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Wiesbaden. Dienstag, 12. August

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Die Situation in Italien.

# Die französische Linke ist getheilter Meinung, ob man die römische Besatzung zurückziehen oder halten solle. Die Einen wie die Andern bringen Klugheits­gründe vor. Die 11,000 Mann sind bei einer Katastrophe verloren, sie werden so oder so erdrückt, von den Oester­reichern oder Italienern, wenn sie nicht Partei nennen wollen. Gerathener wäre es daher, sie zurückzuziehen; doch das hieße vor Oesterreich weichen und der ersten Schmach die zweite hinzufügen. Wie dem aber auch, die Situation, so wie sie ist, wird mit jedem Tage unhaltbarer. Ein Korrespondent derKöln. Zeitung" vom Po schreibt:Die Dinge sind in Neapel und im Kirchenstaate zu einer solchen Uebermacht der Unerträg­lichkeit gediehen, daß der kleinste Anlaß den Ansbruch eines allgemeinen Aufstandes zur iFolge haben kann. Derwahnwitzige Tyrann in Neapel", wie ihn Herr Gladstone in seinem bekannten Briefe bezeichnet, kann sich weder auf die Schweizer-Regimenter, noch auf die Lazzaroni mehr verlassen. Er hat sich bei aller Welt ver­haßt und verächtlich gemacht. Die Schweizer sind doch sonst Soldaten von passivem Gehorsam, ohne Nachdenken sich dem Befehle ihres Oberherrn fügend; allein ihr mili» tärisches Ehrgefühl empört sich gegen die feige Grau­samkeit, womit Ferdinand 11. das Gespenst der Revo- lution bekämpft. Man kerkert in Neapel die Menschen nicht mehr allein wegen hochverrätherischer Handlungen und Gedanken, in Schrift oder Rede ausgedrückt, ein, sondern auf Grund staatsgefährlicher Physiognomiken. Der König scheint also Lavater's Lehre auf die Politik übertragen zu haben. Selbst die Inquisition hat doch den Schein gewahrt, hier aber treten Unverstand und Schlechtigkeit verbunden in schaamloser Blöße auf. Der Polizei- und Schergendicnft ist in den Händen mensch­lichen Auswurfs, begnadigter Verbrecher der gemeinsten Sorte; denn Alles kann ja auf Amnestie rechnen, nur nicht unabhängiger Sinn, Ehrenhaftigkeit, Liebe zu Freiheit und Recht, Kenntniß und Aufklärung. Gegen England schäumt der Despot in ohnmächtiger Wuth, hat daher die Weltausstellung unter strengen Bann ge­legt und Waaren und Personen mit äußerster Strenge davon zurückgehalten. Desto sehnsüchtiger blickt im Ge- heimcn das Volk nach dem nahen Malta hinüber, wo Admiral Parker's Flotte liegt, welche, wenn sie wollte, in acht Tagen das ganze Königreich beider Sizilien er­obern könnte. Indeß so klug ist denn doch die Majestät, daß sie an allem, was zu englischer Coinpetenz gehört, kein Attentat zn begehen wagt. Oer Kirchenstaat liefert das Seitenstück zu Neapel, nur daß die Schwäche und Ohn­macht der Negierung noch offenkundiger ist und mit dem Abzüge der Franzosen und Oesterreicher auch die päpstliche Herrschaft zu Ende wäre. Pius IX. könnte sich aus eigenen Kräften nicht einen Tag halten. In denjenigen Legationen, welche frei von fremden

C Bilder aus der Wiesbader Kunst­ausstellung.

(Fortsetzung.)

5) Die Schmollenden, von K. Hübner, in Düsseldorf.

Ein schmolliges und doch launiges Bild, zu dem einer jener im Leben der Verliebten nicht seltenen Vorfälle den ersten Anlaß gegeben haben mag. Ein schmuckes Mädchen, Wasser holend am Felsenborn, ein beleidig­ter Liebhaber, in der Gestalt eines derben Bauern­burschen mit der Schippe auf der Achsel, in der Ferne des Hintergrunds ein Jäger, der, sich umwendend, das heraufziehende Gewitter noch einmal betrachtet, das er durch seine zudringliche Keckheit selbst heraufbeschworen hat. Wir haben hier also eine Variation über das Thema des alten Liedes, das man im Schwabenlaud singen hört:

Hetzt gang i aus SBninnek, trink aber mt!

Da such i mein herztausige Schatz, sind'» aber nit.

Da laß i meine Aeugelein um und um gehn;

Da seh' i mein herztausige Schatz beim en andre stehn!

