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„âerheit nnd Nechl!"
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Lamartine über Napoleon.
(Schluß.)
„Damit der Thron sich halte, bedarf es eines Prinzips. Noch einmal kann Napoleon wählen. Er kann seine Herrschaft machen zu einer Herrschaft der aufknospen- den Ideen der Vernunft. Er kann sie durch die Monarchie in der neuen Welt einheimisch machen. Er kann für die moderne Philosophie und Civilisation das werben, was Karl der Große dem Christenthum war, der bewaffnete Einführer und Ordner der waffenlosen, der entstehenden Idee. Die sittliche Welt würde um diesen Preis die militärische Usurpation, wenn nicht entschuldigt, mindestens begriffen haben. Gleich am ersten Tage stoßt er diese,Pryabene Rolle von sich! Er erklärt allen Ideen Krieg und Unterdrückung, ausgenommen den todten Ideen. Er verflucht den gesprochenen und geschriebenen Gedanken als eine Empörung der Vernunft gegen die Thatsache. Er ruft: der Gedanke ist das höchste Uebel ; er hat alles Böse verursacht! . Er legt den Tribünen Verstummen auf, den Zeitungen die Censur, den Büchern die Stampfmühle, den Schriftstellern den Schrecken oder die Speichelleckerei.
Er lästert wider das Licht! Er schließt dem leisesten Flüstern einer Theorie die Lippen. Er verbannt Alles, was ihm Wort oder Feder nicht verkauft. Er ehrt von den Wissenschaften nur diejenigen, welche nicht denken, die mathematischen. Er würde, wenn er's könnte, vas Alphabet unterdrücken, um unter den Menschen nur die Ziffern bestehen zu lassen, weil die Buchstaben ein Ausdruck der menschlichen Seele sind, die Zahlen nur ein Ausdruck materieller Kräfte. Er steigert sich in seinem Abscheu gegen Philosophie und Freiheit bis zum Atheismus der menschlichen Intelligenz. Er ahnt Empörung in jedem Seufzer, Hinderniß in jedem Gedanken, Rache in jeder Wahrheit. Selbst den Gewissen verweigert er die Luft; er verbindet sich mit Gott, an den er nicht glaubt; er entweiht die Religion, die er zu ehren heuchelt; er macht den Priester zu einem Polizeibeamten und einem Werkzeuge der Knechtung, das ihm die Seelen fügsam machen soll. Er zerstört eine nach der andern alle von der Constituante und von der Republik errungenen und proklamirteu bürgerlichen Wahrheiten, die Gleichheit durch eine neue FeudÄlität, die Erbtheilung durch die Substitutionen und Majorate, die Einfachheit der Sitten durch Titel, die Demokratie durch einen Erbadel, die Nationalvertretung durch eine stumme gesetzgebende Körperschaft und durch eineu byzantinischen Senat, der die Aufgabe hat, ihm das Blut des Volkes zu votiren, die Nationalitäten endlich durch Dynastien seines Geschlechtes, die er den Thronen aufzwingt.
„Aber diese Herrschaft bedarf eines Geistes. " Er suchte ihn. Von allen Prinzipien, aus welche ein Stifter seine Institutionen dauernd begründen kann, Freiheit, Gleichheit, Fortschritt, Aufklärung, Bewußtsein, Wahl, Erörterung, Prüfung, Religion, Bürgertngend,
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Kultttrgefck'ichtièches.
XIV.
(Fortsetzung.)
Der Totaleindruck beider Völker läßt sich nicht . besser bezeichnen als durch die englischen Adjektive use- ; ful und ornamental. Beide sind nicht zu übersetzen, |. sondern nur zu unnchreiben, und auch das mit Schwie- i rigkeit. DaS Wörterbuch gibt dafür „brauchbar" und „der Zierde dienend." Das trifft aber lange nicht den rechten Sinn, schon deshalb nicht, weil die beiden deutschen Ausdrücke nicht den kontradiktorischen Gegensatz bilden, der in den englischen liegt. Es gibt Er- zengnisse, die weder brauchbar sind, noch zur Zierde dienen. Wenn aber 6 und 7 Viet. 65 die Registri- rung von Mustern und Zeichnungen applicable to or- namenting auf purposes of Utility austegnt, >o sind damit alle Jurustrieerzeugnisse geschützt, bei denen die Form eine Bedeutung hat. Uns fehlen die Begriffe, weil uns die Anschauungsweise fehlt, weil unsere philosophischere Denk- und Sprechweise keinen absoluten Gegensatz zwischen dem Zweckdienlichen und dem Sä o- nen anerkennt, sondern gerade in der gegenseitigen harmonischen Durchdringung beider erst die volle Befrie- dignug findet. Die Baukunst zeigt uns diese vielleicht zu abstrakt klingenden Sätze handgreiflich veiköiperr, und lehrt deshalb auch, baß die Engläudit mit ihiei
wählt er gerade das persönlichste, das unsittlichste — den Ruhm. Er will sein Land nicht überzeugen, aufklären, veredeln; er spricht: Ich will es blenden, und mit dem Glanze, den ich ihm verleihen werbe, will ich den edelsten seiner Instinkte bezaubern, den Nationalstolz. Ich will meine Macht, meine Dynastie auf einen Nimbus gründen. Nicht alle Nationen haben Tugend; Stolz besitzt eine jede. Frankreichs Stolz soll mein Recht sein !
