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Freiheit und Recht!"

JK los Wiesbaden. Freitag, 22. Augusts 1851

DieFreie Zeitung" «rschetnl. mit Ausnahme deS Montagü, täglich in einem Bogen. Der AbonnemenrgpreiS beträgt vierteljährlich hier in Wiesbaden I ff 45 fr., auSwärt durch die Post bezogen mit verhältnißmäßigem Aufschläge. Inserate werden bereitwillig ausgenommen und find bei der großen Verbreitung derFreien Zeitung" stets von wirksamem Er folge. Die Jnserationügebühren betragen für die vierspaitige Petitzeile 3 kr.

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5 Briefe aus dem Gebirge.

XXIV.

AuS meinem Frieden habt Jht mich gcschrecket! Schillers Teil.

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Theurer unbekannter Berichterstatter über die Generalversammlung deS Vereins für vaterlän« dische Arbeit und Bildung am 6. Juli 1851!

Sie werden verzeihen, wenn ich mir die Freiheit nehme, an Sie einige Zeilen zu richten, und dieß um so mehr, da Sie mich in die Lage versetzt haben, ge­gen die Beilegung eines Titels, der mir nicht zukommt, Verwahrung einlegen zu müssen, und Sie werden be­greiflich finden, daß ich in einem öffentlichen Blatte diese Zeilen an Sie richte, da, wie Sie weiter unten finden werden, ich mit Ihnen über sehr wichtige ö ffe nt» l ich e Fragen, die für Viele Interesse haben, verhandeln werde.

In Ihrem Bericht, der in den Nummern 190,191 und 192 dieser Zeitung zu lesen ist, waren Sie so gütig, Folgendes zu bemerken:

In dem Hinblick der Veröffentlichungen aller Ver­handlungen des diesseitigen Vereinsvorstandes und der allseitigen Berathung der Tagesordnung, im fernern Hinblick auf die statutenmäßig ausgedrückten Vereins­zwecke hält der Berichterstatter die Abfertigung des höchst oberflächlichen und theilweise wahrheitswiorigen Corre- spondenzberichts(*) Von der Lahn, 13 Juli" in No. 168 derFreien Zeitung", namentlich den Angriff auf den auf voller Wahrheit beruhenden Artikel in No. 152 derFreien Zeitung", d. d. Limburg, 15. Juni, so­dann am Ende gar die persönliche Verfolgung des Bergpoeten in No. 172 derFreien Zeitung", keiner Antwort werth."

^ -Indem ich mich höflichst bedanke, daß Sie mir we­nigstens nicht, wie dem Mitleidenden von der Lahn, hohle Oberflächlichkeit" undtheilweise Wahrheitswid­rigkeit" zum Vorwurf gemacht haben, bedaure ich zu­gleich dreierlei: erstens, daß Sie der Ansicht, ich habe Jemand aus dem Schooße des Vereins für vaterlän­dische Arbeit und Bildungpersönlich verfolgen" wol­len; sodann, daß Sie mich mit einem schmeichelhaften Titel beehren, dessen ich nicht werth bin; und schließ­lich, daß Sie zu behaupten sich gedrungen fühlen, meine angebliche Verfolgung sei keinerAntwort werth".

Ich habe mit besorgter Miene und hochklopfender Brust nach derpersönlichen Verfolgung" in Nr. 172 gesucht, aber mein ängstlich forschendes Auge hat in dieser Nummer keine einzige Stelle gefunden, die nur im Entferntesten auf den Verein für vaterländische Ar­beit und Bildung bezogen werden könnte, mit Aus­nahme derjenigen in dem BrieflXXUL, in welchem es heißt:ein Fest (das Butzbacher) so rein und makel­los von jeder politischen Tendenz, als das Präsidium des Herrn Verflossen in Limburg."

