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n4Fm^tf und Recht!"

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Wiesbaden. Sonntag, 10. August

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Das unstreitigste aller Eigenthumsrechte.

M Vom Main.Das Vermögen des Armen liegt ganz ausschließlich in der Kraft und Geschicklich­keit seiner Hände. Ihm die freie Verfügung über Diese Kraft und Geschicklichkeit nicht lassen, so lange er sie nickt rum Nachtheile anderer Menschen gebraucht, heißt das unstreitig sie aller Eigenthumsrechte ver­letzen." Adam Smith. _ ;

Thut der Staat wohl und recht, dem Staatsau- aebörigen, welcher im Schweiße seines Angesichts ehr­lich sein Brod gewinnen will, dies zu verbieten? Dars der Staat Jemanden, der arbeiten will und arbeiten kann, verhindern zu arbeiten? Der Staa^ertheilt Ver­bote und Strafen gegen das Betteln und stehlen, kann und darf er daneben auch Gesetze gegen die Thätigkeit aeben? Braucht der Staat wie ein Schulmeister jeden Mrltnq und Gesellen zu eraminiren, ob er auch fein Handwerk nach der hergebrachten Routiiie erlernt hat? Und wozu führen diese Examina? Wissen die soge­nannten Gelehrten nicht aus Erfahrung, daß sie auf der Universität verlernen, was sie auf der Schule ge­lernt und daß sie in der Praxis später wieder verler­nen, was sie auf der Universität gelernt habe,. ? Be­schränken sich nicht die meisten angehendeil Gelehrten auf das Studium dessen, was sie zum Framen brau­chen? Diese Schulmeisterei soll nun auch m die Ge­schäfte und Handwerke Angeführt werden? tr be­greifen wohl, daß der Staat die Gesinnung und das Wissen dessen prüft, welchem er ein Amt und Besol­dung gibt, aber ein Handwerker, der nicht einmal Hos- schneider, Hofperuquier, Hoftischler oder Hofiplelwaaren- machet werden will, der soll auch erst eine Jcusnng ^^Delrachteu wir einmal die Folgen der preußischen Gewerbeordnung! . Als Herr von Manteussel eine preußische Verfassung oklroyirt hatte, da^ wollte sein Kollege, der Handelsminister v. d. Heydt, sich auch unsterblich machen und er âoyirte die Gewerbeor-d- nung im Februar 1849. Diese Gewei-beordnung, welche d.e Innungen wiederherstellte, den Spielraum der ver­schiedenen Gewerbe bestimmte und von einai bei ab- nreiute, welche die Scheidelinie zwischen Fabrik und. Handwerk zog, welche Gewerberäthc ins Leben rief und nirgends in Preußen bestehen, Dieje Oewcibcrlb- nnng sollte aller Welt He,l und ^egen und Woh stand bringen. Die Arbeiter und Handwerker, welche sich nach Zünften und Innungen sehnten meinten, daß da-, durch die stockenden Gejchäs-e wieder belebt daß d e Arbeitslosigkeit dadurch wieder in uberhauste. Arbeit umgewandelt würde. Sie wußten nicht, daß die poli­tischen Verhältnisse Schuld an der Laymung der, Ver­kehrs waren, daß die wiederholten Polizei- und Ge­waltmaßregeln, daß die Rüstungen, daß das ewrge Haschen und Jagen nach Gestalten und imaginären

Kulturgeschichtliches.

XIV.

(Fortsetzung.)

Prondhon weist in der ^Nothwendigkeit des Elends" nach daß in der Natioual-Oeko omie alle Dmgc zum Uebel ausschlagen, zum Elend führen müssen, Pâarbeit aber auch Maschinenarbeit, Monopols aber auch Konkur­renz. England lehrt, daß jedes dieser Uebel sein HeN- mitlel in sich trägt und sich wieder zum Guten entwickelt, wenn nur nicht von Außen störend in den Prozen cui- qègriffen wird. Jenen , wesentlich aus den französischen Zuständen abstrahirten, trostlosen Amwonnen lassen sich in England eine Reihe fruchtbarer Synthesen entgegnu- stcllen.

Die Neigung zu specialisiern-, erzeugt attcrdingv zu­nächst eine gewisse Einseitigkeit, aber jede ernste zusani- mengesaßte Thätigkeit dient als eine Art geistiger Gpm- nastik, kräftigt den Geist überhaupt, steigert seine allge- meine Bildungsfähigkeit. Ferner kann, wo jede spezielle Richtung eifrig kultwirt wird, auch die Richtung zu com- biniren nicht leer auügehen. Und so ist es in England, wenigstens in allen W ssuschafteu und Kenntnissen. b,e unmittelbar dem Leben dienen. Alle Gebiete des Stoffes und des Denkens werden Eniem Zwecke dienstbar gemac.'l. Aber nicht nur der Einzelne Mmmclt unerschlasit im kleinsten Punkt Die große Kraft." Die Association wirst

