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Leerheit und Necht!"

Jg IS^t- Wiesbaden. Mittwoch, 6. August L8LL

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Zur Eisenbahnfrage.

A ÄuS der Provinz. Es ist für den Patrioten eine erfreuliche Wahrnehmung, daß Ihre geschätzten Blatter in der neueren Zeit das Prinzip der Eisen­bahnen im Allgemeinen sehr treffend beleuchteten, zur Belehrung über diesen höchst wichtigen Gegenstand, welcher über die materielle Zukunft ganzer Völkerstämme entscheidet, und welche als Nutzanwendung für unsern engeren Kreis darauf kommen, daß die projektirte Lahn bahn das Herzogthum Nassau aus dem Kettenverbande hinaussetzen, während die projektirte Bahn von Wiesbaden über Lim­burg und den Westerwald der Länge nach durch das Land, dasselbe als Glied in den Kranz der Segnungen aufnehmen und ein# schließen würde.

Die Wahrheit liegt so nahe, daß sie auch von dem weniger Einsichtsvollen leicht begriffen werden kann.

Ein lohnend Streben bleibt es immerhin, Quellen der Arbeit zu eröffnen, mit ihnen Wohlstand zu be­fördern und bei so brennenden Fragen wie die vorlie-- gendc, dahin zu wirken, daß die große Verbindungs­straße unser Land nicht umgehe und es dadurch viel­leicht für immer von diesem mächtigsten Hebel der Industrie und des Handels ausgeschlossen bleibe.

Viele Stimmen haben sich bereits erhoben über die Hauptfrage, welcher unter den verschiedenen projektirte» Linien zur Herstellung einer Eisenbahn - Verbindung zwischen Deutz (Köln) und Wiesbaden resp. Frankfurt vorzugsweise eine Koncession zu ertheilen sei und eS scheint kbcnwohl nach den uns bekannt gewordenen Aeußerungen des technischen Referenten in Eisenbahn- angelegenheiten, Herrn Mell in in Berlin, der Er« »Heilung einer Konzession zur Erbauung der Eisenbahn von Wiesbaden über Limburg und den Westerwald nach Deutz (Köln) für den Theil des preußischen Territo­riums nichts entgegenzustehen, wenn von dem preußi­schen Staate her kein Beitrag zu Pen Kosten bean sprüht wird. ,

Es darf angenommen werden, daß von Seiten Preußens aus vielen andern Rücksichten den Wünschen Nassaus Rechnung getragen wird und daß demnach auf Unterstützung des diesseitigen EisenbahnprojekteS zu rechnen ist.

Der Chef des Generalstabs der preußischen Armee, Herr General v. Reyher in Berlin, welchem bei Gelegenheit die über das fragliche Eisenbahnprojekt üufgcnommenen Eharten, Grund und Profilrisse vorge­legt worden sind, soll der Ansicht sein, daß, wennauch im Allgemeinen die Anlegung einer Eisenbahn mehr von ihrer Wichtigkeit auf Handel, Gewerbe und In­dustrie abhänge, dennoch auch ihre strategische Bedeutung in Betracht kommen, umsomehr, wenn mehrere con­currirende Linien zur Beurtheilung vorgelegt würden.

Daß die rechte Rheinseite in strategischer Hinsicht den Vorzug verdiene, sei längst anerkannt und man müsse zugeben, daß eine Bahn auf der rechten Rheinseite, wenn sie unmittelbar ans Rheinufer gelegt würde, ebenfalls noch gefährdet bleibe und eine Bahn nahe dem Rheine der Gebirge wegen nicht gebaut werden könne, die vorgelegte Linie daher vor jeder ändern den Vorzug verdiene.

Man darf erwarten, daß das Herzoglich Nassaui­sche Staatsministerium im wohlverstandenen Interesse des Landes die vorgeschlagene Linie durch das Innere des Herzogthums nach Deutz (Köln) vor jeder ande­ren ins Leben gerufen wünscht und daß zur Erreichung dieses Zieles jede Konkurrenz beseitigt wird, welche schädlich auf die Ausführung dieses Projektes einwirkt und daß ferner das Herzogliche Staatsministerium in Anfertigung einer Generalkarte und in Anfertigung ei­nes definitiven Projektes so rasch als möglich vor­schreite.

Die Kosten dieser Arbeiten werden aus Staats­mitteln vorschußweise unter der Bedingung der Rück­zahlung Seitens der späteren Aktiengesellschaft ausge­setzt werden können, da ebenfalls z. B. bei Projektirung der Lahnbahn, wie glaubwürdig versichert nwD.n ist, namhafte Summen disponibel gestellt worden sei» sollen.