Hierin liegt zwar eine Beziehung auf Ihren Verein, aber nicht die leisestepersönliche Verfol­gung"; denn in einem Artikel in Nr. 152 derFreien Zeitung" ist zu finden, auf Antrag von Dünkelberg habe der Vorstand des Vereins für ^vaterländische Ar­beit und Bildung einstimmig beschlossen, bei Gelegen­heit einer Erklärung an den Kreisbezirksrath die Er­klärung abzugeben:daßdeinFeste (dem Oranienftei- ner) keinerlei politische Tendenz zu Grunde 1 i ege."

Sie müssen selbst bei einiger Ueberlegung, Hr. Be­richterstatter, einräumen, daß eine Parallele zwischen dem so harmlosen Volksfeste zu Butzbach, was aber trotz seiner Unschuld, zum großen Bedauern aller Jung­frauen in der Wetteran, nicht zu Stande gekommen ist, und dem jeder politischen Tendenz entbehrenden harm­losen Volksfest zu Oranienstcin sehr nahe lag; daß das Präsidium in dieser Hinsicht ganz wol genannt werden konnte, weil dasselbe, wie jedes Präsidium einer jeden andern Genossenschaft, den Verein für vaterländische Arbeit und Bildung nach Außen hin darstellt und ver­tritt; daß Sie selbst aber, denn eine absichtliche Ver­drehung will ich nicht annehmen, als Irrthum eine Un­wahrheit berichtet haben.

Und nun zu dem bekriegten Titel!

Mein Herr Berichterstatter, ich muß Ihnen nur vertrauen, denn Sie nöthigen mich dazu', daß ich allci- dings, als ich noch im Flügelkleide einherging, und auch später noch bei besonderen Veranlassungen dann und wann ein Gedicht verfaßt habe; daß ich aber diese Gedichte für viel zu schlecht erachte, um sie je der

Oeffentlichkeit zu übergeben; daß ich solche Stylproben nur für meine Freunde bestimme, und daß Sie folg­lich auch dieselben noch nie gelesen haben. Und weil ich nun einmal daran bin, Ihnen die verborgensten Falten meines Herzens aufzuthun, so muß ich denn auch noch zusetzen, da ich die ganze und nicht die theilweise Wahrheit liebe, daß nur eines meiner politschen Machwerke vor den scharfsichtigen und kriti­schen Augen einiger Freunde Gnade gefunden hat. Es ist dies eine kleine Theaterpoffe in 3 Akten, welche den Titel führt:Der entlarvte Truthahn oder christlich-teutonisch-zünftige C e n t r a l Ver­wirrung. "" Wenn Sie sich recht artig, wie bis­her, betragen, so werde ich diese Posse der Oeffentlich­keit übergeben, vielleicht dieselbe sogar dem Oranien- steiner Volksfest zur Darstellung übersenden, und dann dürfen Sie mir auch nachsagen, daß ich ein Poet sei; aber dann auch noch nicht ein Bergpoet. Denn in den bisherigen Briefen aus dem Gebirge habe ich, ich kann es Ihnen aufrichtig sagen, durchaus nicht nach poetischer Verzierung, wol aber nach soviel Grobheit und Malice gegen Alles Hohle und Volksfeindliche ge­strebt, als dies heuer ohne Untersuchungen und Haus­suchungen und Condemnationm, zu denen ich dermalen weder Zeit noch Geld habe, möglich ist. Die Aeuße­rung, daß Sie diepersönliche Verfolgung," welche ich soll ins Werk gesetzt haben, keiner Antwort für werth hielten," schmerzt mich in demselben Grad als ich sie natürlich finde; denn, da gar keine persönliche Verfolgung vorliegt, so können Sie darauf auch un­möglich eine Antwort geben. Da Sie aber Ihr Schweigen, mit einer allerdings etwas großartigen Hinweisung auf die veröffentlichten Verhandlungen des Vereinsvorstandes und auf die Zwecke Ihres Vereins motiviren, so fühle ich mich gedrungen, heute wirklich eineVerfolgung" gegen Ihren Verein und seine Zwecke zu eröffnen. (Forts, folgt)

Was haben wir von Rußland zu fürchten?