Feinden das Vertrauen verscheuchten. In Frankfurt wurde ein Kaiser gewählt, der Auserkorne nahm die Krone nicht an, Kleindeutschland entstand, Oesterreich sollte ans unserm Reiche hinausgestoßen werden, die Union wurde gebildet, das Erfurter Parlament einbe­rufen, dann wieder heimgesandt, die Union wurde^vie- der aufgelöst, und die oktroyirte kleindeutsche Verfassung wurde ebensowenig anerkannt und durchgeführt, als die in Frankfurt zu Stande gekommene Reichsverfassung. Oesterreich, welches aus Deutschland hinausgeworfen werden sollte, kain mit seiner ganzen Macht wieder herein, nahm Besitz von seinem alten Einfluß und Uebergewicht, es verordnete die Erekution in Kurhessen, Preußen rüstete sich, verschwendete 30 Millionen zu dieser Rüstung, die beiden Heere standen einander er­wartungsvoll gegenüber, die entscheidende Schlacht von Bronzell wurde geschlagen, und die Nachkommen der Helden des 7jährigen Krieges zogen sich ansstrategi­schen Gründen zurück. Die Erekution in Schleswig- HolKein folgte darauf, die Oesterreicher, welche seit dem 30jährigen Kriege nicht mehr im äußersten deutschen Norden erblickt worden waren, faßten dort Posto. Hamburg protestirt gegen die Besetzung, die Oesterrei­cher hören nicht darauf und bleiben dort.

Das sind die Gründe, ihr dentschen Handwerker, warum die Arbeit erlahmt, das sind die Gründe, ihr deutschen Geschäftsmänner^, warum Handel und Ver­kehr - stocken, warum Credit ugo Vertrauen verloren sind. Darum wird nicht mehr auf Jahre hinaus spe- knlirt, darum werden die Capitalien nicht auf ge­werbliche und industrielle Nnsernehmungen angelegt. Man traut ja der Gegenwart "nicht, wie kann man da auf die Zukunft bauen? Es wird gearbeitet und fabrizirt auf sofortigen Absatz, es wird emgekauft, so viel für den Augenblick nothwendig ist, die Waaren­lager und Boutiquen füllen sich nicht mehr wie sonst mit jahrelangem Bedarf, man kauft heule, was mor­gen wieder verkauft wird. Das Gefühl der Unsicher­heit drückt alle größere Geschäfte und Spekulationen darnieder. In der Politik war seit Jahren Alles pro­visorisch und wandelbar von einem Tage zum andern, in der Handelspolitik ist's ebenso. Wäre das nicht Grund genug, die Handelspolitik aus dem Netze der Politik zu befreien, die materiellen-Interessen nicht länger mehr von den Launen und Neigungen der ^ver­änderlichen Stâalsweisheit regeln und leiten'zu lassen?

Welche Folgen hat nun die preußische Gewerbe- Ordnung unter den Handwerkern selbst gehabt? Wir haben gesehen wie der E>ne den Andern denmicirt und verklagt hat, wie die kleinen Eifersüchteleien sich m's Unendliche- fortverpflanzt,' wie besonders Der Handwer­ker, welcher nichts thuen wollte oder nichts zu thuen hatte, seinem besser gestellten Kameraden anflaueete, und ausspionirte, ob er sich auch streng auf sein Me­tier ' beschranke. Wir haben erfahren wie Die Peruquiers, Friseurs (Coiffeurs) und Barbiere in Ber­lin sich mit einander herumzankten, wie die Forderung

die - gesammelten Kräfte von Hunderten und Tausenden auf Emen Punkt, von dem fancy rabbit club, Der Kaninchen mit möglichst langen Opern zu erzielen strebt, bis zu den mächtigen Associationen, Die mit ihren Bau­werken die Insel, mit ihren Flotten alle Meere.bedecken. Unter Den Ausstellern keines andern Landes finden sich so viel assocnrte Firmen und Aktiengesellschaften. Aber das englische Gesetz gestattet nicht nur dem großen Kapi­tal sich züsammeuziidailen, um desto mächtiger in Die Konkurrenz cinzutreteu, desto gewichtiger auf die Arbeit zu drücken: es. ist durch mehr als Ein Erkenntniß Dev Oberrichter England's ausgesprochen , daß das Gebueis- recht Les Engländers, sich, zum Schutze seiner Juierrssen zu assvenren, auch dem Arbeiter zusteht, um seine Arbeit zu schützen, und die Arbeiter machen von diesem kostbaren R-chle in dem weitesten Umfange Gebrauch. Dies mächtige Element der socialen Zustände England's, Die Arbeiterassvciacwn, findet in den Blättern der günstiger gestellten Minorität, also in allen Journalen, Die in das p^wland gehen, keine Vertretung; sie behandeln es nach dem Systeme de silence, durch welches die französische Presse neuen Blattern das Aufkommen erschwert. Der Instinkt sagt ihnen, daß unter Der Oberfläche, welche Die ErwrrbsverhäUnisse heute zeigen, auf Dem Boden Der Aebeitexassociatiourn eine neue Welt heraufwächst, die eines Tages Die morsche Decke durchbrechen und tausend Interessen, mit denen sie verwachsen sind, zerstören wird. Sie besprechen nur Die geräuschvollen Konflikte, zu denen

