Ihnen eröffnen zu müssen, daß die Zahl der Anklagen, worüber Sie zu entscheiden berufen sind, nicht unbedeutend diejenigen übersteigt, welche in jeder der beiden vorigen Sitzungen zur Entscheidung vorlagen. Einige davon betreffen sehr schwere Verbrechen. Ihre Arbeiten werden sich bis in die fünfte Woche ausdehnen. Leider bleiben solche Fluktuationen nicht aus; hoffentlich wird der nächsten Assisensitzung wieder eine geringere Zahl von Anklagen vorliegen. In dem festen Vertrauen, daß unsere gemeinschaftlichen Bestrebungen zu Auffindung von Wahrheit und Recht von Erfolg sein werden, erkläre ich die Sitzung der Assisen des dritten Quartals dieses Jahres für eröffnet."
>H Wiesbaden, 17. Aug. Der gestern Abend im Saalè des Gymnasiums vor einem auserwählten Publikum gehaltene Bortrag des Herrn Dr. Kothe über Memnonik fiel zur großen Zufriedenheit der Anwesenden aus. Mit fabelhafter Schnelligkeit prägte derselbe die größten Zahlen und Reihe von Wörtern seinem Gedächtniß ein; er diktirte gleichzeitig zehn Personen Briefe sehr j verschiedenen Inhalts und zeigte somit durch diese Proben dje Untrüglichkeit seines Systems. — Da ein gutes Gedächtniß gewiß eine der wünschcns- werthksten Gaben ist, so machen wir auf die Vorträge des Hrn. Dr. Kothe, welche derselbe künftige Woche hier halten will, aufmerksam und wünschen ihm und seinen Zuhörern den besten Erfolg.
t Eltville, 16. August. Heute Mittag 11 Uhr wurde von dem Bürgermeister hier in Beisein einiger Gemeinderäthe circa % des am verflossenen Donnerstag von H. Receptur hierselbst vorgeblich zum Pacht ausgebotenen Platzes am Krahnen per Jahr zu 30 fl. 35 fr. öffentlich verpachtet. — Man sagt, daß unterdessen ein hiesiger Geschäftsmann bei der H. Receptur auf den fraglichen ganzen Platz 20 fl. per Jahr geboten habe, unter der Bedingung, daß weitere Gebote nicht angenommen werden dürften, in welche Bedingung dieselbe auch eingewilligt habe. — Diese Verfahrungs- weise des Geschäftsmannes hat die hiesige Bürgerschaft sehr überrascht! —
f Eltville, 17? August. Nicht geringes Erstaunen erregte heute hier ein um 3 Uhr sich nach der Kirche bewegender Zug behufs Trauung eines römisch- katholischen Ehepaares, worunter als erbetene Zeugen gedachten Aktes: 1) der israelitische Lehrer; 2) ein Deutschkatholik; 3) ein Protestant und mehrere Römischkatholische waren. — Man sieht sonach, daß der in neuester Zeit von einer gewiyen Kaste her vorgerufene Religionshader bei dein Volke nicht durchdringt!
Rastatt, 14. Aug. (Schw. Merk.) Die Folgen der Ueberschwemmung fangen hier rascher an, sich auszugleichen, als man gedacht hatte. Die troML^llLmMtW- - geyisl'i; die vom Wasser überschwemmten Wohnungen werden zum Theil jetzt schon wieder bezogen, die Ein- quartirungslast der aus dem Fort C verdrängten österreichischen Soldaten ist durch teilweise auderwärtige Unterbringung derselben gemindert. Die Abhülfe zur Verhütung ähnlicher Unfälle an den Festungswerken wird voraussichtlich nicht lange auf sich warten lassen.
Stuttgart, 14. Aug. (Beob.) Heute hätte ein hiesiger Bäcker nach türkischer Justiz mit den Ohren an seinen Laden genagelt werden müssen. Es stellte sich nämlich heraus, daß er zu leichtes und noch über- dieß unausgebackenes, also bei aller Leichtigkeit noch zu schweres Brod verkaufte. Es fehlten auf den Laib 10—14 Loth; wäre das Brod gehörig ausgebacken gewesen, so hätte noch mehr gefehlt. Die württem- bergische Polizei, welche in Gegenständen, die nicht die Presse betreffen, gelinder verfährt, als die türkische, ließ ihm den abgefaßten Vorrath von 20- 30 Laiben zusammenschneiden. Derselbe war auf das Land be
stimmt, das ohnehin nach den neuesten durch Naturereignisse vollends vollendeten Drangsalen vom Sitze der politischen und religiösen Rechtgläubigkeit aus twas „rechter" behandelt zu werden erwarten durfte. Der Mann, dessen Brod zu leicht erfunden ward, wiegt mgefähr eine halbe Million!