„Dies Prinzip des Ruhmes gebietet ihm auf der Stelle das Prinzip der Eroberung, die Eroberung den Krieg, der Krieg die Entthronungen und Entnationa- lisirungen. Seine Regierung ist nur ein Feldzug, sein Reich ein Schlachtfeld, weil wie Europa. Er setzt jedes Recht der Könige und der Völker auf seinen Degen, jede Moral auf die Stärke seiner Heere. Nichts, was ihm Gefahr drohen könnte, ist unschuldig, nichts, was ihn hemmt, ist heilig, nichts, was älteren Ursprungs ist als er, ist achtbar; Europa soll von ihin batlren.
„Er fegt die Republik weg mit dem Fuße seiner Armee. Er stößt den Thron der Bourbonen im Eril noch einmal ein. Er läßt wie ein Mörder im Schatten der Nacht den bravsten und vertrauendsten von den kriegerischen Prinzen dieses Geschlechts auf fremdem Gebiete aufheben. Er tödtet ihn im Graben von Vincennes, in einer unbestimmten Vorahnung des Verbrechens, die ihm in diesem jungen Manne den einzigen wahrhaften Nebenbuhler um den Thron zeigt. Er erobert das wiederverlorene Italien, Deutschland, Preußen, Holland, Spanien, Neapel, Königreiche und Republiken. Er bedroht England, er schmeichelt, um es einzululleu, Rußland, er vertheilt den Conti- nent, er errichtet Throne für seine ganze Familie, er verausgabt zehn Generationen Frankreichs, um jedem Kinde seiner Mutter ein königliches LooS zu bereiten. Europa und Frankreich, geblendet und betäubt von dem Glanze und Lärmen dieses immer wachsenden Ruhmes, übersehen die l^ifitthd;L.t und den Abgruus eines solchen Systems. Er schwimmt in einem Strudel so ungeheuerer, so athemloser Ereignisse, daß selbst drei Jahre voller Fehler ihn nicht verderben. Der Ruhm, der ihn erhoben hat, trägt ihn über der Leere aller anderen Prinzipien, die er verachtet hat. Spanien hat seine Heere verschlungen; Rußland ist für 700,000 Menschen ein Grab geworden; Dresden und Leipzig haben die lleberbleibfel dahingerafft. Das gereizte Deutschland fällt ab von ihm. Ganz Europa umstellt ihn und hetzt ihn vom Rhein bis zu den Pyrenäen mit einer Völkerfluth. Frankreich, erschöpft und erkaltet, sieht ihn fechten und erliegen, ohne einen Arm für seine Sache zu erheben. Gegen die Welt hat er nur noch eine Handvoll Menschen; er fällt noch nicht: alles um seinen Thron her, ist vernichtet; aber ihm bleibt sein Ruhm, der noch immer über ihm schwebt.
„Als Diplomat ist er ein Meister, so lauge es
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Trennung Unrecht haben. Es läßt sich in der Welt nichts Unschöneres denken, als ein englisches Wohn- Haus in einer Geschäftsgegend, schmal und hoch, die Thür ganz an die Seite gedrängt durch das die volle Breite einnehmende Schaufenster, über dem die oberen Geschosse ohne sichtbare, wenigstens ohne architektonisch malkirte Stützen gleichsam in der Luft schweben mit ihren ungleich vertheilten, oft sogar in der Zahl wechselnden, nur von einer stärkeren Querleiste durchschnittenen Fenstern. Auf dem Dache endlich eine wahre Kolonie von Kaminröhren, im günstigsten Falle mit dem unaussprechlich häßlichen Chimneypot, häufig noch mit eisernen Kappen, Windfängen und SchlangenJil- sen gekrönt, die zwar sehr useful aber noch weit weniger ornamental sind. Bei dem, Ban eines solchen Hansis denkt der Engländer gar nicht an die Schönheit der Form. Aber auch, wo er ausdrücklich und nur schön bauen will, kommen Erzeugnisse zum Vorschein, die das ästhetische Gefühl fvieUeichl noch mehr beleidigen. Der Zucht, welche Zweck, Stoff und Gebrauch der Phantasie des Baumeisters auflegen, gänzlich entronnen, verirren sie sich dann in die abenteuerlichsten Gebilde und Zusammenwürfelnngen. Man betrachte nur die Lieblingsornamente englischer Städte, die Kirchthürme, man sehe sich z. B. in Whitecroßstreet den Thurm an, der genau einem Fabrikschornsteiu nachgebildet ist, mit einem winzigen Kreuzchen darauf, und hie Kirche am Eingang von Porti andplace, eine Ro-
gilt, seinem Ehrgeize zu dienen und seine Herrschaft anzubahnen. Im italienischen Kriege kämpft er mit der einen Hand, mit der andern unterhandelt er. Er sitzt sich keck hinweg über die Verwaltungsbesihle des radikalen RepublikanismuS des Conventes. Er unterhandelt mit dein besiegten Piemont, das er zerstören konnte. Er vergrößert die republikanische Armee gegen Oesterreich mit den Contingenten einer Monarchie. Er unterhandelt mit dem Papste, den er aus Rom vertreiben sollte. Er wirbt für seine Partei die = wohnheiten, die Vorurtheile, selbst die Superstitionen der Völker an. Er unterhandelt mit Modena um Millionen und läßt sich besolden aus dem Schatze der Fürsten. Er unterhandelt mit Toskana und mit Neapel, um seine Feinde zu trennen und um sie zu bekämpfen, wie der Horatius des Alterthums, einen nach dem andern. Er schläfert Venedig ein, so lauge er seiner Neutralität bedarf; er insultirt, er verletzt, er erdrückt es, sobald er es nicht mehr fürchtet. Er entzündet das Feuer des revolutionären Enthusiasmus und der Unabhängigkeit in Mailand. Er verkauft sodann Venedig an Oesterreich und erhandelt um diesen Preis den Scheinfrieden, welchen er, um sich populär zu machen, Frankreich darbieten will. Bis dahin ist das eine Diplomatie Machiavels, aber wenigstens eines patriotischen Machiavels, dessen Verräthereien seinem Laude nützlich sind.
