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Das Manifest der französischen Linken.
$ Das Manifest der Linken, entworfen von dem ehemaligen Mitglied der provisorischen Regierung, Cre- mieur, ist erschienen. Die Haltung ist gemäßigter, als man erwartet hatte; der Inhalt aber, obwohl wenig Neues bringend, desto energischer. Die Linke zeigt, daß ste allein ehrlich verfuhr und verfassungstreu, und sie beweist, daß die Nation an sich selber zum Verrä- ther würde, wenn sie die Hand zu den Gelüsten und Ränken derer böte, welche nichts kennen, als ihren Eigennutz und deren Vaterlandsliebe nichts ist, als die Gier, die Nation für die Sonderzwecke einer Clique aus- zubeuten.
„Seit dem vergangenen Jahre", so hebt der Bericht an, „hat die Majorität sich nicht geändert, und wie damals, so befindet sich auch heute die souveräne Gewalt in den Händen einer Majorität, die, nur die In» stitutionen der Vergangenheit begreifend, jeder Reform systematisch feindlich gesinnt sei, auf jeder Diskussion, auf jedem Beschluß mit der ganzen Schwere ihrer Vorurtheile, ihrer Interessen lastet und sie durch die Zahl entscheide. Wie damals die Linke am Schlüsse ihres Berichts gesagt, daß Einheit, Beharrlichkeit, Ergebenheit die Devise der heiligen Sache ist, so habe sie dieselbe auch dieses Mal auf ihre Fahne geichrieben: man müsse derselben getreu bleiben und der nahe und entscheidende. Sieg werde der Preis der Bemühungen sein. Die Majorität beharre auf dem unseligen System, dessen Ende der Umsturz der Republik sein würde, wenn diese dieselbe nicht durch ihre Allmacht beherrsche. Der Sieg aber nahe heran; einige Monate »och, und die Majorität, so wie der Präsident der Republik werden verschwinden von der politischen Bühne, und die Republik frei ihren Weg gegen den Fortschritt hin wieder aufnehmen. Der erst? Sieg, den man erfochten, sei bei Gelegenheit der Revisions-Frage gewesen. Die Opposition, einig in ihrer Liebe für die Republik, sei einstimmig in ihrem Votum für dieselbe aufgetreten. Obgleich die jetzige Verfassung keineswegs das Endziel des Fortschritts sei, so würde die Linke es doch für eine Schändlichkeit gehalten haben, unter den gegenwärtigen Umständen die Verfassungs-Revision zu bewilligen, damit die durch das allgemeine Stimmrecht gemachte Verfassung durch eine von dem beschränkten Stimmrecht aiigefertigte ersetzt würde. Die republikanischen Stimmen, sonst nur eine Protestation, hätten ein positives Resultat gehabt, und die Feinve der Republik, in den Kreis des Rechts eingeschossen, könnten nur durch ein Verbrechen ans demselben herauskommen." Nachdem hierauf die moralische Niederlage der monarchischen Fraktionen bei den Nevistonsdebatten constatüt wird, die alle ihre Prinzipien nicht offen aufzustelle» gewagt hätten, indem nur das republikanische Recht ganz aufrecht erhalten worden sei, bespricht der Be
richt die innere und äußere politische Lage. In Bezug auf das Ausland geht der Bericht nur die Lage Italiens näher ein. „Die französischen Soldaten seien noch in Rom; französisches Gold unterstützt jene unmoralische, stumpfsinnige und grausame Regierung, die ihre besten Bürger in das Eril oder Gefängniß werfe, und die zugleich unter den Augen der französischen Armee mit dem Henker von Neapel unterhandle, um sich dem französischen Schutze zu entziehen, den sie fürchte und desavouire. Die französische Armee sei in Italien, die Proklamation des anderen Henkers, Nadetzky's, hörend, dessen gottlose Verläumdungen eine edelmüthige Nation bis zum Tode verwundeten." Die innere Lage der Dinge wird in dem Bericht ausführlich besprochen. „Im letzten Jahr," heißt es in Bezug hierauf, „seien schon alle Freiheiten unterdrückt gewesen und doch habe jeder Tag eine neue Bombe gebracht, die man gegen das Gebäude vom Februar geschleudert. Bei Eröffnung der verflossenen Session habe sich plötzlich die Nachricht der Entdeckung des Lyoner Complotts verbreitet; die Angeklagten, die Richter verlangt, hätten nur Kerker und endlich ein Kriegsgericht gefunden. Während dieser Zeit habe man in fünf Departements ohne allen Grund den Belagerungs-Zustand aufrecht