gestellt wurde, daß Der Peniquier die leeren Köpfe blos mit Perücken versehen, wie dèr Friseur blos Die bemoosten Häupter frisiern und wie der Barbier nichts als den Bart festeren und putzen sollte. Wir wis­sen, daß Die Berliner Schneider-Janung Den armen Nähterinnen das Handwerk gelegt und ein Verbot ge­gen dieselben erwirkt, neue Kleider rc. zu machen, wie Polizei und Gerichte den Schneidermeistern Recht ge­geben und Den unbemittelten Mädchen und Frauen die Gelegenheit geraubt Jetten , sich auf redliche Wesse zu ernähren. Wir wissen, wie Tischler und Zimmerleute in Streit gerathen sind, und wie Schiniede und Schlos­ser gegen einander geklagt haben. Wir haben gehört von Fällen, wo Seidenhut- und Filzhutfabrikanten ge­gen einander vor Gericht standen, wie manche Innun­gen gegen Fabriken Prozesse führten. Wir wissen, daß ein Magdeburger Tischler ein vortreffliches Mei­sterstück gemacht und sein Meister-Eramen sehr gut be­standen hatte, daß er aber, als er am Schlüsse des Eramens erklärte,er könne nicht schreiben," nicht als Meister ausgenommen wurde! Wir wollen nicht Der Fälle gedenken, daß so viele Gesellen gar nicht über die Zeit und Mittel verfügen können, Mo­nate lang an einem Meisterstück zu arbeiten, das Ma­terial dazu zu schaffen und während der Zeit ohne Verdienst leben können. Wir wollen blos auf den demoralisirenden Einfluß der Gewerbe-Ordnung hin- deuten, welche Den einen Handwerksmeister antreibt, den andern zu deuunciren und zu verklagen. Was nun die materielle Lage der Handwerker anlangt, so hat. sich ihre Lage seit der Gewerbe-Ordnung noch mehr und mehr verschlimmert. Hr. v. d. Heydt hat also ein Gesetz gegeben, welches, die schliinmsten Folgen hat, welches nur mit Mühe durchgeführt wurde, und wei­ches, nachdem man mehr als zwei Jahre damit erpe- rimentirt hat, als unausführbar und nachtheilig für die Interessen der Handwerker selbst befunden wor­den ist!

Deutschland.

& Wiesbaden, 9. August. Die oberschlefischcn Zustände, welche, vor einigen Jahren die. ersten Proben von den Segnungen der deutschen Musterwirthschaft zu allgemeiner Kenntniß brachten, drohen immer all...-mei­ner zu werden. In Kurhessen ist die Noth beispiellos: es ist notorisch, daß Kmoer Dem Hungertose erlegen sind, Kinder von Eltern, die gern arbeiten und früher vollauf hatten. Auch in Stuttgarter Blättern finden .wir- einen Aufruf, Der bereits vor der letzten Wassersnoth erschien, und worin es heißt: In mehreren Gegenden unseres Vaterlandes, herrscht gegenwärtig, laut öffentlichen und Privatanzeigen, eine sehr große Huugersnoth, namentlich auf dem Schwarz- walde, in der G gend von Murrhardt, in Rudersberg rc. rc., wo man Erwachsene und Kinder antrifft, die so abgezehrt sind, daß die Knochen an Armen und

der Kampf zwischen dem vergesellschafteten Kapital und Der vergesellschafteten Arbeit hin und wieder lüyrt, von den großartigen ArbeitSeinstelluugc». Aber nicht nur Dem Auslande, auch einem großen Theile des englischen Publi­kums ist es wenig bekannt, daß das Feiern der Arbcncc in einzelnen Fallen, wo man sie zu drücken versuch-, sechs, neun Monate lang fortgesetzt wird und die Mittel zu ihrer nothdürckigeu Unterhaltung durch D e über das ganze Land verzweigte Vereine ihrer G nyssen aufgebracht werden, daß aus mancher wegen Herabsetzung des Lohnes feiernden Acbcitergesellschaft eine Fabrik hervorgegangen .ist, Die Dem frühere» Arbeitgeber Die erfolgreichste Kon­kurrenz gemacht, daß in manchen Fabrikoistrikten Die Detail Händler durch die Waaren Häuser Der vereinigten Arbeiter vollständig verdrängt sind. Den letzten Punkt .habe ich im Bnjam . eiDange mit Der Verfälschung Der Kvivnialwaarcu in ein m früheren Berichte ausführlicher besprochen. DerOperative" und der gewerbliche Theil deS übrigens mit vielem politischen Unsinn gefüllten Northern Star" geben über Visse' Bestehungen ein reiches Material, ohne dessen Kenntniß Niemand ein Ur­theil über die englischen Zustände versuchen sollte, und das vtiemand studiren wird, ohne auf die ernste Erwä­gung , man kann wohl sagen, auf die Hoffnung geführt zu werden, daß diese langsame und leise, aber unaufhalt­same und durch keine Eiumischnng Der Staatsgewalt auf falsche Bahnen getriebene Entwicklung das enqlifd e Volk ohne einen blutigen Zusammenstoß Der Klassen in