Der Bursche, in Hemdsärmeln, den dickllen Tabaks- Qualm aus dem Munde aufblasend, den er dem irdenen Pfeifchen so eben entwunden hat, wendet seinem Mäd­chen bereits halb den Rücken zu und schickt sich an mit

Mittel gönnt, seine Stimmung, seine dumpfe Verzweiflung zu offenbaren. Man muß in Mailand, in Bergamo, in Brescia in den letztznJahren gelebt haben, um den brutalen Lanzknechthöchmuth jener weißröckigen Solda- teska in Italien zu würdigen. Nicht das leiseste Wort des Widerspruches können diese Schleppsäbelherren , . , . , , , mehr ertragen, deren Arroganz nicht bloß für die un-

hält. Die Schweizer haben vertragsmäßig die Zusi-> glücklichen Jtaliäner, sondern selbst für den harmlosen deutschen Ressenden der sich dort der Stammesvcrwanvt- schaft mit den Oestreichern schämen muß, wahrhaft unerträglich geworden. Wer nicht, wie Herr Hacklän­der oder Zedlitz, den Schweifwebler und Lobhudler öster­reichischen Helcenmulhes, österreichischer Unüberwind- keit macht, der kann hier mit diesen von Uebermuth unb Eitelkeit berückten Offizieren, selbst wenn man mit ihnen auch nur im Kaffeehause oder Postwagen in zufällige,G. spräche kommt, nicht auSkommen. Von ei­nem selbst th einem seinem politischen Elende noch immer edlen und unmuthigen Volke sprechen die blauhosigen Hel­den nie anders als wie von H u n d e n, vie man alle Tage prügeln solle. Da gibt eS kein staatliches Gebrechen, keine Regierungsverlegenheit, für welches Diese Herren ein anderes Heilmittel voezuschlagen hätten, als den Stock. Wer nicht an Zwangsanleihen sich betheiligen und kein österreichisches Papiergeld nehmen will, wer seinen Landsmann vom Rauchen und Lottospiel ab- mahnt, wer seinem Freunde räth, nicht Theater und Kaffeehäuser zu besuchen, wo blaue Hosen sitzen, der soll als Aufwiegler und Widerspenstiger fünfzig Stock­streiche bekommen. Und es gibt kein Kriegsgericht, das nicht genau die Zahl der Hiebe dekretiren würde, die ihm der kommandirenbe General im barschen Kom­mandoton soufflirt! Wir verweisen auf die Einzelhei­ten des Prozesses gegen den armen Dr. Cicuri, gegen welchen kein Beweis vorlag, als die Aussage Äau- boni's und zu dessen Verurtheilung Man Befehl und Richter von Verona kommen ließ, um einen Begriff von der Justiz zu geben, welche Oesterreich in Italien handhabt. Wo man Familienväter todtprügelt wegen Opposition gegen das Rauchen, wo man Frauen und gebildete Männer öffeutlich auspeitscht, weil sie einer verrufenen Dirne das öffentliche Ansstellen der schwarz­gelben Fahne verübelten, wo dem Volk nicht ein freier Athemzug gelassen wird, um seine innere Stimmung zu verrathen, da darf eS nicht Wunder nehmen, wenn jeder Funke von politischem Leben unter der schwarzen Kohlenhülle stummer Trauer verschwindet, wenn nichts übrig bleibt, als komplete Abspannung und Indifferenz bei den Einen, dumpfe Verzweiflung bei den Anderen. Es darf nicht Wunder nehmen, wenn in Italien mehr wie anderwärts alle Mittelparteien verschwinden, wenn es keine gemäßigten Liberalen und konstitutionelle Mo-

Truppen sind, regieren die Räuberbanden; sie erheben die Steuern und treiben ihr Unwesen am offenen Tage. Vorzüglich brandschatzen sie die geistlichen Gü­ter und jene Ländereien, deren Besitzer abwesend sind. Wenn sie nicht von den Oe^erreichern angegriffen werden, um die päpstliche Streitmacht kümmern sie sich

wenig, wie auch letztere sich gern von ihnen entfernt

cherung, daß sie nicht zum Gensd'armerie-Dienste ver­wendet werden dürfen. Uebrigens steckt das Landvolk mit den Banditen unter Einer Decke und läßt sich lie-

ber einen Ninalbini zum Oberherrn gefallen, als einen Cardinal Legaten. In Rom selbst sind Intoleranz, Verfolgung, Mißtrauen in steigender Zunahme, und die Policei wird auch da von zweideutigen Leuten ausgeübt. Die Franzosen werden ihre Vorposten weiter in das Innere des Landes schieben, und zunächst sollen Viterbo und Rieri, zwei strategisch wichtige Plätze, welche das Tiberthal und die Zugänge aus den Appenninen und den Abruzzen beherrschen, repu- blicanifche Besatzung erhalten. Geschieht dies, so kann auch die längst erwartete.Verstärkung aus Frankreich nicht ausbleiben. Die französische Occupations-Armee zählt dermalen nicht über 11,000 Mann ».die österrei­chische Macht, welche durch beständige Zuzüge angewach. sen ist, wenigstens das Doppelte. Weitere 20,000 Mann liegen in Toscana, Parma, Modena und neuer­dings auch in der wahrscheinlich für immer mediati- sirten Republik San Marino. Sodann vergesse man nicht die gewaltigen Kräfte, welche im lombardisch-vene« tianischen Königreiche beisammen sind. Man wird nach diesem allem noch unter der Wirklichkeit bleiben, wenn man 180,000 Oesterreicher annimmt, welche gegenwärtig, mit Ausnahme von Neapel und Piemont, sämmtliche andere Staaten Italiens besetzt behalten. Will Frankreich seine Stellung in Italien nicht ganz aufgeben, so muß es wenigstens dafür sorgen, sie ge­gen einen Handstreich sicher ^u stellen. Es heißt auch, daß die Flotte eine dem Schauplatz nähere Station beziehen solle."