Der Anschluß preußischer Seits ist nm so eher zu erwarten, als man weiß, welche hohe Bedeutung das preußische Gouvernement einer Eisenbahn auf der rech­ten Rheinseite in strategischer Hinsicht beilegt, deren Vorhandensein sich auch dadurch bereits beurkundet hat, daß eine Kabinetsordre vom 10. Oktober 1845 besteht, worin ausgesprochen ist, daß der König einer Eisen­bahn von Bonn nach Koblenz und weiter aufwärts am linken Rheinufer ohne sehr triftige Gründe, die Konzession nicht ertheilt werden würde, und eine Kon­zession zu einer Bahnlinie seitdem nicht bewilliget wor­den ist.

Dem Laien ist schon klar, daß bei Okkupirung des linken Ryeinufers vom Feirtd: eine Eisenbahn an je­nem Ufer nur den Zwecken des Feindes mehr oder weniger dienen kann; auch eine Eisenbahn dein rech­ten Rheinufer entlang ist der Gefahr ausgesetzt, vom jenseitigen Ufer aus demolirt zu werden, und würde daher für die Bewegung der diesseitigen Truppen dem Feinde gegenüber nicht zu benutzen sein.

Betrachtet man dagegen die günstige Lage der hier­in Rede stehenden Bahnrichtung im Rücken der gro­ßen Rhcinfestungen, so ist dieselbe als nothwendiges Ver- bindungsglieo u unterstützen; denn man vermag nicht al­lein schnell Truppen mit Zubehör von Wesel bis nach Ra­statt von einer Festung zur andern zu dislociren, cm Vor­theil der dem gegenseitigen Feinde beim Mangel einer Eisenbahn abgeot; auch die Rheinübergänge vermag man, bei der Entfernung eines kleinen Tagmarsches zu schützen und bei einem etwaigen feindlichen Ryein- Übergang, kann diesem wieder schnell begegnet werden.

Diese Schnelligkeit der Truppenbewegung durch diese Eisenbahn vervielfältigt gleichsam die Truppenzahl und gibt ihnen im Angriff, wie in der Vertheidigung eine große Ueberlegenheit.

Es ist anzunehmen, daß schon aus dieser Rücksicht allein die Herstellung einer ununterbrochenen Eisen­bahnlinie von Wesel bis an die Schweizergrenze auf dem gradesten und mithin kürzesten Wege eine Noth­wendigkeit sei.

Ein Heer, das auf der rechten Rheinseite eine Ei­senbahn zur Verfügung hat, muß offenbar ein unbe­rechenbares Uebergewicht über seinen Gegner auf dec linken Rheinseite haben, dem ein solcher Vortheil nicht zu Gebote steht.

Ueberhaupt wird in Zukunft daS Eisenbahnwesen die Kriegsführung wesentlich modifiziren; die Truppen werden schneller als bisher in große» Massen versam­melt sein und diese Massen werden sich an dem Aus­gangspunkte der großen Eisenbahnlinien koncentriren.

Ein solcher Concentrationspunkt ist der Rhein, auf den alle Linien, von allen Himmelsrichtuirgeu, herzu­laufen.

Die weitere Entwickelung des europäischen Dramas dürfte daher wohl an seinen Ufern zur Lösung kommen.

Die Zeit möchte überhaupt wohl nicht sehr ferne sein, wo der Rhein, ww ehemals, der Mittelpunkt der europäischen Macht und des europäischen Lebens wer­den dürfte.

Preußens Macht scheint am Rheine festbegründet und es wird deshalb die erste Macht im zerstückelten Deutsch­land bleiben, so lange es den Rhein beherrscht.

Die Rheiiieisenbahn - Verbindungen sind aber nicht das geringste Mittel, wenn Preußen diese Macht be­haupten will.

Auch vom preußischen Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten ist die Nothwendig­keit oder wenigstens die Nützlichkeit einer Eisenbahn zur Ausfüllung der Lücke zwischen dem nordwestlichen und südwestlichen Bahusystem Deutschlands anerkannt.

Der örtliche Verkehr, der der Gegend angehörige, welcher mit der Bahn durchschnitten wird, ist für Nas­sau noch besonders ins Auge zu fassen. Und da wäre wohl zu begreifen, daß daS nassauische Staatsministerium eine das Herzogthum auf eine fast ebenso große Lange begleitende Eisenbahn, welche, wie die in Rede stehende, das Land fast mitten durchschneidet, in ernstliche An­regung brächte.

Außer den schon in Ihren frühern Artikeln anfge- zählten mannichfaltigen Gegenwänden, welche zur Rent- barmachung der Bahn ungemein viel beitragen, findet man zunächst auf der ganzen Länge das Bedürfniß der über Köln zu beziehenden Kolonialwaaren, deS Mast- und Schlachtviehs des Westerwaldes auf seinem Wege nach dem Rhein, der am Rheine fehlenden Eicheubaustämnie unserer Waldungen, wie der bedeutenden Bergbanprodukte an der oberen Sieg, so daß ein kurzer, durch's Siegthal in dessen Herz geführter Zweig der

Eine demokratische Hochschule.