Stuttgart, 17. August. (Schw. M.) Der neue Postlarif für Briefe rc. im Inland soll demnächst in Wirksamkeit gesetzt werden. Wie verlautet, sollen die frankirten einfachen Briefe danach nach der Entfernung unter oder über 12 Meilen mit 3 und 6 fr. bezahlt werden. Der bisherige Briefträger lohn (1 kr. pr. Brief) öll dann aufhören. Unfrankirte Briefe zahlen außer- ,em noch Zusatzporto, für die Frankatur werden Fran- katursiempel eingeführt.
Bönnigheim, 14. August. (Neckardpfsch.) Wir haben einen „Blutregen" gehabt: Groß ist die Unruhe unter unsrem in der dumpfen Schule des krassesten Pietismus erzogenen, abergläubischen Volke. Der Weltuntergang kann jetzt nicht mehr ausbleiben! Die Sache ist die: Unser sog/„Feuersee", ein schlammiger Sumpf von etwa 2 Morgen Flächeninhalt, sowie die umliegenden Felder waren nach einem der letzten Gewitterregen mit einer Art rother Decke überzogen. Die nähere Untersuchung unter der Lupe ergab, daß dieselbe aus einer Masse kleiner Thierchen besteht, die unterm Vergrößerungsglas einige Aehnlichkeit mit rothen Schnek- ken haben. Das Wasser des Sees ist ganz geschwängert von ' diesen Thierchen, die MiUiardenwcis sich darin herumtreibe». In ein Glas gefaßt zeigt das Wasser- deutlich die Bewegungen derselben sogar ohne Mikroskop. Man wird die Sache wissenschaftlich noch näher untersuchen.
Würzburg, im August. (N. Kurr.) Die Main- dampfschissfahrl erfreut sich seit dem Jahr 1850 eines erhöhten regen Lebens. In den Jahren 1842 bis einschließlich 1849 wurden mit den ^Dampfschiffen der Aktiengesellschaft dahier befördert: 672,832 Personen, 224 Equipagen, 2977 Thieren , 280,299 Centner Güter, 3,791,831 fl. an Geld, Totalbetriebseinnahme 869,290 fl.; im Jahr 1850: 104,722 Personen, 71,399 Centner Güter, 561,195 fl. an Geld; endlich im Jahr 1851 bis einschließlich 30. Juni, 30,207 Centner Güter und 259.132 fl. an Geld, so daß kaum ein Zweifel besteht, cs werde das laufende Jahr dem Vorjahr an Frequenz nicht nachstehen und beim Abschluß der Jahresrechnung dasselbe mit einer Einnahme von 139,648 fl. erreichen, während anderseits von der thätigen und umsichtigen Betriebsdirektion sorgfältigst Bedacht genommen wird, die Betriebskosten überall zu vermindern.
München, 14. August. (O.P.A.-Ztg.) Zu den Verheerungen durch J^pffi»^r^ ; âv baiern; denn im Landgerichte Rosenheim, nicht weit vom Dorfe Brannenburg, löste sich vorgestern ein ungeheuerer Berg und drohte das umliegende Thal zu verschütten. Noch fehlen nähere Nachrichten und man weiß vorerst nur, daß der herabrutschende Berg eine Mühle erreicht und diese wie alle umliegenden Wohnungen von ihren Bewohnern geräumt werden mußten. Die Behörden haben umfassende Vorkehrungen treffen lassen, um der Gefahr so viel als möglich vorzubeugen, und man hegte in dieser Beziehung viele Hoffnung. Die hiesige Kreisregierung hat gestern gleich nach Empfang des ersten Berichtes von diesem Bergstürze eine Commission, aus technischen Beamten bestehend, an Ort und Stelle abgesendet, von welcher man bis morgen näheren Berichten entgegen sieht. Die Straße von Rosenheim nach Kufstein soll zum Theil unfahrbar sein und man hegt die Besorgniß, daß dieselbe ganz verschüttet werde.
München, 14. August. (A. Abdztg.) Auf dem * Marsfelde hat heute ein gräßliches Unglück stattgefun
den. Es sollte ein Manöver ausgeführt werden, wobei eine Escadron einen Angriff auf eine Batterie Artillerie macht, während eine andere diese vertheidigt. Ein unerklärliches Verhängniß wollte, daß beide Truppentheile so stark an einander rannten, daß mehr als 40 Reiter verwundet wurden. Die Hälfte davon mußte auf Ambulancewägen ins Spital gebracht wer- I den. Viele andere liegen in der Kaserne krank, mit erhaltenen Contusionen. (Die „B. Landbötin" spricht von zwei lebensgefährlichen Verwundungen.)
