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Freit Zeitung.

_ __________________________________âeiheit und liecht!"

M ISS Wiesbaden. Dienstag, 19. August 1MS1

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Zur deutschen Politik.

X In mehreren Blättern haben wir neuerdings wieder von Zerwürfnissen zwischen Oesterreich und Preußen gelesen. Unt> es giebt noch immer Politiker, welche auf dergleichen Gerüchte etwas halten. Doch fragen wir: Warum sollten die beiden Kabinette nicht einig sein, seit Preußen sich mit der Rolle der Schein­größe hat absiude» lassen? Preußen ist seit dem Ein­tritt in den Bundnach bundesrechtlichen Begriffen" wiederum mit Oesterreichgleichberechtigt", und die­ses wird sehr gern alles aufbieten, den Partner bei Laune zu erhalten, so lange er noch bundestägischer Praxis mit der Nachberechtigung zufrieden bleibt. Es bedurfte daher kaum der Versicherung der Berliner Lith. Corr.",daß nicht allein der offizielle Verkehr zwi­schen Wien und Berlin ein sehr freundtchäftlicher ist, son­dern daß auch ein vertrauliches Verhältniß zwischen den beiderseitigen Regierungen und Höfen sich kund giebt, wie es seit Jahren nicht vorhanden gewesen." Ein vertrauliches Verhältniß der Höfe das ist die Hauptsache jetzt, wo die CamariUenpolitik wiederum Alles ist! Der König von Preußen geht nach Hohen- zollern die Dynastie kehrt nach ihrem Ursprünge zurück! Von dort zieht der Gehuldigte nach Ischl zur Konferenz mit dem Kaiser von Oesterreich, der Erz­herzogin Sophie, dem, Fürsten Schwarzenberg u. s. w.; und Preußen sollte mit Oesterreich nicht einig sein?! Die Zeiten, wo der König den Männern von Köln zurief: Großes begiebt sich!" sie sind vorüber, wie die andern, wo die Parole hieß:Kein Oesterreich, kein Preußen mehr!" Die Träume von der deutschen Kaiserwürde der "Hohenzollern sind ausgeträumt;Entsagung" heißt das Stichwort des Tages,Uebung in der christ-

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Zwar hat es hin und wieder de» Anschein, als werde Preußens Geduld auf sehr harte Proben gestellt und so erklärt es sich wohl, wenn preußische Bericht­erstatter von Zeit zu Zeit mit Differenzgerüchten auf­treten.Was man hofft, glaubt man gern", sagt ein altes Sprichwort; doch ein anderes lautet:Hoffen und Harren, macht manchen zum Narren."

Ein anderes Gerücht, das jetzt durch die norddeut­schen Blätter geht, und jedenfalls mehr Beachtung ver­dient, spricht von Hannovers Absicht, die von Preußen aufgegebene Unionsidee wieder aufzunehmen. Die Unionsidee" im preußischen Sinne des Wortes wie­der aufwärmen zu wollen, dürfte ein thörichtes Unter­nehmen sein; denn verfehlte Momente kehren nie zu­rück. Doch daran denkt König Ernst August schwerlich auch. Wohl aber handelt es sich um etwas, das un­gleich wichtiger ist, je unscheinbarer es äußerlich auf­tritt. Es ist eine Thatsache, daß daS Haus Hannover, wie hochtorystisch sonst gesinnt, sich stark genug fühlt, ohne jene maßlosen Repressivmaßregeln bestehen zu können, welche das durch und durch erschütterte Haus Habsburg für

nothwendig, das Haus Hohcnzollern in seiner jetzigen schiefen Stellung für nicht zu umgehen erachtet. Der König von Sachsen ist mit dem Kurfürsten und dem Großherzog von Hessen in Maßregeln so weit gegen den Konstitutionalismus vorgegangen, daß sie wohl nicht mehr zurückkönnen. Anders die Höfe von Han­nover, Braunschweig, Oldenburg, nebst einigen ande­ren, welche sich nicht so tief mit derkatholischen Ligue" eingelassen haben. Sie fühlen, daß das Zurückgehen auf vormärzliche Zustände ihre Stellung erschweren, wo nicht geradezu gefährden müsse. Da sie aber zwi­schen zwei Uebeln zu wählen haben, es entweder da­heim oder in Frankfurt zu verderben, so schei­nen sie letzterer Unbequemlichkeit den Vorzug geben und in den Bundespallastden Geist der Widersetz­lichkeit" einführen zu wollen. Die sogenannten freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck haben, weil sie demokratische Gemeinwesen sind, welche von Oesterreich sehr bedroht werden, ein in den Verhältnissen liegen­des Interesse, sich demGeiste der Widersetzlichkeit" gleichfalls zu ergeben. So ist es denn nicht unwahr­scheinlich, daß Hannover sich mit Oldenburg, Braun­schweig, Hamburg, Bremen und Lübeck zusammen zu thun geneigt ist, um jeder Souv e rän i täts b eei n - trächt igung Widerstand entgegen zu setzen oder der­selben doch die Mitwirkung zu versagen.