„Kaum aber ist er auf dem Thron, so nehmen alle seine Unterhandlungen einen schwindelhaften Charakter an, der eben so unheilvoll für ihn wie für die gediegene Größe des Vaterlandes wird. Er bedroht England, das er doch weder zu Lände noch zu Wasser erreichen kann. Er erklärt sich zum ewigen und ohnmächtigen Gegner Großbritanniens. Er schafft sich auf diese Weise einen Hannibalshaß wider sei ie Nation und seine Dynastie. Er treibt den Continent in den Sold jener Macht und den Welthandel unter ihre Flagge. Er entfremdet sich das gesummte unabhängige Deutjchlanv durch Ländergier und Kamilieu- appauagcu, welche ihm nur Prinzen, keine Stütze verschaffen. Er verweigert Rußland die Herrschaft des Ostens, während er sich selber den Westen sichert. Ei- erklärt, daß seine Macht unverträglich sei mit irgend welcher ande en Macht, sei sie auch an den Grenzen der Welt. Er tritt auf als Ach,rant für die Univer- salmonarchie, d. h. als der allgemeine Feind aller Throne und aller Nationalitäten. ‘ Er treibt auf diese Weise mit eignen Händen England, Rußland Oester reich und Preußen, die ganze Welt in die Ligue des Menschengeschlechts gegen ihn.
„Er kämpft: sein Ruf und sein Genie verleihen ihm den Sieg. Er schließt falsche, kurze, prekäre Frie- densverträge, gefährlich für diejenigen, die er halb unterjocht hat, Friedensverträge, welche das Atyemholeu gestatten und nicht entwaffnen. In der Voraussicht eines vorbedachten Krieges gegen Rußland hat er den Wahnsinn, diesem Reiche das osmanische Reich preis-
tunde, über der sich eine doppelt so hohe Kirgisenmütze erhebt, oder die Nationalgallerie am Trafalgarsgnare, deren Dach ein Mostrichnapf und zwei Streubüchsen zieren. Ich kenne nur Einen Zweig der Architektur, in welchem die Vereinigung beider Ansprüche dem Engländer glückt und deshalb einen Baustyl erzeugt hat — die Landhäuser. Auch die vielbesprochene und viet bestrittene Schönheit des Gebäudes, in rem wir uns bewegen, beruht meines Erachtens darauf, daß cs unmöglich ist, mit dem gegebenen Material, Eisen uno Glas, den gegebenen ganz singulären Zweck besser zu erfüllen, als Parion gethan hat. Man wird künftig dieselbe Technik bei der lleberoachung großer Räum', Höfe, Eisenbahnhallen, Treibhäuser ii. dcrgl. anwenden, ich kann mich aber nicht überzeugen, daß diejenigen, die davon sprechen, daß von dem Gla?pallast ein neuer Baustyl, eine Revolution in der Architektur datiren werde, sich bei der Phrase etwas gedacht haben.
Ich wähle noch zwei Beispiele, die Schiffe urb die Kamine. So lange sich der Lurus an dem Etamin, dem unentbehrlichen Bestandtheil eines englischen Jm;-- mers, nur in dem Stoffe, weißem Essen oder einer Mormoreinfassllug, kundglbt, ist das Aenßere in der Regel ganz harmonisch. Die ausgestellten Prachtstücke dagegen erzeugen anstatt einer ästhetischen Befriedigung das Gefühl d.s Milleidens, sowohl mit ber housemaid, die jeden Morgen diese getriebenen und bronzirten Arabesken putzen soll, als mit den Blumen- und