Noch deutlicher spricht ein Correspondent derWes. Z." der schreibt:In den Städten der Lombardei herrscht gegenwärtig unter den österreichischen Beamten und Agenten ein panischer Schrecken, der sich bis an den Familienheerd fühlbar macht. Es ist hier wie in den Zeiten der deutschen Vehme, wo der Schuldbewußte sich überall von den lauernden unsichtbaren Rächern umgeben glaubt. Der Ermordung des Dr. Vandoni am hellen Tage, in Gegenwart vieler Leute, welche bei offenen Buden und Hausthüren in der Nachbar­schaft stumm die That mit angesehen, ist die Erdol- chung eines gewissen Paleto, bekannter Agenten der Mailänder Polizei, auf der Reise nach Bologna, ge­folgt. Wir schaudern vor dem Meuchelmord ; aber auf­richtig beklagen wollen wir immerhin ein Land, in welchem der äußerste Grad von Polizelwüllkur und roher Soldaten­gewalt dem gedrückten, mißhandelten Volk kein anderes

starken Schritten, grimmigen Aerger in den Mienen, von ihr wegzugeheu; seine Empfindung ist viel leb­hafter, rascher, wallender, als jene des schwäbischen Bauers, der fast wehklagend über die große Untreue,

als wenn das Herz ihm brechen wollte, fortfährt:

Und beim en andre stehn sehn, ach das thut weh!

Jetzt behüt di Gott, Herztaustzer Schatz, i uh di nimmer meh.

Unser Bursche macht vielmehr ein Gesicht, als hätte er seiner Liebsten ihre leichtsinnige Schäckerei mit dem leichtsinnigen Jäger in den derbsten Ausdrücken ver­wiesen und als hätte er nach einem stürmischen Auftritt ihr seine Liebe aufgekündigt, deren sic sich so unwürdig bewiesen, und werde nun, ein freier Mann, einer an­dern sein Herz schenken. Denn dieser schadenfrohe Tri­umph, daß die Ungetreue jetzt keinen Liebhaber mehr bekäme,.während ihm noch die Welt offen stünde, malt sich unverkennbar in seinen zornigen Blicken. Und das Mädchen? Du lieber Gott, welcher Sturm pein­licher Gefühle mag in diesem Augenblick in ihrem Bu­sen auf- und niederwögeii! Sie ist schön, blühend, kräftig; gar sein kleidet sie der weiße Spitzenkragen über dem grünen Mieder und das schwarze Käppchen, das über der Stirn ein silberverzierleS Band zusammen­hält, auch die silbernen Schnallen auf den kleinen Schuhen lassen in ihr Vas Kind nicht unvermögeuder Leute erkennen. Sie hat gefehlt, wenn sie die Artig­keiten des schmucken Jägers nicht zurückwies; sie hat

narchisten mehr gibt, wenn die Einen sich aus Inte­resse oder Noth der fremden Negierung als Spione und Agenten willig verkaufen und die Andern jene unsichtbaren Dolche segnen, welche nach ihrer Meinung des Vaterlandes Elend und Schande rächen. Es gibt

gegen ihren Liebhaber, wenn er auch dem gewandten Waidmanne gegenüber nur ein handfester Lümmel ist, . sich vergangen, wenn sie vielleicht gar auf die waid- 1 mänmfchen Liebkosungen cinzugehen schien, und man j kann es dem handfesten Liebhaber, den sein Unstern ; auch gerade in dieser Schaferstunbe in die Nähe des

Felsenborns vorüberführen und der nun unversehens

dem Ding mitzusehen und endlich dazwischen fahren mußte, man kann es ihm wahrlich nicht verdenken, wenn er vor Eifersucht rast und tobt und sein tabaks- gualmeader Mund gleichsam Feuer und Flammen 'peit: Ob aber die Sonne üoer seinem Zorn untergehen werde, bleibt für denjenigen immer noch zweifelhaft, der das so reumüthige und erschrockene und doch so schelmische Gesicht der schönen Sünderin etwas näher ins Auge feßt, der die Bedenklichkeit, die Verlegenheit, mit der sie den Zeigefinger der linken Hand gegen das Kinn hin bewegt, zusammenhäit mit der halb scham- erröthend abgewenketen, halb kokettirend gesenkten ' Haltung des Kopfes und dem eigenthümlichen Blicke des halb niedergeschlagenen Auges, aus dem bei aller Ver­störung doch diesichere Hoffn weg durchschimmert, daß sie über kurz oder lang ihren polternden Schatz wieder herumbringen undbesänftigen werde.

Das Bild, mit keckem Pinsel entworfen, verrath, obgleich im Einzelnen weniger ausgeführt, in allen Theilen der Anlage die bekannte Meisterhand des Hu- moristifchen Düsseldorfer Kmrstlers. (Forts. f.)