O Kassel, 16. August. Am 13. August Abends zwischen 11 und 12 Uhr ist I)r. Kellner von Wabern hier eingebracht worden. Es waren die großartigstes militärischen Vorsichtsmaßregeln getroffen worden. Der Gefangene wurde über Wilhelmshöhe gebracht, um das Publikum irre zu führen. Am Bahnhöfe stand ein Piket Infanterie. Vor dem Wilhelmshöher und Kölner Thore bivouakirte eine Eskadron Husaren, am ! Markt standen 2 Kompagnien des 1ten Regiments, im Allthor 150 Mann Jäger. Außerdem waren die Artillerie-Offiziere in die Kaserne consignirt, der Wagen selbst aber mit 12 berittenen Gensdarmen, geladene Karabiner in der Hand, umgeben. Alles eines j einzigen Demokraten wegen, welcher unbewaffnet in einer ’ Droschke saß. Se. K. H. hatten, um recht sicher zu I sein, daß der Demokrat nicht entwische, ihren Adjutan- t teil mit der Leitung der militärischen Maßregeln be- . auftragt. Bei dieser Gelegenheit hat sich derselbe eine der Pistolenkugeln, ursprünglich wohl für einen Repp blikaner gegossen, ins Bein geschossen.
Elberfeld, 13. August. (Elberf. Ztg.) Zufolge Urtheils des rheinischen Appellations-Gerichtshofes zu Köln vom 9. d. M. ist die unterm 24. v. M. erfolgte | Beschlagnahme der „Elberf. Ztg." Nr. 177 aufgehoben und die Rückgabe der konfiszirten Exemplare an- geordnet worden. Die Schnelligkeit, mit welcher die , richterlichen Behörden im gegenwärtigen Falle bis zur ! Findling einer Entscheidung des Appellations-Gerichts- Hofes verfahren haben, verdient alle Anerkennung in einer Zeit, wo die Verschleppung der Preß-Prozesse an ' der Tagesordnung zu sein scheint. Die Ratheckammer [ des hiesigen Landgerichtes hatte die Beschlagnahme für ; unbegründet erklärt; die Staats-Prokuratur appellirte ; von diesem Urtheile nach Köln.
Berlin, 14. August. Von hier schreibt man der | „Breslauer Zeitung": „Der Geh. Legationsrath Bork ° ist von seiner Mission nach Paris zurückgekehrt, wo | er mehrmals Audienz bei dem Präsidenten der franzö- | fischen Republik hatte. Bei der einflußreichen Stellung, | welche der gedachte Staatsman hier einuimmt (er ist | Abtheilnngschef im auswärtigen Ministerium), und bei I dem großen Gewicht, welches au allerhöchster Stelle auf sein Urteil gelegt wird, muß die Anschauung, welche er von den fraiRöfifcto^^
vuir'iTn-^iuiyfliinr^ |etii.
Eben deßhalb ist es von Interesse zu hören, daß der geh. Rath Bork sich in seinen Berichten unbedingt da- ; hin ausgesprochen hat, daß der Fortbestand der republikanischen Staatsform in Frankreich ihm, wenngleich nur vornämlich durch den Widerstreit der verschiedenen Parteien, so sehr gesichert scheine, daß jedes Eingreifen oder directe Einwirken von Außen nicht sowohl zu einer Herstellung der Monarchie, als vielmehr zu einem Siege der erfreuten republikanischen Parteien führen würde. In gleich entschiedener Weise soll er aber die ‘ Ansicht geltend gemacht haben, daß der gegenwärtige ; Präsident keinerlei Aussichten habe, sei es für eine Wiederwahl im nächsten Jahr oder für ein Glücken irgend eines von ihm im entgegengesetzten Fall zu unternehmenden Staatsstreichs. Daher nur Alles darauf anfomme, daß bei der Wahl im nächsten Jahr nicht irgend eine der an Zahl sehr mächtigen extremen Parteien siege, und dies Resultat werde sich um so eher erreichen lassen, je ungestörter man die französischen Verhältnisse ihrer eigenen Entwickelung überlasse. Aus allem dem, was wir hören, gehl nun das Eine immer
verlanßt wird; jetzt liegen fortwährend 7 Schiffe im Hasen, um Holz einzunehmen. Die meisten Handwerker würden lohnende Beschäftigung finden, besonders Schmiede, Tischler, Schuhmacher (mindestens einige) und Schneider.