X Schon neulich machten wir auf eine wichtige Schrift aufmerksam, welche jenen Deutschen, die auf Rußlands Hülfe fester als auf die Vorsehung bauen zu dürfen glauben,besonders beachtenswerth erscheinen muß, da der Verfasser ein Konservativer und seine Schreibart durchaus nicht für die Masse berechnet ist. Die Staatsmänner, welche nach russischem Style bauen, suchen die Stütze des Staates in drei Dingen: im Heere, in den Finanzen und in der Kirchenorthodorie, welche allerdings im Czarenreiche eine Vollendung er­reicht haben, wie ein deutscher Staat sie schwerlich selbst bei dem vollständigsten Siege der Reaktion durch­setzen könnte. Demlingeachtet ist in neuerer Zeit und zwar wiederum von konservativer Seite nicht minder, als von demokratischer, aus der russischen Geschichte und Geographie nachgewiesen worden, daß und wes­halb es einem freien Staate gegenüber fast keinen schwächeren Staat gibt als Rußland, ungeachtet sei­ner Finanzen oder vielleicht auch umgekehrt wegen seines Militärs und wegen seiner' Finanzen. Der Kampf in Polen, der ungarische Krieg, die Nieder­lagen im Kaukasus, Rußlands Stellung im Jahre 1848 alles das spricht deutlich genug! Der Ver­fasser vonRußland und die Gegenwart" gibt in die­ser Beziehung äußerst schlagende Winke. Aus Armee und Kirche hat das in rücksichtslosestem Egoismus ver­fahrende Czarenthum sich die zwei Reife geschmiedet, mit denen es das Völkerkonglomerat, aus denen daS sogenannte russische Volk besteht, zusammenhält. In Petersburg, erzählt der Verfasser unter Anderem, steyt unmittelbar neben dem weitläufigen Gebäude der Ge­heimpolizei eine kleine russische Kirche. Innen mit sinnvcrblendendkm Glanze geschmückt, durchweht von herrlichen Wohlgerüchen feinster Zonen, burchklungen von schmeichelnden Melodi n, außen umzogen von ei­ner Barriere, deren einzelne Pfeiler aufwärts gerich­tete Kanonenläufe, durch leicht geschwungene Ara­besken aus schweren Ketten sich verbinden er­scheint diese Kirche unwillkürlich als ein Sinnbild des Reiches. Wo die Macht der Sinnesbethörung nicht ausreicht, da stehen Geschütze und Ketten bereit! Die Hceresorganisation zeigt dasselbe Prinzip, das sich durch alle Verwaliungszweige zieht: Ausschließung, ja Verachtung jeder volkSthümlichen Basis, weil man das Aufkommen derselben mehr fürchtet, als das ganze be­waffnete Europa. Denn sobald das Volk sich bewußt würde, daß eS auch etwas sei, wäre das Geheimniß