erhalten, und die schöne Stadt Lyon, welche durch ihre bewunderungswürdigen Produkte berühmt sei, einer neuen Polizei anheimgegeben. Die prinzlichen Reisen hätten das Land aufgeregt, und die Nationalgarden und Gemeinderäthe, welche den Präsidenten der Republik durch den Ruf: „Es lebe die Republik!" hätten ehren wollen, seien aufgelöst worden. Dieses sei aber nicht genug gewesen, und L. Napoleon im Verein mit der Majorität habe das Gesetz gegen die Nationalgarde erlassen; denn die „Vile multitude“ (das gemeine Volk) habe kein Recht, Waffen zu tragen. Hierauf Habeman die Gewalten der Gemeinde- und Generalrathe und die der Nationalgarden -Offiziere verlängert; juO hätten das Recht von 10,000,000 konsiszirt! Die politischen Gefangenen schmachten immer noch in den Kerkern; denn Herr Louis Bonaparte und die Majorität wollen die Fortdauer der ©träfe. Auf daö Verlangen nach Reformen, deren so viele vorlagen, hatte die Majorität dann mit einer dreimonatlichen Vertagung geantwortet; 232 republikanische Stimmen hätten dagegen protestirt.— L. Bonaparte habe am Anfänge dieses Jahres eine Gehaltszulage verlangt: die durch die imperialistischen Manifestationen empörte Versammlung habe dieselbe damals verweigert, das Ministerium fortgejagt, es wegen telegraphischer Lügen cenfirt; vermittels der Jesuiten aber sei die Eintracht wieterhergeftellt worden, und Bonaparte und Heinrich V. hätten unter dem Beifall der fremden Könige einen neuen Bund geschlossen 1! Die Montagne, heißt es alsdann, habe es nie an sich fehlen lassen; sie habe dreimal gegen das Gesetz vom 31. Mai protestirt. — Eine nahe Zukunft werde alle sociale» Frage» entscheiden, die von der Februar-Revolution hervorgerufen worden seien. Im Jahr 1852 werde ein neuer
Präsident und eine neue Versammlung gewählt werden. Die Verfassungsrevision werde zwar wieder vor» kommen, aber auch wieder verweigert werden. Ludwig Bonaparte könne zwar im Jahre 1852 wieder als Kandidat auftreten, das Volk werde ihn aber nicht wieder wählen, da die Verfassung die Wiedererwählung verbiete. Es habe einsehen gelernt, was Bonaparte eigentlich sei, den es mit Eriaubniß der Verfassung im Jahre 1848 wegen seiner sozialistischen Ansichten und um gegen die Verträge von 1815 zu protestiren, erwählt habe." In dein Bericht wird hierauf erklärt, daß die Erecutivgewalt und die Natioual-Versainmlung unmöglich den Gedanken haben könnten, sich über den von dem Gesetz bestimmten Zeitpunkt hinaus zu verlängern, und derselbe wird dann folgender Maßen geschloffen: „Folglich wird das Gesetz vom 31. Mai durch die Versammlung, die die Unmöglichkeit einsieht, es aufrecht zu erhalte», überrascht werden; die Wiedererwählung Bonaparte's unmöglich, weil sie die Verfassung verletzt; die Verlängerung der gegenwärtigen Gewalten unmöglich, weil sie die Verfassung verletzt; die Verfassung, alle Bürger und alle Institutionen beherrschend, ist 1852 ohne Unordnung, ohne Krisis.... Es ist keine Krisis, es wäre eine Revolution, die aus der Verletzung unseres Grundgesetzes hervorgehen würde; legitime Revolution, wie das Recht, heilig, wie die Gerechtigkeit, geheiligt, wie die Freiheit. Deßhalb erkären wir hiermit überlegter Festigkeit: Umschlungen von der Fahne der Verfassung, werden wir keiner der Pflichten entratöen, bie uns das Heil der Republik auferlegen wird." Dieser , Bericht ist von 93 Mitgliedern des Vereins der Montagne, worunter Crömieur, E. Sue, de Flotte, Savoye, Schölcher, Mathieu (de la Drome), E. Arago, Guinet, Miot u. s. w, unterschrieben. Außerdem haben noch 20 Repräsentanten, worunter Dupont de Brissac, Pascal Duprat, Emil de Girardi», Victor Hugo, Raspail u. s. W., die nicht zu dem Vereine des Berges gehören, ihre Zustimmung zu demselben gegeben. Das Fehlen vieler ander» Namen erklärt sich daraus, daß die Deputirten bereits in Masse Paris verlasse» hatten, als der Bericht fertig war.
Deutschland.
— Wiesbaden, 14. August. In der bevorstehenden Schwurgerichtsperiobe des III. Quartals des Hof» gerichtsbezirks Wiesbaden bilden folgende Anklagen die Tagesordnung:
1) Den 18. August, gegen J. I. Betzel von Hofheim, wegen Meineids.
