutziglich stützenden drei absoluten Groß- staaten des Ostens. ,

Das Vertrauen ist geschwunden, die Geichaste ge­lähmt, die Industrie verkrüppelt, die Landwirthschaft energielos, der Handel verkümmert: Alleo unter dem Schutze der drei absoluten Großstaaten des Ostens.

Die braven Söhne des Vaterlands ruhen in Ker­ker und Banden, die kecken Streiter für die deutsche Freiheit sind im Elend (die altdeutsche Bezeichnung für das fremde Land, die Verbannung), die entschiedenen Patrioten in Bedrängniß: Alles unter der Obhut der drei absoluten Großstaaten des Ostens.

Die Erwerbsquellen versanden, die Stenern und Staatsschulden steigen; die Banquerotte sind unaufhör­lich, die Auswanderungen unzählig; der Mittelstand verschwindet täglich mehr in dem weiten Ocean des schutzlosen und verachteten Proletariats, die Berge des Reichthums werden immer höher und höher, die Thäler der Armuth vertiefen sich mehr und mehr: Alles unter den geweihten Fittichen der drei absoluten Großstaaten des Ostens.

Die deutsche Tapferkeit und die deutsche Treue sind in Schleswig-Holstein an den Schandpfahl geschlagen; der deutsche Handel und teutsche Industrie in England verhöhnt und verspottet; der deutsche Name in Italien verflucht, in Rußland verachtet: Alles unter dem Schirm der drei absoluten Großstaaten des Ostens.

Im Angesicht dieser Thatsachen rufe ich Ihnen, mein Herr! und noch vielen Andern zu: Erachtet zuerst nach der Freiheit, dann wird Euch alles.Andre von selbst zufallen.

Bei der totalen Sonueusinsterniß, die neulich statt­fand, konnten Sie wahrnehmen, wie, als die Sonne schwand, alles eine Leichenfarbe annahm, die Thiere ängstlich ihre Ruhestätten aufsuchten, die Pflanzen ihren Blumenkelch schlossen, und gleichsam die ganze irdische Natur von einem Schauer ergriffen ward.

So, mein Herr, ist es mit der Sonne der Freiheit. Sind deren Strahlen durch Mönchskutten und Sol­datenröcke verdunkelt, "so erstirbt überall das warme pulsirende Leben, die Blüthen der Industrie, der Kunst

und der Wissenschaft schließen sich, und es bleibt xin eitles, fruchtloses Bemühen, hier und da eine Blüthe ängstlich aufzuzerren.

Als Robert Blum, den so Viele heute leider schon vergessen haben, sich von Frankfurt aufmachte, um in Wien für die deutsche Revolution zu sterben, hinterließ er als letztes Wort, als Testament, seinen Freunden diese Wahrheit:

Durch Freiheit zur Einheit, durch Ein­heit zu Ehre und Glück!"

Dieses Wort mögen Sie und Ihre Genossen im Verein sich auch gesagt sein lassen.

Aber, fragen Sie, was sollen wir also für die Freiheit thun? Das will ich Ihnen sagen: Sie sollen das Volk nicht von der Politik abziehen, sondern es gerade anfeuern, sich mit der Politik zu beschäftigen, Sie sollen es lehren, die Freiheit über Alles zu lieben, und ihren hohen Werth immer mehr zu erkennen; und Ihr Verein soll nicht die sonderbare Meinung hegen, mit Verbannungder politischen Tendenzen" sei eine Volksbildung" denkbar. Man sagt mit Recht: Volks­bildung sei Volksbefreiung; man kann aber auch mit gleichem Recht sagen:

Volksbefreiung sei Volksbildung.

Sie alle werden zugeben, daß die meisten Regie­rungen Europas jetzt, Hand in Hand mit den Jesuiten, kein Ziel emsiger verfolgen, als das: die Bildung des Volks von Grund aus zu verdorben, zu vernichten.