Daß dieseMeuterei der Kleinen" in Berlin und Wien höchst unangenehm vermerkt zu werden anfängt, er­fahren wir nicht allein aus dortigen Berichten, sondern ersieht sich besonders aus den Drohartikeln der im katholischen Sinne schreibenden Blätter, welche alle ihre Kasuistik aufbieten, um zu beweisen, daß Oester­reich die einzige starke Regierung in Deutschland sei, und daß ihr nachzustreben und mit ihr durch dick und dünn zu gehen, Wicht sowohl der Klugheit wie

"'Ü^na- treten, jene Butzemänner, die Bassermann erfun­den hat und welche das Einzige sind, das die Ab­solutisten bei Antritt der Erbschaft aus der Paulskirche von den Gothaer Märzerrungenschaften acceptirt haben. Ob dieKleinen" wirklich so klein sind, sich so in Angst setzen zu lassen, daß sie sich, hinter derMutter Austria" verkriechen, muß die Folge lehren. Die Ent­scheidung über diese Angelegenheit ist aber für die nächste Zukunft der deutschen Zustände wichtig genug, um ihren Verlauf mit Aufmerksamkeit zu verfolgen.

Deutschland.

Wiesbaden , 18. August. Heute wurden die Assisen des dritten Quartals von dem Assisenpräsiden- ten Flach mit folgender Anrede an die Geschwornen eröffnet:

Meine Herren Geschwornen!

Beinahe zwei Jahre sind nunmehr verflossen, seit­

dem das öffentliche Gerichtsverfahren durch Geschworne bei uns gesetzlich besteht. Ich darf also, meine Herren, Ihre Pflichten im Allgemeinen als Ihnen bekannt vor- aussetzen. Dieselben sind in deâi Texte des Eides ent­halten, welchen das für jede einzelne Sache gebildete Schwurgericht zu leisten hat. Der vor Beginn einer jeden Berathung von Ihrem Vorstände zu verlesende Artikel 172 des Gesetzes über das Strafverfahren, welcher die Art und Weise, wie Sie.Ihren Ausspruch finden sollen, genau bezeichnet, ist in Ihrem Bera­thungszimmer angeheftet. Zur Vermeidung möglicher Irrthümer sind auch die übrigen Artikel dieses Ge­setzes, welche über den Gang Ihrer Berathungen Vor­schriften enthalten, neben dem Texte des ganzen Ge­setzes noch besonders abschriftlich auf Ihre Delibera- tionstafel niedergelegt worden. Nur einen Punkt halte ich für nothwendig besonders in Erinnerung zu brin­gen. Es ist nämlich eine nicht selten vorkommende Ansicht, daß es in der Willkür eines Geschwornen stehe, ob er einen Angeklagten, von dessen Schuld er nach den Verhandlungen überzeugt worden ist, auch wirk­lich für schuldig erklären, oder ob er denselben aus be- liebigen- Nebenrücksichten , sei es nun Mitleid, Gunst, oder was sonst, für nicht schuldig bezeichnen «olle. Dieses ist ein höchst gefährlicher Irrthum. Sie dür­fen, meine Herren, ebensowenig einen schuldig befunde­nen Angeklagten frei sprechen, wie Sie einen unschuldi­gen verurtheilen dürfen. Eines ist gerade so gegen Ihren Eid, wie das Andere. Ihre Pflicht ist es, in Uebung des von dein Staate in Ihre Hände nieder­gelegten Richteramts, die Ihnen vorgelegten Fragen Ihrer Ueberzeugung gemäß mit Ja oder Nein zu be­antworten, ohne Rücksicht auf den Erfolg. Die Auf­findung des Erkenntnisses unter Berücksichtigung aller durch die Untersuchung konstatirten Umstände ist dem­nächst Sache des Gerichts. Da sodann mehrere Ver- Ümfamv nicht ohne einige Aussetzung vollendet wer­den können, und einige, welche noch am folgenden Tag fortgesetzt werden müssen, so mache ich besonders auf die Stelle Ihres Eides aufmerksam, welche es Ihnen streng untersagt, von Beginn der Verhandlungen an bis zu Fällung Ihres Ausspruchs mit irgend Jemand über die zu entscheidende Sache Rücksprache zu nehmen. Auch Be­sprechungen unter den zu Entscheidung einer Sache berufe­nen Geschwornen dürfen zu Vermeidung fremder Einmi­schung nur im Stillen erfolgen. Es ist eine bekannte Erfah­rung, meine Herren, daß man sehr leicht durch äußere Einflüsse zu einer Ansicht hingeleitet wird, welche man irriger Weise für das Resultat eigner Beobachtung hält. Ist Ihnen im Laufe der Verhandlungen irgend etwas nicht ganz klar, so verlangen Sie durch eine nach Ar­tikel 140 des Gesetzes über das Strafverfahren in dec Sitzung zu stellende Frage Aufschluß; erheben sich bei Ihren Deliberationen Zweifel über die ausgestellten Fragen, so wird der Präsident stets bereit sein, die gewünschte Aufklärung zu ertheilen. Ich bedauere.