2) Den 19. Aug. , gegen Georg PH. Deisner von Cronberg und Consorten, wegen Meineids.
3) De» 20. August, gegen Ludwig Börner von Hofheim, wegen Diebstähle.
Wachsobst-Ausstellung in Wiesbaden.
E Bei den vielerlei Sehenswürdigkeiten, welche besonders zur Kurzeit hierher kommen und durch lärmende Anpreisungen daS Publikum herbeiziehen, kann es leicht geschehen, daß einzelne, bescheidener auftretende Kunstleistungen übersehen werden, benen ihres Verdienstes wegen ein sehr lebhafter Zuspruch der Leute zu wünschen wäre. Dies gilt insbesondere von der gegenwärtig dahier eröffneten Auöstellung künstlicher »ich Obstarten aus Wachs, welche der seit einer Reihe von Jahren sich durch solche Darstellung auszeichnende H. van Beesten im Schützenhofe dahier veranstaltet hat und welche kein Freund des Schönen unbefriedigt verlassen wird.
Auf einer langen Tafel, auf Tellerchen, denen der Name der Frucht beigeschriebe» steht, ist eine Auswahl von etwa 500 einzelnen Obstfrüchten, in Wachs auf's täuschendste nachgeahmt, ausgestellt. Es sind darunter CV1 nicht weniger als 420 Sorten Aepsel, darunter die
^- feinsten Sorten, welche die Gartenkultiir bisher zu erzeugen vermochte, eine schöner als die andere. Die gelbe gestreifte Schassnase, der gestreifte gelbe Calville, der rothe Herbst üßapfel, die Reinette von Orleans, die graue Reinette, der braune Madapfel und andere —. der gewöhnlicheren Feldobst-Arten prangen hier neben
prachtvollen Ermplaren der feineren Sorten, neben der röthliche» längs gestrichelten Pariser Rambour- Reinette, dem dunkelbraunen Kohlapfel, dem echte» kleinen Borstorfer; alle überragen aber die fast kegelklotzgroßen Sorten, der große gelbe englische Calville und der Kaiser Alexander-Apfel. — Von Birne» sind 112 Sorten daneben gestellt, nicht minder ansprechend, manche täuschend und anlocfenb zum Ein- beißen; die gelte, dicke Butterbirne, die grüne Winterbirne, die schmal zugespitzte Flafchenbirne, die MuSca- teller Bergamotte und wie die süßen Dinger alle heißen. Einige Körbchen mit Aprikosen, Eierpflaumen, Zwet- schen, Kirschen und dunkelrothen Weintraube» geben an ben Ecke» der Tafel der ganzen Ausstellung einen sehr passenden Abschluß und erinnern in Verbindung mit dem Ganzen an den Reichthum edler Früchte, wodurch gerade unser Land in ben engen Begrenzungen seines Taunus und Ztheingebirges sich seit langer Zeit so vortheilhaft auszeichnet und an ben Segen, ben eine wohl angelegte Obstkultur über einzelne Gegenden unseres Landes schon verbreitet hat und noch mehr zu verbreiten im Stande wäre, wenn einmal die Bildung, besonders auch die landwirthschaftliche, iir ben Ortsvorständen , besonders der Landgemeinden, tüchtigere Vertreter gefunden haben wird, als bisher. Insbesondere sollten die Lehrer der hiesigen Volksschule nicht verabsäumen, ihren Kindern diese Ausstellung zu zeige» und für ben Unterricht nutzbar zu machen. Bei dein
geringen Eintrittspreis von 6 Kreuzern, der bei Schulkindern gewiß auf die Hälfte ermäßigt würde, ist es auch dem Unbemittelten leicht, sich eine Anschauung zu verschaffen, die für das praktische Leben ihre guten Folgen haben kann. Aber auch ganz abgesehen von diesen praktischen Beziehungen, die besonders für den L a n d w i r t h diese Ausstellung so interessant mache», wird gewiß kein Freund des Schönen in Natur und Kunst der darin bewiesenen Kunstfertigkeit seine Aner- keiinung beringen und genügt es, bei der Neuheit uns Seltenheit einer solche» Ausstellung dieselbe der Aufmerksamkeit des einheimische» und des auswärtigen Publikums hierdurch empfohlen zu haben.
Bericht über die Generalversammlung des Vereins für Vaterland sche Arbeit und Bildung am f». Juli d. J.
(Schluß.)
Fest-Programm für daS Oraniensteiuer Volksfest den 14/ 15 und 16. September 1851.
1) Am Vorabend des Festes werden auf dem Festplatze Kanonen abgefeuert.
2) Die Vorversaminlung der Mitglieder deS Comi-