Wenn Sie dies eingestehen;* und fürVolksbil­dung" thätig sein wollen, so ist es Ihre erste, Ihre heiligste Pflicht, dem Volke die Bestrebungen zu denun- ziren, welche darauf hin aus laufen, es in dem Sumpf, des Aberglaubens und der Rohheit und der Unwissen­heit und der Unfittlichkeit zu ersäufen. Das aber, mein Herr! ist rein politische Tendenz!

Sie können und werden nun allerdings sagen: Welche Phrasen! Welch Gepolter! Welche Rodomon- taben! Viel Geschrei und wenig Wolle! Wie sollen, wie können wir beim, ü: unseren Tr--, ^

nicht selbst, die freie Rede sei gefesselt? Wissen Sie nicht, daß man der Entwicklung des Vereinswesens in Deutschland die größten Hindernisse in den Weg schiebt, und noch mehr schieben wird?"

Ich kenne das, mein Herr! Aber, glauben Sie mir, für ein strebsames patriotisches Herz gibt cs tau­send Schlupflöcher, um aus tausend gelegten Polizei- netzen wieder zu entschlüpfen.

Die Liebe ist erfinderisch! sagen die Verliebten. Ich sage: auch die echte, wahre Liebe zum Volk ist erfin­derisch! Bei Golt! wenn Sie nur ein Herz mit hei­ligem Haß, mit flammendem Zorn gegen die Tyrannei, die auf der ganzen alten Welt, mit Ausnahme einiger kleinen Stellen, lastet, erfüllt haben, so haben Sie mehr gethan , als wenn Sie- drei Tage lang bis spät Abends Feste für vaterländische Arbeit und Volksbil­dung feiern. (Schluß folgt.)

Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Anklage gegen Conr. Baldewein von Oels­berg, wegen Schriftfälschung und Betrugs.

=#= Wiesbaden, 24. August. Präsident: Hofge- richlörath Trepka. Staatsanwalt: Substitut Moriz. Vertheidiger: Prokurator Lang.

Der Angeklagte, Gemeindediener zu Oelsberg, machte daselbst mehrere Versteigerungstermine über die Concurs- maffe der Martin Auers Eheleute von da durch die Schelle bekannt. Seine darüber aufgestellte Gebühren­rechnung belief sich auf zusammen t fl. 20 fr., deren Richtigkeit der Bürgermeister attestirte. Das Herzog!. Justizamt zu Nastätten, dem diese Nota am 23. August 1850 zur Anweisung vorgelegt wurde, fand einige darin befindliche Posten für ungegründet und setzte dieselbe demgemäß auf einen geringern Betrag, dessen Auszahlung dem Curator der Aner'schen Concursmasse, Joh. Adam Christ zu Oelsberg, aufgetragen wurde. Alö Baldewein diesem im Monat Dezember 1850 die angewiesene Rechnung zur Zahlung präsentirte, lautete dieselbe wieder auf 1 fl. 20 fr. und die in der darunter stehenden amtlichen Anweisung ausdrücklich benannte, beschränkte Summe war ausratirt. Christ, dies übersehend, zahlte dem Angeklagten den angefor- derten Betrag mit 1 fl. 20 fr. aus, und erst, als das Justizamt Nastätten die Masserechnung prüfte, wurde

die fragliche Fälschung wahrgenommen und alsbald eine Untersuchung eingeleitet.

Der Angeklagte leugnet die ihm angeschuldigte Fäl­schung der Urkunde und weist^nach, daß er 1 fl. 20 fr. zu fordern hatte. Die Vertheidigung macht geltend, daß auch nicht der geringste Beweis vorsiege. (Wir bemerken hierher, daß im vorigen Quartale der Gc- meindediener zu Bogel ebenfalls wegen Fälschung sei­ner Gebührenrechnung über die Bekanntmachung der eben erwähnten Versteigerungstermine in derselben Con- curssache vor den Assisen stand und gleichfalls die Recht­mäßigkeit seiner Ansprüche behauptete. Wir hatten es damals als wünschenswerth bezeichnet, wenn von der Vertheidigung der Beweis jener Behauptung augetre­ten worden wäre, da alsdann das Verbrechen des Be­trugs weggefallen wäre. Im vorliegenden Falle wäre dies um so zweckdienlicher gewesen, als das Vorhan­denfein des Verbrechens der Schriftfälschung verneint würde, der Angeklagte also in jenem Falle gänzlich freigesprochen worden wäre.)