Reisebericht ans Chili.

H"H" Im Juni des verflossenen Jahres ging der Apotheker Carl Änwandter, nun höchst ehrenwerthes Mitglied der preuß. Nationalversammlung des Jahres 1848, nach Coili ab. Derselbe hat nun folgenden er­sten Bericht an einen Freund erstattet, welchen wir im Auszuge, soweit er für etwaige Nachfolger von Inte­resse und Nutzen sein könnte, hier mittheilen:

Nach einer zwar etwas langen, aber sonst ganz glücklichen Reise sind wir am 12. d. M. (Nov. 185Ci, Mittags 12 Uhr, im Hafen angelangt. Alle Reisen­den sind wohlbehalten, eigentliche Gefahren hatten wir nicht zu bestehen, fonomi nur mit Langeweile und Un­geduld zu kämpfen. Am Cap Horn hielten uns wid­rige Winde 4 bis 5 Wochen länger auf; 8 Tage wa­ren gleichfalls auf der Elbe verloren gegangen. Schiff und Capltän waren sehr gut; Verproviantirung durch die Herren Godefroy im Hamburg nicht zur Zu­friedenheit. Seekrankheit nur mäßig, 20 Personen ganz frei. Was nun unsere Lage betrifft, so läßt sich darüber o4;ne voreiliges Urtheil Nichts sagen und ich werde mich darüber erst aussprechen, wenn ich einige Uebersicht gewonnen habe, dann auch ein voll­ständiges Tagebuch nnseuden. Jetzt drängt sich so Vieles und Neues auf, daß ich meine Lage durchaus noch nicht übersehen kann. Nur soviel kann ich dar­

über urtheilen, daß wir vorerst mit mancherlei Schwie­rigkeiten zu kämpfen haben werden. Dèr elfte Ein druck, den das Land auf uns machte, war ein erfreu­licher: schöne, durchaus starkbewaldete, ziemlich hohe Hügel bedecken die Küste und die Ufer der Flüsse; die prachtvollsten Pflanzen jeder Art prangen in dem herr­lichen Laube mit den schönsten, üppigsten' Blüthen, Zeugen von der Ueppigkeit einer Vegetation, die von wenigen Ländern der Erde übertroffen wörven dürfte. Das Klima ist unvergleichlich schön und gesund; von Krankheiten wissen die Leute fast nichts. Ein schöner, heiterer Himmel bei mäßiger Wärme macht Tag und Nacht den Aufenthalt im Freien angenehm und leichte Wohnungei! möglich. Ungeziefer aller Art, Fliegen, Mücken, auch Flöhe nicht vorhanden, auch gefährliche Thiere, Schlangen rc. haben wir nicht bemerkt: es gibt deren hier überhaupt nicht. Nur auf dem Wasser zeigt sich mitunter eine Art Bremse ich iah aber in den er­sten fünf Tagen keine und auf dem Lande in- und außerhalb der Häuser, wie es scheint, viele Ratten. Dies aber gewiß zum Theil auch dadurch, daß die Eingebornen sich durchaus keine Mühe geben, ihre An­zahl zu verringern.

Das Mißliche unsrer Lage hat darin seine» Grund:

,, 1) Daß Herr Kindermann durchaus seine Mittel überschätzt hat und sich nicht in der Lage befand, Vor­kehrungen zu treffen, die uns den Anfang erleichtern

sollten. Sein Land am Trumar scheint zur Colonisa­tion durchaus ungeeignet, weil es durchgängig aus sehr hohen und steilen Hügeln besteht, die zwar mit präch­tigem Wald bestanden sind, aber mit Ausnahme weni­ger und zu kleiner Flächen sich zu Ackerbau und Vieh­zucht nicht eigne».

2- Daß wir mindestens 14 Tage zu spät gekom­men, um die Nahrungsmittel noch bauen zu können, also zunächst aus der Tasche zehren müssen.

Dagegen ist unsre Lage durch Folgendes hoff­nungsvoll zu nennen:

1) Zeigt die Regierung einen durchaus aneckrn- nenswerthtn Eifer, Alles für das Gelingen der deut­schen Kolonisation zu thun. Sie wird uns geeignetes Land zur Disposition stellen unter folgende,, Bedin­gungen: Sie üverlaßt uns das Land zu dem Preise von 6 Realen bis zum höchsten Preise von 3 Pesos pro Quadra (â c 6V2 Magd. Morgen), stundet den Kaufpreis zinsfrei b s auf 6 Jahre und nimmt Pro­dukte für ortsübliche Preise a>s Zahlung au., Sie ge­währt völlige Abgabeufreihelt auf 20 Jahre und er­theilt volle bürgerliche und volitische Rechte an jeden Kolonisten von den» Augenblick an, wo derselbe sie zu haben wünscht.

2) Fehlt es nicht an Strecken, die zum Ackerbau und zur Viehziccht geeignet sind und die Produkte der­selben werden willige Abnehmer finden. So kann z. B. Holz nichl in der Masse herbrigefuhrt werde», nne eS