„3) Clima und alle andern Lebensbedingungen find in dem fruchtbaren Lande so schön, daß man vollkommener Gesundheit sich erfreuen und nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten ein ruhiges und zufriedenes Leben führen kann. Wir werden nun zuerst nach der Stadt Valdivia gehen, um dort unsern einstweiligen Aufenthalt zu nehmen, bis wir nach Besichtigung der verschiedenen Landstriche die passendsten ausgewählt haben. Wahrscheinlich gehen wir in die fruchtbaren ebenen Striche am Cruces oder Ohorno. In Valdivia selbst herrscht Bildung, Luxus, Geselligkett und gemüthlicher Ton. Der von der Regierung ernannte Colonialbirektor ist ein gebildeter, in Europa viel gereister Mann, welcher sich sehr für die Colonisation interessirt und der jetzt am Ruder befindlichen liberalen Partei angehört; sein Name ist Don Parez. Zur Anlage in einem Geschäft werde ich meine Geldmittel nicht benutzen, denn ich muß erst sehen, ob sich hier Capitalien, für die allerdings 10—12pCt. gezahlt werden, unterbringen lassen und da meine Haltung für's Erste eine abwartende und beobachtende sein wird, so wird nur ein kleiner Theil meiner Mittel erforderlich sein, um meine Existenz zu sichern. Ich habe die Absicht, einen kleinen
Landbesitz zu erwerben, um die Lebensmittel selbst zu gewinnen. Wie glücklich würde ich mich schätzen, wenn Einige der Freunde hier wären, aber ich werde nicht dazu rathen, wenn ich es nicht mit gutem Gewissen *) kann und es vorziehen, einsam untcrzugchen. Ich glaube aber auch, daß es nöthig wäre, einen längern Zeitraum, ein Jahr, abzuwarten, um sagen zu können, ob Jemand Herkommen soll ober nicht, denn um Alles in der Welt würde ich keinen voreiligen Schritt anrathen, der nachher nicht mehr zurückgethan werden könnte, denn auch mein Schicksal wird nun unabänderlich an Chili geknüpft sein."
Kulturgeschichtliches.
(Fortsetzung. — Siehe No. 189 der „Fr, Z,")
XV.
Einen großen Theil des Raumes im westlichen Flügel nehmen die Kolonien ein. Nach der offiziellen Zahlung pflegt man vierzig zu rechnen; der Katalog hat 32:
Ostindien, indischer Archipelagus rc.; Jersey und Guernsey; Ceylon; jonische Inseln; Malta; Vorge-
*] Unser Freund Anwandter gehörte der „freien Gemeinde" in ihrer entschiedensten Ausprägung durch G. A. Wislicenus an, also ein sogenannter „Ungläubiger", „Atheist" rc!
Anmerkung des Einsenders.
birge der guten Hoffnung und Natal; Westküste von | Afrika; Canada; Neu-Schottland, Neu-Foundland, | Neu-Braunschweig; St. Helena; Mauritius, Seichelles rc.; St. Domingo; Granada; Montserrat; Jamaika; St. Kitt's; Barbadoes; Antigua; Britisch Guiana; Bahamas; Trinidad; Falklands Inseln; Bermudas; Süd-Australien; West-Australien; Neu-Seeland; Neu- Süd-Wales; Van Diemen's Land; Labuan; Borneo re.; Golbküste und Aschantiland.
Es ist interessant und wohlthnend, dies Register mit dem Globus zu vergleichen. Was auch gegen die englische Kolonialpolitik gesagt werden mag, diese 32 ; über die Erdkugel verstreuten Länder sind ebensoviel Pflanzstätten der Neligiousfrelheit und der Selbstregie- i rung, ebensoviel Krystallisationspunkte der Kultur ! Die j angelsächsische Race gleicht darin den Griechen; die Schwärme, die das Stammlaub ausschickt, nehmen seine Götter mit und die Tochterstaaten wachse» zu Ebenbildern der Mutter auf. Das Schlimmste, was England an seinen Kolonien erlebt, ist, daß sie selbstständig werben. Der Abfall Amerika'S ist verschmerzt, aber nicht bie Schulrenlast, die England den Versuchen verdankt, es festzuhalten. Die politische Schule, der die Zukunft gehört, wird keinen Sixpenee verschwenden an Gängelbänder für eine Kolonie, die auf eigenen Füßen stehen will, und seit die Nachrichten von der Agitation in Australien eingetroffen sind, hat man die Besatzungstruppen vermindert, gleichsam als wolle