Die schweizerischeNational-Zeitung" gibt ein Gut­achten über die zu errichtende eidgenössische Hochschule, wonach die an Zunft« und Jnnungswesen erinnernde Scheidung in Fakultäten beseitigt ist. Behufs Er- theilung von Gutachten oder zu sonstigen Zwecken ge­nügt die Feststellung wissenschaftlicher Abthei­lungen. Die naturgemäße Entfaltung des Organis­mus der Wissenschaft ist folgende:

Naturwissenschaft:

1) Mathematisch-astronomische Abtheilung; Mathe­matik, Mechanik, Astronomie, 3 Lehrstühle.

2) Physikalische Abtheilung: Physik, Chemie, Geo­logie Mineralogie 3 Lehrstühle.

3) Physiologische-medizinische Abtheilung: a) Bota- vik, b) Zoologie, c) Physiologie, Pathologie und The­rapie des Menschen (Medizin) 12 Lehrstühle.

Geisteswissenschaft:

4) Psychologisch-linguistische Abtheilung: Psycholo­gie, allgemeine und besondere (morgenländische, klassi­sche und neuere) Sprachwissenschaft 6 Lehrstühle.

5) Eigentlich vhylosophische Abtheilung: Philolo­gische Encyklopädie, Logik uuv Metaphysik, Geschichte der Philosophie 2 Lehrstühle.

6) Aesthetische Abtheilung: Wissenschaft deö Scho­nen, Kunstgeschichte 1 Lehrstuhl..

Geschichtswissenschaft:

7) Ethisch-politische Abtheilung: Moral-, Rechts-, und Staatswisscilschaft, Natioual-Orkonomie, Pädago­gik 9 Lehrstühle.

8) Historisch-ethnographische Abtheilung: Erd- und Völkergeschichte 4 Lehrstühle.

9) Religionsphilosophische Abtheilung: Philosophie der Religion 1 Lehrstuhl.

Die für die 9 zusammenhängeuden Hauptabthei- lungen der Wissenschaft ermittelten 41 Lehrer in deut­scher Sprache wurden dem Bedürfniß der Hochschule genügen, um so »»ehr, wenn durch den Hinzutritt von 19 Lehrern in französischer und italienischer Sprache die Zahl auf 60 gehoben wäre. Die erhabenste Auf­gabe sides Lehrers ist, den Schüler zum Selbstdenken und Selbstfiudiren zu führen. Deßwegen ist es nicht erforderlich, daß für jeden kleinsten Zweig ein beson­derer Lehrer angestellt werde.

Vollkommene Freiheit des Lernens und Leh­rens ist unerläßliche Bedingung einer demokratsichen Hochschule. Mit der Würde der Wissenschaft und der Freiheit verträgt sich keinerlei Zwang: Deßwegen muß der Unterricht uuentgeldlich ertheilt und von Kol- legienhonoraren, Promotionskosten und anderen Ge­bühren abgesehen werden, damit jeder, auch der Unbe­mittelte, dem Borne der Wissenschaft nahe» samt. Die Lehrer ihrerseits dürfe» Nicht an Lehrschriften gebun­den, noch in ihr besonderes Fach eingepfercht werden

Jeder Lehrer muß zwar die Wissenschaft, für welche ec angestellt ist, lehren, kann aber auch jede andere vor­tragen.

Da man nur erprobte und gediegene Männer der Wissenschaft anstelle» darf, so ist es billig, sich auf eine Klasse gl elchbesoldeter ordentlicher Lehrer zu be- schrallkeil. Außer ihnen würden dann in beliebiger Zahl unbesoldete Lehrer zuzulassen sein; so wäre die Ausfüllung aller etwa noch gewünschter Einzelfächec gesichert. Die besoldeten Lehrer müssen, wie es einem Freistaate geziemt, gleich Beamten, Geistliche» und Leh­rern überhaupt, auf Zeit angestellt werden.

Wenn es dem Wesen der Demokratie entsprieße, die Bevormundung und Vielregiererei auf das mög. lichst kleine Maß zu beschränken und daher alles Mün­dige der Freiheit und Selbstverwaltung zu überlassen, so ist sicherlich die Hochschule, die edelste Geistesblüthe in dem Erziehungssyftem eines. Volkes, der vollkom­menen Selbstregierung fähig und würdig. So­nach wurde ein Verwaltnugsrath, zu welchem Die. be|olocten Lehrer ein Dri tel, die zugelassenen Leh­rer ein Drittel und die Stuvirenden ein Drittel stell­ten, alle innern und äußeren Angelegenheiten besorgen, theils in seiner Gesammtheit, theils für die einzelnen Verwaltungszweige in Ausschüsse getheilt. Die Bri- ziehüng der Studlreiwen wird durch den höchst günsti gen Einfluß gerechtfertigt, welchen die ehrenhafte An- wendullg der fugen dlicheu Kräfte auf Geist und Cha«