Der Angeklagte wurde des Gebrauchs der wissent­lich falschen Urkunde von den Geschwornen schuldig befunden und zu einer Correktionshausstrafe von einem Jahre, sowie zur Entschädigung der Auer'schen Con­cursmasse und zur Tragung der 43 fl. 24 fr. betragen­den Untersuchungskosten verurtheilt.

Anklage gegen Joh. Pütz von Dietkirchen, wegen Schriftfälschung und Betrugs.

r@= Wiesbaden, 22. August. Präsident: Hofgerichts-, ratp Trepka; StaatSanwalt: Substitut Flach ; Ver­theidiger: Prokurator v. Schütz.

Die Anklage geht dahin, daß Pütz im Monat Fe­bruar d. J. einen von ihm gefälschten vom 17. des­selben Monats datirten und an den Kirchenrath Schultz zu Wiesbaden adressirten Brief, in dem ein gar nicht eristireuder Gemeinderath J. W. Wahl zu Nordenstadt die Msbebürftige Lage dortiger armer Waisen schildert, Vater, und zwei Tage darauf im Wochenbette ihre Mutter verloren hätten, und den Kirchenrath Schultz um eine gütige Gabe anspricht, den Mitglieder» des evangelischen KirchenvorstanveS zu Wiesbaden, Buch­binder M. FiliuS, Kaufmann H. Dresler, Schreiner- meister B. Gaab, Graveur Chr. Zollmann, Münz- meister Zollmann und Feldgerichtsschösse C. Christmann, im angeblichen Auftrage des Kirchenraths Schultz, je­doch in der Absicht überreicht hat, um fick) das bei denselben zum vorgegebenen Zwecke zu erhalteude Geld widerrechtlich anzueignen, und auf diese Weise sich auch einen unerlaubten Vortheil von 3 fl. 48 fr. verschafft hat. Bei Christmann erhielt jedoch der Angeklagte nichts, weil ihm bereits von M. F lius, der kurz nach dessen Entfernung von ihm Wissenschaft von der vorliegenden Fälschung erhielt, Kenntniß von der Sachlage gewor­den war. Auf die Anzeige des M. Filius wurde Pütz alsbald arretirt und in Untersuchung gezogen.

Der Angeklagte, welcher schon mehrmals wegen Diebstahls bestrast worden, jetzt wegen Schriftfälschung auch in Dillenburg in Untersuchung steht und dermalen eine Strafe im Correctionshaus zu Darmstadt verbüßt, gesteht die That ein und entschuldigt sich mit großer Noth, in die er seit seiner Rücklehr aus Schleswig- Holstein, wo er in den Jahren 1848 uno 49, er wisse nicht für was, gekämpft, und durch daselbst ausgestan­dene Strapatzen krank und arbeitsunfähig geworden wäre, gerathen sei.

Die Vertheidigung bestreitet, daß das Verbrechen der Schriftfälschung vorliege, da eine Person, wie die in dem bezeichneten Schreiben Unterzeichnete nicht er.- stire und eine ächte Schrift nichts nachgemacht sei, viel­mehr sei hier der Art. 242 der St.-P.-O. platzgreifend, wonach auch das Justizamt Höchst in gleichem Falle gegen den Angeklagten erkannt habe.

Die Geschwornen bejahten die Thatfrage und der Gerichtshof erkannte auf 4monatliche CorrcctionshauS- strafe mit Beschränkung der Kost auf die ersten 14 Tage im ersten und vierten Monate. Die llutersuchungs- kosten betragen 31 fl. 12 fr.

Deutschland.

HH Vom Rhein , 22. August. Möchten die Er­klärungen Württembergs und Kurhessens, dem deutsch- österreichischen Postverein beitreten zu wollen, endlich auch Nassau zum Beitritte bestimmen. Mit dem 1.