des Selbstherrscherthums verrathen. Daher Unnatur und Barbarei überall. So hat man die früheren An­fänge zur Bildung einer Landwehr bald wieder a-sige- geben, die Militärkolonien, die das soldatische mit dem Volkselemente verschmelzen sollten, ertödten das Fa­milienleben , die freie Arbeit und die persönliche Frei­heit des Bauernsoldaten auf eine wahrhaft schauder­hafte Weise. Nach demselben Grundsätze, der das Kalb in der Kuh dem Besitzer der Kuh zuspricht, nennt der russische Staat alle Söhne seiner Soldaten oder Mili­tärkolonisten sein ausschließliches und vollständiges Eigen­thum. Er bildet diese Kinder zu Soldaten heran und schasst sich dadurch einen Heereskern, der nichts kennt und weiß, als soldatischen Gehorsam und unbeschränkte Verehrung des Czaren. Die russische Armee, die in den letzten Negierungsjahren Peters I. 110,000 Mann stark war, erreicht jetzt die Höhe von 600,000, deren Unterhalt täglich 1 Million Rubel Assignaten, also mehr als zwei Drittel der reinen Staatseinkünfte be­trägt. Wenn man berechnet, daß diese Armee durch zahlreiche Krankheiten, durch die Härte der Offiziere, durch den angestrengten Dienst und durch die unzweck­mäßige Kleidung geradezu dezimirt sind, so begreift man einigermaßen, welche ungeheure Menge von Ar­beitskräften diesem Reiche entzogen wird, dessen Be­völkerung schon so dünn gesäet ist. Eine Lazareth- Übersicht aus vierzehn auf einander folgenden Jchren bezeugt, daß bei einem Aktivbestand der europäischen Operationsarmee von 220,000 Mann durchschnittlich jährlich 130160,000 schwerere Erkrankungen vor- kommen: 2000 Kranke wurden allein jährlich in Folge von Leibcsstrafen behandelt. Freilich geschieht es jetzt nicht mehr, daß, wie unter Katharina II., während des Feldzugs üu der Türkei, in einem einzigen Jahre 90,000 Mann dem Hunger und den Seuchen erliegen, oder wie unter Alexander 1812, beim Ausmarsch eines Heeres von 120,000 Mann mehr als 20,000 liegen bleiben, ehe die Grenze des Reiches überschritten ist. Dies nur eine Probe von den Beweisen, in welchen der Verfasser darlegt, daß, wie in Kirche und Finanzen, so auch im Heere starke Keime künftiger Zerrüt­tung unaufhörlich weiter wach'en. In der Hauptsache trifft der Verfasser mit einem militairischen Schriftstel­ler, dessen Ansicht dieAgSb. Allg. Ztg." neulich mit­getheilt, darin zusammen, daß das russische Reich aller» dings noch stark genug ist, um auch den heftigsten Stürmen von Außen Widerstand zu leisten, d. h.'daß es stark in der Defensive ist, daß dagegen, wie auch die neueste Geschichte zeigt, seine Schwäche augenblick­lich hervortritt, sobald zu einem Angriffskriege ge­zwungen wird. Der Czar hütete sich wohl, im Jahre 1848 auch nur die Miene zu einem Angriffe zu machen, uil Gegentheil bethätigte er mehr als einmal leine Friedensliebe. Indeß ist auch der Stärke der Defen­sive nicht zu sehr zu traue», da die innern Zustände, so zu sagen, gänzlich durchfressen sind und den Todes- keim für das ganze russische System in sich tragen. Man weiß im Auslande gar nicht - pflegte Bakunin zu sagen welche revolutionäre Elemente Rußland -enthält." Zu einer ähnlichen Ansicht gelangt der Ver­fasser im letzten Capitel seines Werkes. Dieses Schluß- capitel ist eine Analyse der Kunst und der unmenschlc- chm Harle, ein ganzes Volk aus egoistischer Absicht in Versklavung zu führen, seine Nationalität zu mißhau- deln, und es von der Bahn wahrer Kultur und allgemein menschlicher Bildung in die falschen Jrrgange einer kaum übertünchten Civilisation zu leiten. Wir erfahren zugleich aus diesem Capitel noch die eine Thatsache, daß auch in diesem Lande, unter der Wucht eines überall glei­chen Druckes schon Symtome des Klasseiikampfeö und die Gefahren kommünistifcher Revolution sich zeigen. Seit 1842, berichtet der Ve faffer, sind die Bauernaufstände gewlffermaßen in Permanenz. Sogar die Jahresbe­richte des Ministeriums des Innern ergeben das furcht­bare Resultat, daß jährlich sechszig bis ^ebenzig Guts­herren von i reu Bauern ermordet werden. Wie un­gerecht diese Aufstände im elnzelnen Falle fein mögen ein Gedanke leuchtet aus allen: die Erde ist der vom Adel der G.meuide unrechtmäßig entzogene Be­sitz. Man mordet bei diesen Aufständen so gut den »iilven und gütigen, als den strengen Gutsherrn nur, weil er ein Adliger ist. Es herrscht thatsächlich durch ganz Rußland derselbe Zustand, wie ihn 1843 ein baltischer Baron in einer KreisadelSkonferenz mit fen Worten bezeichnete:der Kaiser dürfte den Bmi- ern nur erlauben, nicht befehlen, und morgen lagen wir alle ermordet auf den Brandstätten unserer Edelhöfe." Die Revolution, welcher Rußland

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